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Der alte Mann und das Klima

Von Thilo Spahl

Es war ein Vergnügen, den Buhmann der internationalen Klimabürokratie sprechen zu hören. Am Mittwoch, den 15. September 2010 stellte Fred Singer auf Einladung des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP Bundestagsfraktion, Paul Friedhoff, in kleiner Runde seine Sicht der Dinge dar. Der 85 jährige gebürtige Wiener, der als Jugendlicher zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die USA emigrierte, entschuldigte sich vorab charmant für sein Kinderdeutsch und sprach in der Tat in klaren Worten. Er habe gute Nachrichten. Kopenhagen sei gescheitert. „Wir müssen den Chinesen und Indern dafür danken.“


Mit diesem Satz gewinnt der kleine freundliche alte Herr mit Cowboy-Schlips meine Sympathie, denn es steckt mehr darin als nur der Verweis auf die Tatsache, dass sich die aufstrebenden asiatischen Mächte nicht zu massiver CO2-Reduzierung verpflichten lassen. In Singers Worten höre ich auch Respekt für die Einstellung der Asiaten. Armut, sagt er, könne nur durch Wachstum überwunden werden. Und das hält er für ein hehres Ziel. Es mag ihm bewusst sein, dass ein Gutteil der hier zelebrierten Klimaretterei der Angst vor den dynamischen, fortschrittsorientierten China geschuldet ist. Das Kioto-Protokoll habe Billionen gekostet und nichts gebracht. Warum? Weil in Hinblick auf das Klima das Folgende gelte:
1. Das Klima ändert sich immer. (Die nächsten 200 Jahre wird es wohl wärmer werden, dann dürfte es wieder in Richtung Eiszeit gehen)
2. Der Mensch ist nicht verantwortlich für die Veränderung des Klimas
3. Menschen verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die CO2-Konzentration nimmt zu. Das hat vielleicht einen Einfluss, aber einen unbedeutenden.
4. Der Weltklimarat IPCC gibt dem CO2 die Schuld an der aktuellen Klimaerwärmung, hat aber keine Beweise dafür.
5. Das NIPCC (Nongovernmental International Panel on Climate Change) gibt dem CO2 nicht die Schuld.
6. Es gibt keinen Konsens. Die Skeptiker werden gewinnen.


In der Tat gibt sich Singer, der sich gerade auf der Rückreise von Indien nach Amerika befindet, zuversichtlich. In sechs Wochen meint er, könnte sich mit den Kongresswahlen in den USA das Blatt wenden. Und selbst in Deutschland, hofft er, werde man sich vielleicht zu einer Neueinschätzung der Situation durchringen. Der Klimaalarmismus habe in Deutschland vor 25 Jahren mit einem Papier der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der nachfolgend eingerichteten Enquete-Kommission des Bundestags „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ seinen Ausgang genommen. Vielleicht werde er ja auch hier sein Ende finden. Der Bundestag möge eine neue Enquete einsetzen, schlägt er vor, doch daran will keiner glauben.


Wie weiter? Schön wäre es, wenn es einen allwissenden Gott gäbe, der uns mal eben flüstern könnte, ob Singer mit seiner Einschätzung richtig liegt oder nicht. Es gibt ihn nicht, und ich höre kein Flüstern. Also muss ich mir eingestehen, dass ich es nicht entscheiden kann. Ich muss aber auch gar nicht notwendig wissen, ob CO2-Emissionen maßgeblich zur Klimaerwärmung beitragen, oder nicht, um Folgendes sagen zu können: Die deutsche, von Regierung und Opposition getragene Klimapolitik ist teure Symbolpolitik. Sie dient vor allem dazu, sich gegenseitig der moralischen Überlegenheit zu vergewissern.


Meine schnell notierten Thesen, für die es keine Rolle spielt, ob CO2 zur Klimaerwärmung führt oder nicht, und die ich gern zur Diskussion stelle, lauten:
- Forschen und entwickeln statt subventionieren! (Ineffiziente Solarzellen kosten jährliche Milliarden und haben praktisch keinen Einfluss auf das Klima. Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Energiegewinnung wird dagegen vernachlässigt.)
- Klimaforschung statt Klimafolgenforschung (vorausgesetzt, wir finden Klimaforscher, die sich nicht als Weltenretter berufen fühlen). Und dann schauen wir in zehn oder 20 Jahren nochmal, wie der Stand der Wissenschaft ist.
- Billige und reichlich verfügbare Energie ist gute Energie! Für globalen Fortschritt müssen wir die Energienutzung weiter massiv erhöhen, anstatt sie zu senken! (trotz selbstverständlich wünschenswerter Effizienzsteigerung) Dabei hat die Kernenergie höchste Priorität, weil das mit Abstand höchste Potenzial. Umweltschutz soll beachtet werden, vermeintlicher Klimaschutz nicht!
- Anpassen statt abwehren! Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir mit Klimaveränderungen umgehen können, als dass wir sie verhindern können.

Thilo Spahl ist Ressortleiter Wissenschaft von NovoArgumente.

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Zahlreiche weitere Artikel zum Thema finden sich im Novo-Dossier „Klimawandel"

17.09.2010 | Permanenter Link |

Kategorie(n): Wissenschaft und Technik | Klimawandel

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Was soll man dazu sagen? So forschrittsfreundlich NOVO sonst auch immer ist, in der Klimadebatte zeigt sich regelmäßig eine derart wissenschaftsfeindliche Haltung, dass es einem die Zehnägel hochrollt. Die selbe evidenzbasierte Argumentationsweise, die ich bei Artikeln zur Atomkraft oder grüner Gentechnik gerne sehe, wird hier fallen gelassen. Ihre Wahrnehmung der Klimaforscher als Leute, die sich zur Weltenrettung berufen fühlt, spricht Bände. Denn diese Wissenschaftler unterscheidet nichts, bis auf ihr Fachgebiet, die an grüner Gentechnik oder Kernenergie forschen.

Denken Sie mal darüber nach: geht es um die Klimadebatte, werden alle empirischen Erkenntnisse für die Skeptikerideologie in den Wind geschlagen, wogegen es bei anderen Themen, die NOVO behandelt um eine wissenschaftlich begründete Debatte geht. Es wird hier mit zweierlei Maß gemessen.

Zu Ihren abschließenden Thesen erlaube ich mir noch folgende zwei Bemerkungen.

Erstens, ist Uran ein endlicher Rohstoff und stellt uns vor dasselbe Problem wie andere fossile Energieträger. Ich sehe nicht, weshalb die Entwicklung und Erforschung regenerativer Engergiequellen einen Nachteil für den Energiemarkt und den technologischen Fortschritt bedeuten muss.

Zweitens, wie kommen Sie eigentlich darauf, dass man mit den Folgen eines Klimawandels besser klarkommen könnte, als dass wir sie verhindern könnten? Soll das heißen, dass das Kind nun eh schon in den Brunnen gefallen ist und jegliche Abwehrpolitik nur Symbolpolitik sein muss? Dass wir also etwa mit veränderten Küstenlinien oder Ernteausfällen durch Dürren leben müsse`n?

Welche Szenarien kann man sich in der Klimapolitik und der zukünftigen klimatischen Veränderung vorstellen?

1.) Wenn die Skeptiker sich durchsetzen, und das Klima sich aber gar nicht ändert, dann ist die Folge, dass wir viel Geld gespart haben und so weiter machen können, wie bisher.

2.) Wenn diejenigen sich durchsetzen, die eine Klimaveränderung sehen, und das Klima ändert sich nicht, dann haben wir einen riesigen Haufen Geld ausgegeben, aber wir haben einige nachhaltige Energiequellen erschlossen, die helfen könnten, das Fortbestehen unserer Zivilisation zu sichern.

3.) Wenn diejenigen sich durchsetzen, die eine Klimaveränderung sehen, und damit Recht behalten - das Klima ändert sich also wirklich – dann haben wir die Chance, die Klimakatastrophe abzuwehren, und zwar durch technologischen Fortschritt. Das kostet aber einen großen Haufen Geld.

4.) Wenn die Skeptiker sich durchsetzen, und wir nur abwarten, und das Klima ändert sich aber doch, dann sind wir unvorbereitet auf all die Effekte, die eine Erhöhung der atmosphärischen Temperatur zur Folge hat.

Szenario 1 ist sicher wünschenswert, wird aber mit dem Risiko von Szenario 4 erkauft. 2 und 3 scheinen mir in jedem Fall die bessere Option zu sein.

martin
17.09.2010  16:01

@martin:

Auch ich sehe eine gewisse Nützlichkeit der Erforschung erneuerbarer Energien. Die Subventionen aber mit der Weltrettung zu begründen ist eine unsachliche Haltung, die in einem wissenschaftlichen Diskurs nichts verloren hat. (Genausowenig wie die Rechtfertigung der grünen Gentechnik mit der Vision einer Impfbanane, nur so nebenbei bemerkt)

Dass die Folgen einfacher zu bewältigen sind als der Klimawandel selbst ist evident. Denn selbst die radikalsten CO2-Sparkonzepte versprechen keine Reduktion oder Stagnation der Temperaturen, sondern nur eine unwesentliche Verlangsamung des Anstiegs. Die Frage der Folgenbewältigung stellt sich daher jedenfalls. Die wenigen Jahre Aufschub, die man sich zu erkaufen erhofft, könnte man dadurch kompensieren, indem das Geld lieber in Präventivmaßnahmen gesteckt wird.

Warum von jenen, die den anthropogenen Klimawandel als unumstößliche Tatsache sehen, niemand bereit ist, diese Milchmädchenrechnung nachzuvollziehen, kann ich mir nur auf zwei Arten erklären: Überhebliche Ignoranz oder religiöser Eifer.

Gernot
17.09.2010  17:30

Seit der “Falsification” der beiden deutschen Physiker Gerlich und Tscheuschner http://www.schmanck.de/0707.1161v4.pdf gibt es weltweit keinen einzigen Beweis für eine globale Erderwärmung durch anthropogenes CO2 oder auch nur eine Widerlegung der “Falsification”. Etwas anderes wagte selbst die naturwissenschaftlich diplomierte und promovierte Kanzlerin nicht zu bestätigen, als sie von BamS-Redakteuren dazu befragt wurde Die Frage lautete unmißverständlich: “Sind Sie sich als Naturwissenschaftlerin völlig sicher,
dass CO2 der Hauptgrund für die Erderwärmung ist?” Auf das bestätigende “Ja” warten die Drei von der BamS heute noch. http://www.schmanck.de/Statementco2.htm

Burghard Schmanck
17.09.2010  17:30

Lieber Martin,

sie irren.

Die Szenarien sehen anders aus:

1. Die Skeptiker setzen sich durch, das Klima ändert sich nicht. Dann wurde eine Menge Geld gespart, ein wesentlich höheres Wachstum erzielt, damit Armut abgebaut und Millionen Menschen das Leben gerettet.

2. Die Untergangspropheten setzen sich durch, das Klima ändert sich nicht. Dann wurde eine Menge Geld verschwendet, das an anderer Stelle fehlt, vornehmlich bei den Schwächsten.

3. Die Untergangspropheten setzen sich durch und es ändert sich das Klima. Dann gibt es immer noch keine Chance, die Klimaänderung abzuwenden und es wurde sehr viel Geld verschwendet, das zum retten von Menschenleben fehlt.

4. Die Skeptiker setzen sich durch und es ändert sich das Klima. Dann werden immer noch unzählige Menschenleben gerettet, weil das zur Verfügung stehende Geld für die beste Option und nicht für irgendeine, möglicherweise sogar die schlechteste ausgegeben wurde.

Kalwies
17.09.2010  21:39

Als ich geschrieben habe “Forschen statt subventionieren”, meinte ich, es ist besser Geld in die Forschung (auch im Bereich regenerativer Energiequellen) zu stecken als in die Subventionierung der Anwendung. Ich glaube schon, dass wir in Zukunft Solarenergie sinnvoll nutzen können. Der Zeitpunkt käme aber schneller, wenn wir den jährlich 2stelligen Milliardenbetrag in die Forschung stecken würden, satt in die Bezahlung von Dachdeckern und die Rendite von Dachbesitzern.
Noch besser, wie gesagt, wäre es, mehr Geld in die Entwicklung neuer Atomreaktortypen (Laufwellenreaktor, Thoriumreaktor, u.ä.) zu stecken. Denn die bieten bei weitem die besten Chancen für praktisch unbegrenzte billige und saubere Energie.

Dass ich mir eine Klimaforschung wünsche, die weniger politisiert ist, halte ich schon für berechtigt, ohne mich deshalb als wissenschaftsfeindlich zu sehen. Viele der aktuell hochrangigen Klimaforscher haben sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt und sind heute in einer Situation, in der es für sie sehr schwer ist, kritische Sichtweisen zu akzeptieren und ernsthaft weiterzuverfolgen, wie es für Wissenschaft aber unabdingbar ist.

Thilo Spahl
19.09.2010  20:38

@Gernot
Ich denke, sie haben in diesem Punkt Recht – die Frage nach Bewältigungsstrategien stellt sich in jedem Fall. Ich glaube auch nicht, dass die Klimaveränderung noch aufzuhalten sein wird. Letztlich fehlt mir auch die Fachkompetenz, das zu bewerten.

@Burghard
Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, was sie mir mit Bild am Sonntag und Frau Merkel sagen wollen. Frau Merkel hat meines Wissens keine Qualifikation in der Klimaforschung, und Bams ist auch kein Fachjournal für entsprechende Publikationen.

martin
20.09.2010  01:33

@Martin
Bei dem Begriff Klimaforschung ist der Wortbestandteil forschung wissenschaftlich problematisch, wenn sich die Forschung in die Zukunft richtet. Klima-Prophezeiung ist ganz sicher keine wissenschaftliche Disziplin. Man schaue sich nur die Formulierungskunst von Latif, Rahmstorf usw. genauer an. Lauter Konjunktive, könnte, könnte könnte und wenn - dann.
Die Aussage aber, anthropogenes CO2 bewirke eine Erderwärmung katastrophalen Ausmaßes, ist eine rein physikalische. Als solche ist sie entweder physikalisch-experimentell beweisbar, berwiesen oder eben nicht. Um diesen Sachverhalt zu eruieren, reicht Frau Merkels Ausbildung ganz sicher aus. Und daß es diesen Beweis nicht gibt, weiß sie ganz genau; sonst hätte sie diesen ganz gewiß angeführt.

Burghard Schmanck
20.09.2010  17:42

@Burghard
Ich weiß nicht, aber ich habe das Gefühl, dass wir mit dem Begriff „Wissenschaft“ unterschiedliche Dinge meinen. Mir erschließt sich aus Ihren Worten nicht, weshalb Modellrechnungen und Klimamodelle nicht auch Wissenschaft sein sollten. Die Verwendung des Konjunktiv erscheint mir des weiteren bei Vorhersagen selbstverständlich.

Wenn Sie aber die Diskussion schon auf diesem Niveau führen wollen: Sind sie ernsthaft der Meinung, dass die eine korrupte Klimatologengesellschaft existiert, die über Jahrzehnte hinweg hunderte Artikel in Peer-Review-Journals publiziert haben, wohl weil Peer Review so ein Picknick ist? Wieso gibt es in dem korruoten Laden keien Aussteiger, die mit der Wahrheit rausrücken und ihre Beiteiligung an der Konstruktion der Klimalüge auf den Tisch packen? Das ist doch eine lächerliche Verschwörungtheorie.


Wie kommt es, dass die Klimaskeptiker praktisch keine verwertbare Literatur zum Thema produziert haben? Wieso haben die es nötig, sich auf geklaute E-Mails zu stürzen, anstatt ihre Behauptungen mit Daten zu untermauern, die nicht aus einem Paralleluniversum stammen?


Ich bin kein Klimatologe, ich weiß aber, wie man wissenschaftliche Literatur zu lesen hat. Ich halte es für höchst unwahrscheinlich, dass hunderte Arbeitsgruppen rund um die Welt konsitente Daten und Modelle gefälscht haben sollen, und damit auch noch durch das Peer Review gekommen sein sollen. Wenn ich diesen Prozess der Erkenntnisfindung anzweifle, habe ich keine wissenschaftlichen Argumente mehr, auch nicht für Kernkraft, grüne Gentechnik, und andere Themen, die bei NOVO debattiert werden. DAS war die Kritik an dem Aritkel von Thilo Spahl.


Haben Sie das Paper, das Sie oben verlinkt haben, eigentlich gelesen?

martin
21.09.2010  17:07

@Martin
Ja, das ist ein guter Punkt. Ich bin überhaupt kein Freund von Verschwörungstheorien. Dennoch irritiert mich der aggressiv verteidigte “Konsens” in der Klimaforschung. Ich glaube, dass selbstverständlich fast alle Klimaforscher ordentliche Arbeit abliefern. Sie arbeiten aber in der Regel (wie in anderen Wissenschaftsbereichen auch) nur an einem kleinen Ausschnitt vom großen Bild. Wenn es aber daran geht, dieses zu präsentieren, sind nur noch sehr wenige Wissenschaftler beteiligt, die für die Interpretation des Klimawandels als Klimakatastrophe verantwortlich zeichnen.

Und auch auf der Arbeitsebene hat man natürlich durch die offiziellen staatlichen Vorgaben einen gewissen Lenkungseffekt. Man kriegt halt sehr viel leichter Projektmittel, wenn es um die Erforschung der Folgen des Klimawandels geht. Dass die Ergebnisse der Studien dann MÖGLICHE Effekte sind, stört keinen. Das haben wir in der medizinischen / epidemiologischen Forschung auch. Da werden unzählige Studien von möglichen Risiken von jedwedem gesundheitsförderlichen oder -abträglichen Verhalten produziert, die letztlich alle ziemlich irrelevant sind.

Also: Keine Verschwörung. Aber doch deutliche Mainstreaming-Effekte.

Was den Klimaskeptikern in der Tat fehlt und die Situation ändern würde, wären Mitstreiter, die nicht emeritiert sind, sondern aktiv im Rang eines Institutsdirektors in einem relevanten Fachgebiet. Einer oder zwei würden schon einen Unterschied machen. Aber ich sehe auch keinen.

Meine Kritik gilt in erster Linie der Klimapolitik, nicht der Forschung. (s.o.)

Thilo Spahl
21.09.2010  20:30

@Martin

Sie sagen es doch selbst, daß der Konjunktiv bei Klima-Vorhersagen angemessen ist, aber doch wohl nicht, weil er zu neuem Wissen führt. Vorhersagen im Konjunktiv sind reine Vermutungen mit dem Vorbehalt, daß es auch 100% anders kommen kann.

Burghard Schmanck
21.09.2010  21:21

Lieber Martin
Sie haben vollkommen Recht. Es gibt keine Verschwörer, die sich zu finsterem
Handeln verschworen haben., Aber es gibt eine Gruppe von Gläubigen, die ihre Sicht der Dinge weltweit durchsetzen will. Da Glaube bekanntlich blind macht strotzt die unterstützende Wissenschaft mit Peer-review(!) von hanebüchenen Fehlern,Ich erinnere an die 2035 verschwundenen Gletscher,usw. Natürlich haben die Klimagläubigen versucht, in ihren Augen “ketzerische Veröffentlichungen”  möglichst zu verhindern. Da sind die e-mails eindeutig. Und nun beklagen Sie das Fehlen entsprechender Literatur und Daten aus einem Paralelluniversum. Dabei übersehen Sie, daß die Klimarealisten mit den gleichen Daten arbeiten wie die Klimagläubigen. Allerdings geben ihre Ergebnisse keinen
Anlass für Panikmache.Diese Panikmache hat eine Menge geschäftstüchtiger Gauner angelockt, die jetzt mit der aktuellen Klimamasche das Geld ihrer Mitmenschen in die eigene Tasche umleiten wollen.Möglichst noch mit staatlicher Hilfe. Die handelbaren Emissionsrechte sind ein gefundenes Fressen für Spekulanten. CO2 vermeiden sie mit Sicherheit nicht.Aber die Unterstützung der Gauner korrumpiert einen Teil der Gläubigen und schon hat man von aussen den Eindruck einer Verschwörung

Michael Weber
22.09.2010  02:24

@ Thilo Spahl
Ich glaube, mit Ihrer Auffassung gehe ich weitestgehend konform. Die angesprochenen Mainstreaming-Effekte sind sicher ein Problem, sollten aber auch nicht überbewertet werden. Und gerade in der Politik zählen ja nicht immer die „harten Daten“, sondern eben leider das Bauchgefühl und das Schielen auf plakative Themen zum Wählerfang (Siehe Verbot von MON810).

Sie sprechen auch einen wichtigen Punkt an: Die Galionsfiguren der Klimadebatte haben oft überhaupt keine Kompetenz in dem Thema, und die vielen Wissenschaftler, die es besser wissen und mit dem Thema arbeiten, sind meist sehr leise.


@Michael Weber
Ich sehe nur nirgendwo die Ergebnisse der Klimaskeptiker, das ist ja das Problem. Und dass die „Klimasgläubigen“ nun alle einer gemeinsamen Pseudoreligion angehören sollten, halte ich als Erklärung für zu billig. Die Konkurrenz und das Potential, die Konkurrenten in dei Pfanne zu hauen und der Welt revolutionäre Ergebnisse präsentieren zu können, halte ich für sehr viel wichtiger, das habe ich sogar schon miterlebt. Sehr großer Motivator! Jeder Wissenschaftler will mit seinen Ergebnissen auch berühmt werden. Nur haben sich auch revolutionäre Erkenntnisse auf Daten zu stützen, und wenn die Daten das nicht hergeben ...


@an alle
DIe Mails waren teilweise sicher nicht freundlich, aber bei den meist völlig unsachlichen Anfeindungen der Klimaskeptiker (eine Eigenschaft, die sie in meinen Augen nicht gerade galubwürdiger macht), kann ich diese menschlichen Reaktionen, die ja privat waren, sehr gut verstehen. Wissneschafttler sind eben auch nur Menschen.


P.S.: ich habe meinen Namen mal vervollständigt, ich will mich hinter keinen Pseudonym verstecken ...

Martin Ballaschk (martin)
22.09.2010  12:05

@Burghard Schmanck

Dass Modelle und Vorhersagen die Zukunft nicht zu 100% modellieren können, ist eine Binsenweisheit. Gehen Sie denn noch vor die Tür, schließlich könnte sich jeden Moment die Erde auftun und Sie verschlucken! ;)


Nein, im Ernst: im Alltag und auch in der Wissenschaft kommt man nicht darum herum, induktive Schlüsse zu ziehen. Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht, nirgendwo, vielleicht am ehesten noch in den Formalwissenschaften wie Mathematik und Logik.

Martin Ballaschk (martin)
22.09.2010  12:08

Lieber Martin Ballaschk
Bevor wir von Wissenschaft reden,sollten wir uns doch erst mal über den Einfluss von
Glauben über menschliches Handeln einigen.Dass er menschliches Handeln massiv beeinflusst, werden Sie wohl nicht bestreiten wollen. Und da ist nicht zu übersehen,daß das IPCC seine Existenz der Arbeit von “CO2-Gläubigen” verdankt, die sich nur mit dem
anthropogenen Anteil am natürlichen Klimawandel befassen. Diese Fokusierung ist reine Glaubenssache und keine Wissenschaft. Die Wissenschaft konnte aber bis heute keine sicheren Belege für den Glauben aufzeigen, daher werden diejenigen immer mehr, die die
Theorie der AGW als nicht richtig ansehen. Da ein gegenüber heute zehnfacher Wert des CO2 dem Leben auf der Erde nicht schädlich war, ist die Theorie bereits ausreichend falsifiziert. Der Glauben bleibt dennoch bestehen., weil er Dinge , die ihm widersprechen, nicht sehen kann. Glaube macht blind,
Michael Weber

Michael Weber
25.09.2010  14:37

Lieber Herr Weber,


haben Sie mal daran gedacht, dass diese Fokussierung eventuell damit zusammenhängen könnte, dass die meisten Belege darauf hinweisen, dass anthropogenes CO<sub>2</sub> einfach wirklich die Ursache für den Klimawandel ist? Lassen Sie diese Möglichkeit zu oder kennen Sie bereits „die Wahrheit“? Immerhin werden jährlich mehrere Tausend Artikel zum Thema veröffentlicht, haben Sie einen Überblick über die Literatur?


Wie gesagt, ich bin kein Klimatologe, habe aber zumindest Vertrauen in den wissenschaftlichen Publikationprozess (der sicherlich nicht ohne Fehler ist), denn in der Regel funktioniert das sehr gut. Ich halte einen kollektiven „Glauben“ der Klimawissenschaftler nicht mit meinen Erfahrungen im Wissenschaftsbetrieb vereinbar. Wie oben schon angemerkt, sind die allermeisten „Klimaskeptiker“ nicht Teil der wissenschaftlichen Community, sondern oftmals fachfremde Besserwisser, denen fundamentale Kenntnisse fehlen (siehe das oben verlinkte Gerlich-Teutschner-Paper).


Und eine CO<sub>2</sub>-Konzentration wie vor mehreren Millionen Jahren  wirklich so harmlos sein soll,wage ich zu bezweifeln.  Soweit mir bekannt ist, waren in den letzten 520 Millionen Jahren eine hohe CO<sub>2</sub>-Konzentration mit Massensterben verbunden. Selbst im Ordovizium gab es während der Eiszeit einen Abfall der CO<sub>2</sub>-Konzentration. Oder haben Sie dazu aktuellere Quellen als ich?


Viele Grüße
Martin Ballaschk

Martin Ballaschk
27.09.2010  20:49

Lieber Herr Ballaschk
Ist der Ausdruck ” fachfremde Besserwisser” nicht ein Ausdruck dafür, daß Sie sich nicht mit den Inhalten auseinandersetzen wollen? Unvoreingenommenheit klingt anders. Nur
als Beispiel: Die beste Rekonstruktion der letzten Reise des Apostels Paulus wurde von
einem Bäckermeister(!) verfasst. Er hat dafür einen Dr.theol. bekommen als “fachfremder
Besserwisser.” Glauben ist stets und überall erst einmal die Sache von Einzelnen, egal ob in der Kirche oder in der Wissenschaft. Er ist nicht erlernbar, aber durchaus zu verlieren. Daher können die Anhänger der AGW-Lehre nur eine Teilgemeinschaft der wissenschaftlichen Community darstellen, die sich mit Klima befasst. Diese Leute befassen sich mit den 2-3% des gesamten Kohlenstoffkreislaufes, die sie als anthropogen definieren. Die übrigen 97 % sind ihnen unwichtig. Auch das Klima ist nur im Zusammenhang mit CO2 interessant, alles wird auf CO2 zurückgeführt, Das nenne ich Fokusierung. Es gibt nämlich noch einige andere wichtige Klimafaktoren! Ihre nebulöse Behauptung in den letzten 520 Mio Jahren sei eine hohe CO2-Konzentration(?) mit
Massensterben( Dinos? Frösche?Insekten?Säuger?) “verbunden”, kann man getrost
als unwissenschaftliches Horrormärchen einordnen.Wenn Sie das glauben,bitte sehr.Mich würden die Belege interessieren, wenn Sie welche hätten. Zu Ihrem Ordivizium: CO2 löst sich in kaltem Wasser und siehe da in der Luft wurde es weniger. Im übrigen pflegt es 600-800 Jahre NACH einer Warmzeit in der Luft wieder anzusteigen, So steht es in der
Klimabibel des IPCC. Der derzeitige Anstieg kann daher auch die natürliche Folge der mittelalterlichen Warmzeit sein. Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge,
Wer weiss,will nicht glauben. Wer glaubt,will nicht wissen! Scio,ut nescio.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Weber

Michael Weber
28.09.2010  02:40

Hallo Herr Weber,


ich glaube, Sie argumentieren mit Strohmännern.


Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie einen einzigen Klimatologen finden werden, der leugnet, dass auch andere Treibhausgase wie Methan und Stickoxide eine Bedeutung haben. Und niemand wird ernsthaft abstreiten, dass auch andere Prozesse als nur die Kohlenstoffdioxid-Freisetzung durch den Menschen für die Entwicklung des Klimas wichtig sind.


Außerdem: Ich spreche „fachfremden Besserwissern“ nicht die Fähigkeit ab, diese Thematik auch kompetent zu diskutieren. Und bevor ich mir noch unterstellen lassen muss, dass ich kein Interesse hätte, mich mit den Inhalten auseinanderzusetzen - und ich demnach auch nur ein inkompetenter Besserwisser wäre, will ich Sie mal auf den Boden meines Kommentars zurückholen. Ich habe kritisiert, dass in der klimaskeptischen Diskussion eine Außenseitermeinung repräsentiert, die in der Wissenschaft in dieser Ausprägung überhaupt keine Rolle spielt. Warum werden die Argumente der Skeptiker nicht publiziert? Wenn ich als klimatologischer Laie mir ein Bild von der Situation machen will, dann werde ich doch wohl auf wissenschaftliche Literatur zurückgreifen, oder zumindest auf Literatur, die auf wissenschaftlicher Primärliteratur basiert?


Also exakt das, was sie den „Klimagläubigen“ vorwerfen, gilt in meinen Augen für die „Klimaskeptiker“: Sie glauben halt daran, dass sie recht haben und ignorieren geflissentlich alles, was dem Glauben widerspricht. In meinen Augen haben aber formal und inhaltlich die „Klimagläubigen“ die besseren Argumente.


Zum Inhaltlichen: Zum Thema Ordovizium, CO2-Konzentrationen, Klimaerwärmung und globalen Massensterben hab ich unsauber argumentiert und einfach nur eine Pressemitteilung verlinkt, ich bitte um Entschuldigung dafür. Haben Sie denn umgekehrt einen Beleg für Ihre zuerst angebrachte Behauptung, eine Konzentration von 3000ppm wäre „nicht schädlich“? Und was meinen Sie damit?


Zum Ammenmärchen selbst: Dass Klimaerwärmung mit globalen Massensterben verbunden sein kann, wurde in der Arbeit von Mayhew und Jenkins gezeigt (Link zur Originalarbeit): <blokquote>We found that global biodiversity (the richness of families and genera) is related to temperature and has been relatively low during warm ‘greenhouse’ phases, while during the same phases extinction and origination rates of taxonomic lineages have been relatively high</blockquote>


Massensterben folgten oft Perioden hoher vulkanischer Aktivität, wodurch viel CO2 freigesetzt wurde. Heutzutage macht das anthropogene CO2 ein vielfaches des vulkanisch freigesetzten CO2 aus. Das letzte Mal war die Kohlendioxid-Konzentration vor 15-20 Millionen Jahren so hoch wie heute. (ein entsprechenden Artikel finden sie hier bei der UCLA, der entsprechende ist bei Science hinter einer Paywall versteckt).


Viele Grüße

Martin Ballaschk
28.09.2010  13:14

Nahtrag: Das hier ist die Originalarbeit von Tripati et al, publiziert in Science Express.

Martin Ballaschk
28.09.2010  13:25

panta rhei (griechisch πάντα ῥεῖ, „Alles fließt“). Die verbindung zu Heraklit stellt Platon her mit seinem Satz:
Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει („Pánta chorei kaì oudèn ménei“, „Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“).

Und so hat sich und wird sich auch das Klima ständig verändern - mit und ohne unser aller Kommentare und trotz aller Prognosen und populistischer Versuche, Klimawenden herbeireden oder herbeiführen zu wollen.

Irgendwann schlägt die Natur zurück und beendet die jetzige Evolution, um einen neuen Anfang zu starten.
Ohne Bill Gates und ohne Einstein und ohne ....  und ohne Internet.
Man warte nur ab, wehre aber Auswüchse jedweder Art. Auch geistigen Auswüchsen!!
Schönen guten Abend aus dem Herzen Deutschlands
Friedrich Berkner

Friedrich Berkner
01.10.2010  23:20

Im IPCC Bericht von 2001, the scientific basis ist angegeben, das weltweit(!) der anthropgene Anteil bei 2,9% liegt, dieses liegt damit in der Messungenauigkeit.
In einer Zusammenstellung des WWF wird der Co2-Anteil Deutschlands am antropogenen Gesamtanteil mit 3,2% angeben (dpa 10.06.2007, 20:30)

(Da ich nicht weis, wie man hier die hyperlinks reinbringt..)
http://tinyurl.com/339nq9o
Gefährlich und Geldvernichtend ist CCS, in dreielei Hinsicht. Wie vorstehend angemerkt und Wirkungsgrad verschlechternd.

Die Eisbedeckung der Pole sind im normalen Rahmen - Sommer-Winter.
Die alarmistischen Meldungen zum Sommerende z.B. des Prof. Kaleschke, Uni HH, (oder Uni Bremen u.s.w.) sind einfach nur lächerlich, da er selbst die AMSR Daten der Sattelliten auswertet. Da ist nicht alarmierendes zu finden.
http://www.iup.uni-bremen.de:8084/amsr/ice_ext_s.png

Es gibt noch viel mehr Abweichungen in der realen Welt. Sei dem kurzen Platz i.M. geschenkt.

Vorsicht vor Fachwissen, das ist der Feind von AGW und grünen Visonen.

Gute Nacht

andreas demmig
06.10.2010  21:22

Was denn nun? Hier zeigt sich wieder schön, wie inhomogen die „Skeptikergemeinde“ ist: Die einen streiten den Treibhauseffekt ab, die nächsten, dass CO2 in dem Zusammenhang irgendeien Relevanz hat, oder dass das CO2 nicht von uns kommt oder dass dass das Klima sich ändert, ja, aber es würde sich ja sowieso immer ändern, usw.


Das passt doch alles vor und hinten nicht zusammen, jeder spinnt sich seine eigene Privattheorie zusammen, wer soll denn da noch durchsehen?

Martin Ballaschk
06.10.2010  21:48

Lieber Herr Ballaschk
Die von Ihnen verlinkte Arbeit ist purer Schrott.Frei von handfesten Daten wird alles auf eine CO2-Korrelation abgestellt Diese Korrelation lässt sich auch für Storchenpopulationen und Geburten herstellen, ein kausaler Zusammenhang nicht.Wo
Geld fliesst, wird es abgegriffen. Deswegen existiert eine Menge ähnlicher Literatur auch unbeachtet im Forstwesen. Wird aber bei der wissenschaftlichen CO2-Literatur mitgezählt.
Für das Verstehen des Klimas fehlt uns das Wissen. Über das Detail CO2 können daher
unbedenklich unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die “inhomogenen” Skeptiker
zeigen doch deutlich, daß die CO2-These aus unterschiedlichsten Blickwinkeln als falsch eingeschätzt werden kann. Die Skeptiker sind eben nicht eine Glaubensgemeinde, die nach Katechismus arbeitet.. Vergleichen Sie das mal mit der IPCC-Bibel und der
Modellgläubigkeit ihrer Anhänger,
Michael Weber

Michael Weber
08.10.2010  03:13

@Martin Ballaschk

Es geht nicht um eine “einzige Wahrheit”, die keinen Widerspruch duldet. Diese Ansicht vertreten nur die Gläubigen der Klimakatastrophe.

Vielmehr stimmt die herrschende These selbst bei der Richtigkeit ihrer Prämissen nicht. Denn gesetzt den Fall, dass es einen anthropogenen Anteil an der Erwärmung gibt, ist es dennoch unmöglich, diese durch Reduktionsprogramme um ein paar Prozent abzuwenden, sondern maximal um ein paar Jährchen zu verschieben.

Gernot
08.10.2010  09:50

Meine lieben Herren, in ihren Kommentaren wimmelt es von Unterstellungen.


Es wäre schön, wenn das Gift und die Galle dort bleiben könnten, wo sie hingehören und nicht ständig mit polemischen Vokabeln um sich geworfen wird. Damit demonstriert man nur, dass man an einer ernsthaften Aueinandersetzng nicht interessiert ist und nur Recht haben will.


Ich habe weiter oben meine Ansichten zum Wissenschaftsbetrieb geschildert, daher glaube ich nicht an eine „religöse, verblendete Gemeinde“, die kurioserweise praktisch alle Klimatologen umfasst und gestehe der Publikationspraxis eine gewisse Verlässlichkeit zu.


Ich muss mich daher nicht mit jedem an den Haaren herbeigezogenen Agument herumschlagen (Korrelation bedingt nicht Kausalität, aber wie ist es denn im umgekehrten Fall?). Und dass die Argumente der Skeptiker untereinander noch inkompatibel und widersprüchlich sind, wird noch als Rechtfertigung der Kritik benutzt.

Martin Ballaschk
08.10.2010  12:59

@Martin Ballaschk

Wenn-Dann-Überlegungen können zueinander nicht inkompatibel sein.
Ich habe darüber geschrieben, welche sachlich gerechtfertigten Reaktionen und Forderungen daraus abgeleitet werden können, gesetzt den Fall, die Berechnungen stimmen. Ich habe wichtigeres zu tun, als mich mit den Berechnungen zu beschäftigen (z.B. meine Familie ernähren), spreche mit meiner Argumentation aber niemandem die Legitimation ab, anthropogene Ursachen oder das Konzept des Klimawandels völlig zu verwerfen.

Meine Auseinandersetzung mit der Thematik ist eine rein logische.

1.) Gibt es einen Klimawandel?
Nein: Optimistisch in die Zukunft schauen.
Ja: Weiter zu Frage 2

2.) Hat der Klimawandel vorwiegend negative Auswirkungen auf die Menschheit?
Nein: Optimistisch in die Zukunft schauen
Ja: Weiter zu Frage 3

3.) Gibt es einen Einfluss von anthropogenen Treibhausgasen auf den Klimawandel?
Nein: Weitere Nutzung fossiler Energieträger, Investition in Präventionsmaßnahmen gegen drohende Folgen.
Ja: Weiter zu Frage 4

4.) Kann eine Reduktion der Treibhausgasemissionen den Klimawandel innerhalb der Dauer eines Menschenlebens wesentlich beeinflussen?
Nein: Weitere Nutzung fossiler Energieträger, Investition in Präventionsmaßnahmen gegen drohende Folgen.
Ja: Weiter zu Frage 5

5.) Ist die Durchsetzung einer wesentlichen Reduktion der Treibhausgasemissionen ohne totalitäre Mittel und massive soziale Einschnitte möglich?
Nein: Weitere Nutzung fossiler Energieträger, Investition in Präventionsmaßnahmen gegen drohende Folgen.
Ja: Weiter zu Frage 6

6.) Ist ein wesentlicher Anteil der Reduktion durch Nutzung erneuerbarer Energie zu erreichen?
Nein: Weitere Nutzung fossiler Energieträger, Investition in anderweitige Reduktionsmaßnahmen wie CO2-Abscheidung, Reduktion der Methanemissionen,  Investition in Präventionsmaßnahmen gegen (eventuell dennoch) drohende Folgen.
Ja: Weiter zu Frage 7

7.) Sind die bestehenden Nutzungsmethoden für erneuerbare Energie effizient und Emissionsreduzierend?
Nein: Investition in die Erforschung effizienter Technologien, Investition in Präventionsmaßnahmen gegen drohende Folgen.
Ja: Investition in den Einsatz der effizienten Technologien, Investition in Präventionsmaßnahmen gegen (eventuell dennoch) drohende Folgen.


Damit sieht man schon den logischen Fehler der herrschenden These. Obwohl zumindest Frage 7 mit Nein beantwortet werden muss, wird statt in die Forschung in die Anwendung investiert, von Prävention ist nicht einmal die Rede.

Meiner Ansicht nach sind auch die Fragen 6, 5 und 4 mit “Nein” zu beantworten, wobei Frage 5 für mich die wesentlichste ist. Bei Frage 2 tendiere ich ebenfalls zu einem “Nein”. Für ein Urteil über die Fragen 1 und 3 halte ich mich für fachlich nicht ausreichend qualifiziert. Andere, die sich teils intensiv mit der Materie befasst haben, gehen auch bei diesen Fragen von einem “Nein” als Antwort aus.

Wo stehen Sie? Bei sieben mal “Ja”? Auch bei Frage 5? Wie wollen Sie in demokratischen Rechsstaaten die massiven Einsparungsforderungen durchsetzen?

@NOVO-Redaktion: Wenn Ihr den (gedachten) logischen Baum für das Heft übernehmen wollt, könnt ihr das gerne tun. Bitte um kurze Nachricht.

Gernot
09.10.2010  00:19

@ Gernot:
Würden Sie sich wegen Ihres Baumes bitte mal bei mir melden.
Dank & Gruß, Thomas.Deichmann @ novo-argumente.com

Thomas Deichmann (NovoArgumente)
04.11.2010  10:33

Dieser “Logik” Baum ist alles andere als logisch. Es ist leicht einen ähnlichen Baum mit entsprechend anders gefärbten Fragen zu formulieren der genauso “logisch” aufgebaut ist aber zu einem völlig anderen Ergebnis führt. Die Betrachtung der Szenarien in #1 sind da sehr viel hilfreicher.
Vor allem denke ich, das die Korrelation zwischen Klimawandel und Energieoption keineswegs so direkt ist wie es der “Logik"baum suggeriert - Frage 6 und 7 haben z.B. logisch nichts aber auch gar nichts mit den vorhergehenden Fragen zu tun. Selbst wenn es keinen Klimawandel gibt wäre es sehr sinnvoll, sich von den fossilen Brennstoffen zu lösen (Abhängigkeit, externe Kosten durch Gesundheitsfolgen, steigende Kosten von Kohle, Öl etc). Atomenergie hat de facto heute das Thema der hoch-radioaktiven Abfälle und deren nicht gelöster Entsorgung (nicht die schwach radioaktiven, dafür gibt es Lösungen) sowie das grundsätzliche Thema der Proliferation. Und wenn hier immer die Kosten aufgeführt werden: ich kenne kein einziges AKW, das ohne Staatsbürgschaft/hilfe oder massiven Entlastungen (Steuern, Auflagen, Versicherung) gebaut wurde. Diese externen Kosten müssen für eine ehrliche Debatte berücksichtigt werden (für alle Energieoptionen).

swieder
05.11.2010  09:18

@Thilo Spahl

zu Ihrer These “Billige und reichlich verfügbare Energie ist gute Energie! Für globalen Fortschritt müssen wir die Energienutzung weiter massiv erhöhen, anstatt sie zu senken! (trotz selbstverständlich wünschenswerter Effizienzsteigerung) Dabei hat die Kernenergie höchste Priorität, weil das mit Abstand höchste Potenzial. Umweltschutz soll beachtet werden, vermeintlicher Klimaschutz nicht!” habe ich eine Frage:

a) Inwiefern führt höhere Energienutzung in den entwickelten Ländern zu globalem Fortschritt (also für die entwickelten und auch die nicht entwickelten Länder)? Ich verstehe den Zusammenhang nicht, sorry.

b) Oder ist die Idee dahinter, das wir als entwickeltes Land mit dem Know-How für z.B. Kernenergie hingehen sollen und Atomkraftwerke und die Infrastruktur für Stromverteilung in der nicht-entwickelten Welt bauen damit dort die Gleichung “mehr Energie(Verbrauch)=Fortschritt+Wohlstand” gilt? Wer würde denn so etwas machen/bezahlen? Ich stimme grundsätzlich zu, das ein zur-Verfügung-stellen von bezahlbarer Energie (über einen gewissen Zeitraum auch unbezahlbar aber von sagen wir den entwickelten Ländern unterstützt) in diesen Ländern Fortschritt und Wohlstand bringen würde. Die Energiepreise hier bei uns werden dadurch sicher nicht beeinflusst.

Nebenbei gesagt ist aber gerade in den nicht-entwickelten Ländern wie z.B. Afrika oder auch Schwellenländer wie Indien die “kleine”, modulare Energielösung in Form kleiner Windräder oder Solarpanele seit vielen Jahren auf dem Vormarsch und ermöglicht einem Dorf oder einer Dorfgemeinschaft einen signifikanten Schritt vorwärts z.B. zum Betrieb des Fernsehers, Radio, Ladestation für Handys (Handy=Information!), Betrieb der Wasserpumpe, abendliches Licht oder auch Betrieb eines Computers und damit Internet=Informationszugang. Auf Wikipedia ist eine schöne Grafik wo die Kernkraftwerke der Welt stehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernkraftwerke

swieder
05.11.2010  09:32

@swieder

Die Fragen sind meiner Ansicht nach die zentralen Fragen zum Klimawandel. Bis auf Frage 5 sind überall Berechnungen möglich, um eine Wahrscheinlichkeit festzulegen, bei Frage 5 fehlen Erfahrungswerte.

Die Reihenfolge ergibt sich nicht aus einem direkten Zusammenhang, sondern aus einer inneren Hierarchie. Die Frage nach der CO2-Reduktion stellt sich erst dann, wenn fest steht, dass CO2 die Ursache ist. Die Frage einer sozialen Verträglichkeit einer Reduktion stellt sich erst, wenn eine Reduktion nötig ist, u.s.w.

Frage 5 ist eine zentrale Frage. Angenommen, Sie beantworten die Fragen 1-4 mit “Ja”, aber der einzige Weg, das zu erreichen, wäre ein Maßnahmenmix, der z.B. jedenfalls eine Reduktion des fossilen Energieverbrauchs um 70% innerhalb der nächsten 10 Jahre bedeuten würde. Wie sollte dieser sozial verträglich und demokratisch durchgesetzt werden? Das geht von der Frage, was Pendler machen sollen, bis hin zur Frage, wie wir mit Völkern umgehen, die demokratisch beschließen, sich nicht an diesen Sparmaßnahmen zu beteiligen.

Bis zu welchem Wert eine sozial verträgliche Umsetzung innerhalb einer demokratischen Gesellschaft möglich ist, ist eine Frage der Einschätzung und sicher auch von Land zu Land unterschiedlich zu beantworten. Wenn aber klar wird, dass die Reduktion nur durch Aufgabe der Humanität “erkauft” werden kann, ist es sinnlos, sich über den richtigen Mix Gedanken zu machen, dann müssen Alternativen erwogen werden.

Frage 7 ist natürlich mit Frage 6 verknüpft. Wenn erneuerbare Energien helfen können, dann stellt sich jedenfalls die Frage, wie mit ihnen umzugehen ist. Die Rentabilität eines Forschungseuros verglichen mit einem Subventionseuro lässt sich für jeden konkreten Lösungsansatz zumindest für die Vergangenheit berechnen. Prognosen können hier unterschiedlich ausfallen, aber das ist auch bei den Klimaprognosen so.

Andere Argumente für die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern kommen in den (im Beitrag weggelassenen) Seitenästen zu tragen. Dass es diese gibt, habe ich nie bestritten. Wer aber z.B. aus strategischen Gründen Energieautarkie anstrebt, soll seine wahren Interessen nicht hinter der Klimaideologie verstecken.
“Weitere Nutzung” bedeutet übrigens keineswegs “ausschließliche Nutzung”.

Nukleare Energiegewinnung ist in meinem Beitrag sogar ausgeklammert, deswegen ist der Einwand unberechtigt. Nimmt man diese auf, sind die externen Kosten im Seitenast zu Frage 6 zu beantworten. Sonst gibt es keinerlei Verknüpfung mit der Klima-Frage.

Und wenn wir schon von externen Kosten sprechen, dann dürfen wir nicht ignorieren, dass erneuerbare Energie fallweise hoch problematisch ist. Das geht von Schadstoffen bei Herstellung oder Batterienutzung über Eingriffe in Ökosysteme durch Staudämme, Stromturbinen oder Windräder bis hin zur Konkurrenz um Anbauflächen zwischen Biosprit und Nahrungsmitteln.

Wenn wir zugeben, dass unser Energiebedarf nicht ohne negative Auswirkungen gestillt werden kann, dann bedarf es einer Interessenabwägung, um den Energiemix optimal einzustellen. Die Verteufelung bestimmter Arten der Energiegewinnung verhindert nur eine sachliche Auseinandersetzung.


Ich freue mich jedoch über detailliertere Kritik. Erkennen Sie bei einer Frage oder Antwort noch nicht den logischen Zusammenhang? Wo sehen sie eine ideologische Färbung? Gibt es wesentliche Fragen, die Ihrer Ansicht nach fehlen und wo würden sie diese einordnen?

Gernot
05.11.2010  12:01

@Gernot
Ihre Fragen 1-3 sind sicher zentrale Fragen zum Thema Klimawandel, das wollte ich gar nicht abstreiten. Und die Reihenfolge dieser 3 Fragen folgt sicher einer logischen Herangehensweise, auch das wollte ich nicht in Abrede stellen. Ich finde es aber lustig das Sie am Ende schreiben „Für ein Urteil über die Fragen 1 und 3 halte ich mich für fachlich nicht ausreichend qualifiziert. Andere, die sich teils intensiv mit der Materie befasst haben, gehen auch bei diesen Fragen von einem “Nein” als Antwort aus“. Ich denke da gibt’s auch ein paar tausend andere Menschen (Wissenschaftler) die sich intensiv damit beschäftigt haben und die Frage 1 und 3 mit „Ja“ beantworten… Ich beantworte die Fragen so: 1 – Ja, 2 – Nein, 3 – Ja.

Die Frage 4 ist in meinen Augen nicht korrekt gestellt – wieso schränken Sie mögliche korrigierende Maßnahmen auf die Dauer eines Menschenlebens ein? Im Umkehrschluss würde das ja bedeuten ich kann/darf heute Dinge anstellen, von denen ich meinetwegen sogar mit Sicherheit weiß, dass sie erst in 150 Jahren ein Problem werden – das ist sicher nicht das, was Sie sagen wollten aber darauf läuft es raus. Ich will mit dem Argument auch nicht den Leuten das Wort reden, die behaupten „irgendwann“ wird das alles schlimme Folgen haben deswegen dürfen wir XY heute nicht tun. Ohne Klima- oder Atmosphärenforscher zu sein, meine ich aber verstanden zu haben das die Atmosphäre und das Klima zwei Regelsysteme mit SEHR großen Zeitkonstanten sind. Wenn es den Klimawandel wirklich gibt und zwar wegen der anthropogenen Treibhausgase (hypothetisch, wie gesagt) dann wäre das ja auch aufgrund von „Maßnahmen“ die weit länger als ein Menschenleben lang getroffen worden sind, passiert (nämlich dem Verfeuern von fossilen Ressourcen, die in Jahrmillionen gespeichertes CO2 freisetzen in einem Zeitraum von nur ca. 160 Jahren seit der industriellen Revolution). Trotz allem: 4 – Ja.

Frage 5 ist ganz generell auf alle Fragestellungen im Leben anwendbar wenn man die Demokratie an sich für etwas Erstrebenswertes hält (was ich tue). Ich würde bei der Abwägung nicht nur Rechtsstaatlichkeit sondern auch Ökonomie, Soziales und Ökologie in die Fragestellung mit einbeziehen. Stellt man sich die Frage 5 auch für z.B. Kohle und Atomenergie? Sind Zwangsumsiedlungen und Enteignungen zum Wohle aller ein totalitäres Mittel oder ein demokratisches (s. z.B. EURATOM Vertrag oder GG §14,3 und §15)? Sind solche Maßnahmen humanitär? Sie suggerieren ja (vermute ich mal) dass u.a. die Bereitstellung der EE nur mittels totalitärer Maßnahmen erreicht werden kann – ich denke das überhaupt nicht: selbstverständlich ist die Reduktion von Treibhausgasen ohne totalitäre Mittel und ohne massive soziale Einschnitte machbar. Ob die Reduktion „sinnvoll“ ist, ist wie gesagt eine andere Frage. Wie Sie selber feststellen, ist die Einschätzung von den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig und ganz sicher nicht einfach. Hier ganz klar: 5 – Ja.

Der zentrale Punkt meiner Kritik an Ihrem „Logikbaum“ ist aber: Frage 6 und 7 sind mit den Fragen 1-5 in keinster Weise verknüpft. Nur weil eine typische Argumentation lautet „Wegen Klimawandel brauchen wir EE“ (um das mal ganz platt auf den Punkt zu bringen), ist das noch lange nicht richtig. Leider wird dieser Punkt ja auch sehr oft von EE-Befürwortern als einziges genannt und von den Gegnern dann entsprechend genüsslich zerrissen. Klimawandel mag ein (und nur 1) Grund sein, wieso EE Sinn macht, aber es ist weder der einzige Grund noch ist er hinreichend um EE für sinnvoll zu halten. Wie ich oben schon sagte, gibt es eine Reihe anderer Punkte, die für EE sprechen. Und ich wehre mich gegen die implizierte Verknüpfung, dass EE nur sinnvoll sind wenn es einen menschgemachten Klimawandel gäbe. Also 6 – Ja, aber das ist nicht die Rechtfertigung für EE sondern lediglich ein Nebenprodukt.

Zum Schluss: ich denke ganz ehrlich, das alle 7 Fragen durchaus wichtige Fragen sind! Nur eben die Art der Verknüpfung nicht. Andere wichtige Fragen wären z.B. „Wie genau ließe sich ein beschleunigter Ausbau der EE erreichen?“ Das ist leider keine Ja/Nein Frage (wie ihr Katalog) und wäre eine andere Färbung, weil es impliziert, das EE gewollt wird. Die Färbung in Ihren Fragen kann man leicht an Frage 7 erkennen und auch daran, wie Sie am Ende selbst rückwärts mit der Beantwortung der Frage anfangen (bzw. meinen, die „muss“ pauschal mit “Nein” beantwortet werden) und überaus logisch daher einen „Fehler“ in den herrschenden Thesen (welche sind das?) sehen wollen. Die Verknüpfung von “effizient” und “emmissionsmindernd” ist auch unklar. Ich persönlich halte Frage 7 daher überhaupt nicht für eine Ja/Nein Frage: das ist von Fall zu Fall eben ein „Ja“ oder ein „Nein“ (wie bei allen anderen Energieformen auch). Ich weiß auch nicht genau was Sie mit „effizient“ meinen – ich vermute „ökonomisch“? Da stelle ich dagegen, dass die Beantwortung eine Verortung in dem Dreieck „Soziales-Ökonomie-Ökologie“ darstellen sollte. Und ich sehe diesen Ort sicher nicht auf dem extremen Standpunkt der Ökonomie.

swieder
05.11.2010  15:16

@ swieder

Zu Ihren Fragen:

1) Wachsender Energieverbrauch in den Industrieländern: Dass damit Fortschritt verbunden sein soll, scheint den meisten Leuten nicht plausibel. Wir können aber mit Blick auf die Vergangenheit sagen, dass Wohlstand sehr deutlich mit Energieverbrauch korreliert und die meisten Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, von der Waschmaschine bis zum Auto oder der Urlaubsreise, der Lebensmittelvielfalt, etc. ohne billige Energie nicht möglich gewesen wäre. Meine These: Wenn sich unser Lebensstandard in den nächsten hundert Jahren ebenso radikal verbessern soll, wie in den letzten hundert (wie er dann aussehen könnte, bedarf natürlich Fantasie), dann kann billige Energie dazu zumindest einen Beitrag leisten.

2) In Hinblick auf arme Länder dürfte sicher noch mehr Leuten einleuchten, dass billige Energie eine ganz entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass sie irgendwann im Lebensstandard mit uns gleich ziehen können. Das Ziel sollte dabei nicht ein solarbetriebener Fernseher pro Dorf sein. Das Ziel sollte mein Lebensstandard sein.

Wer die Kraftwerke in Afrika bauen soll? Die Deutschen könnten sich beteiligen. Ansonsten werden es die Chinesen, die Südkoreaner, die Iraner machen - auch gut.

Thilo spahl
05.11.2010  21:31

@ Thilo Spahl

Danke erst mal für die direkte Antwort. Der Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Fortschritt (und Wohlstand) ist mir grundsätzlich klar, aber mal abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Messung von “Wohlstand” oder “Fortschritt” ist mein Verständnis zur Zeit, das dieser klare Zusammenhang nur für Fälle gilt, wo ein niedriger Lebensstandard herrscht. Das jemand der arm ist, von mehr Wohlstand / billiger Energie profitiert ist völlig klar und da sollte man auch ansetzen - aber sagen wir in USA und D? Wieso steigt mein Wohlstand wenn der Strom nur noch 18 c/kWh kosten würde (mal hypothetisch gesprochen)? Ist der Wohlstand, der LEbensstandard, die Lebensqualität (was eigentlich genau?) in den USA als Beispiel “besser”/“höher” als hier? Ich denke “Nein” und trotzdem bläst der Amerikaner pro Kopf deutlich mehr Energie zum Fenster raus als wir (u.a. weil sie billiger ist!). Und dir armen Länder haben auch nichts davon das HIER der Strom billig ist. Und bitte nicht falsch verstehen: ich bin nicht grundsätzlich für teuren Strom, aber ich wehre mich gegen die Suggestion, das wenn hier bei uns der Strom etwas teurer ist (sagen wir 2,047 c/kWh) gleichzeitig mein Wohlstand in Gefahr ist. Und das gilt trotz dem Gefälle innerhalb von D zwischen Harz IV und Spitzenverdienern. Rechnet man die letzten 10 Jahre (seit 2000 gilt das EEG) die kumulierte Belastung des berühmten Durchschnittshaushalts mit 3500 kWh Verbrauch pro Jahr aus, kommt man auf ca. 420 € in 10 Jahren also etwa 42 € im Jahr (allerdings Tendenz steigend, das ist klar). Schaut man sich die GEZ Gebühr an (>50€ pro Quartal (!) also >200 € pro Jahr), von der Harz iV Empfänger ja auch befreit sind (ginge ja für den EEG Anteil des Stromes ähnlich um diese Leute zu entlasten), sehe ich nicht die Dramatik mit der in den Medien immer erzählt wird, welche Milliardenberge da auf den Verbraucher abgewälzt werden. Ich bin der Meinung das EEG gefährdet niemandes Wohlstand hier in D. Und ja, ich stimme Ihnen zu, das Wohlstandsziel in armen Ländern sollte natürlich nicht beim solarbetriebenen Fernsehen aufhören sondern nach dem streben, was wir selbst uns zugestehen. Das waren lediglich Beispiele - von mir genannt als Punkt, wo Solar/Wind heute bereits mehr Wohlstand ermöglicht.

Zu Ihrem letzten Punkt: wenn die Deutschen sich an den AKWs in Afrika und anderen Ländern beteiligen sollten/könnten, wieso tun sie das dann nicht (und auch niemand anders)? Ist die Sache evtl. nicht wirtschaftlich wenn der entsprechende Staat nicht mit einer Bürgschaft oder Steuerentlastungen winkt? Und: wollen wir das überhaupt, AKWs in politisch instabilen Regionen?

swieder
06.11.2010  20:54

@swieder

Mit dieser Kritik kann ich schon viel mehr anfangen! Danke.

Was die Meinungen zu Frage 1 und 3 betrifft haben Sie mich missverstanden. Ich wollte mich nicht auf die von mir erwähnten Expertenmeinungen zurückziehen, sondern zum Ausdruck bringen, dass mir Entgegnungen zur Mehrheitsmeinung durchaus plausibel zur Kenntnis gebracht wurden und ich deswegen ALLE drei Fragen als offen ansehe.

Zur Frage 2 ist für mich klar, dass der Fokus auf dem Menschen liegen muss. Einzelne seltene Pflanzen- oder Insektenarten dürfen nicht der Maßstab für die gesamte Menschheit sein.

Zu Frage 4: Die Dauer eines Menschenlebens ist für mich deswegen entscheidend, weil es nun einmal individuelle Menschen sind, auf die diese Entscheidungen Auswirkungen haben. Eine neue Generation, die in eine Welt geboren wird, in der es z.B. kein New Orleans mehr gibt, wird diese Stadt auch nicht vermissen. Im Übrigen halte ich einen Anstieg der Lebenserwartung auf 150 Jahre nicht für ausgeschlossen.

Zur Frage 5: Natürlich sind auch Umsiedlungen für den Braunkohleabbau problematisch, betreffen aber immer einen eingeschränkten Personenkreis, der sein gewohntes Leben an einem anderen Ort fortsetzen kann. Im Fernsehen gab es jedoch bereits mehrfach Dokus über Menschen, die versuchen, CO2-neutral zu leben. Wenn Sie den dort präsentierten Lebensstil in Europa durchsetzen wollen (Keine Autos, Fleisch nur noch einmal in der Woche) werden Sie als Politiker abgewählt. Es sei denn, sie sorgen in Kampagnen dafür, dass ihre Kritiker als “Verbrecher gegen den Planeten” ihre Arbeit verlieren wie Thilo Sarrazin, von ihren Nachbarn als Systemkritiker denunziert werden wie in der DDR, o.ä.
Denn selbst wenn alle Fragen bis dahin mit “Ja” beantwortet werden, kommt immer noch zuerst das Fressen und dann die Moral.

Zur Frage 6: In meiner Wahrnehmung wird der Klimawandel immer im Zusammenhang mit der Energiefrage diskutiert. Und nachdem Einsparungen (Wassersparende Duschköpfe, Energiesparlampen) nur einen überaus geringen Anteil ausmachen, liegt der Fokus klar auf dem Energiemix. Andere Argumente für EE müssten in den Seitenästen auftauchen. Dann braucht es konsequenter Weise aber eine Erweiterung zum “Energiemix-Baum mit besonderem Fokus auf den Klimawandel” und kein “Klimawandelbaum”.

Zur Frage 7: Effizienz betrachte ich deswegen wirtschaftlich, weil eine konkurrenzfähige Stromerzeugung zu einer subventionsfreien Nachfrage führt. Dazu zählt auch die Frage der Grundlastfähigkeit. Subventionen halte ich auch bei den anderen Energieformen für problematisch, sie sollten wenn überhaupt bei hohem Wert des strategischen “know-how” gerechtfertigt sein.

Abschließend fasse ich die mediale Berichterstattung wie folgt zusammen:
“Die Menschheit wird durch einen selbstverursachten Klimawandel bedroht und kann ihn nur durch massive Einsparungen und erneuerbare Energiegewinnung abwenden.”
Gibt es noch weitere Aspekte in der Mainstream-Diskussion? Mir wären sie nicht aufgefallen.

Gernot
07.11.2010  11:58

@ swieder

Vor Hundert Jahren konnte sich in den damals entwickeltsten Ländern keiner eine Vorstellung machen, wofür wir heute die sehr viel größere Menge an Energie verbrauchen als damals. Auch heute kann ich nicht sagen, wozu meine Ururenkel vielleicht 10 mal soviel Energie verbrauchen wie ich heute. Das heißt aber nicht, dass sie nicht sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten für Energie im Überfluss finden können und zur Überzeugung gelangen können, dass ihr Lebensstandard nun sehr viel höher ist als der der Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts. Individualluftverkehr, energieintensive, urbane Landwirtschaft, die einen Großteil der Erde als Erholungslandschaft (Natur) belässt, Raumfahrt, komplett neue Städte mit Untergrundinfrastruktur, usw ?? Wer weiß?

Thilo spahl
07.11.2010  16:16

@Thilo Spahl

Den Punkt akzeptiere ich. Wenn ein steigender Energiebedarf bzw. deren Erzeugung nicht andere Nachteile bringt (Stichwort Lebensqualität - da zählt für mich eben auch eine intakte Umwelt dazu), habe ich auch gegen steigenden Energieverbrauch nichts. Mit “intakter Umwelt” meine ich jetzt nicht ein romantisch verklärtes Bild von der Natur, dem wir uns unterordnen sollen sondern darunter verstehe ich ein funktionierendes Regelsystem - ein Ökosystem Erde, deren Bestandteil nun mal der Mensch ist. Stand heute ist es aber, das fossile Energieerzeugung und Verbrauch durchaus Einschränkungen bringt z.B. Atemwegserkrankungen, Allergien hier bei uns und massive Umweltschäden in den armen Ländern durch gewissenlosen Umgang mit den Risiken bei der Gewinnung der für unsere Energie notwendigen Rohstoffe Öl, Uran, Kohle. Und es ist ja nicht so, das dies so sein müsste - nur würde diese Energie eben teurer werden wenn man diese Art Nebenwirkungen hier wie dort gewissenhaft vermeiden würde. Aber wir wollen ja nur billige Energie, gell? Ich finde, das in dem Punkt oft heuchlerisch argumentiert wird (nicht von Ihnen jetzt).

Ich war übrigens beruflich oft in Japan und USA unterwegs - ich denke nicht das der Lebensstandard hier in D geringer ist als in diesen beiden Ländern. Trotzdem ist der pro-Kopf Verbrauch an Energie dort deutlich höher - was mir ganz einfach zeigt das man bei gleichem Standard trotzdem auch mit weniger Energie auskommen kann…wieso soll man da nicht Vorreiter sein? Und wenn - hypothetisch - irgendwann die Balance so ist, das ein mehr an Energieverbrauch/erzeugung ohne Nebenwirkungen machbar ist: nur zu: lasst uns die Energie nutzen um unseren Lebensstandard zu steigern. Wo die Grenze ist zwischen den (individuell, subjektiv) ertragbaren Nebenwirkungen und dem Mehrgewinn aus dem höheren Lebensstandard muss jeder für sich entscheiden. Stand heute ist für mich ein mehr an Lebensstandard über ein mehr an Energieverbrauch nicht das Ziel. Da lass ich mich auch nicht gerne von anderen als “Wohlstandsverweigerer” oder “Planwirtschaftler” beschimpfen (ist schon vorgekommen).

swieder
07.11.2010  19:48

@Gernot
Hm. Wenn ich es richtig verstehe tendieren Sie bei den Fragen 1-3 zu einem „Nein“  bzw. sagen jetzt, die Fragen wären „offen“. Ich denke bei 1 und 3 ein klares „Ja“ auch wenn ich weiß das es zu 3 auch (Experten-)Meinungen gibt (vereinzelt) die Gegenargumente haben. Ich denke aber nicht, dass irgendwer den Klimawandel an sich in Frage stellt – der Disput geht wohl mehr darum, ob und wie hoch ein menschlicher Anteil ist; insofern ist mir Ihr „Nein“ zu 1 unklar. Frage 2 sehe ich wie Sie als recht offen an. Dass das System auf einmal „umkippt“ und man nichts mehr machen kann, wie es in den Medien oft dargestellt wird, ist natürlich auch möglich, aber ich tendiere hier (wie Sie) zu einem „Nein“  weil ich uns und der Erde durchaus einige Anpassungsfähigkeit zutraue.

Frage 5: ich habe bisher keine Begründung für Ihr „Nein“ gesehen?  Die Frage hat gelautet „ Ist die Durchsetzung einer wesentlichen Reduktion der Treibhausgasemissionen ohne totalitäre Mittel und massive soziale Einschnitte möglich?“ Ich würde anstatt dem Wort „Durchsetzung“ lieber Begriffe wie „Umsetzung/das Erreichen“ verwenden (von wegen Färbung) aber in beiden Fällen lautet die Antwort meiner Meinung nach klar „Ja“ – natürlich ist das möglich. Ich sehe jedenfalls niemanden der mich zu CO2-Neutralität zwingt oder dazu, nur einmal die Woche Fleisch zu essen oder kein Auto zu fahren. Klar gibt es für sowas Befürworter aber solche Blüten treibt es in allen Bereichen.

Zu 6: ja, der Mainstream behandelt Klimawandel und EE fast wie ein Synonym – was ich für falsch halte. Es ist in meinen Augen auch falsch, die Frage des Klimawandels auf CO2 zu reduzieren. Aber nochmal mein Hauptpunkt bei der Frage: auch ohne Klimawandel macht EE Sinn, und zwar aus vielen Gründen. Und die Frage war „Ist ein wesentlicher Anteil der Reduktion (der Treibhausemissionen) durch Nutzung erneuerbarer Energie zu erreichen?“ – da sehe ich ein klares „Ja“. Das ist ein ganz zwangsläufiges „Ja“ weil kein Zeitrahmen genannt wird und auch die Sinnhaftigkeit dieser Reduktion außen vor bleibt. Und mir gefällt die Frage insbesondere deshalb nicht (das ist die Färbung die ich meine), weil suggeriert wird, daß WENN man „Nein“ antworten würde, die Nutzung der EE automatisch keinen Sinn machen könnte – diese Meinung teile ich eben nicht. Wenn die Suggestion nicht beabsichtigt ist, dann bin ich an der Stelle evtl. empfindlich ;).

Zu 7: der geforderten Wirtschaftlichkeit stimme ich zu – nur sehe ich es als legitim an, einer Technologie politisch zur Wirtschaftlichkeit zu verhelfen. Dies geschah und geschieht immer dann, wenn die Entscheider (die wir gewählt haben!) den hohen Wert dieser Strategie sehen – früher bei Kohle und Atom, jetzt bei EE. Ob die Leute dafür kompetent sind oder diese „Hilfen“ immer richtig sind (Kohlepfennig, Hilfen für die Atomindustrie oder das EEG), das sei mal dahin gestellt und ist üblicher politischer Diskurs – möglicherweise ist das Pendel zurzeit sogar auf der zu “grünen Seite”. Aber ich sehe da nichts Totalitäres dran. Was mir bei der Frage nicht gefällt, ist die „und“ Verknüpfung – schon dadurch lässt sich die Frage nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. „Ja“, emissionsmindernd sind EE auf alle Fälle (was sonst?)! „Jein“, noch nicht immer wirtschaftlich (kommt auf den Ort und die Anwendung an).

Aber auf gutem Weg dahin: die Lernkurve z.B. für die vielgescholtene Solarenergie ist steil: 20% Preisreduktion bei jeder Verdopplung der produzierten Menge…seit den 70er Jahren. Das hat dazu geführt das heute (2010) Solarzellen für deutlich unter 2€ pro Watt gekauft werden können (installiert auf Ihrem Dach dann eher um die 3€). Jedes Watt, das für 3€ auf Ihrem Dach liegt produziert in 20 Jahren im Schnitt (D) 20kWh Energie – das sind (Investkosten außen vor) 15 c/kWh Stromerzeugungskosten, Stand heute. Die Abschreibungskosten richten sich wieder nach „üblichen“ Rendite-Erwartungen, das sind mal 2% und mal 8% auf die 3€, je nachdem wen man fragt. Aber der eigentliche Punkt ist: die Lernkurve ist nach wie vor intakt, die Preisreduktionen finden statt und Kosten von <1,50€ (=7c/kWh) für Zellen auf dem Dach sind keine Utopie als Ziel in 4-5 Jahren. Das auch, weil es (unter anderem) das EEG gibt, was im Wesentlichen ein Marktanreizprogramm war und ist. Das hiervon auch Chinesen profitieren steht auf einem anderen Blatt – die Strategie, über ein EEG (das viele kopiert haben) bezahlbare Photovoltaik zu ermöglichen funktioniert aber durchaus. Ich gehe auch davon aus dass es das EEG in der derzeitigen Form in spätestens 4-5 Jahren nicht mehr gibt – schlicht weil man es nicht mehr braucht. Also: meine Meinung ist, dass z.B. die Photovoltaik auf sehr gutem Wege ist, wirtschaftlich zu werden. Alle Steigerungen der Energiekosten (außer der EEG-Umlage natürlich) kommen dieser Entwicklung sogar noch entgegen. War deshalb alles korrekt, was die letzten 10 Jahre an Förderung unternommen wurde? Diskutabel. Totalitär? – klares „Nein“. Gab es deswegen soziale Einschnitte? – wohl kaum. Da sehe ich insgesamt einfach keinen Grund zu jammern. Der nächste Schritt ist die wichtige Integration der EE in die Netze (Versorgungssicherheit) und da wurde massiv geschlafen – politisch, von Seiten der EVU, selbst die Forschung hat das Thema zu spät angegangen. Aber es gibt da eine rasante Entwicklung, die mich denken lässt das auch diese Herausforderung schaffbar ist – ohne totalitäre Maßnahmen [1-6] (ich habe zu keiner der Firmen irgendeinen Bezug).

Ihre Zusammenfassung der medialen Berichterstattung ist soweit korrekt, heißt aber nicht dass wir das hier auch so diskutieren sollten. Und Sie wollen sicher nicht die Mainstream-Berichterstattung als Begründung dafür nehmen, dass wir das Thema Klimawandel möglichst unsachlich behandeln nur weil es so vorgemacht wird. Ich bin für EE und gegen diese Art der Berichterstattungen, das wird weder den EE noch einer sachlichen Diskussion gerecht. Dazu empfehlenswert das Buch auf [7].

[1] Große NaS-Speicher http://www.younicos.com/de
[2] Hybridwechselrichter http://www.voltwerk.de/Hybridwechselrichter.819.0.html?&L=1
[3] http://tiny.cc/mijqf  (bitte nicht über die 140% Wirkungsgrad lästern, das ist nicht der Punkt :)…die holländische Broschüre kann ich leider nicht lesen)
[4] Solarmodule mit Speicher http://www.solarworld.de/index.php?id=652&L=0/index.php
[5] virtuelles Kraftwerk von Vattenfall, SenerTec, SES und Stiebel Eltron http://tiny.cc/9pv45
[6] regeneratives Kombikraftwerk http://www.kombikraftwerk.de/
[7] http://www.merchantsofdoubt.org/

swieder
08.11.2010  12:36

@ swieder

Natürlich muss man Nebenwirkungen, die Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigen, auch bei der Energienutzung vermeiden bzw. reduzieren. Genau das passiert ja auch überall in der Welt kontinuierlich in dem Maße, in dem Menschen die Vorteile billigerer Energie für geringer als die Nachteile erachten. Aber erst dann. Davor gibt es bei sich entwickelnden Industriegesellschaften eben die Phase, wo billige Energie mehr Vor- als Nachteile für Gesundheit und Wohlbefinden bringt, weil z.B. Schwerarbeit reduziert wird. Neue Technologien können dazu führen, dass sowohl Energie billiger wird als auch ungewünschte Wirkungen vermieden werden. Beides steht nicht notwendig im Gegensatz zueinander und sollte gemeinsam verfolgt werden. In Deutschland ist die Energieerzeugung heute sowohl billiger als auch sauberer als vor 50 Jahren.

Thilo spahl
08.11.2010  21:30

@Thilo Spahl

“Genau das passiert ja auch überall in der Welt kontinuierlich in dem Maße, in dem Menschen die Vorteile billigerer Energie für geringer als die Nachteile erachten. Aber erst dann. ” Wir reden hier über den Nutzen von mehr Energie für uns gegenüber Nebenwirkungen die durchaus auch woanders zu Tage treten: Uranabbau, Kohle/Ölförderung wie es nun mal heute passiert - eben nicht ohne Beeinträchtigung. Ich denke nicht das man die “freie Wahl” eines Kohlekumpel in China oder eines Dorfbewohners in Nigeria mit meiner freien Wahl, 2 c/kWh mehr für Energie zu bezahlen (wegen EEG), vergleichen kann.

Und es bleibt die Frage, wieso mein Wohlstand hier in D zunehmen soll wenn ich mehr Energie verbrauche? Potentiell: ja klar, wenn all die guten Sachen kommen die ich mir mit mehr Energie leisten kann und die meinen Wohlstand steigern. Das ist ein Potential, ja. Bin ich Wohlstandsverweigerer, weil ich andere Dinge heute für wichtiger halte? Ich für mich denke nicht.

swieder
08.11.2010  22:44

@swieder

Ich halte die Erwärmung als dauerhafte Entwicklung keineswegs für erwiesen. Mit Statistik und Zahlenreihen bin ich aus dem Studium vertraut und weiß sehr wohl, dass manche Ausreißer durchaus den Endruck einer signifikanten Änderung erwecken können.

Auch beherrsche ich so viel Physik, dass ich den Zusammenhang zwischen der Erwärmung von Flüssigkeit und ihrer Fähigkeit, Gase zu binden, kenne. Dass der CO2-Anstieg in der Athmosphäre mit einem Temperaturanstieg korreliert, ist daher logisch, eine Kausalität ist damit aber nicht begründbar.

Die totalitären Maßnahmen sehe ich im Zusammenhang mit der Intensität der angestrebten Einsparungen. Hier ist das Schlüsselwort “wesentlich”, das wohl ausführlicher dargelegt werden muss.
Natürlich können wir geringfügige Einsparungen ohne totalitäre Maßnahmen durchsetzen, damit verschieben wir - bei Zutreffen der vorhergehenden Annahmen - den Eintritt der vermeintlich gefährlichen Temperaturerhöhung aber nur um wenige Jahre und kommen dennoch nicht um diverse Präventionsmaßnahmen herum. Damit verliert die hoch subventionierte geringfügige Einsparung für mich jeglichen Sinn, denn die dafür aufgewendete Anstrengung wäre bei den Präventionsmaßnahmen besser aufgehoben.

In der erneuerbaren Energie selbst sehe ich keine totalitäre Gefahr. Speziell bei der Solarenergie ist aber klar, dass gerade in den Wintermonaten, wo ich viel elektrisches Licht und Warmwasser brauche, die Sonne nur kurz und in einem sehr ungünstigen Winkel scheint. Dasselbe gilt beim Wind. Pumpspeicherkraftwerke sind hunderte Kilometer von den Windparks entfernt, damit heizen wir nur die Leitungen. Diese Arten der Energiegewinnung haben als Nieschenprodukt ihre Berechtigung, nicht aber als Hoffnungsträger, um kalorische Kraftwerke zu ersetzen.
Bei der Wasserkraft haben wir dasselbe Problem wie bei der Braunkohle. Ob die Region geflutet oder abgegraben wird, ist für Anrainer, Fauna und Flora ein gleich schwerwiegender Eingriff.

Bei der Kernenergie liegt vieles im Argen, doch hier kann Forschung und der Einsatz von schnellen Brütern helfen, bei gleicher Menge an Atommüll zumindest die Energieausbeute deutlich zu erhöhen. Auch die Thoriumreaktoren sind hoch interessant.

Das sind aber alles Meinungen, keine Dogmen. Ich kämpfe problemlos auch mit jenen Seite an Seite, die zu den vorgenannten Punkten eine andere Meinung haben. Denn das zentrale Anliegen, das uns einen sollte, schildere ich erst jetzt.

Zum letzten Punkt: Mir geht es um die Widerlegung des Mainstreams, dazu muss ich seine Argumente aufgreifen und als unlogisch enttarnen. Wenn ich dabei den Eindruck erwecke, erneuerbare Energie in ihrer Gesamtheit zu verwerfen, ist das keineswegs beabsichtigt. Eine differenzierte Diskussion über einen sinnvollen Energiemix kann erst geführt werden, wenn Argumente gehört werden. Derzeit werden sie ignoriert oder als “Von der Öl- bzw. der Atomlobby gekauft” abgetan.

Jede noch so schöne Diskussion in diesem Forum wird ohne Breitenwirkung bleiben und damit zu verschwendeter Liebesmüh, wenn die Deutungshoheit der Medien so bleibt. Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, die verstarrte Situation aufzubrechen. Jeder, der nur eine der Fragen mit “Nein” beantwortet und den Mut hat, das auch zu vertreten, soll deswegen darin bestärkt werden. Daran kann auch ich mitwirken. Was bei der offenen Diskussion, die danach kommt, als Lösung herauskommt, überlasse ich berufeneren.

Gernot
09.11.2010  01:22

@ swieder

Der Kohlekumpel in China übernimmt diese gefährliche und harte Arbeit, weil er keine besseren Alternativen hat. Er entscheidet sich dafür. Die Menschen in armen Ländern sind nicht zu solchen Jobs verdammt, weil wir billige Energie wollen, sondern weil sie in der Industrialisierung noch nicht so weit sind. Schuld daran ist auch die Sichtweise vieler westlicher Grüner, die arme Länder vor Industrialisierung, deren Basis Energieerzeugung ist, “bewahren” wollen, und von westlichen Investoren (und westlichen Regierungen), die dort nicht investieren, weil sie nicht an Entwicklung glauben.

Thilo spahl
09.11.2010  19:52

@Thilo Spahl

“Der Kohlekumpel in China übernimmt diese gefährliche und harte Arbeit, weil er keine besseren Alternativen hat. Er entscheidet sich dafür.”

Keine bessere Alternative ist oft auch einfach gar keine Alternative. Und das ist nicht ganz dasselbe wie “freie Wahl”. Meine freie Wahl besteht (z.B.) darin, den Stromanbieter auszusuchen. Bis 2008 hat China Kohle EXportiert - D war der fünftgrößte IMporteur weltweit [1]. Der Kohlekumpel buddelt also unter anderem für uns. Das änderte sich erstmals 2009 - wegen des aufgrund der Wirtschaftskrise niedrigen Kohlepreises war der Import für China lohnender als die eigenen Ressourcen zu plündern [2]. Nebenbei ist China bei weitem der größte Investor in erneuerbare Energien weltweit [3] und stellt mit dem neuen 5-Jahres-Plan gerade die Weichen Richtung mehr Umweltschutz [4].

Ich persönlich denke, dass die großen Probleme Chinas Energie, Wasser und die wandernde Bevölkerung ist. Und ich wünsche mir von Herzen, dass diese Probleme ohne blutige Umbrüche oder Verwerfungen gelöst werden. Und dann wünsche ich mir das China es schafft, all dies mit so wenig wie möglich fossilen Brennstoffen schafft und mit so wenig wie möglich AKW’s.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kohle/Tabellen_und_Grafiken
[2] http://tiny.cc/94tdg (“Finanznachrichten”, D)
[3] http://tiny.cc/p2dqc (“PEW report 209)
[4] http://tiny.cc/f1sw7 (“Die Presse”, Österreich)

swieder
09.11.2010  20:41

@Gernot

Ich finde es gut, wie offen Sie sich hier äußern (“Das sind aber alles Meinungen, keine Dogmen. Ich kämpfe problemlos auch mit jenen Seite an Seite, die zu den vorgenannten Punkten eine andere Meinung haben.”). Zu Ihrem zentralen Punkt: ich denke es ist sowohl von Seiten der Befürworter wie auch der Gegner der AGW-These, des Umweltschutzes oder der erneuerbaren Energien zu beobachten das man es durch unlautere Argumentation geschafft hat, einen sich selbst erhaltenden Medien-Hype um dieses Thema auszulösen. Wie woanders hier beschrieben [1] sind die Medien ja auch insbesondere anfällig dafür, Dinge reisserisch verzerrt darzustellen (ich stimme nicht allen Aussagen von Herrn Keil zu aber das Wesentliche triffts). Ich habe ja immerhin 1,5 Ihrer Fragen mit “Nein” beantwortet und stehe dazu :) Darf ich Ihre Erläuterung zum Thema “totalitär” (Frage 5) so deuten, das Sie dort eigentlich ein “Jein” oder “Ja” sehen? Solange wir uns über “wesentliche” Reduktionen und deren Definition bzw. über Zeiträume unterhalten zumindest? Ich bin mir sicher das auch das ambitionierteste Klimaziel, das man sich von der Regierung als ausgedacht vorstellen kann, nicht mit totalitären Mitteln einfach umgesetzt wird, sondern im demokratischen Prozess Federn lassen und anschließend mit viel Geheul von Seiten der Befürworter (weil: “verwässert”, “halbseiden)” umgesetzt wird - bis die Regierung wechselt oder andere Dinge wichtig werden. Daher sehe ich selbst bei ambitionierten Plänen nach wie vor ein klares “Ja” bei Frage 5 aus meiner Sicht..

[1] http://www.novo-argumente.com/magazin.php/dfa/artikel/novo108_43/

swieder
09.11.2010  20:57

@swieder

Verwässerte Maßnahmen sind sinnlos, weil sie uns - wie gesagt - von den dann ohnehin nötigen Präventionsmaßnahmen ablenken.

Ihr Vertrauen in die Demokratie ist bewundernswert, ich sehe die Entwicklung in die Gegenrichtung gehen. Der Klimawandel als vermeintliches “Weltproblem” ist einer der Haupthebel zur Bekämpfung nationalstaatlicher Souveränität und Demokratie. Deswegen wird auch die Diskussion so dogmatisch geführt. Zu detailliert möchte ich an dieser Stelle aber nicht werden.

Gernot
10.11.2010  11:18

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