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Liebwerteste Gichtlinge: Vom Kreuzzug gegen Raucher

Von Gunnar Sohn

Am 1. Mai ist wieder einmal die Tabaksteuer erhöht worden. Die liebwertesten Gichtlinge der fiskalischen Kleptokratie haben es sich diesmal nicht nehmen lassen, bis 2015 noch weitere vier Schritte folgen zu lassen, um die Raucher weiter zu schröpfen. Schon jetzt müssen pro Schachtel 60 Prozent an den Fiskus abgedrückt werden. Pro Jahr sind das satte 14 Milliarden Euro, die der Bundesfinanzminister über die Glimmstengel in den Bundeshaushalt spült und für Dinge ausgeben kann, die mit dem Akt des Rauchens gar nichts zu tun haben. Geringfügige Gegenleistungen über Raucherkabinen oder nette Räumlichkeiten in öffentlichen Gebäuden für den steuerlich so wichtigen Nikotingenuss würden in der Nichtraucherfraktion des politischen Personals sofort einen Sturm der Entrüstung auslösen. Denn „nur“ 25 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Raucher. Warum sollte man deshalb auf die Bedürfnisse von 21 Millionen Menschen Rücksicht nehmen? Die Mehrheit der Nichtraucher ist jederzeit gegen die Minorität der Raucher mobilisierbar.

Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte der Anti-Raucher-Volksentscheid im Lederhosen-Freistaat. Wo kommen wir denn hin, wenn Eigentümer von Kneipen, Restaurants oder Bierzelten auf irgendwelche nebensächliche Grundrechte pochen und verfügen würden, Raucherzonen festzulegen oder konspirative Raucherclubs zu gründen, um Nichtrauchern das Leben zur Hölle zu machen? Sollen aus wirtschaftlichen Gründen etwa Asbesthersteller weiterhin Asbest verbauen dürfen, fragte sich ein „FAZ“-Feuilletonist. Kann man es Spaziergängern zumuten, wenn Hunde öffentliche Gehwege und Parkanlagen vollscheißen? Oder einer meiner Nachbarn mit lauter Musik von Metallica in den Wahnsinn getrieben wird?

Nach der Mehrheit-ist-Mehrheit-Logik müssen schädliche Raucher gemaßregelt werden: fiskalisch und moralisch. Mit dieser bequemen Dialektik kann man ein Viertel der Gesellschaft nach allen Regeln der Kunst schurigeln, kujonieren und schikanieren. Das Hochgefühl, das diesem Tun entspringt, ist umso köstlicher, je mehr es mit dem Bewusstsein des Rechthabens verbunden ist. Das ist der Grund, weshalb die selbst erklärten Moralapostel ständig nach der guten Sache Ausschau halten, in deren Dienst sie treten können – und in deren Dienst sie die anderen treten können. Neben der Verfehlung des Rauchens gibt es eine Vielzahl von weiteren Empörungsspielplätzen: Glücksspiele, Flatrate-Partys, Mülltrennung, Hunde oder Killerspiele. Hier bietet sich eine gigantische Palette von Zurechtweisungs- und Erniedrigungsmöglichkeiten unter dem Horizont polizeilicher Verfolgungsphantasien: „Wenn Argumente fehlen, kommt meist ein Verbot heraus“, so ein Aphorismus des Schriftstellers Oliver Hassencamp („555 kandierte Sätze: Aphorismen“, 1987) der mit den „Burg Schreckenstein“-Geschichten bekannt wurde. Wenn man im öffentlichen Diskurs Menschen zur Unperson erklärt, erübrigen sich weitere Diskussionen. Raucher haben gefälligst die Schnauze zu halten.

Vergessen scheint der Satz des ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Alessandro Pertini, wonach man Toleranz von den Rauchern lerne könne – denn noch nie habe sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert. Mit grenzenloser Aggression äußern selbstberufene Gesundheitsapostel immer neue Schreckensmeldungen über die Schädlichkeit des Tabakgenusses und insbesondere des Passivrauchens; keine pragmatische Regelung welcher Art auch immer erschein ihnen gangbar. Sie wollen ein Kulturphänomen total aus der Öffentlichkeit vertilgen und liquidieren“, kritisiert der Philosoph Robert Pfaller in seinem Buch „Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft“. Der Tabakrausch werde als etwas Exkrementelles herabgewürdigt. Die Anwesenheit von Nichtrauchern mit einem Raucher im selben Wohnzimmer gleiche dem Schwimmen in einem Pool, in den jemand pinkelt. Dabei sei die Politik der Rauchverbote ein typisches Beispiel einer Pseudopolitik. „Eine Politik, die ihre entscheidenden Aufgaben verabsäumt, wird, um davon abzulenken, gerne auf einem Nebenschauplatz hyperaktiv“, meint Pfaller.

Mit den inflationären Präventionsmaßnahmen erteilt sich der Staat eine Blankovollmacht für Eingriffe ins Privatleben. Egal, ob es um Datenschutz, Rauchverbote, Ernährung, Energieverbrauch oder Bildung geht. Vielleicht bin ich schon ein Opfer der Social-Media-Sucht und muss daher vor mir selbst beschützt werden. Dann kommt „die Ilse“ und sagt, wie ich das Internet gefälligst zu nutzen habe. Und die Probleme gehen niemals aus, um neue Regeln zu schaffen.

Es könnten laufend neue hinzudefiniert werden, so die Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Irgendwann gehöre jeder zu einer Problemgruppe. Was ist mit den Fernsehsüchtigen, den Autosüchtigen, den Kaufsüchtigen? Verdienen sie nicht ebenso Zuwendung, Beratung und Hilfe wie Raucher und Übergewichtige? „Die Tendenz, Deutschland (und die EU) in einen Kindergarten zu verwandeln, greift die Fähigkeit des Einzelnen an, Situationen richtig einzuschätzen und sich dementsprechend zu verhalten“, moniert die Schriftstellerin Thea Dorn. Das fängt bei der Beleuchtung meiner vier Wände an und hört bei Sondersteuern auf, um den Konsum von Schokolade, Eis und süßer Limonade fiskalisch zu bestrafen. Das ganze Spektakel wird wehrlos zur Kenntnis genommen, weil es so bequem ist, „unmündig zu sein“ (Immanuel Kant). Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger oder Datenschützer, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Typisch deutsch, ach nee, in Brüssel ist es ja ähnlich. Ich möchte den liebwertesten Gichtlingen unter den 21 Millionen Rauchern keine Empfehlung geben, die mir die Steuerfahndung auf den Hals hetzt. Aber die von der EU verbotenen Glühbirnen kaufe ich im XXL-Paket ganz legal in Bosnien.

Gunnar Sohn ist Wirtschaftspublizist und Herausgeber des Online-Magazins NeueNachricht. Er schreibt regelmäßig für NovoArgumente. Zuletzt erschien von ihm bei NovoArgumente Online der Artikel „Makroökonomische Alchimisten und die Grenzen der Vorhersehbarkeit“

Der Artikel ist zuerst auf der Website des Online-Debattenmagazins The European erschienen.

Mehr zum Thema im Novo-Dossier „Rauchverbot“

04.05.2011 | Permanenter Link |

Kategorie(n): Umwelt und Gesundheit

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Nachdem die Raucher jahrzehnte lang die Nichtraucher rücksichtslos kujoniert haben,
kann ich nun kein Mitleid empfinden.

Rainer Kragenings
04.05.2011  18:32

Das musste, wieder einmal, gesagt werden. Das Rauchverbot, mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten gerechtfertigt, ist inzwischen Modell geworden für viele andere Gängeleien und Eingriffe in die Privatsphäre, denn es funktioniert! Man kann damit sogar politische Mehrheiten gewinnen, die ihren Mitbürgern, die in der Minderheit sind,  einen Lebensstil aufzwingen oder abgewöhnen wollen.
Aber irgendwann werden Individuen, die sich bei diesem Thema der Mehrheit zuzählen, in den Minderheitenstatus versetzt. Wer die individuelle Freiheit stückchenweise verkauft, kann nicht darauf pochen, dass seine individuelle Freiheit unverkäuflich ist.

Ben Palmer
04.05.2011  20:50

Gerade gelesen:

“When people are doing things that are detrimental to their own well-being, then government should step in.”

Mit diesem Argument hat ein Senator von New York ein Verbot der Benutzung von Handys beim Uberqueren von Strassen gefordert.

Wann wird man Skifahren, Bergsteigen und Schwimmen mit denselben Argumenten verbieten?

Ben Palmer
04.05.2011  20:55

“wonach man Toleranz von den Rauchern lerne könne – denn noch nie habe sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert. ”

Das meinen Sie nicht Ernst oder—war letztens auf einer Feier - als der Wirt den Gastgeber überredet hatte eine “geschlossene” Gesellschaft zu machen war im Handumdrehen der ganze Raum zugequalmt nur wegen einer handvoll “rücksichtsvoller” und “toleranter” Raucher.

Jochen Schmidt
06.05.2011  07:23

Nunja nach der Argumentation von
Rainer Kragenings

Führe ich diese Linie mal einfach fort :

Nachdem fette , hässliche Menschen die zu viel Fressen jahrelang meine Augen beleidigt haben - sollte man diese auf jeden fall eine Zwangsdiät unterziehen alleine um die Krankenkasse zu entlasten.

Nachdem der KFZ Verkehr und die Industrie für mehr Lungenkrebskranke durch Feinstaubemmisionen sorgen als es Rauchen jemals konnte -. sollte man in der Tat auf Pferdewagen umsteigen und sämtliche industrielle Produktion stoppen.

Nachdem Bergmänner im Kohlebergwerk den ganzen Staub abbekommen - sollte die Kohle industire verpfilicvhtet werden absolut staubffreie ( alleine im Sinne des Miarbeiterschutzes =) Umgebung zu sorgen da ansosnten die Feinstaubemissionen dem Mitarbeiter Lungenschäden zufügen können - was ja im Zuge des Nichtraucherschutzgesetzes das Hauptargument ist - oder aber den Betreibern den Laden dicht machen.

Nachdem Menschen es einfach nicht lassen können zu Fuß zu gehen finde ich daß der Staat eine allgemeine Hemlpflicht für Fußgänger einführen sollte. Damit diese armen Menschen staatlich davor geschützt werden , sofern sie über ihre eigenen Füße stolpern eine Kopfverletzuung davon zu tragen.

Ich frage mich wie wahnsinnig muß man sein eine Gängelung durch den Staat zu beführworten die nahezu einer Hetzjagd nahe kommt. Und den Blockwart wieder aktiviert. Kopfschüttel . Nichts ist grenzenloser als die Dummheit der Menschen.

Kevin
06.05.2011  14:12

Es ist einfach nicht wegzuleugnen: Deutsche lieben Verbote. Ganz besonders lieben es Deutsche, wenn sie anderen etwas verbieten können. Das Nazitum ist der deutschen Mentalität insofern sehr entgegengekommen, was seinen durchschlagenden Erfolg in jenen berühmten 12 Jahren voll und ganz erklärt.
Deutsche lieben deshalb Verbote, weil sie mehr als andere Völker unter Neid leiden. Dabei müssen sie den Neid verleugnen, denn er widerspricht den offiziellen kulturellen Regeln. Der Neid verleiht ihnen Rausch und Energie bis hin zum massenhaften Töten. Jeder Beneidete zieht Wut auf sich. Jeder Raucher, der nicht augenblicklich an Lungenkrebs stirbt, ist ein potentielles Objekt des Neides. (“Wie kann es dem gut gehen, wo er sich doch überhaupt nicht an die Regeln hält? Das darf doch nicht sein!”) Jeder Arbeitslose, der mehr als 25 qm Wohnfläche pro Familienmitglied hat, zieht die neiderfüllte Wut seines Sachbearbeiters auf sich (“Wie kann der so groß wohnen, während ich immer noch im Gartenhaus meiner Eltern hause? Bloß raus mit dem Dreckskerl!”) Jeder Mensch, der morgens schläft, zieht den Hass aller Beobachter auf sich, auch wenn er wegen Schichtdienstes erst um 6.00 morgens ins Bett gekommen ist. Zuckeresser mit gesunden Zähnen (“Mit Zucker lacht das Leben”) lösen bei Deutschen den Wunsch aus, ihm dieselben augenblicklich mit blanker Faust aus dem Mund zu schlagen. Voll erleuchtete Häuser, am besten noch mit Glühbirnen über 100 Watt, schreien nach Zerstörung (“Wie können die so verschwenderisch sein, während ich mir die Mühe mache, nach dem Verlassen jedes Zimmers das Licht auszuknipsen?”) Jedes Auto über 100 PS hat wahrscheinlich schon einmal den Hausschlüssel eines Neiders längs über die Flanke gekriegt oder musste die Außenspiegel hergeben. Und Amerikaner sind ohnehin grundsätzlich böse, böse, böse - weil sie nach der Katastrophe des 11. Septembers wieder aufgestanden und in die Offensive gegangen sind, statt sich bibbernd hinter dem Ofen zu verkriechen und auf den fernen Donner irgendwelcher Umfrageergebnisse zu lauschen!! Ein Neidauslöser ersten Ranges!
Weniger kollektive Ängste und weniger Neid würden jedem von uns gut tun! Es gibt schließlich wesentlich wichtigere Probleme als Passivrauchen, Feinstaubwerte, Wattzahlen, Einschaltquoten und Gartenzwerge!
Um mich endgültig als böser Mensch zu outen, stelle ich jetzt mal einen Vorschlag zur Debatte: Um den CO 2-Ausstoß zu senken, bin ich für den unverzüglichen Verzehr von deutschlandweit mindestens 10 Mio. Hunden und Katzen bis Ende nächster Woche. Denn schließlich ernähren sich diese Tiere nicht gerade vegetarisch…

freelanceflower
07.05.2011  00:54

In ca. 20 Jahren wird sich der Großteil der derzeitigen Bevölkerung sein eigenes Paradies geschaffen haben: Dann sind die Babyboomer zwischen 65 und 75 und müssen jeden Tag den Gesundheitsobmännern des Bürokratenmonstrums ihre Brillenverordnungen, Hörgerätescheine und Präventionsuntersuchungsbescheinigungen vorlegen, damit sie ihre tägliche Dosis Valium und sonstige beruhigende Medikamente vorgelegt bekommen, um für das präventive Anti-Tod-Sondendernährungsprogramm die nötigen Voraussetzungen zu erfüllen. Drogenfreie Haartests natürlich vorausgesetzt!

Jeder, auch derjenige der nicht raucht oder fett ist, hat irgendetwas an sich, das früher oder später dem sogenannten “Allgemeinwohl” abträglich ist. Aber daß die Frösche im glückseligmachenden sich konstant erwärmenden Pool erst erkennen, daß es zu spät ist wenn sie kochen, machen sie dann natürlich auch denjenigen zum Vorwurf, die sie davor gewarnt haben - um sich dem nächsten Schlächter und Heilsbringer freiwillig zu unterwerfen.

Johanna
07.05.2011  01:30

Nachtrag: Wenn man erst einmal erkannt hat, daß dieses ganze “wissenschaftliche” Geschwurbel und die statistische (Statik = gr. statikos „zum Stillstand bringend) Aufbereitung irgendwelcher Zahlen lediglich der Erhaltung der parasitären, “egalitären”, dummschwätzerischen Klasse gereicht und NIEMANDEM sonst, dann und erst dann, wird man sich davon lösen können, als vermeintliches Individuum wahrgenommen zu werden, und letztendlich doch nur zu erkennen, daß man nur ein nützlicher, irrelevanter, gläubiger Idiot gewesen ist, der mit diesen ganzen Konstrukten zum Sklaven bzw, Wirt geschrumpft ist.

“Wenn du merkst, dass ein Handel nicht durch Zustimmung sondern durch Zwang zustande kommt — wenn du erkennen musst, dass du, um zu produzieren, eine Erlaubnis von Menschen bekommen musst, die nichts produzieren — wenn Du siehst, dass Geld zu denen fließt, die nicht mit Waren handeln, sondern diese nur für sich ausnutzen — wenn du feststellst, dass manche Menschen durch Gaunereien und bezogene Vergünstigungen viel reicher werden als durch ehrliche Arbeit und deine Gesetze dich nicht vor ihren Machenschaften schützen, die Gesetze sie aber vor dir schützen — wenn du siehst, dass Korruption belohnt wird und Ehrlichkeit nur zu Selbstaufopferung führt, dann merkst du vielleicht, dass deine Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist.”

“Das Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, die Regierung sollte eher Angst vor ihrem Volk haben!”

Wenn das Volk Angst vor seiner Regierung hat, dann lebt man in einer Diktatur, wenn die Regierung Angst vor dem Volk hat, dann lebt man in einer Demokratie (wie auch immer man Demokratie versteht - die Mehrheitsdiktatur ist es defintiv nicht).

Johanna
07.05.2011  01:52

Stammt aus einem anderen Forum, Original ist aus dem Stern (Zum Nachlesen, bei Google: “Terror der Tugend Stern”):

Zitat aus dem Artikel: [...] Da sind die Vorkämpfer des Heils in der Initiative “Pro Rauchfrei” weniger zimperlich. Sie bieten Kundschaftern ein Formular an – “Gaststätte, Firma, Verein, Behörde oder Organisation” mit Adresse und “Tatzeitpunkt” –, um bei verbotswidrigem Rauchen “den Dialog mit den zuständigen Behörden” zu suchen. Denn: “Gesetze sind kein Wunschkonzert.” Also kann das Volksorchester zu ihrer werkgetreuen Aufführung gar nicht groß genug sein. Wer menschenwürdige Rückzugsräume für Raucher verlangt, der bekommt auf sein “jämmerliches Gesabber” Sätze wie diese zu hören: “Sie sind wohl auch einer dieser Täter, die man getrost auch als Volksverhetzer bezeichnen kann?” Oder: “Gerne komme ich, sollten Sie Raucher sein, zu Ihrer frühzeitigen Beerdigung.” Oder: “Das Recht auf die Inhalation von Brandgasen mit dem Anspruch auf Menschenwürde zu verfechten zeigt einmal mehr, wie toxisch der Rauch auf den Denkapparat wirkt.” Oder: “Raucher dürfen sich nicht auf Freiheit und Rechte oder gar Würde berufen. Diese stehen nur den Nichtrauchern zu.” Wer solche Töne anschlägt, im stolzen Bewusstsein, die Welt zu retten, der ist mitunter auch bereit, Hand anzulegen ans Böse. [...]

Wie gut dass nur eine verblendete Minderheit (zu der auch einige Schreiber hier gehören) sich der Hetze gegen Raucher verschrieben hat. Die Mehrheit der Bevölkerung bleibt - auch wenn diese Grüppchen durch übereifrige Wortmeldungen in jedem Forum in dem es nur im Entferntesten ums Rauchen geht, den Eindruck erwecken wollen, sie sprächen für die Masse - abgeklärt genug, sich nicht von diesen Subjekten instrumentaliseren und aufhetzen zu lassen.

Schliesslich hat jeder einen Bruder, Vater, Partner(in), Freund(in), den er/sie - obwohl dieser Raucher ist - nur ungern als minderwertigen Charakter, asoziales Subjekt, oder gar als Mörder bezeichnen lässt.

Insofern bleiben o.g. Hetz-Grüppchen (in den USA übrigens als health nazis bezeichnet) genau das, als was sie die Raucher - immerhin ein Drittel der Bevölkerung - gerne stigmatisieren möchten: eine bemitleidenswerte Minderheit!

Alitis
07.05.2011  08:00

Das von mir beschriebene Rhetorik-Muster funktioniert doch prima. Nach der Mehrheit-ist-Mehrheit-Logik ist der Raucher eben ein Schädling und darf sich dümmliche Pöbeleien anhören. Die üblichen Reflexe.

gsohn
07.05.2011  17:38

Ist Rauchen Privatangelegenheit?
Diese Frage werden wohl alle unhinterfragt auf ihre Hinterhältigkeit - mit JA beantworten.
Also soll jeder in seinen privaten Räumen oder in denen seiner Freunde und Bekannten wenn sie es ihm erlauben, auch Rauchen so viel er/sie nur vermag.
Aber bitte nur dort.
Denn zu einer ungehemmten Privatisierung des öffentlichen Raumes darf es nicht auch noch kommen!

Ein seit mehr als 30 Jahren rauchfreier (früher auch so “toleranter”) Zeitgenosse.

e.moser
10.05.2011  11:51

Sind Geschäftsräume eines privaten Unternehmens (auch Gastbetriebe) Staatseigentum?
Ist Rauchen gesetzlich verboten?

Zu einer ungehemmten Verstaatlichung des privaten Raumes darf es nicht auch noch kommen!

Ben Palmer
10.05.2011  14:22

Es gibt keinen Anspruch auf das Vorhandensein von Gastbetrieben. Und noch weniger einen Anspruch auf Gastbetriebe, die einer Person, Personengruppe oder einer Volksmehrheit besonders zusagen.
Insofern steht es e.moser nicht zu, sich vor ein Lokal zu stellen und zu fordern, dass es SEINE Bedürfnisse befriedigen muss.

Da fällt mir noch ein Beispiel ein. Es gibt gewisse öffentliche Räume, in denen Besucher passiver sexuelle Erregung ausgesetzt sind. Nein, nein, das wurde in “volkseigenen” öffentlichen Raümen noch nicht verboten.
Um gewisse Besucher vor den Folgen passiver sexueller Erregung zu schützen (als da sind, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Taubheit, Gichthand, Nackensteifigkeit u.v.a.) hat man das Eintrittsalter in diese Strip-Bars auf 18 Jahre festgesetzt (heiraten und sexuelle Beziehungen sind allerdings schon vor diesem Alter erlaubt).

Warum hat man sie nicht einfach verboten wie die Raucherlokale? Für ein Verbot liesse sich doch leicht eine Volksmehrheit finden, da Strip-Bar-Besucher in der Minderheit sind und das Ganze doch nur der billigen Lustbefriedigung dient.

Wenn also e.moser vor einer solchen Strip-Bar steht (ich nehme an, völlig zufällig und ohne unlautere Absicht), dann wird er wohl kaum fordern, dass dort innert nützlicher Frist aus der volkseigenen Strip-Bar eine volkseigene Bar wird (was? das Volk lässt zu, dass Alkohol, ein karzinogener Stoff, in volkseigenen Betrieben ausgeschenkt wird?).

Ben Palmer
10.05.2011  15:55

Ist eine Kneipe öffentlicher Raum? Kann ich als Inhaber nicht selber entscheiden, ob ich das für Raucher anbiete oder nicht? Wie schaut es da mit den Grundrechten des Eigentümers aus?
Was macht denn der Staat mit den Milliarden Euro, die er über die Tabaksteuer einnimmt? Da könnten doch zumindest ein paar Kabinen aufgestellt werden, die heute so gut den blauen Dunst abziehen, dass für Nichtraucher überhaupt keine Beeinträchtigungen entstehen. Zudem gibt es in Deutschland wohl andere Probleme, die wichtiger sind.
Aber gerade Renegaten neigen da ja manchmal zur Übertreibung.

gsohn
10.05.2011  17:19

Der Termius “Öffentlicher Raum” ist ziemlich eindeutig definiert, also nichts durcheinander bringen liebe Raucher.

e.moser
10.05.2011  19:39

Der Terminus “Privateigentum” ist ganz eindeutig definiert und war das schon lange bevor der öffentliche Raum erfunden wurde.

Befinde ich mich in öffentlichen Räumen, wenn ich bei Aldi oder in der Apotheke einkaufen gehe?

Aber die eigentliche Frage ist: Was stört Sie daran, dass jemand gewisse Räumlichkeiten aufsucht, um sich dort gesellig mit anderen zu treffen und zu rauchen. Löst das bei Ihnen den eher kindlichen Reflex aus: “Mammi, ich will auch da rein, aber die rauchen alle”?

Ben Palmer
11.05.2011  08:19

Also daran stört mich einmal genau gar nichts. Was mich schon eher stört, ist der oftmals unbedingte Anspruch der Raucher überall rauchen zu dürfen.
Vernüftig getrennte Bereiche in der Gastronomie trügen dazu bei, dass sich Nichtraucher nicht abgeschoben vorkommen müssen.
Und welcher Raucher kann schon von sich behaupten, dass ihm das Essen und das Glas Wein dazu in verrauchter Umgebung ein besonders kulinarisches Erlebnis beschert. Das können höchsten Menschen sein, die essen um satt zu werden und trinken gegen den Durst.
Aber einmal zur Raucherseele zu kommen: Ich kenne genug Raucher, die bei sich zuhause und im Auto striktes Rauchverbot haben, d.h. sie lagern das Problem aus, denn als Problem sehen es viele Raucher trotzdem an.
Wer von uns mag sich übrigens eine Gesellschaft vorstellen, welche gänzlich ohne Regulativ auskommt, von lebenswert könnte man da wohl nicht mehr reden.
Von Pseudowissenschaftlichkeit über die Schädlichkeit des Rauchens reden bestenfalls noch Vertreter der Tabakindustrie, aber es stimmt schon, die Doppelmoral des Staates in der Thematik ist beeindruckend.

e.moser
11.05.2011  11:55

“ist der oftmals unbedingte Anspruch der Raucher überall rauchen zu dürfen.”

Fühlen Sie sich irgendwie als Erzieher, der mit Strafe droht, wenn sich Menschen nicht so verhalten, wie Sie es gerne möchten?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einem guten Restaurant gegessen und getrunken zu haben, das verraucht war, auch wenn das Rauchen nicht verboten war. Ganz feine Restaurants haben oft eine Bar, in der man bei Kaffee und Alkohol eine Zigarette oder Zigarre geniessen kann.

“Ich kenne genug Raucher, die bei sich zuhause und im Auto striktes Rauchverbot haben, d.h. sie lagern das Problem aus, ..”

Na ja, die mag es geben. Ich höre allerdings von Nichtrauchern, die unbedingt jedes Restaurant rauchfrei haben wollen, auch wenn sie nie reingehen. Oder sie gehen da rein, um sich nachher über die Raucher auslassen zu können. Ich muss allerdings sagen, dass sich meine Freunde, ob Raucher oder Nichtraucher, weder in mein Schema noch in Ihres pressen lassen.

“Von Pseudowissenschaftlichkeit über die Schädlichkeit des Rauchens reden bestenfalls noch Vertreter der Tabakindustrie ...”

Und ich dachte, es ginge Ihnen um die Nichtraucher.

Ben Palmer
11.05.2011  15:01

Das von Alitis beschriebene Szenario ist die hausmeisterliche Einladung zum Denunziantentum. Es reicht wohl nicht aus, vom Staat die paternalistische Keule zu fordern. Nein, das kann man natürlich schön auch privat organisieren. Zu e.moser: Es ist doch totaler Quatsch, dass Raucher verlangen, überall rauchen zu dürfen oder das Problem aus den eigenen vier Wänden nach außen verlagern zu wollen. Ich habe überhaupt keine Probleme, auf Nichtraucher Rücksicht zu nehmen und mal kurz vor die Tür eines Restaurants zu gehen, um einen Glimmstengel anzuzünden. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es keinen, der sich rücksichtslos verhält.

gsohn
11.05.2011  15:35

Ich habe ganz eindeutig von “vernünftig getrennten Bereichen in der Gastronomie” geschrieben, also bitte nichts verkehren!
Und grundsätzlich spiegeln sich eben hier die persönlichen Erfahrungen eines jeden, mit Rauchern und Nichtrauchern wider.
Wenn heute Raucher eben nicht mehr verlangen überall rauchen zu dürfen, dann ist das sicher vorwiegend der Bewusstseinsbildung durch Aufklärung und gesetzlichem Regulativ geschuldet, denn die heutzutage immer wieder beschworene Selbstkontrolle, funktioniert eben nicht. Bei Rauchern eben so wenig wie bei den meisten anderen Verhaltensweisen von Menschen, die dazu angetan sind anderen Bürgern Nachteile oder Schäden zuzufügen.
Menschen mögen klug sein, vernünftig oder rücksichtsvoll müssen sie deshalb noch lange nicht sein.

e.moser
11.05.2011  20:08

Von objektiven Nachteilen oder Schäden kann keine Rede sein, wie informierte Novo-Leserinnen und -leser wissen. Und “Rücksicht” auf subjektive ästhetische Empfindungen? Da sind sind wir schnell bei einem absurden Anspruch auf die Unfreiheit des Anderen.
Dass sich das Bewusstsein der Raucher durch die Kampagnen der vergangenen Jahrzehnte und die zunehmenden Gesetzes verändert hat, stimmt durchaus. Der Artikel spricht ja vom “Kreuzzug gegen Raucher”. Und dieser besteht nicht nur aus Regulierung (der Werbung, des Tabakwareninhalts, des Rauchens usw.) sondern auch aus der staatlich finanzierten Volksaufklärung, einer sehr einseitigen Manipulation. Lungen schwarz anmalen, um sie als Raucherlungen zu präsentieren, Junk Science zum Umgebungsrauch usw. Verfehlt leider seine Wirkung nicht.

Christoph Lövenich
16.05.2011  19:25

Neuerdings muss NY für Nichtraucher eine optimale Destination sein, treiben die doch den Verbotszauber amerikanisch missionarisch, schon in die Nähe prohibitionistischer Strenge. Das möchte nicht einmal ich als Ex-Raucher.

e.moser
22.05.2011  21:02

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