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„Beyond Petroleum“: Ökomoral schadet der Umwelt
Von Patrick Hayes
Seit Beginn der Ölkrise im Golf von Mexiko nennt US-Präsident Barack Obama die bedrängte Ölgesellschaft „BP“ immer wieder bei ihrem alten Namen „British Petroleum“, obwohl sie sich 2001 in „Beyond Petroleum“ umbenannt hat. In britischen Medien sowie in politischen Kreisen sorgte dies für großes Aufsehen. Der britische Premierminister David Cameron bat Obama sogar um eine Zusicherung, dass er nicht Großbritannien für das ganze Desaster verantwortlich machen werde. Aber es geht hier nicht um transatlantische Streitereien. Die Frage lautet eher: Warum war BP, der zweitgrößte Ölkonzern der Welt, überhaupt darauf versessen, sich vom „Petroleum“ zu lösen?
Gemeinsam mit der Werbeagentur Ogilvy Public Relations Worldwide verpasst der damalige Konzernchef Lord Browne Madingley 2001 seinem Unternehmen ein neues Markenimage: Es übernahm den neuen Werbeslogan „Beyond Petroleum“ (Jenseits von Erdöl) und ersetzte das traditionelle durch ein neues Logo, das an eine von grünen Blättern umrahmte Sonne erinnert. „Beyond Petroleum“, so meinte Browne, sei nicht nur ein Name; es repräsentiere auch die neuen Ziele und Vorsätze der Firma, sich von der Fixierung auf Erdöl zu lösen und auch Solarenergie, Erdgas, Wind und Wasserstoff zu berücksichtigen.
Tatsächlich leistete das Unternehmen sehr viel Aufklärungsarbeit, um auf die üblen Facetten jener Substanz hinzuweisen, der sie nach wie vor fast ihr gesamtes Einkommen verdankt. BP schaltete sogar Anzeigen, in denen die Ölindustrie kritisiert wurde, um damit die Bereitschaft zu mehr Demut, Transparenz und Offenheit zu signalisieren. Unter Brownes Führung wurde BP der erste multinationale Ölkonzern, der den Kausalzusammenhang zwischen erhöhten Kohlenstoffabgasen und dem Klimawandel propagierte. Der 2005 für die Website von BP entwickelte „CO2-Rechner“ trug dazu bei, den Begriff eines CO2-Fußabdruckes im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Mit Erfolg: BP gelang es, sich als die umweltfreundlichste Ölmarke zu positionieren und seine Markenbekanntheit von vier Prozent im Jahr 2000 auf 67 Prozent im Jahr 2007 zu steigern.
Erwartungsgemäß wurde BP von Umweltschützern der Heuchelei bezichtigt. Aber tatsächlich war das Gegenteil der Fall: Eher scheint es, als ob führende BP-Angestellte von grünen Aktivisten einer „Gehirnwäsche“ unterzogen wurden. In zahlreichen Schriften und Auftritten gefiel sich Browne in nahezu antikapitalistisch anmutenden Äußerungen: So postulierte, dass Gewinnstreben mit dem Streben nach einem höheren Sinn nicht zu vereinbaren sei, offenbar ohne zu bedenken, dass das Betreiben des zweitgrößten Ölkonzerns an sich bereits erstrebenswert genug ist. Diese Einstellung hat einen direkten Einfluss auf die Unternehmensentwicklung von BP genommen, wie die Streichung von Plänen, den Teersand in Kanada zu Ölgewinnung zu nutzen, beweist. Der Entschluss, dieses Projekt aufzugeben, deutet darauf hin, dass BP vor lauter grüner Imagepflege sein Kerngeschäft – das Finden, Fördern und Raffinieren von Erdöl – immer weiter aus den Augen verlor.
Es muss dem jetzigen, in die Schussbahn geratenen, BP-Boss Tony Hayward zu Gute gehalten werden, dass sich BP seit seinem Amtsantritt 2007 wieder stärker auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren begann. Hayward ließ das „Beyond Petroleum“-Etikett verschwinden, griff die Pläne wieder auf, die kanadischen Teersande abzubauen, stellte die Finanzierungen aller Windkraftentwicklungen außerhalb der US ein und schloss einige Solarzell-Fabriken – allesamt Maßnahmen, die mehr Brownes Öko-Marketing als einer nachhaltigen Konzernstrategie geschuldet waren. Im BP-Jahresbericht von 2009 kündigte Hayward in erfrischender Sachlichkeit an, dass BP bei aller Wertschätzung für die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien auch weiterhin hochqualitativen Kohlenwasserstoffe herstellen müsse, die von einer Welt mit einer wachsenden Bevölkerung, wachsender Wirtschaft und größeren Mobilitätsanforderungen benötigt würden. „Die Menschen“, so heißt es in dem Bericht, „brauchen eine BP, die das tut worin sie am besten ist.“
Wäre Hayward früher auf der Bühne erschienen um den Schwerpunkt von grüner PR zurück auf das Tagesgeschäft und dessen Sicherheit zu verlagern, hätte die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko möglicherweise vermieden werden können. Falls Obama wirklich jemandem, wie er es versprach, wegen der Ölpest „in den Allerwertesten treten“ will, dann sollte Lord Browne zusammen mit seinen Kollegen in den BP-Chefetagen, die sich in den letzten Jahren zunehmend darin gefielen, sich als brancheninterne Anti-Öl-Aktivisten zu profilieren, auf dieser Liste ganz weit oben stehen.
Patrick Hayes ist Mitbegründer des Institute of Ideas’ Current Affairs Forums und einer der Organisatoren des Debattenfestivals „Battle of Ideas“. Dieser Beitrag (übersetzt von Nikolaj Wild) ist eine gekürzte Fasssung des im britischen Novo-Partnermagazin Sp!ked erschienen Artikels “BP: The dangers of going Beyond Petroleum” Mehr Informationen zum “Battle of Ideas finden Sie hier.
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01.07.2010 | Permanenter Link | http://bit.ly/badali
Kategorie(n):
@ Kai:
Meiner Ansicht nach ist Hayes’ Vermutung durchaus schlüssig: Wer sich über Jahre primär um PR kümmert anstatt um sein Kerngeschäft, tendiert dazu, weniger Betonung auf tatsächliche Innovationen zu legen. Hierfür gibt es neben dem genannten Beispiel des Abbaus der Teersande zahlreiche Beispiele von anderen Unternehmen.
Von daher ist die Vermutung, dass eine frühere Rückbesinnung auf das Kerngeschäft BP möglicherweise in die Lage versetzt hätte, mit der Krise (nicht auf der Ebene von PR, sondern konkret technisch) besser umzugehen, für alles andere als unfassbar hanebüchen.
Natürlich ist das eine Spekulation - die Aussage ist auch eindeutig so formuliert. Aber genau diese Konzentration auf das äußere Erscheinuhngsbild, auf Popularitätswerte ist ja ein Trend, der z.B. in der Politik gemeinhin als Begleiterscheinung einer inhaltlichen Verödung erkannt wird. Ich habe den Eindruck, dass diese Verödung nicht nur in der Politik stattfindet.
Ich finde es durchaus legitim, dass sich BP “Beyond Petroleum” nennen will. Schließlich ist es klar, dass Öl nicht ewig reicht, die Frage ist ja nur, wie lange es reicht. Eine optimale Unternehmensführung bereitet Visionen vor und arbeitet auf diese hin.
Zum Thema PR: BP ist ein Beispiel für die negativen Folgen intransparenter PR. Tiefseebohrungen finden seit vielen Jahren statt und sind nötig, um den Ölpreis auf dem gewohnten Niveau zu halten. Insbesondere sind die geringen Sicherheitsmaßnahmen nötig, um den Preis entsprechend niedrig zu halten. Es macht also durchaus Sinn das zu kommunizieren, damit auch den Käufern klar ist, womit der geringe Preis bezahlt wird…
BP hat das versäumt, die Katastrophe kam und wenn die Pech haben, war’s das bald für einen Großteil der Tiefseebohrungen. All’ die Entwicklungskosten in dem Bereich für nichts. Vorausschauendes Denken ist etwas anderes.
Und die Verantwortung liegt natürlich allein bei BP, da die meisten Kunden bis vor einigen Monaten keine Ahnung von Tiefseebohrungen hatten. Hätte BP das kommuniziert, wäre viel mehr direkte Verantwortung beim Kunden.
@Matthias Heitmann
Es ist Gang und Gäbe dass staatliche Kontrolleure auch nicht-bestandene Sicherheitschecks von Ölplattformen durchwinken. Auch die meisten BOP’s funktionieren nicht (und das weiß man!), habe die genaue Zahl nicht im Kopf, aber es sind ca. 80%. Mit “safety first” (einem Motto von BP) hat das nichts zu tun. Gute PR machen heißt auch die Kunden und Mitarbeiter nicht zu belügen, letztendlich macht das nur angreifbarer als nötig ist.
@ps
“Insbesondere sind die geringen Sicherheitsmaßnahmen nötig, um den [Oel]Preis entsprechend niedrig zu halten.”
Haben Sie Belege fuer diese Aussage? Mir - als Laie auf diesem Gesbiet - erscheint dies auf den ersten Blick nicht besonders plausibel. Selbstverstaendlich haben Unternehmen immer ein Interesse daran Kosten zu sparen. Keine Frage. Dennoch wuerde ich einmal vermuten wollen, dass ein vernuenftiges Management der mit Tiefssebohrungen verbundenen Risiken und der Einsatz der dafuer notwendigen Techniken nicht unbedingt den Peis des gefoertderten Oels so sehr in die Hoehe treiben wuerde, dass dieses auf dem Markt nicht mehr Konkurrenzfaehig waere. Dass sich dieser Unfall zu solch einer Krise fuer BP auswachsen konnte, hatte ja wohl eher damit zu tun, dass BP zu Beginn - als schlimmeres leicht haette verhindert werden koennen - nicht adaequat reagiert hat. Hier lag offentsichtlich - wie in den Medien berichtet wurde - kein, ueber wolkige PR-Verlautbarungen hinausgehener Krisenplan vor. Unter diesem Gesichtspunkt macht Patrick Hayes Kritik durchaus Sinn. Haette die BP-Fuehrung mehr geistige Ressourcen darauf verwandt, seine Leistungen als Oelfoerderer- und Produzent zu optimieren, anstatt an ihrem oeko-korrekten Image zu arbeiten, waere dieses Versaeumnis vielleicht eher jemandem in der Konzernzentrale uebel aufgestossen.
was für ein dünnsinn. als hätte das pr-geschwätz von firmen irgendein einfluss auf ihre geschäftlichen aktivitäten. und übrigens heisst bp schlicht bp, “beyond petroleum” ist nur ein slogan. wikipedia meint z.b.:
“British Petroleum merged with Amoco (formerly Standard Oil of Indiana) in December 1998,[32] becoming BP Amoco plc.[33] ... In 2001 the company formally renamed itself as BP plc[33] and adopted the tagline “Beyond Petroleum,” which remains in use today. It states that BP was never meant to be an abbreviation of its tagline. ”
@ Pünktchen:
Ich denke, Sie machen es sich ein bisschen einfach. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der Image im Verhältnis zu tatsächlichen Errungenschaften und Erfolgen in der Wirtschaft einen enorm hohen Stellenwert gewonnen hat, ist das “PR-Geschätz”, wie Sie es nennen - für das im Übrigen enorme Unternehmensressourcen aufgewendet werden - , durchaus von Bedeutung. Nicht, weil man ihm zwingend Glauben schenken sollte, sondern weil es der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.
Wenn ein Öl-Konzern es für angesagt hält, einen Slogan zu nutzen, der suggeriert, man denke jenseits des eigentliche Kerngeschäfts über die Zukunft nach, so kann man das glauben oder nicht. Dass es aber meint, damit Pluspunkte sammeln zu können, spiegelt soziale Wahrnehmungen wider, die durchaus relevant sind.
Diese Diskussion ist genauso interessant wie philosophisch und am eigentlichen Thema vorbei. Sinn und Unsinn von PR lassen sich trefflich diskutieren. Da ich selber in dieser Sparte arbeite, kann ich dies ganz gut einschätzen, mein Urteil sollte allerdings nicht unqualifiziert sein.
Indirekt zu suggerieren, es würden “Unsummen” für PR aufgewendet, um einen Imagetransfer in Gang zu setzen, mag auf den ersten Blick logisch erscheinen, wohl aber nicht auf den zweiten Blick.
Einen Löwenanteil des Budgets für PR (Pulic Relations = Öffentlichkeitsarbeit) geht für Lobbying drauf. Das umfasst die Beeinflußung (nicht negativ gemeint) von politischen und gesellschaftlichen Entscheidern, Verbandsarbeiten und Kontakte zu willfährigen Journalisten.
Das, was BP mit Beyond Petroleum gemacht hat, ist eine Werbekampagne, per se etwas vollkommen anderes. Der Sinn einer Werbekampagne ist es, das eigene Produkt zu verkaufen. Platt gesagt kann man das machen, in dem man sein eigenes Produkt anpreist: “Unser Benzin, Öl, was auch immer, ist das beste der Welt…” - oder indem man versucht die Markenwahrnehmung zu verbessern: “Wir sind das nachhaltigste, sauberste, was auch immer Unternehmen”. Punkt 2 trifft auf BP zu.
Aber: Im Prinzip ist das völlig egal: Werbung hätte BP eh gemacht. Es ist gleichgültig, ob das Unternehmen Millionen in einen TV-Spot zum Thema “Grünes Unternehmen” oder das selbe Geld in Werbung an den Tankstellen, auf Plakaten etc. investiert hätte. Ein solcher Konzern hat ein Werbe- und Marketingbudget, und das wird auch ausgegeben. Es dient dazu, den Absatz der eigenen, vorhandenen Produkte zu erhöhen.
Das ist aber nicht der Kern der Sache. Was diesen Artikel schon zu einem kleinen Ärgernis macht, ist, dass er aber lachhafter Weise sagen will, dass bis in die höchste Führungsebene - Tony “Ich will mein Leben zurück” Hayward - ein fester Glaube und ein wahrhaftiges Umdenken in Richtung Beyond Petroleum stattgefunden hat. Als dessen Konsequenz wurde nicht mehr sich auf das Kerngeschäft fokussiert, sondern spinnerten Ökoideen nachgeeifert. Klingt ja auch logisch: Warum sollte man sich um die Sicherheitsaspekte auf den Bohrinseln kümmern, was in guten alten Zeiten noch die wichtigste Aufgabe war, wenn man doch schon längst alle geistigen Ressourcen in Richtung “CO² Neutralität” und weiteren Zeitgeistphänomenen ausgerichtet hat.
ERNSTHAFT: Diese Aussage ist grober Unfug! Eine solche These läßt sich nirgendwo belegen. Bitte liefern Sie mir Zahlen zu gestiegen Marketingaufwendungen und Budgetverlagerungen hinsichtlich neuer Energietechnologien und bitte als Vergleich dazu die jährlichen Kosten für Sicherheit, die augrund höherer Marketingaufwendungen natürlich drastisch nach unten korrigiert wurden. Sofern das nicht möglich ist, bleibt mir nur zu sagen:der Autor stellt eine von der eigenen Weltanschauung motivierte These auf, die an den Haaren herbeigezogen scheint und jeglicher sachlicher Grundlage entbehrt.
Oder habe ich ihn einfach nur mißverstanden?
Meines Erachtens ist dem Autor das System der Großkonzerne fremd.
Prinzipiell sollte man meinen das eine Ölfirma eine Art Co- Reklame machen sollte für Automobile wie den Hummer, einen GMC Suburban, oder andere 30L Autos. Vielleicht nicht in Ländern wo dies einen Affront gegenüber der herrschenden Elite bedeuted, jedoch zumindest im Rest der Welt. Eine Anti-Öl Reklame ist ein Zeichen das im Unternehmen etwas nicht stimmt.
Bei BP dürfte es reichlich Experten und Analysen geben die sehr deutlich aufzeigen können, daß Wind und Sonne für eine moderne Energieerzeugung aufgrund ihrer geringen Energiedichte und Stetigkeit ungeeignet sind.
Allerdings entwickeln Konzerne mit zig-Tausenden, oder 100-Tausenden von Mitarbeitern eine paralelle Welt. In dieser Welt herrscht häufig eine “flexible Wahheit”, eine selektive, flexible Wahrnehmung. Im Ober und Mittelbau kann sich in einer entsprechenden opportunistischen Atmosphäre (es gibt genug Manager denen egal ist ob die Sonne im Süden, oder im Norden aufgeht) leicht eine paralelle Welt entwickeln die dann früher, oder später mit der Wirklichkeit in Konflikt gerät.
Neben der misslungenen Tiefseebohrung im Golf v. Mexiko gab es eine Reihe anderer Vorfälle, Alaska Pipeline, Raffineriebrand in Texas City usw. die darauf hindeuten das BP die Wirklichkeit entglitten ist.
Ich vermute das neben BP auch AREVA, HSBC, Münchener Rück in Teilen einer Paralellwelt gedeihen.
Vandale




Der Großteil dieses Artikels ist ja noch zu ertragen, wenn man das Mindset und die Intention des Autors kennt. Aber der letzte Absatz ist unfassbar hanebüchen! Freunde, ihr weidet ich stundenlang an nicht belegten oder schwierig zu belegenden Äußerungen und Prognosen bzgl. Klimawandels, menschlichen Einflussfaktoren, etc; habt aber nicht die mindesten Probleme, einen Satz wie “Wäre Hayward früher auf der Bühne erschienen um den Schwerpunkt von grüner PR zurück auf das Tagesgeschäft und dessen Sicherheit zu verlagern, hätte die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko möglicherweise vermieden werden können.” rauszuhauen!
Ach du liebe Güte!
Kai
02.07.2010 12:00