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„Gen-Kekse“ aus dem Supermarkt. Greifen Sie zu!

Von Thomas Deichmann

Zuerst die schlechte Nachricht: Gentechnisch verbesserte Lebensmittel kommen derzeit im deutschen Handel praktisch nicht vor. Und nun die gute: Importprodukte aus nicht EU-Ländern bilden immer wieder Ausnahmen. Ende April 2010 haben stadtbekannte Fortschrittsmuffel in einer Rewe-Filiale in München den „Reese’s Peanut Butter Cup“ des US-amerikanischen Herstellers Hershey’s gefunden. Die leckeren Erdnussbutterkekse warteten im Feinkostregal auf aufmerksame Käufer. Denn nur wer das Kleingedruckte auf der Rückseite der Verpackung ausführlich studiert, findet bei den „Reese’s“ den Hinweis auf die gentechnisch verbesserten Zutaten. Nachdem die besagten Angsthasen den Supermarktleiter mit dem Sachverhalt konfrontiert und die Presse informiert hatten, wurde der Gen-Keks angeblich aus dem Regal genommen. In Rewe-Läden außerhalb der deutschen Anti-Hauptstadt soll es das kostbare Gut aber noch geben.


Dabei sollten Verbraucher beim Einkaufen moderner Lebensmittel nicht genötigt werden, die Stadt zu verlassen. Das Rewe-Reese’s-Beispiel zeigt: Der Handel hat die Hosen voll vor ein paar aufgeplusterten Weltuntergangspropheten, die offenbar meinen, ihre eigenen Gene würden durch „Gen-Food“ manipuliert. Unser Appell an Sie: Werfen Sie ab und zu einen Blick auf die Zutatenliste und greifen Sie beherzt zu, wenn Sie im Kleingedruckten den Hinweis „enthält gentechnisch veränderte Organismen (GVO)“ oder „hergestellt aus genetisch verändertem (Zutat)“ finden. Und teilen Sie uns Ihre Funde mit. Erst wenn die Existenz gentechnisch verbesserter Lebensmittel offen kommuniziert wird, werden mündige Bürger in ihren Genuss kommen können!

Reeses Cups - Schokoriegel

Eine pfundsbayerisch-alternative Pressemitteilung zum spektakulären „Gen-Keks-Fund“ finden Sie hier: Umweltinstitut München findet genmanipulierte Süßigkeit bei REWE

Thomas Deichmann ist Chefredakteur von NovoArgumente, freier Journalist und Buchautor.

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Mehr zum Thema finden Sie im Dossier Grüne NGOs.

15.05.2010 | Permanenter Link | http://bit.ly/9iPt0H

Kategorie(n): Umwelt und Gesundheit | Wissenschaft und Technik

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Mal ne Frage: Ist unsere Nahrung so schlecht dass wir an ihr rumdoktern müssen? - Wohl kaum! Wie wärs damit die Artenvielfalt zu erhalten und weniger “Biosprit anzubauen”?
Mal davon abgesehen, schaut doch mal in die Info dieser Seite: “Uns interessieren Fakten und nicht, was das Stimmungsbarometer misst.” Genfood ist was die Langzeiterkenntnisse angeht weitgehend unerforscht, hier wird etwas als Fortschritt gefeiert ohne wirklich zu wissen ob es das tatsächlich ist.
Und nebenbei: Einen Erdnussbutterkeks als “kostbares Gut” hinzustellen, fällt auch nur Leuten ein die außer konsumieren keine anderen Probleme haben.

Phi
31.05.2010  20:08

Ist unsere Nahrung so schlecht dass wir an ihr rumdoktern müssen? - Wohl kaum!

Wie kommst du darauf, bitteschön? Seit einigen Jahrtausenden verbessert der Mensch Kulturpflanzen. Ich empfehle dir, mal einen Blick auf die Wildformen von Weizen, Mais und Bananen zu werfen. Ohne Züchtung würden wir heute auf trockenem Gras herumkauen.

Genfood ist was die Langzeiterkenntnisse angeht weitgehend unerforscht, hier wird etwas als Fortschritt gefeiert ohne wirklich zu wissen ob es das tatsächlich ist.

Phi, das Thema ist etwas komplizierter, als es von dir oder Thomas Deichmann dargestellt wird. Die Forderung nach Langzeitstudien ist ein Strohmann und ein Totschlagargument, die zudem davon ablenkt, was die eigentlich Frage ist: Sind genmanipulierte Lebensmittel grundsätzlich sicher (Lebensmittelsicherheit und Biosicherheit)? Im Falle der Lebensmittelsicherheit kann man diese Frage mit SIcherheit mit “Ja!” beantworten. Vorraussetzung sind natürlich trotzdem toxikologsiche Tests, um alle realistischen Evenetualitäten auszuschließen.

Gentechnik bedeutet nicht, synthetische Gene in fremde Organismen einzusetzen, ohne die Effekte dieser Aktion zu verstehen. Ganz im Gegenteil: Man nimmt i.A. bekannte Gene aus Bakterien oder anderen Pflanzen, die natürliche Abwehrstoffe gegen Pathogene und Schadinsekten produzieren oder etwa Herbizidresistenzgene. Früher musste man solche Gene mühsam einkreuzen, heute ist es möglich, diese präzise in die Zielorganismen einzubringen, ohne das restliche Genom durcheinanderzuwerfen.

Wir konsumieren jeden Tag Unmengen genetischen Materials, trotzdem wurde kein horizontaler Gentransfer Pflanze->Mensch oder Rumpsteak->Mensch beobachtet. Die Gene in einer genetisch manipulierten Pflanze unterscheiden sich nicht von denen der “konventionellen“ Pflanze. Eventuelle Gefahren könnten höchstens von den exprimierten Genprodukten stammen, die toxikologisch überprüft werden müssen. (Bsp: Das (auch im Öko-Landbau genutzte) Bt-Toxin aus dem „Genmais“  MON810 ist nicht für Menschn giftig, sondern nur für Schmetterlinge und deren Raupen, die von der Pflanze fressen)

Das mit dem Erdnussbutterkeks ist natürlich witzig gemeint gewesen, zumindest habe ich das so verstandne

martin, der biologe
01.06.2010  21:41

Hallo Martin!
Wie das ganze technisch funktioniert ist mir bekannt und auch, dass nicht erst seit
Hr. Mendel versucht wird Pflanzen zu verbessern.
Das ich mit “Langzeitstudien” nicht den richtigen Terminus getroffen habe tut mir leid! Doch meine ich damit natürlich nichts anderes als Studien zu “Lebensmittel- und Biosicherheit” (was auch sonst?). Wenn dies von wissenschaftlicher Seite als “Totschlagargument” bedauert wird, fehlt es wohl schlicht noch an Aufklärung in der Bevölkerung.
Worauf ich hinaus möchte ist, dass der Mensch wieder einmal versucht Probleme auf viel zu komplizierte Weise zu lösen - immens viele verdammt kluge Menschen die sich mit der Thematik beschäftigen, könnten ihre Fähigkeiten so viel effektiver einsetzen (zumindest die denen es um ausreichende u gute Nahrung für alle Menschen geht) und das mit viel weniger Geld.
Außerdem werden dem Profittrieb der Lebensmittel- und Saatgutindustrie (...ich hoffe ich werde jetzt nicht über die eigentlich ja so ehrenvollen Absichten der Wirtschaft belehrt) neue Türen geöffnet.
In Nordamerika werden fast nur noch (die genaue Zahl habe ich nicht parat, aber es sind weit über 50%) 2 Kartoffelsorten angebaut - die Beiden welche zwei gewisse fast-food Ketten wünschen. Was eine solche Artenarmut anrichten kann ist bekannt, ein Blick in die irische Geschichte genügt.
Desweiteren werden Patente auf (gentechnisch manipulierte) Pflanzen erhoben und in der Folge Bauern reihenweise verklagt auf deren Feldern extra angesetzte “Komissare” diese Pflanzen finden obwohl die Bauern das Saatgut nicht bei der Firma bezogen hatten (altbekanntes Beispiel: kanadischer Weizengürtel) - Verstreuung durch Wind u Vögel?!?
In Europa haben die Chemieriesen fast alle großen Pflanzenzüchter geschluckt und wollen seit Jahren gentechnisch manipulierte Arten etablieren die nur gegen ihre Unkrautmittel resistent sind um deren Absatz zu fördern. Hier werden Monopole angestrebt!
Der Vertrieb von Saatgut welches nur einmal keimfähig ist und somit die entstehenden Fruchtstände nicht mehr zur Aussaat verwendet werden können ist der Gipfel der ganzen tollen “Gentechnikwelle” - moderne Leibeigenschaft!

Finden wir (du?) es in Ordnung das Pflanzen/Nahrungsmittel in Zukunft nicht mehr allen gehören sollen (Patente)?
Glauben wir das dass Welthungerproblem gerade von multinationalen Konzernen gelöst werden wird?

Ich persönlich finde es zynisch das Gentechnik uns als Lösung vom Welthungerproblem verkauft wird und die einzigen Kommentare zwischen Juppieökos und Pseudofortschrittlern hierzulande sich darum drehen ob es unserer Gesundheit bekommt! Und um den Bogen zu dem unleidlichen Artikel von Hr. Deichmann zurück zu machen: Indem wir wir DEN Erdnussbutterkeks akzeptieren und konsumieren (gesund oder auch nicht!) unterstützen wir die Entwicklung oben angeführter Leibeigenschaft.

Mir ist bewusst das der “Erdnussbutterkeks” nicht bierernst gemeint war, aber ich finde es bei diesem Thema einfach unpassend. ...mit Essen spielt man nicht! :)
PS: Danke für den sachlichen Kommentar!

Phi
02.06.2010  23:01

Hallo Phi.

Doch meine ich damit natürlich nichts anderes als Studien zu “Lebensmittel- und Biosicherheit” (was auch sonst?). Wenn dies von wissenschaftlicher Seite als “Totschlagargument” bedauert wird, [...]

Für die Prüfung dieser Aspekte gibt es auch nationaler und auf EU-Ebene mehrere Instanzen. Für die Sicherheit von Futtermitteln und Lebensmitteln ist auf EU-Ebene die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zuständig, auf nationaler Ebene in Deutschland ist es das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Außerdem hat z.B. auch die EMEA die Finger drin, um z.B. das Risiko von Resistenzmarkern einzuschätzen. Ohne entsprechende Nachweise, dass die neue Pflanze nicht für Mensch/Tier/Umwelt schädlicher ist, als die konventionelle Pflanze, bekommt sie gar keine Zulassung. Das Verfahren dauert bei Amflora seit 1996 (?) an und die Mutterfirma muss auch alle Kosten für die Studien stellen, natürlich. Das macht es für Startups oder kleinere Firmen doch eigentlich unmöglich, in den Markt einzusteigen. Diese Praxis ist zwar notwendig, aber fördert auch die Monopole auf diesem Sektor. Finde ich.

[...] der Mensch wieder einmal versucht Probleme auf viel zu komplizierte Weise zu lösen - immens viele verdammt kluge Menschen die sich mit der Thematik beschäftigen, könnten ihre Fähigkeiten so viel effektiver einsetzen [...] und das mit viel weniger Geld.

Also an dieser Stelle habe ich überlegt, ob ich ausfallend werde. Wieso, glaubst du, kannst du bewerten, welches Forschungsgebiet es wert ist, beforscht zu werden? Ich empfinde das als ziemlich Anmaßung gegenüber der „vielen immens klugen Menschen“. Es gibt außerdem noch andere Anwendung für GMOs, etwa im pharmazeutischen Sektor, damit können dann immer alle plötzlich gut leben.

Profittrieb der Lebensmittel- und Saatgutindustrie [...] Artenarmut [...] Patente [...] Lösung des Welthungerproblems durch multinationale Konzerne

Erstens finde ich, dass McDoof entscheiden dürfen sollte, welche Kartoffeln sie für ihre Fritten verarbeiten. Wenn eine neue Kartoffelseuche deren Fritten ungenießbar macht, ist das deren Problem. Und zweitens ist es klar, dass die Firmen Geld verdienen wollen, den Markt beherrschen wollen und dafür Patente zum Schutz ihrer Sorten einsetzen. Das verfolgen halt marktwirtschaftliche Interessen. Ich finde das nicht gut und ich Genpatente sind schlicht idiotisch. Aber was zum Teufel hat das mit Gentechnik zu tun? Wir müssen das Patentsystem reformieren, Monopole verhindern, usw. Deswegen aber die zugrunde liegende Technologie abzulehnen, ist doch völlig unlogisch.

Saatgut welches nur einmal keimfähig ist und somit die entstehenden Fruchtstände nicht mehr zur Aussaat verwendet werden können ist der Gipfel der ganzen tollen “Gentechnikwelle” - moderne Leibeigenschaft!

Erstens ist solches „Terminatorsaatgut“ ein Zugeständnis an die Umweltsicherheit, und zweitens sät normalerweise niemand eigenes Saatgut aus, wofür es mehrere Gründe gibt. Moderne Sorten sind Hybridsorten, die nur in einer Generation so hohe Erträge haben (Heterosis-Effekt, keine Monopol-Schikane), die Bauern wollen sortenreines Saatgut, das gibt es nur vom Hersteller. Und der Hersteller hat auf seine aufwändig gezüchtete Sorte in der Regel (zeitlich begrenzt) Sortenschutz, er hat das alleinige Recht zur Vermehrung.

Die „Leibeigenschaft“, mit der eigentlich alle gut leben können, ist schon lange Realität.

Ich persönlich finde es zynisch das Gentechnik uns als Lösung vom Welthungerproblem verkauft wird und die einzigen Kommentare zwischen Juppieökos und Pseudofortschrittlern hierzulande sich darum drehen ob es unserer Gesundheit bekommt!

Es ist nicht die Lösung schlechthin, das behauptet doch keiner. Aber lass ich als Beispiel für den potentiellen Nutzen von Gentechnik zwei aktuelle Probleme anführen.

Der Getreideschwarzrost ist ein Pilz, der Weizen und verwandte Kultivare befällt, woran die Pflanzen eingehen. Bis in die 1960er Jahre sind dem Pilz immer wieder Ernten zum Opfer gefallen, bis Sorten mit entsprechenden Resistenzen zur Verfügung standen, was letztlich die grüne Revolution eingeläutet hat. Seit ein paar Jahren gibt es einen neuen, äußerst aggressiven Stamm des Pilzes (Ug99), der marodierend durch Afrika zieht und jetzt Kurs auf die asiatischen Kornkammern nimmt. Durch die Einführung von neuen Resistenzgenen könnte man den Pilz vielleicht in Schach halten.

Zweites Beispiel: Bananen. In den 1970ern wurden die globalen Bestände der Dessertbanane zerstört, da die verwendete Sorte (Gros Michel oder Big Mike) sehr anfällig gegenüber der Fusarium-Welke ist. Glücklicherweise hatte man eine andere Sorte in petto, die weniger anfällig ist und die heute verwendet wird: Cavendish Der Pilz ist aber inzwischen mutiert, hat von Black Sigatoga Gesellschaft bekommen und macht den Bananenbauern das Leben schwer. Man kann die ausschließlich vegetativ über Schösslinge vermehrten Bananenpflanzen nicht züchten, ohne auf die samenreichen Wildsorten zurückzugreifen. Die Früchte diese Züchtungsarbeit sind bisher ziemlich bescheiden, die Bananen schmecken eher nach Äpfeln, als nach Bananen. Da keine ökonomisch tragbare Alternative zur Cavendish existiert, wird derzeit auch intensiv an transgenen Ansätzen geforscht. Die Früchte von transgenen Pflanzen will allerdings in Deutschland keiner essen. Sollte diese Methode also zum Erfolg führen, gibt’s im Bio-Laden irgendwann keine Bananen mehr. Und sollte sich das feindselige Klima gegenüber der grünen Gentechnik nicht ändern, gilt das auch für ganz normale Supermärkte.

So. Ich denke, ich habe dir hinreichend viele Google-Suchworte vorgegeben.

@novo: eure Kommentarfunktion ist einfach zum Weglaufen, wisst ihr das eigentlich?

martin, der biologe
05.06.2010  09:46

@phi - Würde mich interessieren, was Sie an der Kommentarfunktion stört. Bitte um Nachricht, aber bitte direkt an .. Dank&Gru;ß, TD

Thomas Deichmann (Chefred. NovoArgumente)
07.06.2010  09:43

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