Zuletzt kommentiert
- Sarrazin ist der wahre Klimapessimist
- Migration – Je mehr desto besser?
- Freunde der EU
- Das sonnige Imperium des Hermann Scheer
- Mögen Sie Äpfel mit erhöhter Radioaktivität?
- Kundus: Demokratie-Aushöhlung statt Demokratie-Export
- Orwell hatte Recht: Sex wird zum Verbrechen
- Lehren aus der BP-Ölkrise: Don’t panic!
- Klimakonferenz Kopenhagen: Der Weltuntergang…
- Die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke…
Am meisten kommentiert
- Klimakonferenz Kopenhagen: Der Weltuntergang fällt aus!
- Widerrechtliche Jagd auf Steuerhinterzieher
- Piratenpartei: ändern oder kentern?
- Migration – Je mehr desto besser?
- Die Blicke süßer Äffchen
- Der letzte kalte Krieger
- Erfolgreicher mit dem Bruttoglücksprodukt?
Archiv
Dossiers
Amflora und die Gefahren der „Leugnung“ von Wissenschaft
Jüngst wurde in Deutschland erstmals die Amflora-Kartoffel angebaut. Die Auspflanzung geschah unter Polizeischutz, weil Gentechnikgegner zu „Widerstand“ aufgerufen hatten. Ihre Hauptkritik richtet sich gegen ein Markergen, das sich in der Kartoffel befindet und eine Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamycin besitzt. Antibiotikaresistenzen sind ein Problem in der Medizin. Biotechnlogische Markergene wie bei der Amflora haben hierauf jedoch keinen Einfluss. Wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) feststellte, ist „eine Übertragung eines Markergens von GV-Pflanzen auf Bakterien [...] bisher weder unter natürlichen Bedingungen, noch im Labor nachgewiesen worden“. Die große Gefahr, die diese Knolle in den Augen der Gentechnikgegner darstellen soll, lässt sich also mit wissenschaftlichen Methoden nicht belegen. Es geht um irrationale Ängste, und das wissen offenbar auch prominente Gegner. In der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ hieß es am 20.4.2010 über Informationen eines Greenpeace-Verantwortlichen: Das Antibiotika-Resistenzgen in Amflora sei zugegebenermaßen kein großes Risiko, aber ein Hebel, um ein nationales Anbauverbot zu erreichen. So viel zur Seriosität der Angstkampagnen.
Mit unfundierten Aussagen von Gentechnikgegnern, mit tödlich endender Impfmüdigkeit und dem Hype um Lebensmittel aus dem Ökolandbau setzt sich Michael Specter in seinem empfehlenswerten, ca. 15-minutigen TED-Talk „The danger of science denial“ auseinander. Specter geht der Frage nach, wie es sein kann, dass heutzutage so viele Menschen glauben, in der Vergangenheit sei vieles besser gewesen und die Zukunft beschere uns reihenweise Desaster. Und das, obwohl wir auf Grund wissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritts nach Kriterien wie Gesundheit, Wohlstand, Sterblichkeit, Mobilität oder individuellen Entfaltungsmöglichkeiten in einer immer besseren Welt leben.
Tiefere Einblicke in die Argumentation des vielfach ausgezeichneten Journalisten liefert sein aktuelles Buch „Denialism: How Irrational Thinking Hinders Scientific Progress, Harms the Planet, and Threatens Our Lives“. Seine These: Nicht der Fortschritt ist gefährlich, sondern Kräfte, die ihn zu behindern versuchen. Ohne wissenschaftlichen Fortschritt wären die Erkenntnisse, mit denen unser Leben so angenehm wurde, nicht möglich gewesen. Der Wissenschaftsjournalist, der für die „New York Times“ und die „Washington Post“ schreibt, kritisiert fundiert, warum sich der aktuelle Fortschrittspessimismus gegen den Menschen und letztlich sogar auch gegen die Natur richtet. Zudem kritisiert er, dass Wissenschaft immer weniger dem puren Erkenntnisgewinn diene, sondern mehr und mehr zum Werkzeug politischer Organisationen verkommen sei, was den Skeptizismus nur weiter nähre. Specter empfiehlt in einer angenehmen und undogmatischen Sprache, bei der Forschung nicht immer nur die theoretischen Risiken in Betracht zu ziehen, sondern den kaum zu erfassenden Nutzen für Mensch und Natur.
David Fahnert ist Administrator der NovoArgumente-Facebook-Seite.
Mehr zum Thema finden Sie im Dossier Grüne NGOs.
28.04.2010 | Permanenter Link | http://bit.ly/9klqzo
Kategorie(n): Umwelt und Gesundheit | Wissenschaft und Technik
Sehr geehrter Herr Wender,
vorweg erstmal zwei Links:
http://www.youtube.com/watch?v=7OMLSs8t1ng
Der TED Talk auf Youtube.
http://www.thedailyshow.com/watch/thu-december-3-2009/michael-specter
Auch sehr sehenswert, Specters Auftritt in der Daily Show mit John Stewart.
Bezüglich ihrer Einwände:
Sie scheinen meinen Artikel nicht verstanden zu haben. Mit keinem Wort bestritt ich, das man die möglichen Risiken ausklammern darf. Was ich betonte war, das man die Vorteile durch den Fortschritt, welche kaum überschaubar sind, in der Diskussion nicht ausklammern darf, eine Vorgehensweise , welche in der Gesellschaft leider viel zu weit verbreitet ist. Derzeit muss der Fortschritt erst seine Ungefährlichkeit beweisen, was unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten unmöglich ist. Wenn die angeblichen Gefahren, sogar erlogen sind, wie in dem Beispiel, macht es das ganze noch verwerflicher. Um auf ihre Beispiele einzugehen: Nach dieser Logik müssten Steine schlicht und ergreifend verboten werden, weil diese “missbraucht” werden. Dabei klammern sie vollkommen aus , was mit Steinen (in ihren Falle Evolutionstheorie, Kernspaltung und Demokratie) erbaut wurde.
Ihr Kommentar zeigt auf traurigerweise wie nötig der Artikel war.
Steinzeit und Mittelalter waren auch mal Zukunft. Und den Menschen geht es trotzdem besser als damals. Das liegt nicht an der Betonung der Grenzen.
Herr Wender
“..Diesen kritischen Umgang mit der fortschrittsgläubigen Wissenschaft allerdings hieße allerdings, evtl. Gefahren erst zu thematisieren, wenn sie schon da sind. Ich persönlich fände das allerdings als verspätet….”
In letzter Konsequenz, bedeutet ihre Haltung Stillstand. Eine Gefahr, und sei es zur Not auch eine noch nicht bekannte Gefahr, läßt sich mit schlechtem Willen jeder Innovation anreden. Dies erleben wir eben gerade bei der grünen Gentechnik. Da man sie aus ideologischen und mittlerweile auch politischen Gründen nicht haben will zieht man alle Register und versteigt sich zur not auch auf das Überrationale. Nicht der eventuelle Nutzen wird gegen das Riskiko abgewogen, sondern ein eventuelles Risiko in der xten Dimension wird zum Dogma erhoben und selbst das Forschen zum Thema gleicht einer Ungeheuerlichkeit, die man nur verbieten kann. Also lassen wir eben die Geologie als Wissenschaft in Europa nicht gewähren, um Herrn Fahnerts Beispiel vom Stein zu folgen.
Das Gremium, das solche Entscheidungen zu treffen hätte, wäre schlichtweg ein diktatorisches, das je nach Ideologie oder Konsens den Daumen in die gewünschte Haltung bringt. Es wäre einfach gesagt das Ende der akademischen Wissenschaft und Forschung, egal bei welchem Träger sie angesiedelt ist.
Meinen Sie das wirklich oder haben Sie sich nur mißverständlich ausgedrückt?
Ablehnung und Zustimmung reduzieren sich letztlich auf die Frage des Vertrauens. Und da wird die Bonität von Greenpeace & Co eben mit “Triple A” in der öffentlichen Meinung geratet, während die Aussagen von Wirtschaft und Fachpolitik auf Ramschniveau eingestuft werden. Die Kampagneros der NGO’en führen ihren Machtkampf, indem sie das gewonnene Vertrauen nutzen und mehren. So funktioniert Wertschöpfung in der Politik. Es geht doch nicht wirklich um Sachthemen.
- Also wer kontrolliert die (selbsternannten) Kontrolleure? Noch fehlt eine POTENTE Institution, die den “Guten” ständig auf die Finger sieht und deren Tricks, Fehlmeldungen, internes Demokratieverständnis, Missmanagement etc. auf’s Korn nimmt. Die Aufdeckung der Climate-change-Mafia war vielleicht ein gelungener Anfang.
Anmerkung:
Herr Wender,
ich kann ihre Bedenken selbstverständlich nachvollziehen. Nur was sind ihre Konsequenzen daraus?
@ Amflora und die Gefahren der „Leugnung“ von Wissenschaft
( Vorbemerkung : “Denial of science” scheint mir nicht die ” Leugnung” der Wissenschaft, sondern die “Absage” an Wissenschaft und die Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis.)
Das doppelbödig Irrationale (typisch ) deutscher Wissenschaftsfeindlichkeit besteht darin, einerseits überdimensionierte Hoffnungen auf die Leistungserbringung der Wissenschaft zu setzen ( etwa in der Medizin) , andererseits unverrückbare Skepsis gegenüber Wissenschaft und Technik als Zeichen besonderen Verantwortungs-bewusstseins - selbstaufwertend - zu hegen.
Dem Phänomen liegt letztlich eine tiefe Verwurzelung irrlichternden Empfindens im Vorraum des Denkens zugrunde.
Als Gymnasiallehrer, der ideologieanfällige Fächer ( Deutsch / Englisch) unterrichtet, empfehle ich das Durchblättern von Lehrbüchern und deren Mainstream-Ausrichtung. Vor einigen Jahren habe ich im Rahmen einer Facharbeit das Image von Unterrichtsfächern sowie geschlechtsspezifische Rollencliches in Lehrwerken untersuchen lassen. Ergebnis: Mathe ist langweilig, Physik sowieso, Mädchen demonstrieren ihre Weiblichkeit bei der Begegnung mit Computern - indem sie diese nicht zu bedienen wissen. Geht es in den Bereich sogenannten kritischen Denkens, so gilt es, die menschengemachte Bedrohung ( besser ZERSTÖRUNG ) der Natur, die Klimakatastrophe, die vermeintlichen Gefahren der Gentechnik, Fast Food Ketten, überflüssigen Tourismus und dergleichen zu thematisieren und kritisch zu beäugen. Michael Moore wird als fundierter Amerikakenner präsentiert, den Namen Borlaugh sucht man vergebens. Stattdessen Schulvorführung im örtlichen Kino von Al Gores Machwerk profitablen Aberglaubens.
Anekdote nebenbei. Bei einem an den hiesigen Gymnasien durchgeführten Journalismus-Wettbewerb, gesponsert vom örtlichen Lokalblatt, wurde das Thema ” Globale Erwärmung durch CO2 ” als Thema so gestellt, dass Zweifel nicht vorgesehen waren. Auf meine Anfrage, ob ich das Thema dahingehend ändern könnte, dass die Zweifel an dieser Theorie zur Sprache kommen können, erhielt ich keine Antwort.




Vorweg: ich kann das Video leider nicht ansehen.
Mir erscheint es wichtig, auf mögliche Gefahren des wissenschaftlichen Fortschritts hinzuweisen. Viele Erfindungen ziehen eben nicht nur positive Veränderungen nach sich, sondern werden auch genutzt, negative Projekte umzusetzen. Als Beispiel seien nur der Darwinismus in der Biologie, aus dem der Sozialdarwinismus gemacht wurde, die Atombombe als Folge der entdeckten Kernspaltung, sowie der Missionierungsglaube der Demokratien aus einer angeblich inherent vorhandenen Friedfertigkeit eben dieser zu nennen.
Ich finde es deshalb zu einfach, bedingungslos die Genkritiker “abzuwatschn”. Vielleicht ist ihre Furcht in diesem ganz konkreten Fall unbegründet, weil das Markergen an sich kein Problem darstellt. Diesen kritischen Umgang mit der fortschrittsgläubigen Wissenschaft allerdings hieße allerdings, evtl. Gefahren erst zu thematisieren, wenn sie schon da sind. Ich persönlich fände das allerdings als verspätet. Ein komplettes Verneinen der Wissenschaft bringt insofern genauso wenig wie ein unkritischer Umgang mit den Folgen von Wissenschaft und Forschung.
Stefan Wender
29.04.2010 11:18