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Fleisch essen ohne schlechtes Gewissen
Von Johannes Richardt
In seiner lehrreichen und unterhaltsamen Kolumne „Mahlzeit“ im Radiofeuilleton des Deutschlandradio Kultur hat sich der Novo-Autor Udo Pollmer bereits den ein oder anderen populären Ernährungsmythos vorgeknöpft. Diesmal geht es um den angeblich zu hohen Fleischkonsum der Menschheit.
Der Kerngedanke seines aktuellen, als Audiostream zu hörenden Beitrages „Den Braten gerochen“ lautet: „Die populäre Vorstellung, es wäre besser die Menschheit vegetarisch zu ernähren, ist ein Trugschluss.“ Nicht nur die Fleischproduktion hat sich u.a. durch den erfreulicherweise steigenden Bedarf der Schwellenländer verfünffacht, auch die Effizienz der Herstellungsmethoden ist in den letzten Jahren z.B. durch züchterischen Fortschritt oder die Aufbesserung des Futters durch gentechnisch erzeugte Aminosäuren deutlich angestiegen. Benötigte man in der Vergangenheit noch 10 Kilo Getreide zur Herstellung eines Kilos Fleisches, so sind es heute nur noch 2,5 Kilo. Der weit verbreitete Mythos, das Welternährungsproblem lasse sich dadurch lösen, dass die Menschheit Weideland für Rinder dazu nutzen sollte, vegetarische Nahrung für den Menschen anzubauen, erweist sich als zu kurz gedacht. Obwohl es richtig ist, dass in Teilen der Welt Regenwald zur Schaffung von Weideland gerodet wird, stimmt es auch, dass die überwiegende Mehrheit der weltweiten Weidefläche (z.B. die argentinische Pampa, das Allgäu oder die kasachische Steppe) für die Getreide-, Obst- oder Gemüseproduktion nicht oder nur bedingt geeignet sind. Der populäre Vorstellung, man könne die in der Stallwirtschaft verwendete Tiernährung für die Ernährung des hungerenden Teiles der Menschheit nutzen, erteilt Pollmer ebenfalls eine Absage. So fressen Rinder zum Großteil Nahrung, die für den Menschen nicht verdaubar oder nicht nahrhaft ist: „Sie fressen Millionen von Tonnen an Weizenkleie, Erdnussschalen, Orangenabfällen, Biertreber oder Federmehl.“ Pollmer meint, dass den Hungerenden in erster Linie auf Grund hoher Marktpreise Nahrungsmittel vorenthalten werden. In diesem Zusammenhang kritisiert er die Erzeugung von Biodiesel. Ohne einen nennenswerten Anteil an der weltweiten Energieproduktion bereitzustellen, führt die Verwertung von Getreide für Biodiesel zu einem Anstieg der Weltmarktpreise für dieses Grundnahrungsmittel und trägt somit zur Verschärfung der Hungerproblematik bei.
Fazit: Nicht der Verzicht auf Fleischkonsum, sondern die Ausweitung effizienter Herstellungsmethoden, der kluge Einsatz von Ressourcen und nicht zuletzt technische Innovationen bei der Fleischproduktion weisen den Weg in eine Welt ohne Hunger.
Zum Audiostream des ca. dreieinhalb Minuten langen Kommentars „Den Braten gerochen“ geht es hier
Johannes Richardt ist Leiter PR & Kommunikation des NovoArgumente Verlags. Zuletzt ist von ihm im NovoBlog der Kommentar „Über das Recht, Katzen zu essen“ erschienen.
- Michael Miersch: „Angst wollen Seele essen“ in: Novo63 (3–4 2003)
- Thilo Spahl: „Die bunte Welt der gesunden Ernährung“ in: Novo73/74 (11 2004 –2 2005)
- Ingo Potryus: „Die Hysterie europäischer Meinungsbildner ist auf Entwicklungsländer übergeschwappt“ in: Novo76 (5–6 2005)
- Norman Borlaug: „Gentechnik lindert Armut“ in: Novo96 (9–10 2009)
21.04.2010 | Permanenter Link | http://bit.ly/cJbeEd
Kategorie(n): Umwelt und Gesundheit
Allgäuer Almen mit der kasachischen Steppe zu vergleichen ist schon etwas ungenau.
Das zur Fütterung immer noch notwendige Wasser ist in Steppengebieten ein beschränkender Faktor, welcher eine Steigerung der Fleischproduktion entgegensteht. Rinder/Schafe/Ziegen als “Fleischproduzenten” in Steppengebieten benötigen gegenüber unseren Gebieten bis zum 100fachen der Weidefläche und es geraten die Rinder geraten vergleichsweise klein, mit rd. 300 Kg Lebendgewicht.
Die Aufbesserung des Futters durch gentechnisch erzeugte Aminosäuren bessert vorrangig die Aktienwerte der Gentechnikunternehmen auf.
Übrigens ist der Mensch nicht ausschließlich Fleischfresser und ist auf ein ausgewogenes Ernährungsangebot zur Erhaltung seiner Gesundheit angewiesen. Diese Ausgewogenheit muss auch in der Nahrungsmittelproduktion gegeben sein, damit die Natur nicht Schaden nimmt. Sonst ist die Menschheit so wie in den letzten 100 Jahren ständig mit Reparaturen beschäftigt.
Herr Moser,
dann erklären Sie bitte den Steppenbewohnern der Welt, daß es besser ist die Steppe selber abzuweiden, als dies das Vieh erledigen zu lassen. Das Gras ist gesund und Milch kann man zur Not auch selbst geben, nicht? Wem es nicht passt, der kann sich ja fruchtbare Böden suchen, wo man lecker Getreide etc. anbauen kann.
Die Viehnomaden warten auf ihre tollen Vorschläge. Bezüglich der gentechnisch erzeugten Aminosäuren sollten Sie gleich auch mal das Vieh fragen, was es davon hält.
Ach übrigens, wer Udo Pollmers Bücher nicht liest ist selber schuld, wenn einen der Teller anstinkt und die Angst den Löffel hochkriecht.
@bibliothekar
Die Steppen dieser Erde werden schon entsprechend genutzt, ist aber die intensivere Nutzung aus diversen Gründen nicht weiter ausbaubar.
Diese Gründe sind, für alle die es noch nicht wissen:
Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter = 100 Grad C.
Kurze Vegetationsperiode = etwa 3 Monate
Keine ausreichende Bereitstellungsmöglichkeit von Wasser über Distanzen von einigen 100 Km.
D.h. es ist dort nur Nomandenbewirtschftung möglich.
Dort wo trotzdem Nutzung möglich ist, wird sie auch betrieben, da braucht man nicht unbedingt Herrn Pollmer dazu.
Wo Pollmer Recht hat, ist eindeutig dass zu hohe Lebensmittelpreise die Lebensmittel unleistbar für weite Teile der Menschheit machen.
Fakt ist aber auch, dass die dortige Landwirtschaft durch hoch subventionierte Importe aus EU und USA/CAN/Brasilien massiv unter Druck steht.
Beispiel: 1 Kilo Hendflügerl, TK-Ware aus der EU, (das Huhn ist mit den bei uns verkauften Bruststücken schon auf Kostendeckung, der profitable Rest kommt durch Exportförderungen in die Bücher) kostet wenige Cent in Afrika, der örtliche Hühnerbauer mit einigen Hundert gefütterten Viehern pro Jahr kann da nicht mithalten.




Zur Info: Herr Pollmers aktuelles Buch:
Udo Pollmer, Monika Niehaus:
Wer gesund lebt, ist selber schuld
https://www.blv.de/index.php?id=52&tx;_steineddy_pi1[id]=5665
Johannes Richardt (NovoArgumente)
27.04.2010 11:01