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Katastrophaler Umgang

Von Matthias Heitmann

Glaubt man der allgemeinen Stimmungslage, dann möchte uns der isländische Vulkan Eyjafjallajökull etwas sagen: Wir leben zu schnell, zu rastlos, zu gedankenlos. Es wird Zeit, uns zu entschleunigen. Und seid ihr nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt, spricht Eyjafjallajökull und schleudert Asche auf unsere Häupter, auf dass wir lernen, auf Naturgewalten zu hören und uns ihnen zu unterwerfen. Die Naturkatastrophe, so scheint es, ist keine, zumindest keine sinnlose. Fast bekommt man den Eindruck, als seien viele Menschen dankbar für Gaias Protest, dankbar dafür, einen Grund geliefert zu bekommen, die technisierte Welt zumindest vorübergehend lahmzulegen und einfach mal abzuschalten. Nichts passiert ohne Grund und Sinn. Oder etwa doch?

Sieben tote Soldaten gab es in den letzten Wochen aus Afghanistan zu vermelden. Jede Todesnachricht vom Hindukusch ereilt die deutsche Öffentlichkeit wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie hält inne vor Schreck und Trauer, erfährt jedoch nichts über die Hintergründe der Vorfälle. Sie kennt auch die Aufgaben und Ziele, denen sich die Bundeswehr verpflichtet fühlt, nur als Schimären und unglaubwürdige Floskeln. „Ein feiger Anschlag“ – weiter geht die Analyse der Geschehnisse von Politikerseite nicht. Bekamen wir im Irakkrieg zumindest noch Landkarten mit eingezeichneten Frontverläufen vorgehalten, die das Gefühl vermitteln sollten, Teil einer ehrenwerten und zielgerichteten Mission zu sein, so fehlt dies in der Diskussion über den Afghanistan-Konflikt. Fakt ist: Die Bundeswehr ist vor Ort, ein Verbleiben nicht erwünscht, ein Abziehen verantwortungslos. In dieser Erstarrung warten wir auf den nächsten tödlichen Zwischenfall – wie auf das nächste Erdbeben.

Ein unheilvoller Prozess ist im Gange: Während der Vulkanausbruch wie ein entschleunigender Glücksfall wahrgenommen wird, nehmen plötzlich tödliche Zwischenfälle im Krieg in unserem Denken die Form von Naturkatastrophen an. Wir messen Überschwemmungen, Stürmen, Vulkanausbrüchen und selbst Erdbeben eine dem menschlichen Denken übergeordnete Bedeutung bei und nehmen gleichzeitig gesellschaftliche Entwicklungen mit der niedergeschlagenen Resignation von „Opfern höherer Gewalt“ achselzuckend hin. Aufgeklärt ist das nicht.

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Matthias Heitmann ist Chefredakteur Online von NovoArgumente. Im April 2010 ist sein neues Buch „Mythos Doping“ im Parodos Verlag erschienen. In Novo105 (3–4 2010) äußerte er in seinem Artikel „Piratenpartei: ändern oder kentern“ die Befürchtung, dass die junge Partei sich ähnlich entwickeln könnte wie die Grünen.

  • Thilo Spahl: „Die sympathische Katastrophe“ in: Novo-Blog, 19.4.10
  • Frank Furedi: „Afghanistan – der ängstliche Krieg des Westens“ in: Novo103 (11–12 2009)
  • Matthias Heitmann: „Katrina and the Waves“ in: Novo79 (11–12 2005)
  • 20.04.2010 | Permanenter Link |

    Kategorie(n): Krieg und Terrorismus | Kultur und Gesellschaft

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    Vulkanausbrüche stellen im eigentlichen Sinne keine Katastrophen dar, sondern natürliche Vorgänge, die nur für die Menschen katastrophal werden können, die sich, aus welchen Gründen immer, zu nahe am Geschehen aufhalten.
    Die interpretierte, aber kaum gemessene Aschenwolke über Europa fällt eindeutig in die Kategorie „Erzeugung von Angst und Verunsicherung“ mit pandemischen Effekten.
    Ein beträchtlicher Anteil von Massenverblödung, nicht zuletzt durch die Massenmedien forciert, spielt dabei eine bedeutende Rolle.
    Die gleichen Berichterstatter steuern auch das Empfinden, wenn es um von Menschen veranstaltete Katastrophen wie dem Afghanistan-Krieg geht. Dort allerdings möchte man lieber kaschieren, denn im Gegensatz zum Vulkanausbruch kann man die für die Toten Verantwortlichen benennen: Es sind diejenigen, die junge Menschen ins Verderben schicken.
    Diese Verursacher aber steuern die Medien – eine Katastrophe mehr, die allgemein verkannt wird.
    In der Tat, von Aufklärung sind die Menschen im „Zeitalter der Kommunikation“ weit entfernt.

    Raymond Walden
    22.04.2010  12:51

    Dieter Dämlichs Denke ist entblößt. Er sieht den Vulkanausbruch nicht als Zeichen Gottes ( an den glaubt ein Anbeter von St. Natura eh nicht), aber doch als pseudometaphysisches Zeichen, das uns Einhalt gebieten will. Der Vulkanausbruch sozusagen als Menetekel im Luftverkehrskorridor, mit der Absicht, dem wohlstandversessenen Fortschrittsdenken des Westens eins auf die Mütze zu geben und ihm die Formel zu verklickern, dass weniger mehr ist. Also: Weniger Wohlstand = mehr Lebensqualität. Diese Einsicht verdanken wir, die irregeleiteten Konsumesel, Eyjafjallajökull.
    Na dann, meine Herren Techniker und Ingenieure, besinnt euch endlich, wie man unsere Lebensqualität auch ohne technischen Fortschritt garantieren kann! Und wenn euch nichts einfällt, dann zündet vielleicht gelegentlich eine Kerze an und meditiert über die Entdeckung der Langsamkeit.

    Sepp Hueber
    01.05.2010  22:35

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