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Wie viel Windstrom braucht Deutschland?

Fragen, die man sich stellen sollte. Von Lutz Niemann

„Wir brauchen mehr Erneuerbare Energien“, diese Meinungsäußerung hören und lesen wir in Deutschland fast täglich. Ist das wirklich so? Dieser Frage sollte nachgegangen werden.
Zu Deutschlands Energiemix bei der Stromerzeugung sind seit 1998 in großem Maße die Erneuerbaren hinzu gekommen, eben der Windstrom und der Solarstrom. Laut Gesetz ist dieser Strom von den Netzbetreibern bevorzugt abzunehmen, auch wenn er nicht benötigt wird und auch wenn dafür andere, billiger produzierende Kraftwerke vom Netz genommen werden müssen.
Deutschland hat inzwischen eine Windleistung von rund 25.000 Megawatt (MW) installiert, das ist mehr als die Leistung aller unserer Kernkraftwerke von rund 21.500 MW. Im Falle hoher Windstromeinspeisung muss man andere Kraftwerke abschalten. Das sind von den fossil befeuerten Kraftwerken zuerst die Gaskraftwerke, denn diese haben Turbinen, die der schnell wechselnden Windstromeinspeisung am besten folgen können. Reicht das nicht, müssen auch Kohlekraftwerke abgefahren werden, und als letztes auch Kernkraftwerke. So muss das Kernkraftwerk Unterweser sehr oft, aber auch das Kernkraftwerk ISAR in der Leistung zurückgenommen werden. Deutschland nimmt billigen Strom mit Erzeugungspreis von ca. 3ct/kWh aus dem Netz, stattdessen versorgt man sich mit teuren Windstrom mit einem Erzeugerpreis von 9ct/kWh. Warum brauchen wir das? Diese Frage konnte bisher noch von niemandem nachvollziehbar beantwortet werden.

Es ist inzwischen nicht mehr möglich, bei Starkwind den gesamten Strom im Land zu verbrauchen. Dann fließt der Strom hinaus über die Grenzen. Der zunehmende Stromexportsaldo Deutschlands in den letzten Jahren liegt auch in der zunehmenden Windstromerzeugung der vergangenen Jahre begründet, wie die anhängende Tabelle zeigt.
Deutschland erhält für den exportierten Windstrom einen Preis, aber nicht den vollen Preis der Einspeisevergütung, den die Windmüller erhalten, sondern einen geringeren Preis um 3 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Die Differenz ist Deutschlands Verlust. Warum brauchen wir das?
Die Preisbildung über die Grenzen erfolgt nach Marktgesetzen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, wenn das Angebot groß ist, fallen die Preise. Und im Jahre 2009 ist der Preis oft sehr weit gefallen, er ist sogar negativ geworden, mindesten 18 Mal.* Deutschland war dann der „billige Jakob“ auf dem westeuropäischen Strommarkt – für den außer Landes fließenden Windstrom musste noch Geld dazugegeben werden. Besonders schlimm war das Weihnachten 2009, in der Nacht vom 25. zum 26. Dezember: Die Preise erreichten minus 1,5 Euro pro kWh. Mit dem im Ausland zu entsorgenden Windstrom flossen schnell einige Millionen Euro hinaus über die deutschen Grenzen. Warum brauchen wir das?

Viele Menschen meinen, dass mit der zusätzlichen Quelle des Windstroms unser Land mehr Unabhängigkeit von den Energielieferungen aus dem Ausland gewinnt. Aber auch das ist ein Irrtum, wie ein Blick auf die Technik lehrt: Das Stromnetz wird im „Lastfolgebetrieb“ gefahren, d.h. die Stromerzeugung muss den Stromanforderungen aller Kunden folgen. Die Regelung erfolgt über die Netzfrequenz, das hat physikalische Gründe. Nun kann der Wind keinen Lastfolgebetrieb gewährleisten, er bläst nun einmal nicht auf Anforderung. Es muss im Netz zusätzlich zu den schwankenden Anforderungen der Kunden auch noch der unregelmäßig blasende Wind durch „back-up“-Kraftwerke ausreguliert werden. Dazu eignen sich nun einmal am besten Gaskraftwerke, wie oben schon gesagt wurde. Und so hatte der Ausbau der Windkraft einen Ausbau der Erdgaskraftwerke bei uns zur Folge, mit dem Ergebnis zusätzlicher Abhängigkeiten von den Lieferländern, insbesondere von Russland. Warum brauchen wir das?

Als Ausweg aus dem Dilemma wird das „smart grid“ angeboten, eine „intelligente“ Vernetzung von Erzeugern, Verbrauchern und Speichern, was nichts anderes bedeutet, als dass nun auch der Stromverbrauch gesteuert werden soll. Stromverbrauch dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, schmackhaft gemacht durch das schmückende Adjektiv „intelligent“, wer kann dazu schon Nein sagen?
Die Einführung des EEG läuft unserer freien Marktwirtschaft zuwider, es ist die Rückkehr zur Planwirtschaft unter dem Deckmantel von naiven Sprüchen wie „Der Wind bläst kostenlos“ (Inge Niedek) oder „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ (Franz Alt). Ökosozialistische Ideen einer neuen staatlichen Zwangswirtschaft wurden eingeführt, jetzt mit neuen attraktiven Namen, wie Umweltschutz, Klimaschutz, etc. Teurer Strom, den niemand freiwillig kauft, wird uns per Gesetz aufgezwungen. Die Planwirtschaft hat den Menschen noch nie gut getan, 1989 ist ein Großexperiment dazu gescheitert. Sie wird auch jetzt wieder scheitern, spätestens dann, wenn Deutschlands exportorientierte Wirtschaft an zu hohen Preisen für seine Waren gescheitert ist. Dann wird es wieder heißen: „Wer hätte das gedacht?“


Der Stromaustausch von Deutschland in Millionen Kilowattstunden pro Jahr (www.ucte.org) im Vergleich zur Windstromerzeugung (www.windstrom-kosten.de)

Jahr Import Export Saldo (Export) Windstromerzeugung
2001 43 903 43 955 52 10 500
2002 46 217 45 541 - 676 16 800
2003 45 758 53 823 8 065 18 900
2004 44 214 51 519 7 305 25 500
2005 53 462 61 922 8 460 26 500
2006 46 140 65 912 19 772 30 300
2007 44 270 63 385 19 115 38 600
2008 40 245 62 695 22 450 42 000
2009 38 100

*„Verbraucher zahlen für Überangebot an Öko-Strom“ in: F.A.Z., 10.12.09, www.faz.de

Dr. Lutz Niemann ist Mitinitiator der Internetplattform Buerger-fuer-Technik.de. Für Novo99 (3-4 2009) schrieb er über den „Asse-Skandal“ und für Novo102 (9-10 2009) gemeinsam mit Ludwig Lindner über Gorleben und die Kapriolen um die Lagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland.

Mehr zum Thema finden Sie im Dossier Atmomkraft.

01.03.2010 | Permanenter Link |

Kategorie(n): Wissenschaft und Technik | Atomkraft

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Ich bin von diesem Artikel enttäuscht, beleuchtet er die Stromerzeugung generell in meinen Augen zu einseitig. Sicherlich ist die Einspeisevergütung nach EEG ökonomisch gesehen nachteilig. Dennoch ist die Förderung erneuerbarer Energie mit finanziellen Anreizen eine notwendige Regulierung.
Natürlich bringt die Leistungsüberversorgung von Windkraftwerken Probleme mit sich und der Verkauf zu unrentablen Preisen schädigt die Kassen. Geht man aber von ökonomischer zu ökologischer Betrachtung muss man Schlussfolgern, dass 3ct/kWh ein unrealistischer Preis für nicht eE ist. Die Lagerung/Castor-Transporte lasten auf dem Rücken von Staatskassen und nicht denen der Energieversorger mit ihren 3ct/kWh-Strom. Ganz zu schweigen von den unabsehbaren Langzeitlagerkosten radioaktiver Materialien. Hier verweise ich auf den Asse-Skandal Anfang des Jahres. Brauchen wir das ?
Dass es keine geeigneten Energiespeichermöglichkeiten gibt, bedaure auch ich sehr und gerade deshalb scheint es mir der einzige vernünftige Schritt zu sein mit “smart grids” die Energielast zu verteilen. Dann würde der Energiepreis nicht in diesem Maße fallen und der relative Anteil eE am Gesamtmix könnte erhöht werden.
Es ist der einzig richtige Schritt mit dem ökologischen Wandel und dem ansteigenden Energiebedürfnis umzugehen. Nicht, dass bei Klimaflüchtlingen in 20 Jahren und einem darauf folgenden radikalen politischen Ruck einer fragt: “Wer hätte das gedacht?”

Martin Schaffer
02.03.2010  11:16

Herr Schaffer,

ihr Blick auf die Dinge ist ideologisch geprägt und nicht ökologisch oder gar ökonomisch.  Die Energieversorgung eines Landes ist ein viel zu wichtiges Gut um es zur Spielwiese für ökologistische Weltenretter zu machen. Mit der Bevorzugung von Windmühlen und Krähenspiegeln werden Sie das Klima auch nicht retten, so dies denn überhaupt sinnvoll oder gar notwendig sein kann.
Eine Weiterentwicklung effektiver, alternativer Energieerzeugung wird mit dieser maßlosen Subvention auch nicht erfolgen. Der Kick des schnellen Geldes ist doch allzu verlockend.
Reicht die Energieversorgung mit erneuerbaren Energien nicht aus um eine Industrienation zu versorgen, so soll doch einfach der Verbrauch eingeschränkt werden. Wachstum ist doch eh schädlich und der Mensch potentiell für die Umwelt gefährlich.
Ist Ihnen eigentlich bewußt wie kostbar günstig erzeugte Energie im Überfluß ist? Was sich daraus für Potentiale ergeben. Naja, das Geld für den Umweltschutz kommt halt aus der Staatskasse und der Strom aus der Steckdose.
Mit Ihren “smart grids” können Sie mir auch gestohlen bleiben. Wann ich meine Wäsche wasche bestimme ich und nicht die zentrale Energieversorgungsleitstelle, die mich dann womöglich ermahnt, daß ich diese Woche schon eine Wäsche gewaschen habe und somit ein maßloser, unökologischer Mensch bin.
Solange es Möglichkeiten gibt, und die gibt es halt, Energie günstig zu erzeugen, wird dies genutzt werden müssen. Alles andere ist schlichtweg Verschwendung von Fortschrittspotential und führt zur Fesselung der Entwicklungsmöglichkeiten auch für den Umweltschutz.
Es ist ja gerade die immer vorhandene stabile Energieversorgung, nahezu im Überfluß, die diese Spielereien mit unreifen “erneuerbaren” Energien hervorgebracht hat. Fragen Sie einmal in Afrika nach, wie toll die das finden funktionierende Energieversorgung einfach mal so ungenutzt zu lassen nur damit sich lustig die Windmühlen drehen können.


Herrn Niemann bin ich dankbar für den Artikel, der der Aufklärung dient.

Bibliothekar
02.03.2010  22:46

Die Windstromeinspeisung schwankt in Deutschland ziemlich beliebig zwischen etwas über 0 und gut 20.000 MW. In einem bedarfsgesteuerten Netz muß die gesamte Windkapazität durch teils befeuerte Reservekapazitäten abgedeckt werden. Durch Windstrom werden weder Kapazitäten ersetzt, noch Betriebskosten eingespart, sondern lediglich ein Teil der Brennstoffkosten konventioneller Kraftwerke eingespart. Die Kosten für Kernbrennstoff liegen bei 0,5c/KWh, Braunkohle 1c/KWh, Steinkohle 2c/KWh. Der Windstrom hat einen Wert von ca. 1c/KWh.

Die Erzeugungskosten für Windstrom betragen je nach Standort etwa 7,5 - 9c/KWh. Aufgrund der gewährten Subvention (Einspeisevergütung) von insgesamt 9,7c/KWh ist dies für die Betreiber meist rentabel. Die Gesellschaft erhält für viel Geld wertlosen Zufallsstrom.

Der Materialaufwand einer Windkraftanlage beträgt etwa ein 37-faches eines Kernkraftwerks. Möglicherweise bedarf es mehr Energie eine Windmühle zu errichten und zu betreiben als diese an Energie erzeugt. Die Gondel einer Windmühle enthält eine größere Menge Schwermetalle. Die Transformatoren giftiges Öl. Windstrom ist umweltschädlich.

Die gesamte Analyse finden Sie unter http://www.oekoreligion.npage.de

Vandale

Vandale
05.03.2010  00:48

Folgenden Kommentar hatte ich abgeschickt, scheint aber nicht angekommen zu sein (oder nicht erwuenscht?):

Bravo, eine der besten Zusammenfassungen! Vielleicht darf ich ergaenzen, dass diese “Kosten"rechnung immer noch nur das halbe Bild vermittelt (weil Politiker und Kameralisten schon vom Grundsatz her nicht rechnen koennen): wenn auch schwer zu berechnen, und daher von der Politik leicht zu verschleiern, sind hier weitere kostentreibende Faktoren am Werk. Da Industrie je nach Auslastung zwischen Vollkosten- und Deckungsbeitragsrechnung schwankt, ist es unmoeglich einen echten “Kostenpreis” anzugeben, wenn durch die Politik marktfremde Elemente der Willkuer verordnet werden. Dennoch sei ein Versuch gewagt: Nehmen wir an, ein Taxiunternehmer haette ein uebliches elfenbeinfarbenes Taxi. Dieses hat der Unternehmer bisher so oft es ging eingesetzt, d.h. am liebsten im 24-Stundenbetrieb mit drei Fahrern in Achtstundenschichten. Nun hat der Staat aber beschlossen (und sicherlich GUT begruendet), dass elfenbeinfarbenes Taxis nur noch bei Windstille fahren duerfen. Weht der Wind mit mehr als einer bestimmten Geschwindigkeit, muessen in Zukunft gruene Taxis zum Einsatz kommen. Laesst der Wind nach, muss aber das gruene Taxi sofort stehengelassen und der Fahrgast mit dem elfenbeinfarbenen Taxi weitertransportiert werden. Letzteres gestaltet sich schwierig, es ist eine zusaetzliche komplizierte Logistik und Infrastruktur notwendig. Aber auch sonst sind die Kosten hoeher als bisher: es muessen nicht nur zwei Taxis, die, wie jedes Auto, auch im Stand an Wert verlieren und Kreditzinsen kosten, vorgehalten werden, nein, auch wenn sie stehen, laufen bestimmte Abnutzungserscheinungen weiter, bestimmte Wartungsintervalle werden nach verflossener Zeit und nicht nach Kilometerleistung berechnet usw. Fuer all das muss nicht nur deutlich mehr aufgewendet werden als fuer das einzelne Taxi bisher, es ist tatsaechlich MEHR ALS DAS DOPPELTE eines konsequent bewirtschafteten Taxis! Die Analogie der verschiedenfarbigen Taxis leuchtet vermutlich jedem ein, der Wechsel zwischen beiden je nach Windstaerke mit der komplizierten “Umbettung” der Fahrgaeste vielleicht nicht: sie steht fuer die Verdoppelung der Leitungskapazitaet, d.h. fuer DIESELBE Strommenge mussen nun an verschiedenen Stellen Einspeisepunkte und Transportleitungen vorgesehen werden, die aber eben nur die halbe Zeit genutzt werden, d.h. nicht nur die eigentlichen Erzeugungsanlagen (Taxis) werden dupliziert, sondern auch noch die Wege zum Verbraucher, fast so, als wuerde man im Taxibeispiel fordern, zusaetzliche Strassen nur fuer gruene Taxis zu bauen. Dass diese kostspielige Fehlentscheidung nun noch durch intelligentes Netzmanagement “ergaenzt” werden soll, heisst nichts weiter, als eine weitere zusaetzliche Kostenebene einzufuehren, die bereits so bloedsinnig ist, dass mir nicht mal mehr ein Taxi-Analogie dazu einfallen will!

CrisisMaven
05.03.2010  13:58

Hmm.. Aber wenn wir den Ausbau und die Integration von erneuerbaren Energien nicht rechtzeitig fördern und vorantreiben, geht uns halt irgendwann das Licht aus wenn der Öl- bzw. Gashahn zugedreht wird… und dann Fragen wir uns wahrscheinlich auch: Wie konnte das nur passieren?! Die Kritik mag berechtigt sein, ist aber zu kurzfristig gedacht…

ProWind
20.12.2010  12:20

Dazu brauchen wir alles, nur keine Windstromerzeugung oder Photovoltaik.
Die Sonnenenergie sollte, wenn ueberhaupt, als direkte Waerme genutzt werden statt mit dem vernachlaessigbaren Wirkungsgrad der Dach-Sonnenkollektoren. Letztere sind wie Windstromgeneratoren reine Energie- und Geldverschwendung. Was die Menschheit betrachten muss, ist ihre ENERGIEversorgung, nicht den geringen Anteil des STROMverbrauch dabei.

CrisisMaven
05.01.2011  18:25

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