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Aus Depressionen lernen?
Von Matthias Heitmann
Der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke füllt die Schlagzeilen und regt die Gemüter der Republik. Einerseits ist es nachvollziehbar, dass das tragische Schicksal einer bekannten Persönlichkeit öffentlich breit diskutiert wird. Die Art der Diskussion offenbart jedoch einen Trend zur Tragödienfixierung, ganz so, als könne und müsse die Gesellschaft und insbesondere der Profifußball hieraus etwas lernen…
Weiterlesen auf der Website des Kölner Stadtanzeigers unter: http://www.ksta.de/html/artikel/1257858510870.shtml
Matthias Heitmann ist Chefredakteur Online von NovoArgumente
12.11.2009 | Permanenter Link | http://bit.ly/9Qolst
Kategorie(n): Kultur und Gesellschaft
Matthias Heitmann ist in seiner Analyse zuzustimmen. Die öffentliche Diskussion entwickelt sich in eine bedenkliche Richtung. Schon wie bei Sebastian Deisler wird ein einzelner Fall genommen und allenthalben behauptet, dass das nur die „Spitze des Eisbergs“ sei. Ich würde mir etwas mehr Souveräntität der Verantwortlichen wünschen: Ja, es ist schrecklich, was passiert ist – aber: Was sind bitte die Schlussfolgerungen, die durch DFB und den Vereinen daraus zu ziehen sind? Ich sehe KEINE. So etwas wie den Selbstmord von Robert Enke wird sich leider nie verhindern lassen.
Vorab: Mich interessiert Fußball wie Murmelspielen in China. So gesehen ist für mich die Freitod- Entscheidung Enkes ausschließlich eine menschliche Katastrophe, wie sie sich leider täglich nahezu unzählige Male überall ereignet. Der ” Mensch” Enke beschäftigt die Medien, die Politiker, die Öffentlichkeit jedoch nur als neues ” Thema “, scheinbare Betroffenheitsäußerungen von denjenigen, die ihn persönlich nicht kannten, sind reiner Fake. Besonders die Medien sind froh, wieder ein Thema zu haben. Ich garantiere: Anne Will quasselt demnächst über Depression, Plassberg reiht sich ein, und Maybrit Illner überlegt noch.
Was bei all dem Depressionshype wirklich interessant ist : Enke wird zum Identifikationsobjekt einer Gesellschaft, die sich darin gefällt, Nicht-Bewältigung als Zeichen von Menschlichkeit zu sehen und hohe Anforderungen als Zeichen von Unmenschlichkeit. Ist sein Freitod nicht ein Plädoyer für Anspruchsdenken? Enke war kein Opfer zu hoher Anforderungen an einen Spitzensportler. Insofern taugt er in der ganzen Diskussion nicht als Vertreter der Anklage gegen eine auf Leistung ausgerichtete = unmenschliche Gesellschaft.




Grds. richtig, wobei Enke nicht nur - heimlich - sehr viel erlitten hat, sondern auch sportlich und charakterlich zum Vorbild und Helden absolut passt angesichts toller sportlicher Leistungen und überraschend angenehme und sympathische, offene Interviews. Dies trifft auf viele andere, z.B. Sportler, längst nicht in demselbem Ausmaß zu wie auf Hr. Enke. Genau dieser Aspekt fehlt mir im KStA-Kommentar.
Eine sehr angemessene Reaktion zum Freitod Enkes übrigens kam vom Fußball-Magazin 11Freunde: http://bit.ly/2YC1iT
Moritz
12.11.2009 14:23