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Zum Tod von Norman Borlaug
Von Matthias Heitmann
Kaum jemand hat mehr Menschenleben gerettet als der Begründer der „Grünen Revolution“. Am 12. September ist Norman Borlaug im Alter von 95 Jahren gestorben.
Borlaugs Stärke war es, verschiedene Stränge der Forschung zusammenzuführen, damit anwendbare Ergebnisse für die Bauern dabei herauskommen. Für seine Beiträge zu hoch ertragreichen Saatgutsorten, die zwischen 1960 und 1990 in einer „grünen Revolution“ zur Verdoppelung der Lebensmittelproduktion führten, erhielt der an der Texas A&M Universität lehrere Agrarwissenschaftler 1970 den Friedensnobelpreis. Experten schätzen, dass Borlaugs Arbeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine weltweite Hungersnot verhinderte, die möglicherweise bis zu einer Milliarde Menschen das Leben hätte kosten können.
Waren 1960 noch 40 Prozent der Menschen unterernährt, so sind es heute noch 17 Prozent. „Das ist weiterhin eine Schande, insbesondere, weil wir die technischen Möglichkeiten und die finanziellen Mittel haben, diese Plage ganz abzuschaffen“, äußerte Borlaug in einem in Novo96 (9–10 2008) erschienenen Interview. Seiner Ansicht nach fehle es am politischen Willen, dem Hungern das endgültige Ende zu bereiten: „Rein technisch ist es möglich, eine Weltbevölkerung von zehn Milliarden zu ernähren,“ bringt Borlaug seinen wissenschaftlich fundierten Fortschrittsoptimismus zum Ausdruck
Dementsprechend hielt Borlaug die Ansicht, Bio-Landbau sei besser für unseren Planeten, für Unsinn: „Das hieße, dass wir den Nutztierbestand verfünffachen oder versechsfachen müssten, um den notwendigen Dünger zu gewinnen, den wir für die Ackerböden brauchen. Der Pflanze ist es schnurzegal, ob der Stickstoff, den sie braucht, aus dem Sack mit Kunstdünger kommt oder aus dem Kuhstall. Ohne Kunstdünger könnte die Landwirtschaft weltweit nur zweieinhalb bis drei Milliarden Menschen ernähren. Das bedeutet, die Hälfte der Menschheit müsste sterben. Ich frage mich”, ergänzte er süffisant, “wo die Freiwilligen dafür herkommen sollen.“
Seit den 80er-Jahren engagierte sich Borlaug besonders für die Weiterentwicklung der afrikanischen Landwirtschaft. In der Grünen Gentechnik sah er die konsequente Weiterführung dessen, was er und seine Kollegen mit der Grünen Revolution begonnen haben. Die Ängste vor der modernen Biotechnologie hielt er stets für unbegründet und die Debatte um Grüne Gentechnik für „eine Debatte der Reichen auf Kosten der Armen“.
Matthias Heitmann ist Chefredakteur Online von NovoArgumente.
- Norman Borlaug (im Interview): „Die Debatte um die Grüne Gentechnik geht auf Kosten der Armen“ in: Novo96 (9–10 2008)
- Norman Borlaug: „Nicht die Wissenschaft, der Hunger ist der Feind“ in: Novo64/65 (5–8 2003)
- Zahlreiche weitere Artikel zum Thema finden sich im Novo-Dossier „Grüne NGOs”
21.09.2009 | Permanenter Link |
Kategorie(n): Wissenschaft und Technik | Weltgeschehen und Entwicklung



