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Rauchverbot für Soldaten?
Von Matthias Heitmann
Soldaten leben gefährlich. Damit sie dies aber gesünder tun, soll die US-Armee künftig zu einer Armee der Nichtraucher werden. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), wollte bereits 2007 das Rauchen in Kampffahrzeugen verbieten. „Gerade nach dem Einschlag einer gegnerischen Granate ist die Schadstoffkonzentration im Innenraum enorm hoch. Da muss nicht auch noch geraucht werden“, ließ sie damals verlautbaren. Wenn der Panzer jedoch über extra Raucherräume mit Lüftung verfüge, sollte der Konsum von Leichtzigaretten erlaubt bleiben, hieß es damals. Dieser Fahrzeuge sollten dann „mit einem roten R als Raucherpanzer“ gekennzeichnet werden.
Die Pläne für das US-Militär gehen jedoch noch weiter. Gesprochen wird nicht mehr nur von Rauchverboten in Räumlichkeiten (ein solches gilt auch bei der Bundeswehr), sondern auch von einem Rauchverbot an der Front. Nicht etwa, weil aus den Schützengräben aufsteigender Nikotinrauch als Rauchzeichen gewertet und den Standort der Truppe verraten könne, sondern aus Sorge um das Wohlergehen der Soldaten und um Kosten zu sparen. Im Jahr 2006 habe die Armee nach Angaben des Pentagons 564 Millionen Dollar ausgegeben, um Krankheiten, die auf das Rauchen zurückzuführen seien, zu heilen.
Einer Studie des US-Medizininstituts IOM zufolge rauchen US-Soldaten deutlich häufiger als der Rest der Bevölkerung. Soldaten im Kriegseinsatz rauchten zudem doppelt so häufig wie ihre daheimgebliebenen Kameraden. Es werde schwer, das Rauchen in der Armee abzuschaffen, heißt es bei IOM: „Das Rauchen gehört zum Bild des furchtlosen und harten Soldaten.“ Jedoch könnte gerade dieser Hinweis eine zusätzliche Motivation für die Rauchgegner darstellen: Der „furchtlose und harte Soldat“ hat spätestens seit den 90er-Jahren, als sich die Armeen des Westens als die tatsächlichen Friedensbewegungen positionierten, ausgedient. Seither ist er als Friedenstifter, Befreier Aufbauhelfer und Umweltschützer in moralischer Mission unterwegs. Da wirft der Glimmstängel im Mundwinkel nur schwarze Schatten auf das Ansehen der Truppe.
Schon Adolf Hitler wollte den Soldaten das Rauchen verbieten. Im Rahmen seiner regressiven Tabak-Politik wurde in dem vom Volksgesundheitsdienst und dem Bund Deutscher Tabakgegner im 1939 mit herausgegebenen Werk „Tabak und Organismus“ erstmals der Ausdruck „Passivrauchen“ verwendet. Letztlich ließ Hitler sich jedoch von Göbbels überreden, mit Blick auf die Moral der deutschen Soldaten die endgültige Abschaffung des Rauchens auf das Kriegsende zu verschieben (siehe Imre von der Heydt: „Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft“, Köln 2005, S. 41). Zum Glück hatte er nach dem Krieg dazu keine Gelegenheit mehr. Aber vielleicht wird seine Mission ja jetzt vollendet.
Matthias Heitmann ist stellvertretender Chef- und Onlineredakteur von NovoArgumente. In Novo100/101 (5–8 2009) stellte er in seinem gleichnamigen Artikel die Frage: „Ist der Anti-Doping-Kampf am Ende?“
- Zahlreiche weitere Novo-Artikel zum Thema finden sich im Novo-Dossier „Rauchverbot”
14.07.2009 | Permanenter Link | http://bit.ly/9o8Axd
Kategorie(n): Recht und Freiheit | Umwelt und Gesundheit | Rauchverbot




Soldaten leben gefährlich. Damit sie dies aber gesünder tun… Ich musste gleich schmunzeln, als ich mit dem Lesen des Artikels begann. Oh, was ist das für ein illustres, weiterzuspinnendes Bild. Das typische Hilfsmittel beim Nordic Walking (nebenher gleich in der direkten Konfrontation mit dem Gegner anwendbar ) zur schonenden und Haltung bewahrenden Unterstützung im Feld…; Puls-, Schrittzähler und noch mehr wie u. a. im Fußball verwendet, zur Erhebung aller möglicher Daten für den „wirklich“ effizienten Einsatz, um damit auch eine Steigerung und Verbesserung der Möglichkeiten regelmäßig die Top Ten der medialen Berichterstattung zu erreichen; Actimel zur Vermeidung einer nachvollziehbaren „angespannten“ Darmflora, denn wissenschaftliche Studien an einer deutschen Eliteeinheit der Bundeswehr haben „bewiesen“...; die progressive Muskelentspannungs-CD sowie Yoga-Lehrer oder ein mobiles Strickkursangebot (Auch am Hindukusch kann es kalt werden.) zur allabendlichen meditativen Rückbesinnung und reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Person…, damit ließen sich nach der Rückkehr der Soldaten u. a. die sich in vielen Fällen anschließenden und weiterzuführenden Therapiestunden deutlich reduzieren, was zu einer deutlichen Kostenersparnis führt wie ein renommiertes Institut nach Auswertung der Datenlage im Auftrag der Anstalt – Entschuldigung Bundesregierung – erst kürzlich herausgab. Als weniger in den Krieg ziehender Soldat und vielmehr heutzutage formulierter „Friedensmacher“ hat man eben eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Mit dem Verweis auf Aussagen aus der Archäologie wäre es u. a. zur Kostenreduzierung in Erwägung zu ziehen, Kampfhandlungen um Gebiete, zur Sicherung etc. auf eine EINS zu EINS Situation zu reduzieren. Dieser eine Soldat darf dann auch selbstverständlich Rauchen. Muss aber, nachdem er den Zweikampf verlor, damit rechnen wie folgt in den Medien zu erscheinen: 60 pro Tag: Europas Rolle zur Sicherung des Friedens in Afghanistan durch (übertriebene Darstellung seitens der Medien zur bewussten und gleichzeitig aufklärenden Sanktionierung der Zivilbevölkerung) Zigaretten aufs Spiel gesetzt. Im Zweikampf aller Zeiten verschied während der Verfolgung seines Gegners Soldat vorzeitig. Diagnose: Herzstillstand aufgrund seines hohen Zigarettenkonsums. Rücksichtslos: Schornstein verantwortlich für die Versklavung Europas. Das ist völlig übertrieben und entspricht nicht meiner persönlichen Ansicht, aber entspricht meinem tendenziellen Eindruck in der deutschen Berichterstattung, die auf das Niveau diverser Casting Shows zu fallen scheint, wofür die Journalisten aber nichts können, da sie keine Zeit haben und selbst in der Wahl der Worte von den Aktionären unter Druck gesetzt werden.
Mir gefällt an dem Artikel die Wahl des Beispiels aus unserem Teil der Geschichte, mit der sich noch heute im Umgang an vielen Stellen so schwer getan wird. Mit Blick auf diverse Entscheidungsträger in diesem Land, frage ich mich öfter, über wen und mit welcher anmutenden Tendenz das wohl mehr aussagt. Mein Fazit: Auch ich bin für einen gesünderen Krieg. Her damit!
Roman Filz
30.07.2009 11:39