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Alle Trafos abschalten?

Von Ludwig Lindner

Am 4. Juli 2009 erfolgte im Kernkraftwerk Krümmel eine Reaktorschnellabschaltung infolge eines Schadens an einem Transformator. Dieser befindet sich außerhalb des eigentlichen Kernkraftwerkes und hat also nichts mit dem eigentlichen Kernreaktor zu tun. Ebenfalls durch Trafoschäden wurden am 28. Juni 2007 im Abstand von wenigen Stunden die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel abgeschaltet. Diese Schnellabschaltungen waren meldepflichtige Ereignisse, die auf der Stufe Null der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen in Kernkraftwerken eingestuft wurden. Sie hatten demnach keine oder nur geringe sicherheitstechnische Bedeutung. Nach dieser Bewertung war auch die Schnellabschaltung von Krümmel vom 4. Juli ein Ereignis der Stufe Null. Bei keinem dieser Ausfälle trat Radioaktivität nach außen auf.

Alle Kraftwerke haben Transformatoren, auch Kohlekraftwerke, Windkraftwerke, Wasserkraftwerke, und auch im ICE gibt es Trafos. Alle Transformatoren funktionieren nur mit dem Risiko von Kurzschlüssen. Wenn Sie im Internet „Trafoschäden“  googeln, finden Sie viele Beispiele, und nicht nur die der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel.

Wenn Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und die für die Atomaufsicht zuständige Schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht glaubwürdig sein wollen, müssten sie die Abschaltung aller Anlagen mit Transformatoren fordern, also auch der Wasserkraftwerke. Statt zu polemisieren und die Abschaltung von Krümmel und weiteren Kernkraftwerken zu fordern, sollte sich Gabriel mit den Fakten befassen.

Alle, auch die kleinsten Vorkommnisse in Kernkraftwerken müssen gemeldet werden – im Gegensatz zu anderen Kraftwerken – sie sind sogenannte „meldepflichtige Ereignisse“. Diese werden nach der INES-Skala der IAEA (Internationale Atomenergie-Kommission) bewertet. Die INES-Skala (siehe: http://www.bfs.de/kerntechnik/ereignisse/ines.html) erfasst alle Vorgänge in deutschen Kernkraftwerken, von dem ausgefallenen Relais, einer lockeren Schraube, einer nicht schaltbaren Reservepumpe bis zu echten Großstörungen (Stufe 7: z.B. Tschernobyl).

Dadurch entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass laufend Störungen in den Kernkraftwerken aufträten, in anderen Kraftwerken jedoch nicht. Dies entspricht nicht der Realität, selbst bei Windkraftanlagen können sich Unfälle ereignen. So etwa, als sich am 2. Juli bei Brieske-Dorf große Teile eines Windradflügels, die zusammen etwa eine Tonne wogen, von einer der drei dort stehenden Anlagen gelöst hatten und unweit der B 169 im Wald niedergegangen waren. Menschen kamen hierbei glücklicherweise nicht zu schaden (siehe Manfred Feller: “Ursache für Briesker Windrad-’Explosion’ noch unklar” in: Lausitzer Rundschau, 7.7.09, http://www.lr-online.de).

Tatsache ist: Nach der vorliegenden Statistik über die letzten 15 Jahre für Deutschland lagen 98 Prozent der gemeldeten 2198 Ereignisse bei Stufe 0 und nur 3 Ereignisse bei Stufe 2 (Störfall). Bei Stufe 3 (Ernster Störfall) und höheren INES-Stufen gab es keine Vorkommnisse. Die deutschen Kernkraftwerke sind also sehr sicher, es hat noch keinen Toten durch Strahleneinwirkungen gegeben. Wenn von linken Kreisen die Kernenergie als Pannentechnologie bezeichnet wird, dann zeugt das von mangelnder Sachkenntnis.

Der Trafoschaden vom 4. Juli wurde sehr schnell bemerkt und gemeldet, und zwar von der Polizei, die nach einer Demonstration von Kernkraftgegnern noch vor Ort war.

Dr. Ludwig Lindner ist pensionierter Chemiker und war früher in Chemie- und Energieunternehmen tätig. Er ist Mitinitiator der Internetplattform http://www.buerger-fuer-technik.de.

 

08.07.2009 | Permanenter Link |

Kategorie(n): Wissenschaft und Technik | Atomkraft

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Hervorragender Artikel, ein Lichtschimmer in dieser vor Furcht so verdunkelten Welt

M.T. Kähler
08.07.2009  10:31

Der Aussage des Vorkommentars kann ich mich nur ausnahmlos anschließen.

Roman Filz
08.07.2009  14:48

die ungefährlichkeit der deutschen atommeiler erkennt man auch an deren niedrigen versicherungsbeiträgen…^^
http://www.gruene.de/einzelansicht/artikel/warum-sind-akw-nicht-versichert.html
ich bin kein grüner. dieses thema wird wohl nun endlich parteiunabhängig betrachtet.
wer diesen text hier glaubt, möge bitte folgendem aufruf zur sofortigen versicherung der akw unterzeichnen, denn versicherungen wissen ja schließlich wo’s langgeht - sie sind die vorwarnstufe der freien marktwirtschaft, noch bevor der staat retter spielt:
http://www.atomhaftpflicht.de/hintergruende.php3

vorhin einen artikel mit gleichsetzung von banken und fliesenlegern gelesen und nun gleichsetzung von massenbedrohungsmittel akw mit massenbedrohungsmittel wea (verballhornt hier windrad). ich muss mich schon sehr wundern!!
meine aufforderung: alle akw-gläubige, ähem, -wissende natürlich, verpflichten sich freiwillig für schäden durch akw aufzukommen und auch persönlich aufzuräumen - mit verpfändung des gesamten besitzes. mal sehen, wer da zuletzt lacht.

ich kündige den newsletter/rundbrief von novo-(schein-)argumente hiermit und setze meine schafsmütze ab. endlich frei!

volker v.
11.07.2009  13:40

Danke für den aufschlußreichen Artikel!

In der Berliner Zeitung fand sich der kuriose Hinweis, daß man eigentlich Sicherheitsvorkehrungen für die älteren Atomkraftwerke erwartet die für neuere erst in der Diskussion sind. Einfach realitätsnah der Herr Sailer.

“Alte Meiler sind nicht sicher genug

Regierungsberater warnt vor Risiken in Krümmel und Biblis / Kein deutsches Atomkraftwerk erfüllt modernste Standards / Gabriel will Steuer auf Kernbrennstoffe

von Jörg Michel

Berlin…Ältere Meiler seien technisch anfälliger und schlechter gegen Terrorangriffe geschützt, sagte Michael Sailer, Mitglied der Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung, der Berliner Zeitung.Mit Blick auf eine Laufzeitverkürzung für alte Anlagen fügte er hinzu: “Viele Fachkollegen, die der Kernenergie zugeneigt sind, vertreten diese Auffassung.” Sailer gehört zu den atom-kritischen Mitgliedern des Gremiums, das die Regierung in Fragen der Sicherheit kerntechnischer Anlagen berät…Die Sicherheitssysteme älterer Meiler seinen weniger umfangreich, es werde eine ältere Technologie verwendet und der Verschleiß sei größer….Der Experte betonte:

“Kein deutsches Kraftwerk erfüllt die modernen Sicherheitsanforderungen, die heute für Neubauten in Europa diskutiert werden.” [!?!]

Zu den Alt-Anlagen gehörten neben Krümmel unter anderem die hessischen Meiler Biblis A und B….”

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/132049/index.php

Bibliothekar
11.07.2009  15:32

Da hat die FAZ mal wieder hervorragend recherchiert und ist in ein peinliches Fettnäpfchen getreten.  Wer am letzten Donnerstag (9. Juli) auf die Titelseite der FAZ blickte, staunte nicht schlecht, was dort unter einem Foto der Kultserie “Star-Trek” stand:

Während die Überschrift mit “Ach, Vattenfall!” eine Ablehnung der Kernenergie suggerierte, soll der Text darunter wohl dazu verleiten, die Kernenergie als überholt anzusehen. “Im Reich der Science!”, schreibt die Zeitung, “spielt Energie keine Rolle - sie ist einfach da, und zwar so, dass Krümmel, Biblis, und wie sie alle heißen ganz alt aussehen”.

Dumm nur, dass in der Science-Fiction Welt “Star Trek” die genannten Kernkraftwerke als Vorbilder(!) einer fortschrittlichen Energieerzeugung fungieren und Windräder, Solarzellen, etc. dagegen “ganz alt aussehen”. Wer sich nur ein wenig mit der Serie befasst hat, weiß, dass die Energie in dem von Gene Roddenberry entworfenen Zukunftstraum nicht “einfach da” ist, sondern ausschließlich(!) durch Kernenergie gewonnen wird.

Der Warp-Antrieb beispielsweise, der die Raumzeit krümmt und die Enterprise somit auf Überlichtgeschwindigkeit katapultiert, wird durch Antimaterie betrieben - genauer: durch die Annihilation von Antimaterie- und Materie-Teilchen, bei der die Masse des nuklearen Stoffes vollständig verstrahlt und eine extreme Energieausbeutung ermöglicht.

Für die Deckung des alltäglichen Energiebedarfs der Schiffs-Besatzung sowie für Flüge in “Unterlichtgeschwindigkeit” wird hingegen die gute “alte” Kernkraft eingesetzt: Drei Kernfusionsreaktoren(!) dienen auf der “Enterprise - D” aus der Serie “Next Generation” als Energielieferanten für derartige Zwecke. Sie basieren auf der Verschmelzung von Atomen (schwerer Wasserstoff “Deuterium”, welches durch den nuklearen Prozess zu Helium verschmilzt).

Kurzum: Das Titelbild ist in der Tat gut gewählt,... der Text darunter leider schlecht recherchiert. Anders als der Autor es suggerieren möchte, ist die Kernkraft nämlich ein fortschrittliches Werkzeug der Menschheit, ihre Energieknappheit zu stillen, ohne dafür auf Bevölkerungsreduktion angewiesen zu sein, wie das von den Neo-Malthusianern rund um den Club of Rome propagiert wird.

Visionären Zukunftsträumern, wie dem Erfinder der Star Trek Saga Roddenberry, war das schon lange bewusst…

M.T. Kähler
12.07.2009  15:55

Bei so manch „grünem“ Verständnis und dem sich daran anschließenden Umgang, basierend auf M. T. Kählers Schwenk zu Star Trek, drängt sich bei mir noch ein anderes Bild auf. Ich muss mich dann an diese kleine, selbstsüchtige, gierige und von ich sich selbst aussagende Person: „er sein ein Mann in besten Jahren“ namens Karlsson auf dem Dach erinnern. Bequemes Erscheinungsbild und dieser viel zu kleine Propeller auf seinem Rücken. Phantastisch, übertragen im Sinne des Wortes, denn er fliegt… Es bedarf möglicherweise schon einiger Phantasie, sich diesem Bild, weiterführend und vor allem, sich darauf einlassend, anzuschließen. Zudem ist es nur eine/ meine flüchtige Assoziation oder nicht weiter ausgeführter Gedanke, die/ der sich in einem möglichen Bild platzierte. Ich fand schon als Kind beim Lesen der Bücher, meine Vorstellung, dieses bequeme Persönchen mit diesem viel zu kleinen Propeller in meinem Kopf fliegen zu sehen, erheiternd. Es handelt sich nicht um Boshaftigkeit gegenüber den Werken A. Lindgrens. Im Gegenteil, ich mag ihre Werke noch Heute. Doch frage ich mich, inwieweit es möglich ist, diese Person, abstrahiert auf eine für meine Begriffe viel zu bequem gewordene Gesellschaft (Karlsson in Person) und ihrem teilweise phantastischen Verständnis zur vermeintlich „grünen“ Energiegewinnung (Propeller) zu sehen? Dieses Verständnis hat für mich zu oft etwas völlig Surreales und Bequemes. Beides sind am Ende lediglich fiktive Geschichten, doch mit tatsächlich vorhandenen Varianten des Antriebes. Nun, wofür könnten unter anderem die jeweiligen Proportionsverhältnisse stehen? 

Das in meinen Augen „Lustige“, ganz abgesehen davon, dass es sich hierbei um ein Kinderbuch handelt, ist, dass man dann allzu oft als „verrückt“ hingestellt wird, wenn man sich derartiger Bilder bedient, da sie der Phantasie eines Kopfes entspringen, überzeichnet sind, nicht zum Thema gehören, demnach Äpfel mit Birnen vergleicht etc. Das mag teilweise stimmen. Poiret, aus Balzacs „Vater Goriot“, würde dem sicher zustimmen. Doch das würde er dem Nachfolgenden eventuell, und wenn es dann passt, ganz sicher auch. Denn nicht minder überzeichnet, so scheint mir, erweist sich über zu große Strecken die gegenwärtige mediale Darstellung/ Berichterstattung dazu. Im Gegenteil, dieser schon an übertriebener gegenseitiger Eitelkeit leidende Umgang in der Begegnung miteinander zu diesem Thema ist nicht nur legitim – nein – wird dieser immer wieder, schon propagandistisch daherkommend, in einer mir nicht immer nachvollziehbaren Art und Weise gar gewünscht und gefördert, was nicht bedeutet, dass ich nicht verstehe, was sich dahinter zu verstecken vermag.

Es sei denn, ich verpasste zudem den Börsengang der Angst AG.

Roman Filz
15.07.2009  14:33

Wer kann die sichere Atommüll-Endlagerung NICHT garantieren?
Wer verschweigt die enormen Umweltprobleme die bei der Uranförderung- & produktion auftreten?
Wer zahlt NICHT für die Langzeitschäden & Probleme der Atomkraftnutzung -?
Wer bekommt die Atomkraft subventioniert?
Wer glaubt an komplizierte technologische Sackgassen mit katastrophalen Risiken?
Und wer verdient 1 Million Euro mit einem AKW am Tag und bekommt es nicht gebacken so etwas einfaches wie einen Trafo fehlerfrei in Betrieb zu halten oder lässt Greenpeace ungehindert auf die Reaktorkuppel klettern?

Ganz offenbar Leute, denen ihre eigenen Kinder, ihre Mitmenschen, ihre Umwelt und die nachfolgenden Generationen vollkommen egal sind, die von Nachhaltiger Entwicklung noch nie etwas gehört haben oder nichts davon verstehen, die nicht wissen, dass das Zigtausend-fache unseres weltweiten Energiebedarfs täglich kostenlos als Sonnenstrahlung auf die Erde fällt…
Kurz: egoistische Dummköpfe und Idioten, mit denen jede Auseinandersetzung pure Zeitverschwendung ist.
(Steht in diesem Magazin noch Mist dieses Kalibers?)

Thomas Finger
18.07.2009  01:45

Das kann doch wohl nicht wahr sein.
Da werden Trafos von Atomkraftwerken mit Trafos in Wasserwerken verglichen. Da wird verschwiegen, dass Rauch des Trafobrandes in der Warte beinahe die Steuerung des Kraftwerkes verhindert hätte siehe Handelsblatt Artikel vom 6.7.2007: “Ein Mitarbeiter habe dort in der Warte nur unter Atemschutz seinen Dienst fortsetzen können, wie das für Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerium in Kiel am Freitag mitteilte. Wenn die Mitarbeiter dort nicht mehr arbeiten können, wäre das Kraftwerk möglicherweise führungslos.”
Was das heißt, muss ich hier nicht näher erläutern. Tschernobyl lässt grüßen.

Alfred Neumann
11.03.2010  11:09

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