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Öko oder Nicht-Öko? Erich Grantzau rezensiert “FOOD CRASH” von Felix Prinz zu Löwenstein
FOOD CRASH Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr ist der Titel eines Buches von Felix Prinz zu Löwenstein. Auf 320 Seiten plus Anhang erklärt der Bio-Landwirt und Aktivist in verschiedenen Öko-Organisationen seine Sicht der ökologischen Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Die konventionelle Landbewirtschaftung, die der Autor bis Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts selbst betrieb, wird dabei stark kritisiert. Bereits auf der Umschlagseite wird denn auch die inzwischen gebetsmühlenhaft wiederholte Behauptung zum Besten gegeben, die konventionelle Landwirtschaft würde immer mehr Kunstdünger und immer mehr Pestizide auf ihre Felder streuen und spritzen. Dabei verschweigt der Ökolandwirt zu Löwenstein Statistiken, die belegen, dass der Verbrauch an Mineraldüngern im Verlauf der letzten 35 Jahre in der Bundesrepublik tatsächlich stark gesunken ist.
Auch die Aufwendungen an Pflanzenschutzmitteln der konventionellen Landwirte steigen nicht an – im Gegenteil. So ist einer Mitteilung des Julius Kühn-Institut zu entnehmen, dass der Aufwand an Herbiziden, Fungiziden und Wachstumsregler beim Anbau von Winterweizen in den letzten Jahren um 32%, 42% bzw. 55% abgesenkt wurde. Nicht steigende, sondern ständig sinkenden Aufwendungen an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sind also die Realität in der konventionellen Landwirtschaft. Und diese Entwicklung wird bei leicht steigenden Erträgen weiter anhalten. Das ist für Fachleute auch nicht verwunderlich, denn die Erträge in der konventionellen Landwirtschaft sind nicht etwa ausschließlich durch Dünger und Pflanzenschutzmittel, sondern zunehmend durch andere Faktoren wie: Züchtung, effektive, schonende Bodenbearbeitung, verbesserte Erntetechniken u.a. positiv beeinflusst. Den deutlichen Mehrerträgen der konventionellen Kollegen will zu Löwenstein mit einer „Ökologischen Intensivierung“ begegnen. Da bläst der Ökobauer zur Aufholjagd - teure Überproduktion nicht ausgeschlossen.
Es gibt etliche Beispiele dafür, dass die Erträge der Kleinbauern in Entwicklungsländern durch recht simple Dinge und Selbstverständlichkeiten wie Mischkultur, gezielter Einsatz von organischen Düngern, Wasser u.a. deutlich gesteigert werden können. Eine gezielte Landbewirtschaftung mit den genannten Maßnahmen führt dazu, dass die Familien in den Entwicklungsländern sich von ihren vergleichsweise kleinen Flächen selbst ernähren und darüber hinaus noch Nahrungsmittel zum Verkauf anbieten können. Es ist unstrittig, dass diese Art von intensivierter Ökolandwirtschaft für Entwicklungsländer quasi als Initialzündung für eine ertragreichere Landbewirtschaftung dienen kann. Auf Dauer müssen die Mengen an Nahrungsmittel deutlich gesteigert werden – und zwar unmittelbar dort, wo sie gebraucht werden - in den Entwicklungsländern!
Mehr Forschung für den Ökolandbau?
Der Autor fordert mehrfach eine gezielte Forschung für die ökologische Landwirtschaft in Deutschland. Dabei verwundert, dass der ehemals „Konventionelle“ es nicht vermag, die zahlreich vorhandenen Forschungsergebnisse der verschiedenen Institute und Organisationen auf den Ökoanbau zu übertragen. Die Nutzung von Erkenntnissen der konventionellen Agrarforschung auch durch Ökolandwirte wird in letzter Zeit jedenfalls immer häufiger dargestellt. Sehr wahrscheinlich liest der Ökolandwirt zu Löwenstein auch die Versuchsberichte aus den Forschungsstätten in unserer Republik und obendrein pflegt er gute Kontakte und Zusammenarbeit mit seinen konventionellen Kollegen, wie er betont. Ein entscheidender Faktor bezüglich der Ertragssicherheit ist in der konventionellen wie in der ökologischen Landwirtschaft der Stickstoff. Diesen Ertragssteigerer unter den Nährstoffen will der Ökobauer zu Löwenstein durch sein Gegenmodell, nämlich die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit durch Anreicherung des Bodens mit organischer Substanz, für den Ökolandbau stärker nutzen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass unsere Böden ab einem Gehalt von ca. 4% organischer Substanz ständig erhöhte Stickstoffmengen freisetzen.
Diese vor allem aus Umweltschutzgründen wichtigen Zusammenhänge können übrigens mit Hilfe der gängigen N-Analytik – wie in der konventionellen Landbewirtschaftung üblich – und Brutversuchen erkannt werden. Ein weiteres Beispiel wie Untersuchungs- und Forschungsmethoden der konventionellen Landwirtschaft auf ökologisch wirtschaftende Betriebe 1:1 übertragbar sind. Als Beleg dafür, dass die organische Düngung die einzig richtige ist, zeigt der Autor eine Grafik der FAO, in der dargestellt ist, dass durch Anwendung von Kompost als organischen Dünger ein deutlicher Mehrertrag bei Getreide erzielbar ist. Welche tatsächlichen Nährstoffmengen dabei aufgewendet wurden, verschweigt der Autor.
Dabei weiß der Ökobauer zu Löwenstein sehr gut, dass hohe Erträge zwangsläufig ein entsprechend hohes Nährstoff- und vor allem Stickstoffangebot voraussetzen. In diesem Falle ist es jedoch der „gute“ Stickstoff und der kommt aus der organischen Substanz und damit düngt der Ökobauer den Boden und nicht die Pflanzen. Diese Art von ökologischem Blindflug – nämlich die Ignoranz des real angebotenen Stickstoffs u.a. Nährstoffe aus der organischen Masse und deren Auswirkungen – ist übrigens aus Sicht des Grundwasserschutzes ein Straftatbestand. Der Ökobauer zu Löwenstein ist ganz offensichtlich nicht der Einzige, der nicht in der Lage ist, Nährstofffrachten, die mit organischen Düngern in den Boden gebracht werden, korrekt einzuschätzen. Dazu ist auch der an anderer Stelle bei NovoArgumente von mir kritisch rezensierte Geologe Montgomery in seinem Buch „Dreck“ nicht in der Lage. Auch er wird in von zu Löwensteins Buch zitiert.
So wie die Aufwandmengen an Mineraldünger stark reduziert und optimiert wurden, wird es ganz sicher auch eine weitere Optimierung in der Tierhaltung der konventionellen Landwirtschaft geben. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass Öko-Geflügelprodukte tendenziell höhere Dioxingehalte aufweisen als konventionelle Erzeugnisse. Der Kritik von zu Löwenstein an der Abholzung von Mangrovenwäldern für eine intensive Shrimps-Produktion kann allerdings uneingeschränkt zugestimmt werden.
Ein rotes Tuch für den Ökolandwirt ist die Gentechnik. Ob der Autor eines Tages von dieser Haltung abweicht, wenn es etwa den Gentechnikern gelingen sollte, beispielsweise die Stickstoff bindenden Bakterien im Boden des Ökolandwirtes so zu konditionieren, dass sie den Intensivierungsfaktor Nr. 1 für die Ökolandwirtschaft, den Stickstoff in noch größeren Mengen speichern und nur noch dann abgeben, wenn Nutzpflanzen da sind, die Nitrat- oder Ammoniumstickstoff verbrauchen? Das wäre dann biologische, ökologische, aber auch konventionelle Landwirtschaft pur, dank Gentechnik.
Abschließend sei auf eine weitere Gemeinsamkeit der Autoren Montgomery („Dreck“) und zu Löwenstein hingewiesen. Beide Autoren erwähnen mit keinem Wort die Problematik der anhaltenden systematischen Ausplünderung der Böden in den Tropen und Subtropen durch den permanenten Export der entzogenen Nährstoffe mit dem Erntegut. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um bio- oder konventionelle Futter-, Nahrungs- und Genussmittel handelt, die in die nördliche Hemisphäre exportiert werden. Die Forderung im Titel des Buches: „Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ scheint übrigens bereits seit geraumer Zeit realisiert. Das kann zumindest dem von der damaligen grünen Verbraucherschutzministerin Künast in Auftrag gegebenen Statusbericht aus dem Jahre 2003 mit dem Titel „Bewertung von Lebensmitteln verschiedener Produktionsverfahren“ entnommen werden, in dem festgestellt wird, dass für die Gesundheit der Menschen in erster Linie eine ausgewogene Ernährung und nicht ein bestimmtes Produktionsverfahren von Bedeutung ist. Dies findet seine Bestätigung beispielsweise wiederkehrend in den Testberichten der Stiftung Wahrentest. Und so könnte man noch weiteren Darstellungen von Prinz zu Löwenstein widersprechen. Dessen ungeachtet kann das Buch aber trotzdem ausdrücklich als Lektüre empfohlen werden: für Konventionelle- als auch für Öko-Landwirte und natürlich für alle, die an diesem Thema interessiert sind.
Felix Prinz zu Löwenstein: FOOD CRASH: Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehrErich Grantzau ist Fachjournalist mit den Schwerpunkten Agrar und Umwelt, sowie freier Mitarbeiter von Fachzeitungen.
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Mehr zum Thema im Novo-Dosier „Grüne Gentechnik und Landwirtschaft"
25.01.2012 | Permanenter Link |
Kategorie(n):
==Der unterzeichnete Hr. Engelhart ist Landwirt und Dipl.Ing. für Bodenkultur.==
Er sieht die Sache unverkrampft und sachlich, mit jahrzehntelanger Eigenerfahrung!
Lieber Herr Moser!
Herzlichen Dank für die Info. Ich denke, die konventionelle Landwirtschaft
zu verteufeln ist sicher nicht angebracht und auch meine Beobachtungen
zeigen, dass Dünger- und Pestizidaufwand im Verhältnis zur Erntemenge
sinken. Den geprießenen züchterischen Erfolg kann ich so nicht bestätigen.
Ich arbeite zB. beim Weizen mit einer Sorte, die vor 25 Jahren gezüchtet
wurde und gegenwärtig noch immer zu den ertragreichsten zählt.
Für mich stellt sich aber eine ganz zentrale Frage bei der Beurteilung
verschiedener Landwirtschaftsmodelle: wie krisensicher sind
Landnutzungssysteme und sind sie in der Lage, bei Versorgungsengpässen
(Strom, Energie allgemein, Logistik udgl.) die Ernährungssicherheit zu
gewährleisten?
Bei dieser Frage schneidet die konventionelle Landwirtschaft aufgrund ihrer
großen Abhängigkeit sehr schlecht ab und nicht von ungefähr kommt der
Weltagrarbericht der FAO zu dem Schluss, dass kleinbäuerliche, ökologische
und regional strukturierte Landwirtschaft die besten Garanten für die
Ernährungssicherheit sind.
Soweit ein paar Gedanken meinerseits.
Ich schick ganz liebe Grüße,
Reinhard Engelhart
Im 2001 von Frau Künast aufgelegten Bundesprogramm Ökologischer Landbau sind bis heute 266 Millionen Euro für Forschung speziell zum Öko-Landbau ausgegeben worden. Dennoch ist es nicht gelungen, den damals als erreichbar angenommenen Anteil von 20 - 25 Prozent am Lebensmittelmarkt zu erreichen. Er stagniert heute zwischen 5 und 6 Prozent bei rückläufigen Zuwachsraten auf der Produzentenseite. Es ist höchste Zeit, diese Fehlförderung zu beenden und die Gelder dort einzusetzen, wo es ernsthaft um eine effektive und ressourcenschonende Steigerung der Nahrungsmittelproduktion geht.
@ e.moser
Na, dann wollen wir mal ganz viel und schnell landwirtschaftliche Flächen schaffen um das angestrebte Konzept ihres Freundes zu verwirklichen. Für diesen Schritt können wir sogar noch die modernen Maschinen einsetzen. Bei der kleinstteiligen Permakultur des Bio-Landwirtes Engelhart sind diese dann sowieso nutzlos. Viele lustige Landleute werden dann folgen, die grashalmkauend auf der Streuobstwiese unterm Apfelbaum liegen und den fröhlichen Kühen und Schweinen zuwinken. Ach, so idyllisch wie früher im 19. Jahrhundert, als die Landarbeit noch voller Freude im Einklang mit der Natur erfolgte. Abends ging es dann ausgeruht zum Tanze auf die Tenne. Alle waren gesund und satt, im Gegensatz zur zerstörerischen, kapitalistischen Agrarwirtschaft, wo nur 1% satt wird und 99% als Lohnabhängige ihr Hungerdasein fristen.
Ja, wir vergessen am besten gleich die ganze Arbeitsteilung und jeder ist wieder sein eigener Metzger, Bäcker, Schmied und Schreiner. Na gut, von mir aus auch mit Laptop und Handy, aber nur in der Übergangsphase, gelle.
Über die Anpassungsnotwendigkeit der Bevölkerungszahl an das Angebot hatten wir uns ja schon unterhalten. Wir können dabei ja gleich die Erfahrungen der Energiewende bei der Anpassung des Energiebedarf an das Angebot nutzen.
Ich habe nichts gegen Bio-Landwirte, die für sich entschieden haben diesen Weg zu gehen, aber ich habe etwas dagegen, dies dann als Notwendigkeit für Alle zu postulieren. Das einseitige, unobjektive Verteilen von “Gut” und “Böse” Stempeln seitens der Bio-Landwirtschaft ist nicht nur unglaubwürdig, sondern höchst arrogant.
Warum soll es eigentlich nicht in Zukunft eine Mischform aller landwirtschaftlichen Produktionsformen unter Einschluß der Grünen Gentechnik geben. Gutes Know-How gibt es auf beiden Seiten. Aber schon die unabkömmliche Vorsilbe “BIO” deutet leider an, daß es auf der anderen Seite nicht ganz natürlich zugeht. Und, sei es daß der Dünger nicht 25 Minuten geschüttelt und potenziert, sondern maschinell gerührt wird.
Beste Grüße B.
@ bibliothekar
Gut, ich nehme zur Kenntnis, dass die Kraft des Argumentes auch einmal nachlassen kann, aber es soll doch nicht dazu führen, dass man sich gleich selbst widerlegt.
Weil sie einerseits “Warum soll es eigentlich nicht in Zukunft eine Mischform aller landwirtschaftlichen Produktionsformen” das Wort reden, anderseits aber ganz offensichtlich ein massiver Befürworter von “immer größer” sind.
Auch wenn sie recherchiert haben, wie Dipl.Ing. Engelhart wirtschaftet, so werden sie doch nicht im Ernst behaupten wollen, dass die Konzentration von immer weniger Betrieben mit immer größeren Flächen anzustreben ist. Zu Ende gedacht (ich bitte sie darum) kann es nur zu einer Monopolisierung, Entdemokratiserung und damit zu totalitäten Strukturen führen. Der größte “Erfolg” der Großflächenbetriebe besteht einzig darin, dass sie den prozentuell und nominell höchsten Anteil an Förderungen erhalten.
Damit möchte ich eine gedankliche Kreisbewegung vollführen.
Beginn: Das ist marxistisches Gedankengut!
Weil Menschen wie ich es angeblich ablehnen, dass Gewinne gemacht werden!
Ich lehne es ausdrücklich NICHT ab, dass Gewinne gemacht werden.
Aber sobald Fördergelder als Gewinne ausgewiesen werden, dann bin ich schon nahe, sogar sehr nahe am:
Marxismus! Dort haben die Betriebe auch nur Dank Fördergeldern “Gewinne für das Volk” machen können.
Und damit bin ich genau dort, wo die Lüge von der besseren Versorgungssicherheit durch große Betriebe einsetzt.
Wenn sie einem Großbetrieb nicht mehr seine Fördergelder für die Überproduktionen die er liefert geben, um ihn damit lebensfähig zu halten, dann wird er sich auf marktgerechte Größe reduzieren oder gar vom Markt gehen.
Denn kein hochsubventionierter Rapsbauer trägt etwas zur Versorgungssicherheit bei, ausgenommen, man glaubt den ldwschftl. Funkionären und Interessensverbänden, die damit die Versorgung mit E10 meinen.
Es trägt überhaupt nicht zu (zu unserer) irgendeiner Versorgungssicherheit bei, wenn für großangelegte Versuche produziert wird, und es trägt schon gar nicht zur Versorgungssicherheit in einem afrikanischen Land oder sonstwo bei.
Oder was tragen chinesische, europäische oder angloamerikanische Agrarkonzerne mit 1000en km² Produktionsflächen in Afrika zur dortigen Versorgungssicherheit bei? Erklären sie es mir bitte!
Es geht alleine um die Versorgungssicherheit nachgelagerter Großverarbeiter mit Grundstoffen, damit diese ihrereseits wieder am Subventionstopf mitspeisen können.
Bei allem Verstehen, dass Überschuss nötig ist, und nicht Mangelwirtschaft geschaffen wird, aber die Grenzen für eben jene Größe sind in jenem Moment überschritten, wo der Überschuss dazu führt, dass trotz Förderungen Produkte unverkäuflich sind und teuer entsorgt werden. Aber ich bin guten Mutes, auch diese Entsorgungsschiene hat bereits einen Weg gefunden, an dessen Ende ein Topf steht an dem sie sich bedienen kann.
Übrigens, auf diesen Töpfen steht immer das Wort “Steuern” fest eingraveirt.
@ e.moser
Sie können sich wohl geistig nur zwischen kleinbäuerlicher Romantik und gigantomantischer Landindustrie der Konzerne bewegen. Es geht um die Effizienz und um eine intensive Landwirtschaft zur Nahrungsmittelproduktion und zur Produktion wichtiger Rohstoffe, wie zum Beispiel Baumwolle. Mit Energiepflanzen und E10 habe ich nichts gemein und die, die es erfunden und gefordert haben wollen heute nichts mehr davon wissen, sondern am liebsten nun das Klima anderweitig retten. Hier hat die Politik versagt und nicht das System. Warum soll man in Deutschland auch Brotweizen anbauen, wenn man für Energieweizen mehr vergütet bekommt. Nicht die Konzerne haben die unmöglichen Subventionen erfunden. Das sind politische Entscheidungen mit fatalen Folgen.
Fakt ist, daß die “ökologische Landwirtschaft” extensiv aufgestellt ist und sein muß. Wenn man sich selber düngen will, braucht man auch mehr Fläche. Warum Sie mir partout unterstellen wollen, ich sei für ein “immer größer” bleibt mir rätselhaft oder es ist eine bösartige Unterstellung. Bedenken Sie bitte ich bin Bibliothekar und kein Agrarkonzern.
Beste Grüße B.
(....)“Aber sobald Fördergelder als Gewinne ausgewiesen werden, dann bin ich schon nahe, sogar sehr nahe am:
Marxismus! Dort haben die Betriebe auch nur Dank Fördergeldern “Gewinne für das Volk” machen können.”(....)
Dann wären so gut wie alle Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland bankrott.
Haben sie eine Ahnung welchen Deckungsbeitrag sich von einem ha Grünland (angeblich besonders schützenswert) erwirtschaften lassen?
Die gleiche Frage gilt natürlich auch für die anderen Feldfrüchte.
Besonders hoch sind die Unterstüzungen übrigens im Biobereich (Umstellungsprämien, etc.).
Dieser Marxismus ist übrigens in Europa gewollt. Denn durch diese Zahlungen werden die Lebensmittelpreise auf relativ niedrigen Kosten gehalten. Ca. 50 Mrd Euro beträgt der komplette EU -Agrarhaushalt pro Jahr wobei nicht alles den Landwirten zu gute kommt. Die EU hat ca. 500 Mio Einwohner. Sie können ja gerne mal ausrechnen wieviel hierdurch jedes Lebensmittel für sie teuerer wird und dann überlegen sie mal bitte welcher Betrag jede 4 Köpfige Familie unabhängig vom Gehalt im Jahr zusätzlich aufbringen müsste.
(...) Wenn sie einem Großbetrieb nicht mehr seine Fördergelder für die Überproduktionen die er liefert geben, um ihn damit lebensfähig zu halten, dann wird er sich auf marktgerechte Größe reduzieren oder gar vom Markt gehen.(...)
Europa hat keine Überproduktion mehr
(...)Denn kein hochsubventionierter Rapsbauer trägt etwas zur Versorgungssicherheit bei, ausgenommen, man glaubt den ldwschftl. Funkionären und Interessensverbänden, die damit die Versorgung mit E10 meinen.(...)
E10 = bis zu 10% Beimischung von Ethanol
Raps = Rapsöl = Biodiesel.
Wobei nicht alles Rapsöl in die Biodieselproduktion geht. Ein Teil geht auch in die Ernährung. Rückstand der Ölproduktion wird als Tierfutter verwertet.
(...)Oder was tragen chinesische, europäische oder angloamerikanische Agrarkonzerne mit 1000en km² Produktionsflächen in Afrika zur dortigen Versorgungssicherheit bei? Erklären sie es mir bitte!(...) Diese Konzerne sind daran interssiert Geld zu verdienen (in Afrika gibt es hierfür keine Subventionen). Da eine nachfrage nach Agrargütern besteht, vorallem in China, Ägypten und Indien wird dorthin verkauft.
Zur dirketen Versorgungssicherheit tragen diese Unternehmen nicht dirket bei. Durch indirkete schon (Infrastruktur, Verbesserte Anbaumethoden etc.)
Zur Zeit (und auch min. in den letzten 50 Jahren) existiert auf der ganzen Welt kein Überschuss. In Europa auch nicht mehr.
Öfters mal die kostenlose Argarberichte der UNO, EU oder der BRD lesen.
@horsthuber
Es gibt offenbar gewisse Fehlinformationen oder Fehlinterpretationen bzgl. EU-Agrargelder. Zu den € 56Mrd. (aus dem Jahr 2009) Agrarförderungen, müssten die (schwer feststellbaren) Exportsubventionen verarbeitender Betriebe (Fleisch, Milch) noch hinzugerechnet werden.
Wie sind die großen Exporterfolge aus der Landwirtschaft in außergemeinschaftliche Länder zu erklären als mit Überproduktionen?
Gewiss, die Fleisch- und Butterberge vergangener Jahrzehnte gibt es nicht mehr, dafür wurde das Exportstützungssystem ausgebaut.
““Zur dirketen Versorgungssicherheit tragen diese Unternehmen nicht dirket bei. Durch indirkete schon (Infrastruktur, Verbesserte Anbaumethoden etc.)”“
Soll heißen, dass eine neu errichtete Piste zum Zutransport von Dünger ect. und zum Abtransport der Feldfrüchte dem kleinen Landwirt die Versorgungssicherheit bringt?
Das ist insofern absurd, da gerade diese kleinen Bauern darunter leiden, weil ihnen Flächen oftmals noch verringert werden. Das Land gehört dem Staat, seit vielen Generationen wird es bewirtschaftet, allerdings ohne rechtliche Absicherung in unserem Sinne, da es weder gewollt ist dass die Flächen gekauft werden können, noch ist es den Bauern finanziell möglich.
Aber ein Konsortium mit großer Geldbörse hat auf Regierungsebene leichtes (Korruptions)Spiel, aber kein wie immer geartetes Interesse, die dortige Situation für die Allgemeinheit zu verbessern, im genügt eine begrenzte Anzahl an billigen Arbeitskräften, die sich in Wirklichkeit kaum verbessern können. Weil deren Löhne zu etwa 80% (bei uns etwa 12-14%, Tendenz weiter sinkend) wiederum für die Ernährung ausgegeben werden müssen, oftmals werden davon die hochsubventionierten Produkte aus der EU gekauft.
Übrigens: In den 80-90er Jahren waren die Aufwendungen für die Ernährung noch im Bereich von 20-25% des Einkommens nötig, aber gleichzeitig erhöhte sich der Lebensstandard laufend.
Gut, einen Mangel hatten wir damals schon - es gab im Jänner und Februar keine unausgereiften Erdbeeren, es gab nämlich gar keine. Dafür besteht heute ein ausgereifter Mangel an Qualitätskenntnis.
Und was die verbesserten Anbaumethoden betrifft, wozu da gerade unbedingt ein Agrargroßbetrieb hilfreich und notwendig sein soll, das bleibt mir verschlossen.
Dies alles wird in den Agrarberichten behandelt?
In der Debatte um den ökologischen Landbau mischen sich viele Haltungen und Wünsche/Sehnsüchte, die mit der rationalen Frage auf welche Weise, unter welchen Umständen, mit welchen Ergebnissen und Konsequenzen/Risdiken,welchen Erträgen sollte man am an diesem oder jenen Ort welche Lebensmittel anbauen, wenig bis gar nichts zu tun haben.
Gleich vorweg: Die Spekulation liegt nahe, dass es sich mitunter bei dem einen oder anderen um eine veritable Realitätsflucht handeln könnte, die paradoxerweise aber erst möglich sind, weil wir hierzulande letztlich doch mit einer nie dagewesenen Bequemlichkeit und auch Sicherheit leben,. Die nun mal unleugbar dem technischen u. landw. Fortschritt und einer gut entwickelten Wirtschaft zu verdanken ist (und damit meine ich nicht, dass es nicht ständiger Aushandlungen bedürfe, wie alles möglichst gut einzurichten wäre).
Neben einer Überhöhung des ‘Natürlichen’ (Menschen sind Kulturprodukte wie unsere Landschaften – wir sind keine Neandertaler mehr und schon in der Schule (60er) habe ich gelernt, dass nur noch im bayrischen Wald der letzte unaufgeforstete (Ur)wald zu finden sei.)
Natur gut (auch wenn’s Tsunamis und Vulkanausbrüche sind), menschlichem Handeln hingegen ist nicht im Detail sondern per se nicht zu trauen. (war da nicht etwas mit Erbsünde? Ist dem ‘freien’ Willen zu misstrauen? )
Landschaft und Natur werden gerne gleichgesetzt, als walteten die Natur(Gesetze) in der Stadt nicht auch. Chemische Vorgänge, solange sie (ob giftig oder nicht) vom Menschen initiiert sind, sind hochfragwürdig. Also koche ich mir brav meinen Weidenrindentee gegen Kopfschmerzen und gehe mit Misteln gegen Krebs vor – die Natur ist ja sanft zu mir.
Hinter allem (ich spekuliere so vor mich hin) könnte der Wunsch stecken, dass in unseren säkularen Welt doch ein Wirkprinzip hinter allem steckt, das gut ist (woran soll man sich sonst halten, wenn es nichts gibt außer der eigenen Verantwortung): Wenn nicht der gute Gott, dann die gute Natur, der der Mensch (jetzt ein kleines Teufelchen, der Zerstörer des Guten ist, das UNS gegeben wurde) steht dem entgegen (entgegen aller Vorstellungen von Ganzheitlichkeit) – also geht die Sehnsucht in Richtung Verschmelzen mit der ‘reinen’ Natur?
Die nüchterne Überlegung, dass ein Boden nur hergibt, was er hergeben kann und der Zusatz von ertragserhöhenden Stoffen, die eben nicht per Pflanzenproduktion/Gülle (also ohne Nutztiere geht es auch nicht) in den Boden kommen, per se für schädlich zu halten und abzuschaffen sei, statt ihn so anzupassen, dass die Risiken minimiert werden – ebenso wie die Pestizigaben - mutet angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung irgendwie nicht nachvollziehbar und von realitätsfern bis verantwortungslos an.
@Moser
-Exportsubventionen wurden Massiv abgebaut und dies kann auch jeder selbst nachschauen (Siehe Agrarberichte). Nicht immer nur 10 Jahre alte Argumente aufwärmen sondern sich auch mal aktiv informieren. Die Exportgelder sind übrigens im EU-Haushalt enthalten.
- Die EU ist gerade so zu 100% Selbstversoger (Siehe Agrarberichte)
- Infrastrukturmaßnahmen tragen zur Versorgungssicherheit bei. Denn irgendwie müssen auch die Feldfrüchte in die Stadt gelangen. Auch in Afrika ist eine starke Urbanisierung zu beachten
Recht haben sie in dem sie die mangelnde Rechtssicherheit der Kleinbauern ansprechen. Nach den bisherigen Erfahrungen konnte eine Verbesserung der Nahrungsversorgung immer nur dann schnell erreicht werden wenn eine Privatisierung der Ländereien erfolgte.
Im Moment haben wir eine zunahme der Weltagrarpreise weil das Angebot gleich bleibt aber die Nachfrage wächst. Dies hat nichts mit Spekulationen zu tun wie eine Studie im Auftrag der EU feststellte.
In Europa sanken die Ausgaben für die Lebensmittel auch schon in den 60er Jahren. Hierdurch wurde u.a. Geld frei für andere Luxusgüter.




Der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik hat es neulich gut zusammengefasst: Es gibt kein Patentrezept für die zukünftige Ernährungssicherung. Bestimmte Technologien sollten von vornherein nicht ausgeschlossen werden und das Produktionssystem ist standortabhängig zu wählen, unter Berücksichtigung einer möglichst effizienten Ressourcennutzung.
Von daher kann getrost gesagt werden: Felix Prinz zu Löwenstein - Thema verfehlt!
Reuben C.
25.01.2012 14:53