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BASF und Gentechnik: Nix wie weg!

Von Hans-Jörg Jacobsen

An demselben Tag, an dem bekannt wurde, dass Deutschland nunmehr wegen einer verkorksten Energiewende und einer schlechten Ernte zum Getreide-Nettoimporteur wird, verkündete der weltweit größte Chemiekonzern, die Ludwigshafener BASF zwei weitreichende Entscheidungen, nämlich die Forschung zur grünen Gentechnik aus Deutschland in die USA zu verlagern und, was häufig übersehen wird, auch keine Projekte für den deutschen oder europäischen Markt zu verfolgen. Der Schritt sei eine Reaktion auf die fehlende Akzeptanz der grünen Gentechnik in weiten Teilen Europas, hieß es. Mit diesem Paukenschlag findet ein Prozess sein Ende, der schleichend schon vor einigen Jahren in der Pflanzenzüchtung eingesetzt hatte. Das Signal ist klar: Die Forschung geht weiter, nur nicht mehr hier und nicht mehr für uns. Auch die Pflanzenforschung an Universitäten und anderen öffentlichen Instituten veränderte sich: Entweder wandten sich die Wissenschaftler weniger konfliktträchtigen Feldern zu oder sie gingen ins vornehmlich angelsächsische Ausland. Diese Entscheidungen sind angesichts des in unserem Lande vorherrschenden Meinungsklimas nur zu gut nachvollziehbar. Panikmache und Vorurteile ersticken hier jede rationale Debatte über Vor- und Nachteile der grünen Gentechnik bereits im Keim. Während Untergangspropheten wie Percy Schmeisser, Vendana Shiva oder neuerdings auch ein gewisser Don Huber mit abstrusen Theorien über die angeblich ungeheuerlichen Gefahren der Biotechnologie durch die deutschen Lande touren und ein gläubiges Publikum abzocken, müssen Wissenschaftler sich von durchgeknallten Verschwörungstheoretikern aus obskuren „Projektwerkstätten“ diffamieren lassen. Zerstörungen von Feldversuchen, auch unter Einsatz von Gewalt gegen Menschen, sind an der Tagesordnung (wenn nicht gerade im Wendland geschottert werden muss).
Die eigentlich verantwortliche Politik duckt sich aus Angst vor dem grünen Zeitgeist schamhaft weg und lässt die Forschung ziehen. Die Öffentlichkeit beschäftigt sich lieber mit den vermeintlichen Verfehlungen des Bundespräsidenten, der sich aber kaum anderes verhalten hat, als die anderen 95 Prozent Schnäppchen- und Speckjäger in dieser Gesellschaft. Dabei verkennt die Politik, dass wir uns auf ganz dünnem Eis bewegen: Wir stecken wegen der immensen Staatsverschuldungen – für die vor allem die Volksbeglückungs-Politik der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich ist – nicht nur in einer massiven Krise unserer Finanzsysteme, sondern sind auch in keiner Weise auf die sich immer schärfer abzeichnenden globalen Probleme wie Klimawandel, weltweites Bevölkerungswachstum oder Energieknappheit vorbereitet. Wir benötigen zur Lösung dieser Probleme eine starke Agrarforschung, und zwar in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Gerade bei Problemen, bei denen etwa die konventionelle Pflanzenzüchtung keine oder keine schnell erreichbaren Lösungen anbieten kann, brauchen wir die Gentechnik, im privaten genauso wie im öffentlichen Sektor. Auch bei uns werden die Ernten unsicherer, unsere Kulturarten sind nicht an längere Trocken- oder Hitzeperioden angepasst, wie sie auch in hiesigen Breiten zu erwarten sind. Der auf rot-grüne Fehlentscheidungen zurückführbare Biogas-Boom oder der Anbau von Pflanzen für „Bio-Sprit“ verschärft die Situation, denn hier sind die Energiebilanzen bei sauberer Rechnung eher negativ und die Folgen für das Klima unabsehbar. Was passiert stattdessen? Die Öffentlichkeit lässt sich von den auf falschen Berechnungen basierenden Versprechungen einer vermeintlich ökologischen Landwirtschaft einlullen, bei der immer klarer wird, dass die Produkte weder besser noch gar sicherer sind als die der konventionellen Landwirtschaft. Ihre Produktion verbraucht nur wesentlich mehr Fläche, die wir gar nicht mehr haben.
Fazit: Erst wenn die letzte Düngemittelfabrik geschlossen und der letzte landwirtschaftliche Betrieb auf „Bio“ zwangsumgestellt wurde, werdet ihr merken, dass Hunger keinen Spaß macht. Aber dann lässt es sich Jürgen Trittin in der Toskana gut gehen und Claudia Roth ist auf ihren Heimatplaneten zurückgekehrt.

Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen ist Professor für Molekulargenetik am Institut für Pflanzengenetik an der Leibniz-Universität Hannover. Er publiziert regelmäßig bei NovoArgumente.

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Mehr zum Thema im Novo-Dossier „Grüne Gentechnik und Landwirtschaft“

18.01.2012 | Permanenter Link |

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Naja,wer sich mit Monsanto beschäftigt hat,
wird wissen wie er mit Gentechnik umzugehen hat.

http://video.google.de/videoplay?docid=-7781121501979693623

Sterile Pflanzen züchten,wo Bauer jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss freut niemanden nur diese Mafia.

Und das sie in die USA gehn spricht ja für sich.
Da sind die grössten Schweinereien möglich.


Mfg

leslie
18.01.2012  22:03

Jacobsens Artikel zeigt, wohin sich der deutsche Ideenkarren verfahren hat.  Eine Welt, entleert von Rationalismus,  nimmt stets Fahrt auf in Richtung Aberglaube. Was früher Hexenverbrennungsfanatismus war, ist heute Fortschrittsphobie. Beide getrieben von Blindheit und Realitätsresistenz.
Einen entscheidenden Unterschied gilt es nicht zu vergessen. Früher war der Irrsinn kostenfrei.  Die Generationen morgen werden für den grünen Fanatismus heute zahlen.

Josef Hueber
19.01.2012  01:01

Komisch, dieser beschränkte Blick einzig und allein auf sicherliche Fehlentwicklungen wie Monsanto. Und natürlich nur in USA sind die grössten Schweinereien möglich.
Ob “leslie” schon mal dagewesen ist? Macht aber nichts, grüne Gutmenschen brauchen keine Ahnung haben, das würde nur belasten.

Dafür werden die vielen Chancen, die sich mit Gentechnik ergeben nicht erkannt, bzw. verdrängt. Was glaubt denn leslie wie Penecillin hergestellt wird?

mit traurigen Grüßen

Stefan Think
19.01.2012  01:33

@leslie
Hier geht’s um Gentechnik und nicht um Monsanto. Man diskutiert schließlich auch nicht die Vor- und Nachteil des Verkehrsmittels Bahn und wirft irgendwelche Anekdötchen über die Deutsche Bahn ein oder über die Fehler bei der Privatisierung der britischen Bahn.

Übrigens hätten wir in der EU die Möglichkeit, selbst einen Gegenspieler zu Monsanto hochkommen zulassen, sodass sich Monsanto nicht mehr auf seinem Quasi-Monopol ausruhen kann. Dazu muss man aber die Forschungsfreiheit hochhalten und ein besseres Recht schaffen als in den USA. Nicht nur Unternehmen stehen in Konkurrenz, sondern auch Rechtssysteme: EU-Recht vs. US-Recht. Das gleiche Spiel haben wir auch bei den Softwarepatenten, wo alle warnen, dem US-Recht nachzueifern.

Turing
19.01.2012  03:11

Was ist denn das für eine merkwürdige Aufklärung, die uns einerseits von der irrationalen Angst vor der bösen Gentechnik befreien will, gleichzeitig aber auf dem nicht weniger irrationalen Aberglauben von der menschengemachten globalen Klimaerwärmung beharrt?

McHorst
19.01.2012  04:08

Die Dummheit im Volke läßt eine deifferenzierte und insoweit berechtigte Kritik an Gentechnik nicht zu. Wie mit fast jeder Technik kann man Unheil anrichten. auch mit sog. konventioneller Pflenzenzüchtung. Was Monsanto treibt, ist unverantwortlich. Aber kann Monsanto der Maßstab aller GenTech-Kritik sein, nur weil diesr Konzern seine Vermarktungsstrategien mit einer auch betreibsintern rücksichtslosen top-down organisierten Meinungsdiktatur betreibt?
  Bekannt ist, daß man mit GenTech auch Public Benefit erzeugen kann und das nicht nur in Sachen Penicillin oder Insulin (wobei ich seit dem Aufgang von HOECHST in AVENTIS für diese Konzern aus produktenthischer Sicht moralische Monsanto-Nähe nicht ausschließe).
  Die stereotype Sicht von GenTech darf inzwschen fast allen Parteien im Deutschen Bundestag und so mancherlei selbsternannten Gentechnik-Experten in Verbänden wie BUND und Greenpeace zugerechnet werden. Es ist mehr als peinlich, wenn ein ehem. Gesundheitminister Seehofer und seine Nachfolgerin Aigner bar jedes Schulwissens von genfreiem Saatgut fabulieren. Daß Ihnen aus dem eigenen Hause nicht von derlei bildungspolitischen Entgleisungen abgeraten wird, spricht nicht gerade für das einschlägige Ministerium.
  Werden dann auch noch unter tätiger Mitwirkung der CSU genfreie Regionen und anderer schon aus rein populationsbiologischer Sicht erkennbarer Blödsinn bis hin zur Sabotage freier GenTech-Forschung an der LMU München (Weihenstephan)  verzapft, braucht sich diese Partei über grüne Ideologen nicht mehr zu beschweren. Haltet den Dieb!
  Bei alledem wird eben ganz und gar vergessen, bei GenTech nach dem WIE statt ideologisch verklemmt nur nach dem OB zu fragen. Und solange viele Zeitgenossen noch nicht einmal wissen, was Gene überhaupt sind, werden viele berechtigte Fragen nach dem WIE weiterhin vergeblich auf gescheite Antworten warten.
  Wenn Hersteller dann auch noch nicht nur materiell, sondern auch im Geiste, nämlich samt ihrer dem Grunde nach berechtigte wirtschaftolitischen Befürwortung von GenTech, die Flucht aus dieser Republik ergreifen, ist das allerdings letztendlich eine nachhaltige Kapitulation ganz im Sinne derer, die Politik nicht mit Argumenten, sondern billiger Schwarz-Weiß Panik machen.
  Und die BASF räumt einen Markt, der möglicherweise damit neue Einstiege für unsaubere Konkurrentn wie Monsanto eröffnet.

Tilman Kluge - Dipl. Ing. agr.
19.01.2012  05:28

Eine Diktatur grüner Spießer und “Bildungs”-Wutbürger, die ihr schulisches Totalversagen in Fächern wie Mathe, Physik und Chemie dem Rest der Gesellschaft aufzwingt und dies dann “Chancengleichheit” nennt.

Ocell de foc
19.01.2012  10:03

Daß der grüne “Bildungs”-Wutbürger auch humanistisch mit seiner geschichtsunkundigen “Weltoffenheit” (d.h. ein pathologischer Selbstsuggestionsdrang, der ihm beständig einflüstert, Eigenschaften zu haben, die ihm nicht im geringsten anhaften) ein Totalversager ist, könnte man auch noch am Rande erwähnen.

Ocell de foc
19.01.2012  10:11

Hallo Leslie, lies dir im Wikipedia einmal den Artikel über Humaninsulin durch und was der gute Joschka damals verzapft hat.

Zur gleichen Zeit als BASF den Abschied bekannt gab hat Frau Schavan übrigens das Zentrum für islamische Theologie eröffnet.
http://www.bmbf.de/de/15619.php
Das ist die Zukunftspolitik für Deutschland.
Es grüßt ein frustrierter deutscher Physiker

Rainer
19.01.2012  11:49

@ leslie

“Sterile Pflanzen züchten,wo Bauer jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss freut niemanden nur diese Mafia.”

1. Ein Argument der Gentechnikgener ist, dass sich die GV-Pflanzen ungehindert ausbreiten können. In der Züchtung wird u.a. darauf reagiert und es werden Pflanzen gezüchtet, die sich, da sie steril sind, nicht ungehindert ausbreiten können. So ist es auch nicht recht. Man kann sich die Argumente immer passend zurecht legen.
2. Haben Sie schon etwas von Hybridzucht gehört? Anscheinden nicht, denn auch hier lohnt sich der Nachbau für den Landwirt nicht, weil die guten Ertragseigenschaften, weswegen sich die Landwirte für das Hybridsaatgut entschieden haben, in der nächsten Generation wieder verschwinden. Aller Mais der angebaut wird, große Teile der Rapssaat und der Roggensaat stammen aus der Hybridzüchtung. Die Landwirte “müssen” jedes Jahr neue Saat kaufen. Wo ist da der Aufschrei und wo sind die Aktionen gegen Hybridsaatgut?

Das was sie beschreiben ist kein explizites Problem der Gentechnik und keine explizite Machenschaft von Monsanto.

Daniel
19.01.2012  12:37

Liebe Leslie, was meinen Sie bitte mit “beschäftigt”? Dazu sollte doch wohl etwas mehr gehören als sich einen blöden Propagandafilm anzuschauen, gemacht von einer Dame, der ganz offensichtlich sowohl die elementarsten naturwissenschaftlichen Kenntnisse als auch der Wille zu objektivem Journalismus fehlen. Aber wenigstens ist sie ehrlich genug, die Herkunft ihrer vermeintlichen Fakten offen zu zeigen: Google.

Atomium
19.01.2012  12:42

Nur in einer Sache kann ich dem Autor nicht zustimmen: Klimawandel und weltweites Bevölkerungswachstum sind nicht die größten Probleme von heute oder morgen. In vielen Ländern haben wir einen drastischen Rückgang der Geburtenraten. Die dadurch entstehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen werden sich erheblich stärker auswirken, auch auf uns. Es ist im übrigen völlig offen, ob ein etwaiger Klimawandel überhaupt schlecht wäre. Derzeit entstehen die größten Kosten durch die hysterische Überreaktion auf einen befürchteten, keineswegs sicheren Wandel, der noch nicht einmal stattgefunden hat. Und wir fürchten uns vor der wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit, obwohl Armut heute schon viel mehr Menschen tötet - und das, im Gegensatz zum Klimawandel, wissen wir sicher.

WFI
19.01.2012  13:10

Lieber Stefan,
“Gutmensch ist die ironische Verkehrung des ausgedrückten Wortsinns „guter Mensch“ in sein Gegenteil, nämlich eine meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen („Gutmenschentum“), denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird. In der politischen Rhetorik wird Gutmensch als Kampfbegriff verwendet.[1]
Im Januar 2012 erhielt das Wort von der Gesellschaft für Deutsche Sprache als Unwort des Jahres 2011 den 2. Platz.
In der Begründung gab die GfdS an, mit dem Wort werde „insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren“ und kritisierte die aus ihrer Sicht 2011 einflussreich gewordene Funktion des Wortes als „Kampfbegriff gegen Andersdenkende.“[2]”

Aus http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch

Nur mal so zur Info…

Wenn man keine Gegenargumente hat, sollte man immer die Andersdenknenden als dämlich hinstellen.

einen schönen tag noch ;)

Dorothy
19.01.2012  13:15

Grüne haben in aller Regel keine Ahnung von Ackerbau und Viezucht. Auch deutsche Bauern arbeiten beim Anbau von Mais, Roggen, Raps und zunehmend Kartoffeln mit Hybriden die sie von vorwiegend einheimischen Saatguthersteller beziehen und die dem Sortenschutzgestz unterliegen. Die Verwendung von Hybriden hat für den Landwirt den Nachteil, dass deren Nachkommen deutlich an Fitness verlieren. Beim Anbau von aus Hybriden erzeugtem Saatgut kommt es beispielsweise bei Mais zu Ertragsreduktionen von etwa 30 %. Der übliche Saatgutpreis beträgt aber nur einen Bruchteil dieser Ertragseinbuße, weshalb sich der jährliche Saatgutzukauf aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnt. Ebenso lohnt sich der Kauf von gentechnisch modifizierten Saatgut da er zu höheren Erträgen und Einsparungen beim Pflanzenschutz führt. Die Vertreibung der gentechnisch gestützten Pflanzenzucht aus Deutschland ist der letzte Akt einer Tragödie die in den 80iger Jahren begann als das Land Hessen mit ihrem damaligen Umweltminister Joschka Fischer die Inbetriebnahme einer Anlage zur Herstellung menschlichen Insulins in gentechnisch modifizierten Bakterien durch die Firma Hoechst auf der Grundlage herbei fantasierter Risiken zehn Jahre lang hintertrieb. Hoechst, damals das grösste Pharmaunternehmen der Welt, ist heute untergegangen. In der Folge haben andere Pharmaunternehmen wie Bayer, Schering, Knoll AG (BASF) ihre gentechnischen Projekte eingestellt oder ins Ausland verlagert. Als Folge wird der lukrative Markt der “Biologicals” heute von US-Unternehmen beherrscht. Schon damals hat sich die Politik vor dem grünen Zeitgeist feige wegeduckt. Die Unternehmen selbst sind nicht unschuldig, da die Soziologen und Psychologen in den Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit einer offensiven Auseinandersetzung ausgewichen sind und wie in Deutschland üblich einen “Dialog” angestrebt haben, der sich natürlich als völlig unfruchbar erwiesen hat. Versagt hat auch die Wissenschaftpolitik weil bis heute weder vom Wissenschaftsrat, den zahlreichen Akademien und Gesellschaften oder Uni-Präsidenten ein mahnendes Wort zu dieser fatalen Entwicklung zu hören ist. Die Vertreibung der Gentechnik wird ebenso wie die Vertreibung der Kernphysik und der Irrsinn der Energiewende für künftige Generationen Folgen haben der weit über die zu erwartenden negativen Folgen der “Eurorettung” hinausgehen wird.

Wolf-Dieter Schleuning
19.01.2012  13:24

Thilo Sarrazin hatte 2010 seinen millionenfach verkauften Bestseller “Deutschland schafft sich ab” betitelt. Jetzt geht es Sachsen-Anhalt an den Kragen. Nach einer anderen Methode zwar, als der von Sarrazin für Deutschland beschriebenen - nicht von innen, sondern von außen. Vorläufig letztes Indiz in einer längeren Kette ist die Flucht der Gentechnikforschung, nun auch der BASF, aus Deutschland, die zu einem erheblichen Teil in Sachsen-Anhalt arbeitete. Jetzt haben es die Acker-Zertrampeler von Attac und Greenpeace, die sich “Feldbefreier” nennen, also geschafft:
Nach modernsten Methoden geschaffene Nutzpflanzen auch aus Sachsen-Anhalt haben nach dem Willen der saturierten, auf Bio und Öko getrimmten Führungsriege in Deutschland auf längere Sicht keine Chance mehr.
Dabei haben die gentechnisch, also im Labor, entwickelten Nutzpflanzen in der übrigen Welt längst einen Siegeszug ohnegleichen angetreten:
Der goldkörnige Reis, der ein lebensnotweniges Vitamin enthält, dessen Fehlen früher Tausenden Menschen Krankheit oder Tod brachte,
Mais und Baumwolle, die man nicht mehr mit giftigen Chemikalien vor Schädlingen schützen muß, Tomaten, die nicht nach wenigen Tagen unappetitlich matschig sind,
oder Weizen, der dicke Ähren auf kurzen Halmen trägt, die nicht mehr bei starkem Regen umknicken
und auch Getreidesorten, die mit weniger Regen so gut gedeihen, daß sie auch in Trockengebieten noch Mensch und Tier ernähren.
Jahrtausendelang hatte die Menschheit beim Züchten von neuen Nutzpflanzen viele Jahre gebraucht, um von Saat zu Ernte, Saat zu Ernte und so fort durch Selektion die erwünschten Verbesserungen zu erzielen. Der Mensch nun hat gelernt, diesen langwierigen Prozeß im Labor mit Hilfe der Chemie und des Mikroskops von Jahrzehnten auf Jahre zu verkürzen. Auch die Menschheit wächst ja dank Medizin und Hygiene zum Glück mit immer größerem Tempo. Mit noch größerem Tempo muß deshalb unbedingt auch ihre Ernährungsgrundlage wachsen.
Schon seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts kam ein Großteil der ertragreicheren Pflanzensorten, Weizen, Gerste, (Roggen weniger, der kam aus Brandenburg), Zuckerrüben und Kartoffeln aus den Händen von Züchtern im heutigen Sachsen-Anhalt. Im geographischen Dreieck, das man mit den Eckpunkten Halle, Magdeburg und Braunschweig recht gut umschreiben kann, arbeiteten damals die besten Nutzpflanzenzüchter der Welt, die in großen Teilen Europas mit ihren Kreationen zur Bekämpfung des Hungers beitrugen (und dabei natürlich auch reich wurden). Sogar eine völlig neue Getreideart, nicht etwa “nur” eine neue Sorte, kam dabei im Jahre 1888 in einem Dorf in der Magdeburger Börde auf die Welt: Sie heißt jetzt Triticale und liefert in vielen Weltgegenden bessere Erträge an Viehfutter, als jede andere dort angebaute Getreideart.
Und jetzt, im Jahre 2012, soll also unter anderem in Gatersleben Schluß sein. Dabei ist Gatersleben der Arbeitsort erfolgreicher Pflanzenzüchter seit vielen Jahrzehnten. Einer auf Grün gestimmten Lobby ist es damit auch in Sachsen-Anhalt gelungen, nicht nur die Chemie in Verruf zu bringen (als ob es nicht die Chemie mit ihrer Industrie wäre, die einen erheblichen Teil der Produkte schafft, die unser Leben in vielfältigster Weise bereichern), sondern auch die Stromproduktion aus Braunkohle und die grüne Gentechnik. Drei Dinge also, die maßgeblich aus unserem Bundesland kommen.
Das hat Methode!
Das Ziel: Auf den guten Äckern sollen Raps, Mais und Rübe für Biosprit angebaut werden und darüber sich die Windräder drehen. Auf den weniger guten Böden dürfen sich Feldhamster und anderes seltene Getier zwischen Golfspielern und Campern wohlfühlen. In den Städten dürfen Klassiker deutscher Kultur, z. B. Luther, Händel und Telemann, gepflegt werden, aber außer für Solartechnik und Windräder bitte keine Industrie! Besser mehr Öko-Dörfer!

Da ist zum Beispiel eine Professorin mit dem Idiotenspruch “Kohlestrom verstopft die Netze” Landtagsabgeordnete in Magdeburg geworden, der Ausbau von Verkehrswegen, z. B. von Kanälen und Straßen, wird nach Kräften blockiert, weil das dünn besiedelte Land pro Kopf seiner Einwohnerschaft mehr Straßenkilometer hat, als dichter besiedelte Länder, und weil der Präsident des hiesigen Bauernbundes festgestellt hat, daß man Gentechnik nicht versichern kann. Letzteres mag stimmen, wenn man weiß, wie sich die Münchener Rück, einer der größten Versicherer in Deutschland, auch an den sogenannten erneuerbaren Energien, diesem Schwachsinnskonstrukt, beteiligt.
Aber braucht man nicht im Gegenteil ein gut ausgebautes Straßennetz, wenn man ein dünn besiedeltes Land für die Bewohner und deren Broterwerb konkurrenzfähig bewohnbar halten will?
Und hat man je davon gehört, daß der Pollen von einem mit einer Neuzüchtung bestellten Feld einem Nachbarfeld geschadet hätte? Daß sei nicht hinlänglich untersucht, sagen die Leute des Vereins “Gendreck-weg” (kein Scherz, diese militante Truppe gibt es wirklich!) und viele andere, denen man eigentlich seriöse Kenntnisse zugetraut hätte. Dazu kann eine wahrhaftige Nobelpreisträgerin für Medizin (nicht etwa für Frieden, wie z. B. Al Gore für seine Klimatastrophenlehre) zitiert werden, die zwar bei Magdeburg geboren wurde, trotzdem aber allzu großen Lokalpatriotismus unverdächtig ist, denn sie ist von hier schon im Kleinkindalter verzogen. Auf die Frage, ob sie denn keine Angst vor gentechnisch behandelten Tomaten habe, antwortete die sicherlich kompetenteste deutsche Genetikerin, Frau Prof. Christiane Nüsslein-Volhard, Nobelpreisträgerin 1995: “Ja, was glauben Sie denn, wieviel DNS der Mensch mit einem einzigen Schnitzel ißt, ohne daß er diese in sein Erbgut einbaut.”
Alles klar?
Albert Krause, 19. Januar 2012

Dr. Albert Krause
19.01.2012  13:51

@ Tilman Kluge

“Die stereotype Sicht von GenTech darf inzwschen fast allen Parteien im Deutschen Bundestag und ...zugerechnet werden.”

Fast alle, aber eben nicht alle. Es gibt eine wackere Kämpferin, die in ihrer Fraktion und Partei auch nicht alleine steht mit ihrer Position. Auf der Seite der Abgeordneten Dr. Happach-Kasan (FDP) ist folgendes zu lesen:

“Die Grüne Gentechnik ist eine effektive Züchtungsmethode. Die Sicherheit der Technik hat sich in Jahrzehnte langer Praxis und Risikoforschung erwiesen. In 2010 wurden global auf 134 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Das ist mehr als das Zehnfache der Ackerfläche der Bundesrepublik Deutschland. Die Grüne Gentechnik ist ein wichtiges Instrument, um Armut, Hunger, Mangelernährung und die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen. Die Welt braucht eine innovative, forschungsoffene Landwirtschaft. Schon heute werden durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weniger Pflanzenschutzmitteln verwendet, wird weniger Energie verbraucht.”

http://www.happach-kasan.de/gruene-gentechnik/

Daniel
19.01.2012  14:04

Versuche einmal jemand aus der geschätzten Teilnehmerschaft, die Bundesregierung oder eine Landesregierung auf das Thema anzusprechen, ob es denn überhaupt ein Feedback zu den vielen ministeruiellen Veröffentlichungen (Folder, Broschüren,...) gibt, die da auf Steuerzahlers Kosten in der Republik vagabundieren.

  Vor allem müßte man doch an eienr Antwort auf die Frage interesseirt sein, ob die Leute überhaupt verstehen, was da geschrieben steht, sei es nun Unfug oder sinnvoll. Wenn da “Klima” zu lesen ist, wieviele Leser wissen denn, was überhaupt ist? So schnell wie bei diesen Fragestellungen wird einem von den derart angesprochenen Stellen sonst nirgends die politische Tür vor der Nase zugehauen.

...Wissen ist, weil Macht, hierzulande Geheimsache, so oder so. Das ist peinlich, liebe Bildungsrepublik*, wirklich peinlich!

*) so das bildungsprogrammatische Label der Bundes-CDU

Tilman Kluge, Dipl. Ing. agr.
19.01.2012  14:31

....Was sagt eigentlich der Rest der EU zu diesem grünen Schwachsinn ?
Reicht der geistige Horizont wirklich nicht über den Rand des eigenen Suppentellers hinaus ? Offenbar wohl nicht…..

Dr.Martin Focke
19.01.2012  15:09

Wer Percy Schmeisser als Untergangspropheten denunziert darf sich nicht wundern, wenn eine naturwissenschaftlich nicht ausgebildete Klientel sich mit Recht skeptisch gegenüber allen Zukunfts-Versprechen und -Visionen ausspricht. P. Schmeisser, kanadischer Farmer, 80 Jahre alt, hat sich in einem   jahrelangen Rechtsstreit mit Erfolg gegen einen überheblichen und arroganten Industriekonzern durchgesetzt, der die Existenzgrundlage von P. Schmeisser zu vernichten drohte, nicht umgekehrt!

Dr. J.-V. Weiß
19.01.2012  19:24

Ganz kurz zu den Kommentaren, die Klimawandel und Bevölkerungswachstum angehen: Ich halte den Klimawandel für einen zu grossen Teilen natürlichen Prozess, da das Klima sich immer gewandelt hat. Vor 2000 Jahren hatten die Alpen beispielsweise keine Gletscher und der Anstieg zu den jetzigen Durchschnittetemperaturen erfolgte aus einer kleinen Zwischeneiszeit heraus und ist so erklärbar. Ich glaube auch, dass all die Versuche zum “Geo-Engineering” nicht viel bringen. Aber Klimawandel kann vor allem, wenn es einen Umschwung in die eine oder andere Richtung gibt, durchaus für eine gewisse Zeit zu verstärkt auftretenden extremen Wettersituationen führen. Auf die gilt es, was die Ernährungssicherung angeht, vorbereitet zu sein. Es macht auch mehr Sinn, über Deichbau in Bangladesh nachzudenken, als weiter Photovoltaik in Deutschland zu fördern.
Auch wenn das Bevölkerungswachstun sich verlangsamt, braucht es doch einen relativ langen Bremsweg, bis es sich stabilisiert hat. Wenn in manchen Entwicklungsländern 40% unter 25 sind, dann werden die auch in eine reproduktive Phase eintreten. Nach bisherigen Schätzungen werden wir uns 2050, wenn alles gut geht, bei 9.3 Mrd einpendeln, das sind 2.3 Mrd mehr Menschen als heute.

Hans-Jörg Jacobsen
19.01.2012  20:26

Mich wundert es ehrlich gesagt nicht, dass so viele Leute Angst vor der Gen-Technologie haben.

Es gibt zu viele Menschen, die aktiv dagegen sind und so gut wie keine, die aktiv dafür sind und mit Aufklärung versuchen, dem entgegen zu treten.

Da ich nicht vom Fach bin und somit keine Ahnung habe, müsste ich mir Infos dafür mühsam aus dem Internet zusammensuchen.

Infos dagegen finde ich überall. Wo sind die Veranstaltungen, die mich aus wissenschaftlicher Sicht aufklären? Wo in der Presse lese ich was von den Vorzügen und Erfolgen?

Wer nicht will, dass wir ins Mittelalter zurückfallen, muss aktiv den Ökos und Esos was entgegensetzen und nicht nur diesen Missstand beweinen.

Das ist doch das Hauptproblem! Und nicht nur bei diesem Thema.

Saganon
19.01.2012  23:03

Leider muss ich Saganon weitgehend Recht geben: Ich bin - was Biotechnologie betrifft - definitiver Laie. Der Versuch heute, über mehrere Stunden hinweg, mich via Google etwas schlau zu machen zu den Basics der Gentechnolgie war ausgesprochen ernüchternd: Es scheint, zumindest im deutschsprachigen Internet nur sehr wenig verlässliche Informationen zum Thema zu geben.

Und was wirklich weh tut: Noch nicht mal auf der Seite von basf.com bin ich fündig geworden ....

Wolfgang Pfeiffer
20.01.2012  01:26

@ Dr. Weiß

“Wer Percy Schmeisser als Untergangspropheten denunziert darf sich nicht wundern, wenn eine naturwissenschaftlich nicht ausgebildete Klientel ...”

Ich konnte keine denunzierung des Herr Schmeisser erkennen. Aber zur Beurteilung des Falles Schmeisser, schadet es auch nicht, wenn man etwas naturwissenschaftlich oder landwirtschaftlich geblidet ist und dem Herrn nicht ganz unkritisch vertraut und in als Messias vor sich herträgt, wie es die ein oder ander Bewegung bei uns macht.

Im Fall Schmeisser geht es um eine Schadensersatzklage von Monsanto über 15$/ ha wegen eines Verstoßes gegen das Patentrecht bzw. der widerrechtlichen Nutzung des patentierten Monsanto-RR-Raps.
Man kann ja über so einiges in dem Fall Schmeisser diskutieren und gerne auch üebr die Rolle in der sich beide Prozeßteilnehmer gefallen, aber bei 15 $ / ha kann man nun wirklich nicht von der Vernichtung der Existenzgrundlage sprechen!

Auch in Deutschland müssen Landwirte beim Nachbau von Sorten Lizenzgebühren an die Züchter zahlen und das finde ich (als Landwirt) auch richtig. Im Fall Schmeisser stellt sich die Frage, in wieweit der Nachbau bewußt oder unbewußt geschehen ist. Was das angeht kam das Gericht zu dem Schluss, dass Schmeiser wusste oder hätte wissen müssen, dass das ausgebrachte Saatgut tolerant gegenüber RoundUp war, also Monsanto Saatgut war.

Zum Fall Schmeisser empfehle ich einen Beitrag von Dr. Stefan Rauschen unter:
http://gute-gene-schlechte-gene.de/mythen-und-legenden-teil-2/

Daniel
20.01.2012  01:34

@ Wolfgang Pfeiffer

Das Auffinden entsprechender Seiten, die das Thema nicht nur reißerisch behandeln ist nicht einfach. Das kenne ich aus eigner Erfahrung. Ich empfehle Ihnen, sich einmal auf diesen Seiten (s.u.)  umzuschauen. Sie habe ich im Laufe meiner Informationssuche zu diesem Thema gefunden. Besonders die ersten beiden Links behandeln das Thema sehr umfangreich, 3. - 5. sind Blogs in denen sich Wissenschaftler hin und wieder mit interessanten Artikeln äußern und im 6. Link finden sie aktuelle Meldungen zur Grünen Gentechnik zusammengestellt. Viel Erfolg und Wissenszuwachs beim Surfen.

1. http://www.transgen.de

2. http://www.biosicherheit.de/

3. http://gute-gene-schlechte-gene.de/

4. http://www.wgg-ev.de/index.html

5. http://www.scilogs.de/wblogs/

6. http://www.gruenevernunft.de/

Daniel
20.01.2012  10:04

Mich wundert, dass trotz der ziemlich einhelligen Meinung, Monsanto sei doch nicht ein so sauberes Unternehmen, dem man volles Vertrauen entgegenbringen kann, sich noch niemand in der Runde für die Schäden die das Unternehmen angerichtet hat, “bedankt”. Schäden nämlich in dem Sinne, dass durch das (Fehl)Verhalten von Monsanto eine derartige Ablehnung von Gen-Tech erst entstehen konnte, welche es nunmehr fast unmöglich macht, Zustimmung dafür zu bekommen.
Aber unabhängig davon ist es auch nicht hilfreich, wenn jemand fast gebetsmühlenartig die angeblichen oder tatsächlichen Vorteile der Gen-Tech wie aus einem Werbeprospekt herunterleiert.
Vorteile von angeblichen Höchsterträgen bei gleichzeitigem Minimalaufwand von Dünger und Spritzmittel, welche tlw. nur auf dem Papier bestehen.

e.moser
20.01.2012  10:42

Ein sehr kluger Kommentar über die Frage, weshalb der Diskurs über grüne hierzulande so schwierig ist, findet sich bei SciLogs:

“Der gentechnische Sündenbock” von Jörg Ewers: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/chemisches-allerlei/allgemein/2012-01-18/der-gentechnische-s-ndenbock

Johannes Richardt (NovoArgumente)
20.01.2012  13:10

@ Daniel

Vielen Dank für die Links!

Meine Interesse an den Grundlagen der Biotechnologie kommt daher, weil Biotechnologie - nach allem, was ich bisher mitbekommen habe - im Prinzip dasselbe macht, was Natur und Mensch schon lange tun, nämlich die Veränderung dessen was ist: Die Natur durch unkoordiniertes Kreuzen verschiedener Lebewesen, der Mensch - etwas gezielter -  seit langer Zeit durch Pflanzen- und Tier (?) - Zucht. Wenn das aber so ist, muss gefragt werden, weshalb beispielsweise das hirnlose Herumpfuschen der Natur im Genpool von Pflanzen durch wilde Kreuzungen von Gegnern der Biotechnogie hingenommen und vermutlich für ungefährlich gehalten wird, die gezielte Änderung von Pflanzen durch Biotechnolgie jedoch als gefährlich bekämpft wird.

Mein Verdacht ist, dass die Gegner des Bioengineerings dem Treiben der Natur mehr über den Weg trauen als Menschen - was erkennbar irre ist, wenn man sich nur klar macht, wie zerstörerisch Natur sein kann: schon eine blöde Grippe könnte eigentlich jeden, der nur bis 3 zählen kann, auf diesen Trichter bringen ...

Wolfgang Pfeiffer
20.01.2012  17:47

@ Daniel 20.01.2012 09:04


Sehr schön mit den Links. aber wer liest die?

Diejenigen, die sich als Insider auf vielen GenTech-Tagungen politischer Stidtungen und Akademien landauf landab immer wieder treffen, brauchen die Links in der Regel nicht mehr für´s Grundwissen.

Diejenigen aber, die ebenso Grundwissen haben sollten (z.B. die Leute, die einkäufeüberladen auf der Zeil in Frankfurt zur U-Bahn oder anderweitig und anderswo von Termin zu Termin eilen und sich für solche Sachen wie GenTech einen feuchten Kehricht interessieren, aber umso anfälliger für jederlei Angstmache sind), bleiben unbedient. Hierzu zählen auch viele Politiker.

Erwachsenenpädagogische Konzepte in Hinsicht auf naturwissenschaftliche Bildung als Offensive (Versicherungsvertreter-Prinzip) anstatt es bei der Bildung als Angebot zu belassen, gibt es so gut wie keine.

Tilman Kluge
20.01.2012  18:05

@ Daniel
Vielen Dank für Ihren interessanten Infoverweis. Ich möchte dem noch folgende Fakten hinzufügen:
Der Rechtsstreit zwischen Monsanto/Schmeisser endete 2004 in einer Art Vergleich, nachdem jede Partei die eigenen Anwalts/Prozesskosten zu tragen hatte. Bei Anwaltskosten von mehreren 100000 can.Dollar nur auf Seiten des Klägers hätte ein verlorener Prozess für den Beklagten sehr wohl eine ernste Existenzbedrohung dargestellt. Monsanto war sicher mit diesem Urteil auch nicht zufrieden. Aber noch schmerzlicher für den Kläger wie auch die Gentechnik insgesamt war die Tatsache, dass P. Schmeisser im Dezember 2007 für sein Engagement gegen diesen Großkonzern den “Alternativen Nobelpreis“ im schwedischen Parlament in Stockholm verliehen bekam. Über den Wert dieser Auszeichnung kann man sicher sehr geteilter Meinung sein, aber zu einer besseren Akzeptanz der Gentechnik in Volkes Meinung hat diese Preisverleihung nicht beigetragen!
Bei zukünftigen vergleichbaren Auseinandersetzungen sollte man vielleicht nicht aus einer vermeintlichen Position der Stärke als vielmehr aus der des Vorausdenkenden handeln. Dann besteht eher die Möglichkeit einen wirklichen Nutzen aus dieser Technologie zu generieren.

Dr. J.-V. Weiß
20.01.2012  18:58

zu Joschka Fischer und die Gentechnik:

bei der Diskussion über gentechnisch veränderte Tomaten wurde er gefragt,was denn sei,wenn wissenschaftlich festgestellt würde,diese gentechnisch veränderten Tomaten
sind völlig unbedenklich.
Darauf sagte er: Das ist nicht die Frage.wir wollen es einfach nicht.!
Quelle.In einem Buch von Olaf Henkel,der Titel ist mir im Moment nicht abrufbar.

Die wisswenschaftsaverse Haltung der Grünen und auch Roten ist schon beachtlich.

Ideologie/Religion und Wissenschaft sind einfach nicht kompatibel

thomas
20.01.2012  20:14

Warum stellt Novo nicht mal der Mutationszüchtung (“ist übrigens auch alles Bio”) der Gentechnik gebenüber?
Die Mutationszüchtung wird auch bei Bioprodukten angewandt - niemand störts, obwohl hier Mutationen und damit Genveränderungen per Radioaktivität und Chemie herbeigeführt werden und niemand das Ergebnis kennt, im Gegensatz zur Gentechnik, die ja gezielte Veränderungen hervorruft.
Den einzigen Beitrag zur Mutationszüchtung habe ich unter http://www.freitag.de/2005/31/05311801.php gefunden
Allerdings werden für per Mutationszüchtung erzeugte Pfanzen keine Lizenzgebühren fällig - wie kann ein Bio-Bauer sein Feld von gentechnisch-veränderten Pflanzen freihalten so dass keine Gebühren fällig werden?
(Auch ein Thema, mit dem sich Novo beschäftigen könnte.)

Richard
20.01.2012  22:36

Der einzige Nutzen dieser Gentechnik dürfte wohl darin bestehen das die Konzerne durch ihre Patentrechte sowohl Bauern wie Konsumenten immer mehr in die Abhängigkeit treiben.
Die Profitgier kennt keine Grenzen mehr, egal welche langfristigen Folgen die ständige Genmanipulation auf das gesamte Ökosystem hat.

Karl Koch
21.01.2012  00:59

Lieber Herr Koch,

ihr Beitrag zeigt sehr schön den eigentlichen Kern des Problems mit der Grünen Gentechnik und zwar den politisch, ideologischen.
Die Gentechnikbefürworter sehen in ihr die Möglichkeit zur Lösung eines wichtigen Problems der Menschheit unter Beibehaltung des politischen Systems. Die Gentechnikgegner brauchen aber das Problem um das politische System des Kapitalismus anzuprangern und letzlich abzuschaffen. Man fürchtet eine Stabilisierung des zu bekämpfenden Systems, gelingt es diesem Lösungen für wichtige Fragen wie Ernährung oder Energieversorgung anzubieten. Daher der erbitterte Kampf gegen die Kernkraft und die Grüne Gentechnik.
Hätte man dann selber die Macht erlangt, wäre es durchaus möglich die ehemals verhassten Technologien als Heilsbringer zu lobpreisen. Nur fehlten wohl dann die Ressourcen dazu, finanziell und auch personell.
In der DDR war die kapitalistische Elektronik zunächst auch nur ein gigantischer Arbeitsplatzvernichter, bis man selber daran teilhaben wollte (mußte) und den ersten sozialistischen DDR-Chip als Wunder feierte.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
21.01.2012  08:12

@ Richard 20.01.2012 21:28

Für jede zertifizierte Pflanzensorte nach dem Saatgutverkehrsgesetz sind Geführen fällig, man nennt das auch Kaufpreis für einen Sack Saatgut….

Der Nachbau wäre gebührenpflichtig, da hatte der Verband Deutsche Saatzüchter sogar mal eine Rundbriefaktion an alle Landwirte gemacht.

Ich kann mir durchaus vorstellen, daß jemand sich darauf einlässt, auch Mutanten “schützen” zu lassen, so daß ein je indizierbares Gen (die Mutation ist ja lokalisierbar) oder ein entsprechender Genkomplex patentiert würden. Ob er damit Erfolg hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Was man auch wissen muß ist, daß Mutanten in aller Regel (z.B. im “Schrotschuss-Verfahren, also auf einen Haufen Zellkerne und nicht nur für einen gerichtet) eine hohe Zufallskomponente haben, d.h. nach der Mutationserzeugung muß aus dem Ergebnis erst einmal Positives ausgelesen werden. Denn in der gesamten Probe gíbt es neben einem möglicherweise positiven Resultat auch unzählige Müll-Mutanten, in denen wesentliche Gene zerstört wurden. 

Siehe auch http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1151639/ wobei, man auch immer wieder Unfug liest, so den ersten Satz aus der Passage »Der Vorteil der Mutationszüchtung gegenüber der Gentechnik ist, dass man damit das ganze Genom umbauen kann, überhaupt kein Vergleich zur überschaubaren Gentechnik. Der Nachteil aber ist die Zeit, die das kostet. Man musste das bestrahlte Saatgut immer wieder auspflanzen, um zu sehen, was man da angestellt hat. Und das Allermeiste, was hier erzeugt wurde, war züchterischer Schrott. Den hat man einfach untergepflügt. Freisetzung nach dem Geschmack der Gentechnikgegner.«

Tilman Kluge, DIp. Ing. agr.
21.01.2012  09:32

@ Tilman Kluge
„Sehr schön mit den Links. aber wer liest die?“

Das klingt aber sehr pessimistisch. So sollte man nicht an die Sache herangehen. Aber leider schauen auf diesen Seiten viel zu wenige vorbei, das stimmt. Greenpeace und andere sind bekannter. Aber wer sich aus Eigeninitiative bei Greenpeace und anderen Organisationen zu dem Thema informiert, kann auch bei transgen.de oder biosicherhiet.de vorbeischauen. Die Informationen sind auch für Laien recht gut verständlich.


@ Dr. Weiß
„Der Rechtsstreit zwischen Monsanto/Schmeiser endete 2004 in einer Art Vergleich, nachdem jede Partei die eigenen Anwalts/Prozesskosten zu tragen hatte.“

Ein Vergleich beendet einen Prozess im gegenseitigen Einvernehmen, ohne dass ein Urteil gesprochen wurde. Positiv ausgedrückt hat jede Partei ein bisschen gewonnen. Oder andersherum keine Partei konnte ihr Auffassung endgültig durchsetzen. Insofern finde ich es schwierig, wenn sie Mister Schmeiser hinstellt und behautet er hätte den Prozess gegen Monsanto gewonnen.

„Bei Anwaltskosten von mehreren 100.000 can. Dollar nur auf Seiten des Klägers hätte ein verlorener Prozess für den Beklagten sehr wohl eine ernste Existenzbedrohung dargestellt.“

Wenn man bedenkt, dass die Auseinandersetzung mit einem Streit um 15 $ je Hektar begann, also um eine Summe von vielleicht 5.000 $ (330 ha * 15 $) und dann 100.000 $ Anwaltskosten produziert werden, dann haben sich beide Parteien ganz schon verbissen in die Sache. Solche Summen kommen nicht übernacht zu Stande. Da haben wohl beide den richtigen Zeit zum Ausstieg verpasst.

Ich will hier auch nicht Monsanto verteidigen, sie sind nicht die Heilsarmee, aber auch nicht der Retter der entrechteten und enterbten und über jeden Zweifel erhabene Kämpfer für „das Gute“.

Daniel
21.01.2012  17:20

Was macht skeptisch, was macht Angst und daher ablehnend?

Meiner Ansicht nach, weil sich unterschiedliche Arten üblicherweise nicht “verpartnern”, aber insbesonders dann wird es bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl erzeugen, wenn z.B. die Artgrenzen von Tieren und Pflanzen überschritten werden.
Hier hat die Genforschung schlichtweg nicht den Weg gefunden, solide und seriöse Information zu betreiben.
@Bibliothekar
Und das möchte ich aber auch nicht auf Ideologieunterschiede reduziert, verstanden wissen. Das greift viel zu kurz und zu einseitig.

e.moser
22.01.2012  12:14

@e.moser

Horizontalen Gentransfer gibt es auch in der Natur. Hier ist die solide und seriöse Information:
http://www.helmholtz-muenchen.de/neu/Aktuelles/Zeitschriften/m_u_spezial_gruene_Gene/59_64_Hartmann.pdf

Gentrechnikgegner sind in der Regel ideologisch verbohrt und gegenüber Argumenten genauso resistent wie der Pabst in der Kondomfrage.

Wolf-Dieter Schleuning
22.01.2012  17:03

Dank an Prof. Jacobsen für die klaren Worte zur Situation der Gentechnik und dessen Forschungssituation in unserer Republik.
Danke auch an die diversen Hinweise für weiterführende Literatur.
Eine derart weit überwiegend von Sachbezug getragene Diskussion findet man selten zu diesem Thema, auch dafür muß man inzwischen schon dankbar sein.
Die Anbaufläche von gentechnisch veränderten Pflanzen dürfte auf unserem Globus inzwischen die 150 Mio ha-Marke überschritten haben - mit steigender Tendenz.
Auch in Entwicklungs- und Schwellenländer werden inzwischen auf über 70 Mio ha gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut.
Wie ist denn die BRD hinsichtlich seines Entwicklungszustandes künftig einzustufen?
Hat jemand eine Idee, wie man insbesondere den Grünen, aber auch anderen Politikern (ausgenommen FDP) sowie Journalisten, Lehrern und (grünen) Pastoren naturwissenschaftliche Grundlagen und Fakten beigringen kann?
Aber - nicht verzagen - denn in Rußland warten über 20 Mio ha landwirtschaftliche Nutzfläche auf eine zielorientierte, effektive Bewirtschaftung. 
Sobald das realisiert ist, können wir die BRD sehr wahrscheinlich zum Naturschutzbebiet erklären.

Erich Grantzau
22.01.2012  21:55

@ Wolf-Dieter Schleuning

Vielen Dank für den sehr interessanten Link.

@ e.moser

Die ganze Diskussion um die Grüne Gentechnik ist durch und durch ideologisch geprägt. Die sachliche Ebene spielt keine große Rolle dabei und die Gegenargumente bewegen sich meist im pseudowissenschaftlichen Bereich der Mutmaßungen und Eventualitäten.
Es geht wohl doch nur darum, wer Lösungen anbieten darf und wer nicht. Das ist so auf dem Gebiet der Ernährung, der Energieversorgung und auch der Medizin. Der Kapitalismus hat eben nicht lösungfähig zu sein, aber die Mosers der Welt wissen wie man es macht. Nur die Menschen wollen das nicht so gleich einsehen.
Selbst für den Umgang miteinander haben Sie die Lösungen stets hervorziehbar in den Schubladen. Es wird die Toleranz gepredigt, aber die Intoleranz auf’s Plakat geschrieben und mit Stiefeln und Pflastersteinen durchgedrückt. Es ist die Diktatur der schreienden Minderheit über die oft leider gedankenlose Mehrheit, die mir Sorge macht. Es ist natürlich viel einfacher eine Lüge in die Welt zu setzen, als diese als das, was sie ist zu entlarven. Diese Klaviatur wird von den “Gutmenschen” hervorragend bedient und virtuos von den entsprechenden Organisationen in die Ohren der Allgemeinheit und besonders der Politik gehämmert. Der Mißbrauch des Wörtchens “Wir” hat dabei Hochkonjunktur.
Eines werde ich nie verstehen, wieso kann die Ökobranche sich nicht eingestehen, dass Grüne Gentechnik und ökologischer Landbau hervorragend zusammen passen würden. Das wäre gar der Weg zu einer modernen Landwirtschaft der Zukunft. Bessere Pflanzen, weniger Pestizide, mehr Effizienz und höhere Erträge. Die Varianz der Möglichkeiten überragt hypothetische Risiken gewaltig.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
22.01.2012  23:38

@ moser

“Meiner Ansicht nach, weil sich unterschiedliche Arten üblicherweise nicht “verpartnern”, aber insbesonders dann wird es bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl erzeugen, wenn z.B. die Artgrenzen von Tieren und Pflanzen überschritten werden.”

Und was sagen Sie dann zu einem Maulesel oder einem Maultier bei denen Pferde und Esel sich gekreuzt haben? Oder wie sie es hiermit aus?

http://www.welt.de/wissenschaft/article1622119/Aus_Schaf_und_Ziege_wird_die_Schiege.html

Bei Schaf und Ziege handelt es sich nicht nur um unterschiedliche Arten, sondern um unterschiedliche Gattungen, also in der Entwicklungslinie noch einen Schritt weiter auseinander. Wenn Schaf und Ziege im Labor gekreuzt worden wären, wäre der Aufschrei groß, aber sogar die Launen der Natur lasen es zu.
Ein “ungutes Gefühl” ist ein schlechter Ratgeber, den nur von Gefühlen sollte man sich nicht leiten lassen, etwas Fachwissen sollte man schon haben. Oder wenigstes offen sein für etwas Basiswissen. Die Natur kann überraschender sein, als so manches ungute Gefühl eines Menschen es zu lassen will.

Daniel
23.01.2012  00:43

bedauerlicherweise habe ich es offensichtlich nicht genau genug ausgedrückt.

Wenn Artengrenzen “zwischen” Pflanzen und Tieren überschritten ..., Das sieht die Natur nämlich zumindest in höheren Entwicklungsstufen nicht vor.

jetzt sollten hoffentlich alle verstehen.

e.moser
23.01.2012  11:13

@e.moser
Gleich wirst Du wohl alles verstehen: Im Garten hier schräg gegenüber protzt ein riesiger Jochelbeerstrauch. Ist bloß ein Artbastard. Auf die Schnelle noch einzwei Gattungsbastarde: Malosorbus florentina, Festulolium loliaceum.

Übrigens: Studieren kommt allemal vor sinnieren, polemisieren und blamieren.
Wer Ende der 1950er bei Hans Stubbe (Gatersleben/Halle), dem Wiederbegründer der deutschen Pflanzengenetik,  studieren durfte, ist lebenslänglich gefeit gegen das so absurde aber wirkmächtige und zu tiefst reaktionäre grünlinke Gentechnik-Gelaber.

Rotspoon
23.01.2012  20:18

Wenn man sieht, wie Bio-Öko-Schreier und viele Medienplärrer zum Thema Gentechnik stur jahrelang ihren unfundierten Behauptungs-Brei aus pseudowissenschaftlichem Zeug anrühren und überall verschmieren und verschütten, dann nützt doch keine rationale Argumentation mehr, um die Mehrheit verunsicherter Mitbürger zu beruhigen. 80 % der Bevölkerungen, so wird behauptet, sollen also gegen Gentechnik sein? Alles was Gentechnik an neuen Sorten hervorbringt, soll schlimm sein? Folglich müsste das auch für die neuen gentechnisch gezüchteten Mikrobensorten gelten, mit denen man heutzutage viele Medikamente produziert. Die so genannte „rote Gentechnik“, liefert uns immer mehr pharmazeutische Produkte zu für jedermann erschwinglichen Preisen. Warum eigentlich wenden sich Gentechnik-Gegner nicht vehement öffentlich und weltweit gegen den Vertrieb solcher Medizin? Warum denn da keine „Befreiung der Produktionsstätten“, so, wie sie mit den „Feldbefreiungen“ zu fragwürdigem Erfolg gelangt sind? Nein, bei der „roten Gentechnik“ da schweigen die Pseudo-Experten. So dumm sind sie nicht: Denn mit deren mutwilliger Zerstörung könnte jeder erkennen, wie gering sie menschliches Wohlergehen schätzen. Wenn man gegen Pflanzen-Gentechnik ist, dann ist ihre schizophrene Haltung noch nicht so offensichtlich.
Aber, fast alles, was Anti-Gentechniker bisher gegen die „grüne-Gentechnik“ vorgebracht haben, gilt auch bei der „roten Gentechnik“:
1. Hefen oder Bakterien sind - wie Pflanzen – Lebewesen (oder etwa nicht?). Niemand kann ausschließen, dass unzählige davon durch einen Unfall aus ihren riesigen tausende Litern fassenden Brutkesseln in die Umwelt entweichen und sich dort unwiderruflich verbreiten. Entwerfen wir mal ein solches Szenario mit allseits beliebten Behauptungen: Ein Flugzeug (immer gut für solche Fälle) rast in eine Produktionsfabrik und verteilt die Abermilliarden - ja sogar Aberbilliarden - Mikroben auf einer Fläche von vielen hundert Quadratmetern. Dummerweise fegt auch noch ein Tornado durch die Gegend (Tornado und Flugzeugabsturz klingt glaubwürdig), der die unsichtbaren Gen-Monster weiter über viele qkm verbreitet. Einsammeln ist bei mikroskopisch kleinen Lebewesen überhaupt nicht mehr möglich.
2. Niemand kann ausschließen, dass sich ihr Stoffwechsel auf unvorhergesehene Weise verändert hat - wieder eine beliebte Behauptung -, trotz aller Beteuerungen der Mikrobenzüchter. Ja, jetzt wo sie in Freiheit sind, legen sie so richtig los und richten Verheerendes an. Außerdem verdrängen sie natürliche Populationen und verstreuen ihre Antibiotika-Resistenz-Gene, wohin auch immer. Für Gentechnik-Phobiker ist es ein Leichtes, sich da irgend etwas Abstruses auszudenken.
3. Die Gentechnik-Mikroben enthalten - völlig abartig und unnatürlich - artfremde Gene, darunter auch die oben erwähnten Resistenz-Gene. Artgrenzen werden völlig widernatürlich überschritten - auch das eine beliebte angstschürende Behauptung-, obwohl es mittlerweile eine ganze Menge Beispiele für „natürliche“ Artgrenzen-Überschreitung gibt.
4. Schließlich landen die Mikroben mit ihren aktiven Arzneimittel auf einem Biobauernfeld auf dem gerade - sagen wir mal - Salat geerntet wird. Da haben wir nun den Salat: Kontaminiert, verunreinigt, vergiftet durch Gentechnik.
Zu 5., 6., und 7. mag ich nichts mehr auflisten. Aber wem es nicht reicht, der kann auf die Pamphlet-Internetseiten von „grünen“ Organisationen klicken. Was immer Sie da finden, können Sie hier einsetzen. Es wird schon passen. Ich persönlich kann schon nicht mehr hinsehen, was dort sonst noch so alles bis zum Erbrechen behauptet wird. 
Und nun noch mal zur 80%-Behauptung am Anfang des Textes. Es kommt immer auf die genaue Formulierung der Frage an. Wie wäre es mit dieser hier: 
Wenn Sie sich den obigen Teil genau durchgelesen haben, erkennen Sie dann nicht in der Haltung der Ökosektierer eine gewisse Schizophrenie? Kreuzen Sie bitte an:
[  ] ja, die sind schizophren.
[  ] nein, denn es ist nicht auszuschließen, dass Pflanzengentechnik millionen Mal gefährlicher ist als gentechnisch manipulierte Bakterien und Hefen. Deshalb werde ich auch nie (oder nie mehr) in ein Land fahren, wo sie solches Zeug verkaufen. Ich nehme mir meine gesamte Verpflegung ab jetzt immer auf alle Reisen nach Kanada, USA, Brasilien, Argentinien, China, Indien, usw. mit. Mallorca (Spanien) gehört jetzt auch nicht mehr zu meinen beliebtesten Reisezielen. Isst man nur ein einziges Mal Gen-Food, kann man nicht ausschließen, dass die Geschmacksnerven darunter leiden und man dann Gen-Food nicht mehr so gut an seinem widerlichen Geschmack erkennen kann.

Na, was haben Sie angekreuzt?

prgntc
23.01.2012  23:01

@ e.moser

Nahezu die Gesamtheit der herkömmlichen landwirtschaftlichen Produkte hat die Natur so nicht vorgesehen. Immer haben welche daran manipuliert, bis sie das wurden, was sie heute sind - nämlich z.Bsp. Nutzpflanzen.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
24.01.2012  00:22

Ja ja werter Bibliothekar, ich habe es schon kappiert, aber es scheinen nicht alle verstehen zu wollen, dass sich z.B. Fische mit ihrer Futterpflanze nie verpartnern. Anderes ist nicht gemeint

Denn das hat die Natur keinesfalls im Programm, und wenn als Beispiel das Zufallsprodukt Schaf/Ziege angeführt wird, wollen wir sehen was das für ein Hochleistungsprodukt wird und wie es um die Fähigkeit, sich zu behaupten, bestellt ist.

;-))

e.moser
24.01.2012  10:25

[ X ] ja, die sind schizophren.

[  ] nein, denn es ist nicht auszuschließen, dass Pflanzengentechnik millionen Mal gefährlicher ist als gentechnisch manipulierte Bakterien und Hefen. Deshalb werde ich auch nie (oder nie mehr) in ein Land fahren, wo sie solches Zeug verkaufen. Ich nehme mir meine gesamte Verpflegung ab jetzt immer auf alle Reisen nach Kanada, USA, Brasilien, Argentinien, China, Indien, usw. mit. Mallorca (Spanien) gehört jetzt auch nicht mehr zu meinen beliebtesten Reisezielen.* Isst man nur ein einziges Mal Gen-Food, kann man nicht ausschließen, dass die Geschmacksnerven darunter leiden und man dann Gen-Food nicht mehr so gut an seinem widerlichen Geschmack erkennen kann.

* Bitte den Pollen nicht vergessen !!111!1111!!!!
Nach der Logik der GVO-Gegner müssten absofort jegliche Reise und Handelsbeziehungen zu Ländern unterbunden werden in denen ein Anbau gentechnisch gezüchteter Pflanzen stattfindet.
Pollen verliert ja seine Befruchtungsfähigkeit nicht so schnell und kann somit “unsere” heimischen Felder zerstören !1111!!!11!

horsthuber
24.01.2012  15:33

Wo sind denn die fortschrittlichen Befürworter, wenn man die Begriffe Resistenz (Glyphosate, etc….), gesteigerter (nicht verminderter) Herbizideinsatz, Antibiotikumresisstenz, etc in die Runde wirft????
Keiner hat was gegen die rote oder weisse Gentechnik
Meine Herren Ing., Wissenschafter und Co, tippt doch mal “brasilianischer Embriologe, Glyphosate, Zellschäden, amerikanische Ärztekammer, Allergien” in eure Computer ein.
Dann seht ihr mal was interessantes (besonders bei ersteren Begriffen

Franz B.
24.01.2012  21:52

@ Franz B.

Lieber Herr B.,

bei den Befürwortern der Grünen Gentechnik handelt es sich überwiegend um sehr gut informierte Bürger. Nur sollte man für seine Informationen die Quellen nutzen, die sachlich und weitgehenst objektiv über das Thema berichten. Für den deutschsprachigen Raum sind die folgende Internetseiten zu empfehlen, die Daniel weiter oben benannt hat.

1. http://www.transgen.de

2. http://www.biosicherheit.de/

3. http://gute-gene-schlechte-gene.de/

4. http://www.wgg-ev.de/index.html

5. http://www.scilogs.de/wblogs/

6. http://www.gruenevernunft.de/

Auf der zuletzt genannten Seite kann man sogar einen hervorragenden Informationsdienst abonnieren, welcher die gesamte aktuelle Diskussion in seiner widersprüchlichen Vielfalt darstellt. Schon allein unter Punkt 1. und 2. werden alle von Ihnen genannten Probleme angesprochen und bewertet.
Zu bedenken ist generell, daß es sich bei Pestiziden eben nicht um Wellnessprodukte handelt, sondern um Gifte, die einen peniblen Plan zur Anwendung erfordern. Wer aber Froschembryonen in Glyphosatkonzentraten baden läßt, sollte sich nicht empören, wenn diese Schaden nehmen.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
25.01.2012  08:49

@Franz B.

Schön, dass Sie hier diesen alten halb ausgegorenen Schmarren anführen. Darüber gibt es mehr als genug

wissenschaftlich fundierte Informationen, die zeigen, dass die kultivierten Gentechnik-Pflanzen nicht mehr sondern eher weniger Probleme haben als konventionelle oder - von mir aus auch ökologisch-biologisch-dynamische - Züchtungen. Bei den Webseiten wie http://www.transgen.de u.a. (s.o.) finden Sie umfangreiche Informationen zu diesen Themen. Wenn es in Einzelfällen tatsächlich Probleme gibt, kann man die lösen. Dazu muss man aber nicht Pflanzen-Gentechnik insgesamt verteufeln. Außerdem entwickeln sich die Methoden der Gentechnik weiter. Die Forderungen nach einer perfekt sicheren Technik ist absurd. Hätte man um 1900 herum gefordert, Kraftfahrzeuge mit ABS, EPS und anderem Schnickschnack auszustatten, hätten wir heute Deutschlands Einwohner mit Pferdefuhrwerken zu versorgen.

Wer glaubt, Gentechnik sei des Teufels, der kann ja bei seinem Glauben bleiben. Nur anderen unbegründete Angst zu predigen, das braucht er nicht. Davon haben wir in der Geschichte genug gehabt.

prgntc
25.01.2012  16:52

Weiss von euch jemand wie die Selektion bei der Manipulation funktioniert, genauer gesagt die Auslese, wo man zwischen geglückter Veränderung durch die Strahlenkanone und nicht veränderter DNA unterscheidet?

Franz B.
25.01.2012  22:15

@ Franz B.

Eine Analyse der DNA auf erfolgte Veränderungen bei der Mutationszüchtung durch Röntgen- oder Neutronenstrahlen kann es ntürlich erst geben, seit dies technisch möglich ist. Voraussetzung ist auch eine Kenntnis des Genoms der betreffenden Pflanzen. Man will ja schließlich wissen, welche Eigenschaften verändert wurden. Hier beginnen schon die ersten Unsicherheiten, da man dieses meist gar nicht weiß, im Gegensatz zur Grünen Gentechnik, wo man gezielt und mit Kenntnis in die DNA eingreift. Im vergangenem Jahrhundert wußte man in der Regel also nicht, was man genau verändert hat, sondern der Erfolg beruhte auf Beobachtungen.

In der Regel bestrahlt man quasi nach dem Prinzip Schrotflinte und sucht sich die Pflanzen mit scheinbar günstigen Veränderungen zur weiteren Untersuchung aus. Hier folgen Kreuzungsversuche mit leistungsfähigen Zuchtlinien zum Test oder der Erstellung einer Dauerhaftigkeit. Trial and Error ist also angesagt, was zu einem langen Prozess führen kann, ehe man leistungsfähige und nachzüchtbare Ergebnisse erhält. Statt der beanspruchung des Zufalls ist es doch besser gezielt mit konkretem Wissen in das Erbgut einzugreifen. Dies will man aber leider nicht in Deutschland.
Man geht davon aus, daß bisher ca. 1800 Pflanzen nutzbar durch radioaktive Mutationszucht erzeugt wurden.

Ich hoffe mein angelesenes Wissen reicht als erste Antwort in der Hoffnung auf Ergänzungen durch echte Wissenschaftler.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
25.01.2012  23:57

Ob sie sich heute die “DNA” angucken,  sei dahin gestellt: Die Auslese erfolgt so: Bestrahltes Saatgut aussäen und Pflanzen genau ansehen. Die guten ins Töpfchen, die mißratenen ins Kröpfchen. Das Gute an der Desoxyribonukleinsäure ist, sie schmeckt nach nichts. Und schlecht wird einem auch nicht davon - es sei denn, mensch kippt einen Eimer voll in sich hinein. Aber soviel DNA auf einem Haufen hat noch keiner nicht gesehen.

Rotspoon
26.01.2012  00:57

@Rotspon
Doch die DNA schaut man heute an. Es gibt ja nicht nur die klass. Züchtungsgärten sondern eine Reihe von anderen Mutationsmethoden wie z.B. tilling oder smart breeding.
Desweitern müssen die Eigenschaften die man durch die Mutation künstlich erzeugt hat ja auch im Endprodukt landen. Denn nach der Mutation (vorallem durch Bestrahlung) müssen häufig ungewollte Eigenschaften mittels Kreuzungszucht wieder “weggezüchtet” werden ohne das die gewollte zusätzliche Eigenschaft verloren geht. Dies kann am besten erfolgen wenn man die “Gene” kennt und somit kann man schneller selektieren.
Auch bei der Gentechnik sowie tilling oder smart-breeding werden in der Regel noch Kreuzungsschritte durchgeführt.

horsthuber
26.01.2012  21:24

@alle

selten soviel blödsinn und konserven Kram gelesen wie in diesen Foren hier, auch hier über grüne Gentechnik. Übrigens ist BASF schon immer viel stärker in diesem Bereich in USA gewesen - das ist kein “Umzug” sondern eine Zusammenlegung gewesen - der Kleine Teil kam eben zum Grossen.

Was sich manche mal überlegen sollten: Bei solchen Gentechnikbefürwortern braucht das Gebiet ohnehin keine Gegner mehr. Undifferenziert und diffamierend gegenüber Kritikern. Dazu der Vertrauensverlust aus der Vergangenheit (Monsanto und Co - siehe auch die von Wikileaks veröffentliche Depesche der US Botschaft). Dabei geht es auch nicht um “Forschungsfreiheit”.
Von Professoren an Deutschen Unis erwarte ich eigentlich auch eine differenzierte Sichtweise (was man da manchmal auf Podiumsdiskussionen etc. hört ... informierte Zuhörer - auch Befürworter ! schütteln da nur noch den Kopf) - wie gesagt, der schlechte Ruf der “grünen Gentechnik” (pauschal gibt es die ohnehin nicht, es gibt sinnloses und sinnvolles, und auch viel Kriminelles von seiten der Monopolisten, im Übrigen). Grünen Politiker bashing scheint in den Kreisen hier auch sehr populär zu sein. Ziemlich platt alles, muss ich mit Erschrecken feststellen!

Es gibt genug Akzeptanz für grüne Gentechnik, da wo sie sinn macht und wenn das Vertrauen, das kontinierlich auch durch undifferenzierte aggressive Aussagen zerstört wird, mal wieder zurückgewonnen wird.
Dafür müsste man aber einen wirklichen Diskurs führen, und nicht so viel so plattes Zeugs (sorry an die, die hier kommentiert haben und sich ernsthaft auseinander setzten - ich habe nicht alles gelesen).

arturito
21.08.2012  02:13

@ arturito

Wir danken für den konstruktiven Beitrag, auch wenn es nicht so einfach war, aus dem Wirrwar einen Sinn zu konstruieren. Fein, das Sie dagegen sind, ich bin halt dafür.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
22.08.2012  00:43

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