. . Klare Sicht nach vorn  |  RSS  |  Newsletter

Gutes Buch, schlechtes Fleisch – oder eher umgekehrt?

Georg Keckl verteidigt die Landwirtschaft gegen ihre „Besucher“.

Insbesondere Stadtbewohner aus gut situierten Schichten entwickeln seit geraumer Zeit einen neuen Ritus des Dankes beim Essen: Sie quälen sich mit Gedanken, ob denn die Kuh im Leben glücklich war, das Huhn einen würdigen Tod starb, Butter die Klimakatastrophe beschleunigt etc. Das verlangt nach neuen Regeln und Ablassgesten, etwa Bio-Lebensmitteln, Enthaltsamkeit beim Fleisch, gar den Verzicht auf alle tierischen Produkte, zumindest ein schlechtes Gewissen beim nicht-vegetarischen Essen und unterm Weihnachtsbaum das Buch Tiere Essen des Bestsellerautoren Jonathan Safran Foer, das die Erfahrungen eines Großstadtmenschen aus der New Yorker Oberschicht beschreibt, der auszog, den Ursprung seiner täglichen Speisen zu entdecken, sich dabei aber leider häufig in den Spuren der Tierrechtsbewegung PETA bewegt. Foer liefert (trotz ausuferndem Quellenverzeichnis) keine statistische oder wissenschaftliche Erhebung über das Wohlbefinden des deutschen oder amerikanischen Nutztierbestandes, sondern eine Mischung aus Sachbuch und Biografie mit sehr persönlichen Elementen.

Emotionale Achterbahnfahrt zum Fleischverbot

Der Autor beschreibt auf den ersten Seiten seines Buches in sanften Worten seine schrittweise Wandlung zum Vegetarier. Es folgt ein Wechselbad der Emotionen: Grauenhafte Passagen über sadistische Tierhalter und Schlachter wechseln sich ab mit tiefsinnigen Familiengeschichten und Reflexionen über Themen rund um unsere Nahrung. Den Schluss bildet ein Plädoyer gegen unser aller Freiheit, umweltschädliche, gesundheitsschädliche, grausame Nahrungsmittel zu kaufen. (1) Die Freiheit, Fleisch aus Massentierhaltungen zu kaufen, brauchen wir nicht, sagt der Autor. Dem Verbraucher sollte vielmehr die Entscheidung, was grausam, was gut, was umweltschädlich ist, abgenommen werden. Er sollte nur noch das kaufen dürfen, was zuvor von einer höheren moralischen Instanz als unbedenklich freigegeben wurde.

Eine so weitgehende Gängelung der Fleischerzeugung wäre ohne Frage ein schwerer Eingriff in die Lebensweise vieler Menschen, in das Landschaftsbild und in die Lebensmittelwirtschaft. Ist die Analyse von Foer so stichhaltig, dass sie als Begründung hierfür taugen würde? Wem würde man eine solche Zertifizierung der Produkte übertragen wollen? Foer geht derlei Fragen lieber aus dem Weg. Stattdessen berichtet er über seinen Hund „George“ und darüber, weshalb man Hunde so wenig wie Schweine essen sollte. Offen lässt er die Frage, ob sein Hund auch vegan lebt. Dabei sollte er wissen, dass Hunde und Katzen längst eine wichtige Konsumentengruppe für die Schlachthöfe sind. Immer mehr der weniger edlen Teile der Schlachtkörper werden in einer Wohlstandsgesellschaft zu Tiernahrung. Ein Hund wie George, den Foer auch in Werbefilmen für das Buch zeigt, frisst im Jahresdurchschnitt etwa 150 Kilogramm Fleisch (2) – mehr als ein Durchschnittsmensch. Von derlei Ungereimtheiten strotzt das Buch. Dennoch hat es das Potenzial, zum neuen moralischen Manifest der Tierrechtsbewegung zu werden.

Foer vermeidet die prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Recht des Menschen, Tiere zu töten. (3) Er hat offenbar Abgrenzungsschwierigkeiten, welche Tiere diesem Recht unterzuordnen seien. Auch nimmt er manche zuvor kritisierten Mängel in der Tierhaltung hin, weil er auf Milchprodukte und Eier nicht verzichten möchte. Eine konsequentere, vegane Lebensweise ist in seinen Augen schwierig zu organisieren. (4) Das klingt schon so, als ob vegetarisch mittlerweile ein moralisch fragwürdiger Kompromiss auf dem Weg zu vegan sei.

Manipulative Zahlen und Aussagen

Massentierhaltung ist organisierte Tierquälerei. Sie erbringt 98,5 Prozent unseres Fleisches. Verbietet sie, oder ihr werdet mitschuldig an großen Verbrechen! So in etwa lässt sich die Botschaft des Buches zusammenfassen. Wenn aber der Großstädter Jonathan Safran Foer die These aufstellt, „dass eine gründliche Erforschung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung unweigerlich vom Fleischessen wegführt“ (5) , so hat er gewiss die Tierhalter und viele andere Menschen bei seinen Forschungen übergangen. Menschen, die Tiere schlachten, die Tiere in Buchten oder Käfige sperren, sind keine Gewohnheitssadisten. Bei Foer werden extreme Missstände verallgemeinert, obwohl sie mit dem Leben normaler Bauern und ihrer Tierhaltung wenig zu tun haben und diese selbst am meisten empören. Foer vermeidet den Begriff „Bauer“, er spricht vom „Massentierhalter“, meint damit aber offenbar jeden Nutztierhalter. Im Vorwort des Buches spricht er noch etwas vorsichtig davon, dass 98 Prozent aller für den Verzehr bestimmten Hühner und Schweine in Deutschland aus Massentierhaltungen („Factory Farms“) stammten. Die Rinder sind hier noch außen vor. In verschiedenen seiner Interviews werden daraus 98 Prozent oder 98,5 Prozent allen konsumierten Fleisches. (6) Die Verhältnisse in Deutschland seien dabei mit denen in den USA sehr gut vergleichbar. Der Begriff „Massentierhaltung“ ist so zum Kampfbegriff gegen jede Form der bäuerlichen Tierhaltung geworden, zum Mantra der Tierrechtler beim Anblick jedes Stalles.

Einen Hinweis auf seine Definition von Massentierhaltung gibt Herr Foer auf Seite 45: Demnach haben wir es mit Massentierhaltung zu tun, wenn Tiere züchterisch optimiert und in ihren Bewegungsmöglichkeiten einschränkt werden und „unnatürliches“ Futter erhalten. Nutztiere wurden jedoch zu allen Zeiten in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und bekamen oft Futter, das sie draußen nicht fanden, z.B. Tischabfälle. Unsere heutigen Tiere bekommen kein unnatürliches Futter, sie bekommen vielfach ein Futter, das sie sich in der Natur am liebsten suchen würden. Natürlich sind die Haltungsbedingen und die Futterrationen so abgestimmt, dass z.B. hohe Gewichtszunahmen möglich sind. Mehr und schneller zunehmen, als es die Genetik erlaubt, geht aber nicht. Hühner und Schweine nehmen deshalb so schnell zu, weil sie in der Natur so am schnellsten dem Beuteschema vieler Räuber entwachsen.

Ging es den Tieren früher besser? Sind Kleinbetriebe tierfreundlicher?

Nur 37 Prozent der deutschen Kühe und 35 Prozent der Rinder standen 2007 in Betrieben mit mehr als 100 Tieren, wobei das auch keine Massentierhaltungsbetriebe in dem Sinne sind, dass es die Tiere dort schlecht hätten. Zu glauben und im Buch zu behaupten, dass in Deutschland die Rinder zu 95,7 Prozent in Massentierhaltungsbetrieben stehen, ist, um es mit Herrn Foers Worten zu sagen: „Bullshit“. (7) Foer übernimmt sein Urteil umstandslos von PETA: „Die meisten kleinen Bauernhöfe sind durch eine industrialisierte Intensivtierhaltung ersetzt worden. Kühe werden meist in riesigen, verdreckten Hallen auf Spaltenböden gehalten, auf denen sich Krankheiten schnell ausbreiten.“ (8) Tatsache ist, dass die Rinder heute im Schnitt mit einem wesentlich höheren „Kuhkomfort“ gehalten werden als vor 50 oder 100 Jahren. Die vielen feuchten, dunklen Anbindeställe (die Kühe werden dauernd an einen Platz am Futtertisch angebunden) vom Beginn des 20. Jahrhunderts wurden und werden abgelöst von hellen, luftigen Laufställen mit gesünderen Tieren. Früher wurden die Kälber nach der Geburt mit Kälberstricken in die Gänge gebunden. Heute haben sie kleine Einzelappartements („Kälberiglus“) an der frischen Luft. Dass es früher alle Nutztiere besser hatten, ist ebenso ein Vorurteil wie die Vorstellung, dass es Tiere in Großbeständen generell schlechter gehe als in Kleinbeständen. Die Haltungsbedingungen des Federviehs waren vor 50 oder 100 Jahren romantischer, die der Rinder und Schweine waren im Schnitt schlechter als heute. Ställe des Jahres 1900 wären heute überwiegend nicht mehr erlaubt, weil sie den heutigen Tierschutzstandards nicht mehr entsprächen.

Die Landwirtschaft kann nicht gleichzeitig „bio“, vegetarisch und klimafreundlich sein

Foer kauft „bio“, fordert flächenverzehrende Weide-Tierhaltungsformen für die verbleibenden Fleisch-, Milch- und Eierproduzenten und kritisiert die Klimabilanz der Landwirtschaft. Diese drei Dinge lassen sich in der Praxis der Landwirtschaft nicht miteinander kombinieren. Eine Bio-Produktion auf dem Acker geht nicht ohne den Dung der Tiere. Wer will denn noch Tiere halten, wenn er sie nicht verkaufen kann? Woher dann der Bio-Dung für den Acker? Viehlose Bauernhöfe und Güter wurden erst mit dem Kunstdünger, Gründüngungspflanzen und Traktoren möglich. All diese einfachen Erfahrungen, wie eine Landwirtschaft funktioniert und funktionierte, werden gerne ignoriert. Als halbwegs anständige Alternative für den heutigen Fleischesser schlägt Foer extensive Weidehaltungsformen vor. Die Tierhaltung soll zurück zur historischen Weidewirtschaft, wie sie im Amerika vor dem 20. Jahrhundert gewesen sein soll. Diesen Test bestehen weder traditionelle noch moderne Formen der Tierhaltung in Deutschland. Extrem viel Freilandplatz für die Tiere liefert nicht genügend Bio-Dung für die Äcker.

Diese uralten Zusammenhänge sind bei manchen städtischen Idealisten verloren gegangen. Eine extensive Weidehaltung produziert viel mehr Klimagase als eine Stallhaltung. Eine von Foodwatch initiierte Studie schlug hohe Wellen, weil Bio-Rindfleisch mit Weide eine schlechtere Klimabilanz als konventionelles Stall-Rindfleisch hat. (9) „Tierfabriken“ sind klimafreundlicher als extensive Weidewirtschaft, gibt sogar die FAO zu bedenken. (10) Foodwatch spielte mehrere Szenarien durch, was wäre, wenn man die deutsche Landwirtschaft komplett auf „bio“ umstellte. Würde man die heutigen Produktionsmengen als „bio“ erzeugen wollen, ergäbe das einen Flächen-Mehrbedarf von 87 Prozent (11), da ist ein inflationärer Mehrbedarf für eine Extensiv-Weidehaltung aller Tiere, wie sie Foer fordert, noch nicht enthalten.

Aufklärung statt Aufheizung

Foers Buch wird die nächtlichen Besuche von Tierrechtsaktivisten in Ställen fördern, sie sehen sich durch das Buch angespornt. Man wird auch wieder Missstände finden oder Dinge, die sich als Missstände interpretieren lassen, denn die sucht man. Wenn sich Foer wundert und beklagt, dass er kaum Gesprächspartner in der Landwirtschaft gefunden habe, so liegt das an der Erfahrung, die diese mit PETA gemacht hat, von der er sich viel über die landwirtschaftliche Tierhaltung hat erklären lassen. Foers Schilderung eines nächtlichen „Besuchs“ eines Geflügelstalls in Begleitung einer PETA-Tierrechtsaktivistin ist skurril. Wenn die Tierrechtsaktivistin schlecht aussehenden, faustgroßen Küken als Labsal Wasser gibt, ist das pure Theatralik, denn Wasser haben die Küken in jedem Stall genug. Jede Kükenaufzucht in jeder Stallform und überall in der Natur ist mit Verlusten verbunden. In der Natur würden mehr Küken sterben als im Stall. Jeder Farmbetreiber sollte am Morgen durch den Stall gehen, eventuell tote Küken einsammeln, leidende erlösen und kranke, drangsalierte oder ausgestoßene in Krankenbuchten bringen. Hier als dramatischen Höhepunkt und sozusagen als Legitimation des „Besuches“ zu schildern, wie die Tierrechtsaktivistin einem kranken Küken den Hals durchschneidet, um es zu erlösen, ist grotesk. Es zeigt die Konfrontation eines Menschen, der fern von der Landwirtschaft mit Tierbilderbüchern, Tiercomics und Tier-Fernsehserien aufgewachsenen ist, mit der Realität der Stallhaltung und der Natur seit Jahrtausenden.

Die Bauern lieben PETA-Methoden nicht, die aus der Tatsache Profit schlagen, dass die meisten Menschen heute mit dem Landleben nicht mehr vertraut sind. Um dem Zerrbild entgegenzuwirken, müssen wir Besuchern wieder Einblick in die Produktionsverhältnisse geben. Die Fronten müssen aufgelöst werden. Schlachthöfe müssen um Besuchergruppen werben. Ein Schlachthofbesuch sollte, wie zu meiner Schulzeit, auf dem Lehrplan stehen.

Scheiße ist kostbar, Scheiße ist Natur

Ab Seite 200 befasst sich Herr Foer mit der „Scheiße“ aus Massentierhaltungen, der Gülle. Auch hier zeigt er wenig Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Scheiße ist kein Umweltproblem. Scheiße ist Dünger, ist ein Segen, wenn man sie sinnvoll in der Landwirtschaft einsetzt. Und Deutschland hat in der Tat eine hervorragende Gülle-Kultur. Hauptsächlich durch die genau vorgeschriebene Dosierung der Gülle ist es gelungen, den Einsatz von Phosphat- und Kalidünger seit 1980 um knapp 90 Prozent zu drücken (12), ohne die Erträge zu senken. Die enormen Preissteigerungen für den Industriedünger machen die Gülle immer wertvoller, lohnen immer weitere Transportwege, eine immer nährstoffschonendere Behandlung. Schweinegülle enthält viel Phosphor und wird per LKW auch in Gebiete mit mehr Rindern transportiert, da deren Gülle wenig Phosphor und mehr Kali enthält. Insgesamt wird die Gülle aus den Gebieten, wo mehr als erlaubt (das ist in Deutschland alles genau geregelt) anfällt, in die Gebiete verfrachtet, wo sie energieintensiv hergestellten Kunstdünger sinnvoll ersetzen kann. Jeder Tierhalter in Deutschland unterliegt einer Kontrolle seiner Güllemengen. Als die Tierhaltungen sich in einzelnen Gebieten konzentrierten und es zu umweltschädlichen Anwendungen kam, wurden gesetzliche Regelungen getroffen, die das korrigierten. Überall in Deutschland kann heute jeder Bürger unbedenklich Wasser aus dem Hahn trinken. Es schmeckt nach Wasser, nicht nach Chlor.

Methan, die neue Umwelt-Wunderwaffe gegen Rindfleisch und Milch

Besonders in der Klimakritik steht momentan das Methan, das die Kühe rülpsen. Doch dass Methan 21-mal klimaschädlicher als das CO2 ist, ist eine temporäre Tatsache, denn Methan oxidiert in der Atmosphäre zu CO2 und Wasser (CH4+2 O2 =CO2+2 H2O) und löst sich innerhalb von zehn Jahren nach Freisetzung in die Atmosphäre auf. (13) Das Methan, das die Kühe ausscheiden, enthält den Kohlenstoff, der vorher der Atmosphäre von den Futterpflanzen entzogen wurde – es handelt sich also um einen Kreislauf und nicht um eine Anreicherung. Der Kohlenstoff (C) im Methan (CH4) der Kühe kommt aus dem Kohlenstoff (C) der Pflanzen, die eine Kuh frisst. Die Pflanzen wiederum haben den Kohlenstoff mittels Photosynthese aus dem CO2 der Luft entnommen. Nach dem Tod einer Kuh ist nach zehn Jahren das von ihr produzierte Methan verschwunden, das CO2 der Autos noch lange nicht. Der Methanausstoß der Rinder in Deutschland sinkt mit dem Rückgang der Rinderbestände und den höheren Kraftfuttergaben seit 60 Jahren. Deutschland hatte 1900 insgesamt 56 Mio. Einwohner und 19 Mio. Stück Rinder. Heute hat Deutschland 82 Mio. Einwohner und 13 Mio. Stück Rindvieh, und dies bei besserer Versorgung der Bevölkerung. Die höhere Leistung pro Tier in der modernen Landwirtschaft reduziert die Anzahl der Tiere. Das ist Umweltschutz durch moderne Tierhaltung.

Waren früher die Tiere gesünder?

Die Massentierhaltung soll an der Vogelgrippe schuld sein (S. 145, 166). Foer weist als Vegetarier darauf hin, dass von einer Nutztierhaltung Krankheitserreger auf den Menschen überspringen können und deshalb keine Nutztierhaltung besser wäre. Wenn man davon ausgeht, dass die Tierhaltung nicht abgeschafft wird, bietet die Massentierhaltung einen größeren Schutz vor Epidemien als viele kleine, unkontrollierbare Bestände. Die Schweinegrippe und die Vogelgrippe sprangen dort auf Menschen über, wo diese auf engstem Raum mit den Tieren zusammenleben (China, Mexiko). Die Quellen der Maul- und Klauenseuche liegen z.B. seit Jahrzehnten in Gebieten mit einer „traditionellen“, einer rückständigen Tierhaltung. Die Tierhaltung armer Menschen, mit Mensch und Tier auf engem Raum und in unhygienischen Verhältnissen, förderte die Entstehung der Vogel- und Schweinegrippe. Die „Massentierhaltung“, die die westliche Geflügelhaltung dominiert, bietet durch sehr strenge Hygienevorschriften und Abschottung der Ställe den Menschen dagegen Schutz. Die Vogelgrippe wird bei uns hauptsächlich durch Wildvögel und Menschen verbreitet. Zurzeit des Vogelfluges musste während der Pandemie in Deutschland alles landwirtschaftliche Federvieh eingesperrt werden, damit jeder potenzielle Kontakt mit Zugvögeln oder deren Kot vermieden wurde. Bei einer Tierhaltung nach Foers Idealvorstellung, riesige Freilandflächen mit Tieren, wäre die Vogelgrippe nicht zu stoppen gewesen.

Vor 40 Jahren gab es in Deutschland eine große Kampagne, um die Tuberkulose aus den Kuhställen zu vertreiben. Das Geflügel musste aus hygienischen Gründen aus den Kuhställen verschwinden und wurde eingesperrt. Infektionskrankheiten spielten früher eine viel größere Rolle als heute. Man wollte immer eine Trennung der Tierarten, um Infektionsketten zu unterbrechen, Krankheitsherde zu löschen, forderte immer sehr hohe hygienische Standards zum Wohle der Tiere, der Betreuer und der Kunden. Nur weil man die großen Infektionskrankheiten mühsam aus den Ställen verbannt hat, sollte man die Bedingungen, die damals bei uns und heute noch in den Entwicklungsländern zu Infektionskrankheiten geführt haben, nicht aus falscher Romantik wiederbeleben. Ein Huhn im Futterbarren der Rinder mag romantisch aussehen, Hühnerdreck an jedem Schuh mag einmal zum Landleben gehört haben, die Tierärzte waren hier aber immer anderer Meinung.

Tierhaltung ist multifunktional

Die Tierhaltung in der Landwirtschaft ist multifunktional und dient nicht nur dem Genuss. In vielen Regionen ist sie das Rückgrat der Landwirtschaft. Das Fleisch auf dem Teller fördert nebenbei die Fruchtbarkeit der Äcker, ist der Lohn für die harte Arbeit vieler Menschen. Aus der Tierhaltung stammten 2008 rund 58 Prozent der Verkaufserlöse der Landwirtschaft. (14) Der modernen Landwirtschaft ist es gelungen, mehr Menschen als jemals zuvor gut zu ernähren. Aufgrund der hohen Erträge werden dafür so kleine Flächen wie niemals zuvor benötigt. Trotz des gestiegenen Fleischkonsums konnten immer mehr Deutsche von immer weniger Anbaufläche ernährt werden, wurde Deutschland 1986 erstmals zum Netto-Exporteur von Getreide. Würden alle Nutztiere der Welt in modernen Ställen mit hoher Leistung gehalten werden, könnte die Anzahl der Tiere bei gleichem Fleisch-, Eier- und Milchertrag wesentlich reduziert werden. Um 44 Prozent könnte z.B. der Schweinebestand reduziert werden, wenn alle Schweine der Welt nach modernen Stallmaßstäben gehalten würden. (15) Diesen Weg geht die Landwirtschaft, eine konstruktive, intelligente Landwirtschaft, die Menschen ernährt statt belehrt.

Georg Keckl ist Agraringenieur, ehemaliger landwirtschaftlicher Betriebshelfer und Gutsverwalter. Heute ist er Mitarbeiter am Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) in Hannover.

Anmerkungen

1Jonathan S. Foer: Tiere Essen, Kiepenheuer & Witsch 2010, S. 305.
2Vgl. „Tierbesitzer am Pranger“, newsv1.orf.at/091027-44076/index.html.
3„Jonathan, du hast mein Leben ruiniert“, Interview mit Jonathan S. Foer, vebu.de.
4„Die wichtigste Ursache für den Klimawandel“, Interview mit Jonathan S. Foer in: Profil, 21.8.10, profil.at.
5Jonathan S. Foer, 2010, a.a.O., S. 23f.
6„Big Think Interview“ mit Jonathan S. Foer, bigthink.com; „Die wichtigste Ursache für den Klimawandel“, Interview mit Jonathan S. Foer, a.a.O.
7Jonathan S. Foer, 2010, a.a.O., S. 62.
8PETA: „Die Wahrheit über Milch“, www.peta.de.
9Verena Duregger: „Der Schwindel mit Öko-Essen: Sieben dreiste Bio-Lügen“ in: Abendzeitung München, 1.11.09, abendzeitung.de; Jesko Hirschfeld u.a.: „Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland“, Schriftenreihe des IÖW 186/08, dort: Tabelle 8.12, S. 118f., verbraucherfuersklima.de.
10„Tierfabriken schlagen Kleinbauern“ in: Tagesanzeiger, 3.5.10, tagesanzeiger.ch; Takis Würger: „Das Rülpsen der Rinder“ in: Spiegel 42/10, S. 68ff., spiegel.de.
11Jesko Hirschfeld u.a., a.a.O., S. 147.
12Statistisches Bundesamt Deutschland: „Düngemittelversorgung“, Fachserie 4 Reihe 8.2, Tabelle „Lange Reihe“ in: ec.destatis.de.
13Siehe CarboScope: „Greenhouse gases at the Earth’s surface“, dort: Glossar, carboscope.eu; zwölf Jahre nennt der IPCC in „TS.2.5 Net Global Radiative Forcing, Global Warming Potentials and Patterns of Forcing Table“, ipcc.ch.
14siehe Statistische Ämter des Bundes und der Länder: „Verkaufserlöse der Landwirtschaft – in jeweiligen Preisen – in Deutschland 2008 nach Bundesländern“, statistik-bw.de.
15Siehe Robert Hoste: „Perspektiven der Schweinehaltung in Europa – Anforderungen und Chancen“, 9/10, wur.nl.

Cover Novo 110/111 Lesen und diskutieren Sie alle Artikel der neuen Ausgabe. Die komplette Inhaltsangabe finden Sie hier: Inhalt. Ein Jahresabonnement kostet nur 37,80 Euro (Studenten 28,50 Euro). Zögern Sie nicht und bestellen Sie noch heute in unserem Shop. Damit bleiben Sie am Ball und sichern die Herausgabe eines wegweisenden Zeitschriftenprojekts.

Mehr zum Thema finden Sie im Dossier „Grüne Gentechnik und Landwirtschaft“.

Permanenter Link |

Auch wenn tatsächlich nichts dagegen spricht, sich beim Fleischkonsum eher auf Qualität als auf Menge zu konzentrieren, allein schon wegen des höheren Genusses willen, verwundern die gegelegentlchen Anzeichen quasireligiöser Tendenzen.
Wenn man sonst schon nichts machen kann, die Welt ja eh schlecht ist, und man noch weniger machen kann, aber das Gefühl benörigt, doch ein kritisch-politischer Mensch zu sein und nicht Herdentier, erfordert dies den gemäßigten Umgang mit eben solchem - zur Verbesserung der eigenen mentalen Bilanz.
Schön wäre es, sich das Ganze nüchtern zu betrachten: Wo sind Gefahren, wie sind die einzuschätzen, was wäre zu tun mit welcehn Konsequenzen und zu welcehm Preis?

Kathrin Siebert
20.01.2011  19:18

Sicherlich muss man Herrn Keckl in vielen Punkten zustimmen. Ein Aspekt, den er allerdings völlig außen vor lässt, ist die Fleischqualität, die in der modernen, konventionellen Landwirtschaft produziert wird. Hier schneidet das Fleisch aus Bioproduktion einfach besser ab, was sich jeder zuhause selbst vor Augen führen kann. Schweine- oder Rindfleisch aus konventioneller Produktion schrumpft beim Anbraten erheblich zusammen, weil es zu viel Wasser enthält. Bei alternativ produziertem Fleisch ist dieser Effekt kaum oder nur sehr gering zu beobachten. Hähnchen, wie sie in konventionellen Supermärkten angeboten werden, erweisen sich im Vergleich als von Fremdgeschmacksnoten überlagerte, minderwertige Ware. Leider haben sich die meisten von uns offensichtlich bereits an diese Misere gewöhnt. Man muss aber kein Feinschmecker sein, um die Aromen eines alternativ erzeugten Hühnerfleisches als deutlich überlegen wahrzunehmen. Zumindest im direkten Vergleich kann das jeder feststellen. Aus meiner Sicht produziert die konventionelle Landwirtschaft immer noch blind auf Quantität – bei stetig sinkender Qualität. Der ganze Bio-Budenzauber wäre mir an sich recht egal. Was die Fleischqualität anbelangt, bin ich jedoch mehr als froh, auf ein immer größer werdendes Angebot an alternativen Produkten zurückgreifen zu können. 1,99-Hühner dürfen die, die sie produzieren gerne selbst essen. Mit der Zeit gewöhnt man sich sicherlich an den faden Geschmack.

Micha
21.01.2011  13:42

Das ist ja mal eine Abhandlung, die tatsächlich die Realität wiederspiegelt!
Es geschehen noch Zeichen und Wunder in der Medienlandschaft…
Nur schade, dass genau DIES niemand liest. Und niemand hören will.

Wir haben in Deutschland sicherlich an die 40 Millionen Fußball-Bundestrainer, die es stets besser wissen als der Amtsinhaber.
Und wir haben mindestens ebenso viele Landwirtschafts-“Experten” - wahrscheinlich noch sehr viel mehr als Bundestrainer (da hier auch bevorzugt die Damen mitmischen!), die sich zur Belehrung einer ganzen Branche gut ausgebildeter, heute zumeist studierter, Leute berufen fühlen.

Ich lebe seit 35 Jahren mit und von der Landwirtschaft, in arrondierenden Bereichen.
Bei einschlägigen Streitgesprächen sage ich jedem, der es hören und (meist) nicht hören will, dass kein Landwirt seine Tiere bewusst und /oder vorsätzlich schlecht behandelt. Nur Tiere, denen es GUT geht, bringen Leistung.
Es würde so manchem vehementen Kritiker die Tränen in die Augen treiben, sähe er einmal die Wirklichkeit, die Intensität und das - auch emotionale - Engagement, mit der Landwirte Umgang mit ihren Tieren pflegen, in Relation zum Preis des Produktes am Ende der Kette in der Supermarkt-Theke.

Die diffusen Vorstellungen von Großstadt-Bewohnern fußen zumeist auf einer “Vermenschlichung” der Tiere, verbunden mit Vorurteilen und Fehlinformationen auf ideologischer Basis.
Jede(r) Zweite konfrontiert mich mit der Frage, wie ICH mich denn fühlen würde als Batterie-Huhn oder in einer Schweinebucht.
HALLO…. ???
Mit meiner Lebensgefährtin (Vegetarierin) führte ich wochenlange Streitgespräche, welche erst etwas abebbten als sie zugeben konnte, (im Gegensatz zu mir) noch nie in einer modernen Stallanlage gewesen zu sein und sich (eigentlich) gar kein (seriöses) Urteil erlauben zu dürfen….

Ebenso hartnäckig hält sich beim gläubigen Volk die Mär bezüglich Ackerbau und Viehzucht, der Bauer würde grundsätzlich “tonnenweise Gülle und Kunstdünger” unkontrolliert in die Welt streuen und damit für die Nitratanreicherungen sorgen, die dann spätestens übermorgen für unser qualvolles Ableben verantwortlich sein werden.
Ich versuche - fast immer vergeblich - den Verfechtern dieser Thesen nahezubringen, dass der Landwirt auch Kaufmann ist und sowohl Gülle als auch andere Dünger sauteure Ressourcen darstellen, die kein vernünftiger Mensch “tonnenweise” irgendwo hinkippt. Jedoch gegen die allenthalben verbreiteten Ansichten scheint kaum ein Kraut gewachsen.
Der gemeine Landwirt wird (indirekt / unbewusst) gnadenlos in die Ecke von minderbemittelten Schwachsinnigen gerückt, noch dazu mit Subventionen aus unseren sauer verdienten Steuergeldern vollgestopft….

Die Landwirtschaft kämpft daher auf recht verlorenem Posten. In dem unlösbaren Spagat divergierender Ansprüche der Verbraucher, ihrer Kunden. Der kleinste Fehler, von willfähriger Mediengewalt stets zum Skandal aufgebauscht, wird ebenso entrüstet kritisiert wie der Wegfall des Sonderangebotes von Schweinefleisch für 1,99 EUR beim Discounter um die Ecke.

Mal nebenbei: ist EIN Mensch oder EIN Tier zu Schaden - oder gar zu Tode - gekommen bei dem derzeitigen Dioxin-“Skandal”?
NEIN.
Doch vom kleinsten Unternehmer bis zur Bundesministerin werden alle an die Wand gestellt.
Jemand wie Niki Lauda hingegen, der als Verantwortlicher mehr als 300 (Menschen-!!)Leben auf dem Gewissen hat, erntet eher noch Mitgefühl….

Apropos Dioxin: es wurden 69 Proben der verursachenden Firma untersucht, davon waren 39 nicht zu beanstanden = 56,5 %. Bei 30 Proben war der Grenzwert überschritten, bei den meisten nur geringfügig.
Bitte nicht MISSVERSTEHEN!!! Ich bin keineswegs FÜR Dioxin! Im Gegenteil! Das MUSS eliminiert werden!
Was ich sagen will: ein bisschen mehr Augenmaß! Ein bisschen mehr gesunden Menschenverstand bitte!
Wer JEDEN TAG (!!) mehr als 5 Eier isst, der stirbt eventuell über kurz oder lang - aber wenn, dann am Cholesterin! Nicht am Dioxin!

Dass der Verbraucher die Kuh (die Landwirtschaft) prügelt, die er jeden Tag melkt (in Form von historisch preiswerten und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln), daran haben wir uns ja schon fast gewöhnt.
Neu oder “modern” ist es jetzt jedoch wohl, die Kuh w.o. zu prügeln, WEIL sie Milch gibt….
Jeder Drei-Käse-Hoch in der zweiten Klasse kann zwar nicht rechnen, lesen und schreiben, aber er weiß ganz genau, was Bauern für “böse Menschen” sind: die verpesten die Luft, vergiften das Wasser und quälen die armen Tiere…. Ja - und Schuld an der “Klimakatastrophe” und dem Untergang der Welt sind sie ja sowieso. Sind DAS die Prioritäten und Perspektiven einer gedeihlichen Zukunft?
Wohl eher die Auswüchse einer zunehmend dekadenten Überflussgesellschaft.

Übrigens: ich kann Jeder/Jedem nur raten, Bio-Eier ausschließlich hart zu kochen oder zu braten! Bei Eiern von Scharrel-Hühnern (die ja so “schön natürlich” im Dreck wühlen) ist der Salmonellen-Druck (wissenschaftlich unstrittig belegt) um den Faktor 3 bis 4 höher als bei den anderen!

Und noch etwas für unsere Veganer, ebenfalls wissenschaftlich unstrittig nachgewiesen:  tierisches Protein enthält bestimmte, für uns lebenswichtige, essentielle Aminosäuren, die in pflanzlichem gar nicht oder in zu geringem Maße vorhanden sind. Dies ist hauptsächlich bei Kindern, in den Wachstumsphasen, äußerst wichtig, zu beachten!
Allerdings lassen sich so entstehende Defizite selbstverständlich auch ausgleichen: mit artifiziellen Aminosäuren-Präparaten. Die Pharma-Industrie wird es Ihnen danken!
MAHLZEIT !

Mike L.
21.01.2011  16:30

@ Mike L.

Danke für Ihren fundierten Kommentar. Ich bin da ganz auf Ihrer Seite und Sie können sich meiner Unterstützung und Hochachtung gewiss sein. Die Kritiker mögen eine Vorstellung haben, wo ihre Lebensmittel her kommen und wie sie erzeugt werden, ob diese Vorstellungen aber mit der Realität übereingehen, daß mag man wohl sehr stark bezweifeln. Nur, weil es, wie in allen Branchen, zu Getzesübertretungen kommen kann, ist die pauschalisierte Skepsis und Schelte unangebracht. Zumal die hochgelobte “Bio-Branche” auch ihre Skandälchen aufzuweisen hat.
Liebe Städter, wie wäre es denn mal mit einem Besuch bei einem der fleißigen Landwirte oder eines Schlachthofes?

Beste Grüße B.

Bibliothekar
22.01.2011  17:19

@ Micha

Ich sehe nicht ein, daß “Bio” automatisch für eine bessere Fleischqualität stehen soll. Diese läßt sich konventionell ebenso erzeugen. Nicht die Einstellung des Landwirtes ist bestimmend, sondern das Futter und die Schlachtreife. Beides hat einen Einfluß auf den Preis und die Mehrheit der Konsumenten ist eben nicht bereit diesen höheren Preis zu zahlen. Ebenso soll auch der Geschmacksträger Fett, im Zeichen des Schlankheitswahns nur noch in geringen Mengen vorhanden sein.
Wichtig ist aber für mich, daß jeder für sich entscheiden soll, was auf seinem Teller landet und das es generell nur ordentliche Lebensmittel zu kaufen gibt. Nicht die Produkte der industriellen Lebensmittelproduktion sind eklig, sondern die kriminellen Handlungen einer sehr, sehr kleinen Gruppe der Akteure und diese lasse sich in allen Produktionsformen finden auch zukünftig.

Beste Grüße B.

Bibliothekar
22.01.2011  17:35

Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen.
Er sollte nur von jedem gelesen werden - vor allen von denen, welche zur Zeit mitreden wollen und zu mehr als 99% noch nie einen Stall von innen gesehen haben!
Angeblich 22.000 Demonstranten heute in Berlin repräsentieren weiviel Promille von ca. 81.9 Mio Bundebürgern??

Kommentator Micha sollte den exakt vor 10 Jahren in Berlin anläßlich der BSE Krise erscheinenden Testbericht des ehemaligen MdB Helmut Lamp, praktischer Landwirt aus S-H, lesen:
http://www.animal-health-online.de/gross/2001/05/26/testessen-bio-fleisch-floppt/2333/
Die Webseite http://www.helmut-lamp.de,  auf der man früher mal den gesamten Bericht lesen konnte, wird heute umgeleitet und zeigt den heutigen Hof Lamp. Seinem Sohn scheint die Datei des Vaters nicht ins “zeitgemäße” Verkaufskonzept zu passen und man findet sie nicht mehr. Nur 10 Jahre sind seitdem vergangen.
Mich stimmt das bedenklich!
Tempora mutantur - nos et mutamur in illis. Nur geht der Wandel verdammt schnell.
Vor 66 Jahren hungerte das Volk mehrere Jahre lang, nachdem ein noch schnellerer Wandel es vor 78 Jahren jubeln ließ.

Und danach wurden erst am 31. März 1950 die Lebensmittelrationierung und die Lebensmittelmarken abgeschafft in diesem Land, in der DDR erst am 29.5.1958! Noch drei Jahre nach dem Krieg starben Leute am Hungertod!
Zu diser Zeit und sicher auch noch die folgenden 20 Jahre gab es andere Diskussionsthemen!

Gelegentliches Beschäftigen mit der Geschichte schadet nicht.

Friedrich Berkner
22.01.2011  21:33

Apropos Stoffkreisläufe in Bezug auf landwirtschaftliche Bewirtschaftung:
abgesehen von Hygiene und Ertragssteigrungen in der modernen Landwirtschaft sind unsere Stoffkreisläufe etwas “übergewichtig” geworden, dazu wird kaum was gesagt. Wir verbrennen lieber unsere Ernten, weil mittlerweile lukrativer für den Landwirt. Braugerste und Futtererzeugung, damit verdient der Landwirt nichts, andererseit importieren wir Kraftfutter aus Übersee in Form von Genmais und Gensoja. Dieser gewaltige Energieinput (N-Zyklus) ist ökologisch nicht gnz hinnehmbar. z.B. Norddeutschland steht ja förmlich in der Schweinescheiße. Ganze Landschaften sind aus meiner sicht kaum noch zu ertragen - es stinkt gen Himmel - wohin mit dem Stickstoff!?
Ziel sollte es sein, unter modernen Bedingungen zu produzieren, aber umweltverträglich, zu angemessenen Preisen, damit der verbraucher wieder lernt was wahre Lebensmittel sind, die nicht zu Nahrungsmitteln verkommen sollen. Das Diktat der Lebensmittelindustrie trifft immer den Bauern - der Kunde schwingt aber den Taktstock.

Selmar Petzoldt
23.01.2011  20:28

Intensive Landwirtschaft mit modernen Düngemitteln und Pflanzenschutz haben schlicht und ergreifend zur Folge gehabt, daß auf der Welt 1970 4.417 Mio und 2007 5.777 Mio ernährt werden konnten, bei nahezu gleich bleibender Flächennutzung. Nach wie vor hungern auf der Welt etwas mehr als 800 Millionen Menschen. es ist in den nächsten 40 Jahren ein erhebliches weiteres Bevölkerungswachstum zu erwarten. Wer angesichts dieser (belegbaren) Zahlen sich ‘extensive’ Landwirtschaft wünscht nimmt den Hunger von mehr als einer Milliarden Menschen in Kauf, lediglich um eine Ideologie zu verteidigen. In Deutschland kann man sich problemlos diesen Luxus erlaubt, weltweit muß man aber zwangsläufig die Landwirtschaft intensivieren und darf auch nicht verhindern, daß weitere Effizienssteigerungen z.B. durch Gentechnik eingeführt werden.

Ralf
25.01.2011  11:50

Mit so viel Zustimmung zur Rezension von Georg Keckl des “Fleischesserhasserbuches” hatte ich nicht gerechnet.
Aber, recht hat er, denn daß “Bio” nicht besser ist, kann jeder mit kritischer Grundhaltung gegen einseitige Darstellungen leicht selbst erkennen.
Warum sollte man beispielsweise BioKüchenkräuter konsumieren, wenn doch bei deren Produktion die 2-3-fache Stickstoffmenge aufgewandt wird im Vergleich zur konventionellen Variante. Und was wäre wenn die konsequenten Vegetarier wüßten, daß dieser BioStickstoff aus der Abdeckerei und dem Schlachthof stammt?
Zahlreiche Vergleichsuntersuchungen belege, daß zwischen bio- und konventionellen Nahrungsmitteln keine messbaren Unterschiede zu verzeichnen sind.
Sogar in einer Studie, die Frau Kühnast als Landwirtschaftsministerin in Auftrag gab: “Bewertung von Lebensmitteln verschiedener Produktionsverfahren” wird belegt, das es keine meßbaren Unterschiede zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren gibt.
Also doch schöne heile Welt in der modernen landwirtschaftlichen Produktion!
Wer dennoch gerne Gegenteiliges lesen möchte, dem sei die Lektüre des “Kritischen Agrarbericht” empfohlen.
Da schreiben Historiker, MeinungsjournalistInnen u.a. agrarferne Kreise frei weg von der grünen Bio- und Ökoleber! 
Wünsche angenehme Lektüre.

Erich Grantzau
09.02.2011  12:36

Der Verfasser mag einige zutreffende Aussagen machen in seinem Artikel, liegt aber in folgenden Punkten m.E. schlichtweg falsch:

-“Unsere heutigen Tiere bekommen kein unnatürliches Futter, sie bekommen vielfach ein Futter, das sie sich in der Natur am liebsten suchen würden.”
Ah ja, daher war wohl auch die BSE-Krise völlig “natürlich”, schließlich suchen sich Rinder von Natur aus am liebsten ihre Artgenossen als Nahrung. (Tiermehl an Pflanzenfresser? Perverser geht´s nicht). Ähnlich wie Menschen oft durch hübsche Verpackungen und Geschmacksverstärker etc über den wahren Inhalt ihres Essens hinweg getäuscht werden, läuft es auch bei Tieren. Mit dem Unterschied, dass bei uns Menschen zumindest die theoretische Möglichkeit besteht, den Inhalt unserer Nahrung zu überprüfen. Tiere bekommen etwas vorgesetzt, und essen es, weil sie keine andere Wahl haben. Den Instinkt zu Überleben, dh Nahrung zu sich zu nehmen, kann ein Tier nicht überwinden, schon gar nicht aus Zweifeln am Inhalt ;)
Let´s face it: in Tierfutter wird aus wirtschaftlichen Gründen “der letzte Dreck” verarbeitet, der sonst nirgendwo untergebracht werden kann- manchmal eben auch Industriefette, die ein Tier sich sonst sicherlich nicht aussuchen würde. (Durch die Verwendung des Wortes “vielfach” lässt sich der Verfasser hier wohl bewusst eine Hintertür offen)

-“Natürlich sind die Haltungsbedingen und die Futterrationen so abgestimmt, dass z.B. hohe Gewichtszunahmen möglich sind. Mehr und schneller zunehmen, als es die Genetik erlaubt, geht aber nicht.  ”
Das Hühner inzwischen -jedenfalls in den USA - so gezüchtet werden, dass ihre Brust so groß ist, dass sie ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen können (weil der Verbraucher am liebsten die Hühnerbrust isst-  erwähnt der Verfasser in diesem Zusammenhang nicht. Die Genetik wird bewusst manipuliert.
Aufgrund der mangelnden Bewegung(sfreiheit) können sich die Muskeln der Tiere ohnehin nicht ordentlich entwickeln. Dies und die Manipulation in der Zucht führt oft dazu, dass die Hühner nicht aufrecht stehen können. Hinzukommt, dass aufgrund der Wachstumshormone die dem Futter beigemischt werden, die Hühner noch schneller wachsen als in der Natur vorgesehen- der Muskelaufbau ist aber nicht entsprechend. Auch dies wird vom Verfasser übersehen.

Miriam M.
25.03.2011  19:41

PS: Und bevor es wieder heißt, die Verfechter von artgerechter(er) Tierhaltung und nachhaltiger(er) Landwirtschaft seien allesamt Städter, die nie einen Stall von Innen gesehen hätten: die Verfasserin des obigen Kommentars stammt von einem Selbstversorgerhof (á la John Seymour) in Irland ;)  Die Empörung über ein Buch, dass von einem New Yorker geschrieben wurde und allem Anschein nach auch pathetische Elemente enthält, kann ich indes durchaus nachvollziehen. Das Leben eines jeden Landwirts ist nicht einfach.

Miriam M.
25.03.2011  22:12

@ralf!!

Hunger in der Welt ist immer ein Verteilungsproblem und wird vom Kapitalismus hingenommen = ein Hungernder hat kein Geld = an ihm ist nichts zu verdienen!

e.moser
28.03.2011  09:09

Liebe Miriam,
zu Deinen Kommentaren darf schon noch bemerkt werden, dass sie sehr pauschalierend sind?

Als Selbstversorgerin kannst Du D i c h und Deine Angehörigen vielleicht ernähren, aber wieviele der derzeit rund 4,3 Millionen irischen Einwohner ernährst Du noch zusätzlich?
Diskussionen über die Notwendigkiet, alle momentan fast 7 Milliarden Erdbewohner gleichwertig zu ernähren, wirst Du mit dieser Selbstversorgungstheorie nicht führen können und eine Kenntnis industrieller landwirtschafter Produktionsmethoden wird man Dir auf Grund Deines Beitrags sicher nicht unbedingt zubilligen.
Oder bist Du ernsthaft der Meinung, dort gehe es vergleichbar zu wie bei Dir?
Ich plane moderne Schweineställe, die mit dem, was Du als Selbstversorgerin in diesem Sektor eventuell ausführst, so viel zu tun haben wie ein offenes Holzfeuer bzw. eine brennnede Fackel (beachte die Artgerechtigkeit der Lichterzeugung!) mit moderner LED Beleuchtung.
Auch wirst Du zugestehen müssen, dass man einen anders denkenden und handelnden Kollegen des gleichen Berufsstands Landwirt diskriminiert, wenn man ihm unterstellt, es sei unehrenhaft oder gar Verbrauchertäuschung, das in gutem Glauben zu dem selbsterzeugten Grundfutter von der Industrie zugekaufte und ordentlich deklarierte und gesetzlich zugelassene Kraftfutter an seine Kühe zu verfüttern, um überlebensfähige Milcherträge zu produzieren!
Hat er es verursacht, dass dieses zugekaufte Futter manipuliert wurde!?
Wenn man dessen Zusammensetzung übrigens ändern möchte und damit nicht zufrieden ist, stehen demokratische Mittel zur Verfügung, dieses zu ändern. Wählerwillen hat sich ja in Deutschland dieses Wochenende manifestiert - mal sehen, was sich wirklich ändert.
Aber legale Methoden anzuprangern und Menschen dafür zu verurteilen, welche sich bemühen, Nahrungsmittel zuz produzieren, übersteigt sicher die Toleranz nicht nur von mir?

Warum weist Du nicht darauf hin, dass die Verursacher von “Skandalen, Betrügereien etc.” verurteilt gehören - nicht diejenigen, die von ihnen betrogen werden!

Zustimmen kann man Dir sicher, dass in der Geflügelbranche vieles geschieht, was nicht nur auf den Prüfstand, sondern besser kontrolliert und bei Vergehen härter bestraft werden muss. Bussgelder schrecken kaum ab, selbst Berufsverbote werden sicher bald umgangen.
Dennoch wage ich zu bezweifeln, dass Du von Zuchtmethoden allzuviel verstehst - sonst würde Dir dein eigener Verstand sagen, dass man nicht so blöd sein kann, Hühner zu züchten, die nicht mehr stehen können und vom Eigengewicht “erschlagen” werden. Warum schreibst Du also so etwas, von dem Du offensichtlich auch nur mal etwas gehört oder gelesen hast?

Und Züchtungsversuche bei Pflanzen und Tieren sind immer genetische Veränderungen - Du nennst es “Manipulation”.
Ohne diese sog. Manipulationen wäre der Hunger noch weiter verbreitet.

Ich plane moderne Schweineställe, in denen es Schweinen nachweislich besser geht als vielen in sog. “Artgerechtigkeit und Glück”  aufwachsenden “alternativen Schweinen” - dessen darfst du gewiß sein. Hast Du so etwas schon einmal im Vergleich gesehen?
Es gibt objektive Kritrien, das nachzuprüfen: Staub- und Schadgasmessungen im Stall, Medikamenteneinsatz, überlebende Ferkel bis zur 4. Lebenswoche, Erdückungsverluste in der Abferkelbucht, Hygienebedingungen und viele andere mehr.
Schon mal etwas von HACCP gehört? Google hilft zur Indo!
Alles, was Landwirte zum Verzehr liefern, sind Vorprodukte der Lebensmittelproduktion!

Wünsche Dir weiterhin gute Eigenproduktion, so lange Du es durchhältst.
Suum cuique - jedem das Seine.
Aber Diene erzeugten Lebensmittel sind sicher nicht unbedingt qualitativ besser, wenn man sie aquf den Prüfstand stellt - das weiss man(n) bzw. faru.

Schönen Gruß nach Irlande
Fritz
http://www.fritzberkner.de
Hast Du eine Hygieneschleuse für Deine Tierproduktion?

F. Berkner
28.03.2011  19:15

*lol*
Ich denke, ich habe meinen Kommentar bewusst sachlich und emotionsfrei formuliert. Ich habe lediglich zwei Sätze im obigen Aufsatz angeprangert die meines Erachtens nicht zutrafen- und weder eine Flagge für meine Lebensart gehisst, noch irgendeine andere Art zu leben an den Pranger gestellt.
Ich habe zudem weder behauptet, dass ich mit meiner Art zu Leben ganz Irland noch die gesamte Welt ernähren kann. Mit meinem Nachtrag wollte ich lediglich unterstreichen, dass ich nicht wie ein Blinder von der Farbe rede - sondern auch jahrelang Landwirtschaft praktiziert habe.
Sie unterstellen - hatte ich Ihnen das Du angboten? daran kann mich ebenfalls nicht erinnern-  mir etwas, dass in meinen Posts schlicht und ergreifend nicht drinsteht! Tut mir leid. Und damit verhalten Sie sich wohl ähnlich, wie die emotionsgesteuerten wetternden Bioverfechter, die Sie veruteilen.
Und ja, die beschriebene Hähnchen habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen- in der Massentierhaltung in den USA.  Mit Hühner meinte ich das Geflügel, und nicht etwa Legehennen.
Selbstverständlich würde es keinen Sinn machen, Hähnchen zu züchten, die gar nicht aufstehen könnten. Der Fall, den ich beschrieben habe, tritt idR kurz vor der Schlachtung ein, wenn das Geflügel das gewünschte “Kampfgewicht” erreicht hat.

Der Spruch heißt übrigens vollständig: “Honeste vivere, neminem laedere, suum cuique tribuere.” - Ehrlich leben, niemandem schaden, jedem das Seine zukommen lassen. In diesem Zusammenhang ganz passend.
Daher schrieb ich auch zum Sch luß: Das Leben eines jeden Landwirts ist nicht einfach. Ob nun Bio oder nicht!

Miriam M.
28.03.2011  19:51

- hatte ich Ihnen das Du angboten? daran kann mich ebenfalls nicht erinnern-

Ich bitte förmlich um Entschuldigung, gnädige Frau Miriam.

Mit freundlichem Gruß eines älteren Herrn
Friedrich Berkner

Friedrich Berkner
28.03.2011  22:04

“hatte ich Ihnen das Du angboten? daran kann mich ebenfalls nicht erinnern-

Ich bitte förmlich um Entschuldigung, gnädige Frau Miriam.

Mit freundlichem Gruß eines älteren Herrn”

Ihre Verwendung des “Du” trug insgesamt zum herablassenden (ein passenderes Wort für den englischen Begriff “patronising” fällt mir leider nicht ein) Ton bei..

PS: Der Begriff “Selbstversorger” erklärt sich eigentlich von selbst und nimmt schon dem Wortlaut nach nicht in Anspruch, die ganze Welt zu versorgen. Sonst hieße es wohl “Weltversorger” oder “Gesamtversorger” etc.

Mit freundlichen Grüßen einer älteren Dame…

Miriam M.
30.03.2011  02:42

Vererhrte gnädige Frau,
in sog. Chats im Internet ist man meistens per Du.
Die Anrede war deswegen keinesfalls abwertend gemeint, auch wenn wir noch nicht zusammen die Treppe hinuntergefallen sind.
Mancher bleibt eben im Kopf jünger, als er es biologisch ist.

Es bleibt dennoch Fakt, dass Selbstversorger nicht für den Rest der Weltbevölkerung reden können.
Wie diese versorgt werden soll, bleibt nach wie vor neben der Versorgung mit frischem Trinkwasser das Kernproblem der Menschheit, welches sicher nicht gelöst wird, indem man agrarindustrielle Erzeugung verteufelt, alternative Methoden in den Himmel lobt, sondern immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

In der Relation haben beide Varianten Vor-und Nachteile, ehrliche und unehrliche Vetreter.
Wir werden sicher satter, wenn wir der Hochleistung bzw. der industriell ausgerichteten Variante die gebührendere Aufmerksamkeit widmen. Und hier werden wir zunehmend mehr in vertikaler Anbaurichtung denken müssen, da die horizontale Richtung jeden Tag mehr Fläche verliert, um Biokraftstoffe, Biomasse oder ähnliches mit dem Wort Bios behaftetes zu erzeugen, die Bevölkerung um täglich mehr als 228.000 Personen anwächst, deren statistisches Lebensalter, Körpergröße und Körpergewicht nicht überall, aber immer häufiger steigen. Die Konsequenz ist der Bedarf von proportional ständig weiter ansteigendem Bedarf von Nahrung und Wasser zur Versorgung benötigen.

Um die alle satt zu bekommen, bedarf es mehr als kluger Ratschläge alternativ denkender Mitmenschen - dessen bin ich mir zumindest bewusst.
Auch, obwohl meine Lebensuhr bald abgelaufen sein wird.
Gruß aus Deutschland, trotzdem immer noch eines der schönsten und interessantesten Länder der Welt, wo jedoch die Fähigkeit zur Anlayse der Situation merklich nachlässt.

Fritz
http://www.fritzberkner.de

Friedrich Berkner
30.03.2011  16:01

Noch eine kurze Ergänzung.
Sie führten an:
“Der Spruch heißt übrigens vollständig: “Honeste vivere, neminem laedere, suum cuique tribuere.” - Ehrlich leben, niemandem schaden, jedem das Seine zukommen lassen.”
Und diagnostizierten zustimmend:
“In diesem Zusammenhang ganz passend.”

Diese wohl von Domitius Ulpianus zwischen 210-223 n.Chr. aufgestellte Theorie der Grundlegung des Begriffs der Verteilungsgerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit hat jedoch schon mehr als 500 Jahre ältere Wurzeln.

Suum cuique geht als Grundsatz auf das antike Griechenland zurück. In der Politeia stellte Platon fest, dass Gerechtigkeit besteht, „wenn man das Seine tut und nicht vielerlei Dinge treibt“ (τὸ τὰ αὑτοῦ πράττειν καὶ μὴ πολυπραγμονεῖν δικαιοσύνη ἐστί).

Google hilft hier wissensmäßig weiter.
Das Gedankengut Platons bzw. seine Schrift „die Apologie des Sokrates“ durfte ich in der Schule aus dem Original übersetzen. Gedankengänge der Griechen sind meist interessanter als die der Römer, mit denen ich mich ebenfalls noch länger beschäftigen musste.
Gruß
F. Berkner

Friedrich Berkner
30.03.2011  16:54

Herzlichen Dank, googlen und Wiki-seiten mit copy& paste zitieren schaffe ich auch so gerade noch.
Auch die Gepflogenheiten von Chaträumen sind mir bekannt- der Vollständigkeit halber möchte ich aber dann auch darauf hinweisen, dass es sich hier höchstens um ein Forum handelt- oder sehen Sie hier ein Chatfenster? Es fehlt am Element der Echtzeit (Da Sie ja ein großer Fan von Wiki zu sein scheinen, hier die gängige Definition: http://en.wikipedia.org/wiki/Chat_room)

Da ich mich in meinem Berufsfeld seit einiger Zeit vertieft mit datenschutzrechtlichen Fragen beschäftige, hielt ich es für sinnvoller meinen Vornamen auszuschreiben. Ein Nachname in Zusammenhang mit Begriffen wie etwa “Irland” lässt anhand von Suchmaschinen oftmals mehr Informationen ermitteln als erwünscht. Nicht jeder möchte sich derart im Netz profilieren wie Sie es anhand des Links zu Ihrer Website tun.
Somit war die Verwendung meines Vornamens nicht zwingend eine Einladung zum Du.
Ihre Argumentation zu den Gepflogenheiten des Chatrooms (in dem wir uns per se schon nicht befinden) hält zudem insofern nicht stand, als auch die anderen Benutzer dieser Seite trotz Verwendung ihres Vornamens hier von anderen Usern mit Sie angesprochen werden bzw. die Antwort bewusst neutral formuliert wird: man siehe als Beispiel nur die Posts von “Bibliothekar” an “MIke L.” und “Micha”.  ^^^^
I rest my case.
Im Übrigen führte die Vewendung des “Du” in Zusammenhang mit “LIebe…” und dem Schlusssatz “Mit freundlichen Grüßen eines älteren Herrn” in der Tat zu einem etwas herablassenden Ton, basierend auf der Annahme, dass Sie es mit einem wesentlich jüngeren und ergo naiveren Gegenüber zu tun haben.
Diese Meinung haben Sie nach meinem “MFG einer älteren Dame” nun allem Anschein revidiert - das impliziert jedenfalls der Satz “Mancher bleibt eben im Kopf jünger, als er es biologisch ist.”.

Zum Ursprung von “suum cuique”
Ich persönlich kenne den Grundsatz aus meine Jurastudium, Rechtstheorie und Rechtsphilosophie habe ich auch gehört- als Juristin muss man ja so einiges ertragen.
Zum Abschluß:
Ich sagte ich “stamme” von einem Hof in Irland- das heißt nicht, dass ich dort immer noch wohne.
Ich wiederhole mich nur ungern aber nun gut: ich habe weder versucht für die ganze Welt zu sprechen noch in eine weitere Grundsatzdiskussion zum Thema Bio oder nicht Bio einsteigen wollen. Ich habe zwei Sätze aus dem obigen Artikel kritisiert und meiner Meinung nach hervorgehoben, weshalb sie nicht stichhaltig sind. Ich habe weder behauptet die LÖsung für alle Ernährungsfragen der Weltbevölkerung zu haben noch behauptet, die Lösung für die Frage Bio oder nicht Bio zu kennen- das tun bisher allein Sie.
Mein Nachtrag galt allein der Erläuterung, dass es sich bei dieser Verfasserin nicht um einen Städter handelt, der glaubt, dass die Hamburger aus dem Supermarkt kommen..
WEnn Sie nochmal genauer hinsehen, werden Sie feststellen, dass ich sogar einen Smilie verwendet habe- vielleicht sollten Sie bei Zeiten auch mal die geläufige Bedeutung dieses Symbols ergooglen..

Zur Frage Bio oder nicht Bio nur soviel:
Was die Massenproduktion von Lebensmitteln für die Weltbevölkerung insbes. in Entwicklungsländern (von denen Sie ja auch sprachen) getan hat, sieht man besonders schön an der EU-Agrarpolitik der Subventionierung insbes. der Milchproduktion und deren katastrophale Auswirkung auf die Märkte insbes. in Afrika - und die Folgen für die dortige Landwirtschaft. Dadurch lassen sich aber wiederrum neue Jobs in der Entwicklungshilfe schaffen- ein schöner Nebeneffekt… Jobs for the boys.
Es gibt kein richtig oder falsch, schwarz oder weiß,  kein Allheilmittel, und ich behaupte auch nicht es zu haben. Ich halte es da mit Paracelsus (wo wir schon beim Latein sind): „Dosis sola facit venenum“.
Die radikalen Verfechter von Öko/grünem Lebensstil, die nicht in der Lage sind zu sehen, dass auch “ihr Weg” mit Nachteilen verbunden ist,  wie es der Autor des kritisierten Buches zu sein scheint,  sind mir genauso Zuwider, wie diejenigen die starr behaupten, Massenproduktion sei der einzige Weg- so wie Sie es anscheinend tun.
Um die anderen Leser dieses Portals nicht noch weiter langweilen zu müssen und allmählich zum Thema zurück zu kehren, appelliere ich an Ihre altersbedingte Weisheit und hisste hiermit die virteulle weiße Fahne.
Der/die Klügere gibt jetzt besser einfach mal nach ;)

Miriam M.
30.03.2011  20:51

================================================================
“Wir werden sicher satter, wenn wir der Hochleistung bzw. der industriell ausgerichteten Variante die gebührendere Aufmerksamkeit widmen.”
================================================================

Sich nur einmal diesen Satz des Hrn. Berkner auf der Zunge zergehen zu lassen, das alleine macht schon irgendwie s a t t e r.

Wir befinden uns eben in einer Gesellschaft, wo satt alleine ganz offensichtlich nicht mehr genügt.
Sigmund Freud lässt grüßen.

e.moser
01.04.2011  19:53

Mal ein bißchen Statistik zu Kühen und ihrer Milch:

1870, kurz vor der Gründung des Kaiserreichs, lebten in deutschen Landen 40,8 Mill. Menschen und 16,24 Mill. Kühe (in den Grenzen von 1918). Die Kühe gaben insgesamt 13,8 Mrd. kg Milch, das sind etwas 1200 kg pro Kuh.
1914 hatte das noch etwas größere Deutsche Reich 65 Mill. Einw. und 11,3 Mill. Milchkühe, bei einer geschätzten Milchleistung pro Kuh von 1800 kg macht das rund 20 Mrd. kg Milch.
1939 wurden (in den Grenzen von 1937) im, immer noch Deutschen Reich 69,3 Mill. Einw. gezählt, und 9,88 Mill. Kühe gaben bei einer durchschnittlichen Milchleistung von 2567 kg zusammen 25,36 Mrd. kg Milch.
Die Zahlen bis hierher stammen aus: Produktivkräfte in Deutschland 1800-1945 in 3 Bänden.

Die folgenden Zahlen sind aus dem WWW. 1990 lag die Milchleistung pro Kuh bei 4710 kg; 1991 belief sich der Kuhbestand in beiden deutschen Landen 5,36 Mill., die etwas über 29 Mrd. kg Milch gaben, im Durchschnitt deutlich weniger als 5500 kg. 2009 wurden von 4,2 Mill. deutschen Kühen 28,66 Mrd. kg Milch erzeugt, pro Kuh immer noch etwas weniger als 7000 kg pro Kuh.
Als Fazit läßt sich festhalten, daß bei etwa gleichbleibender Milchmenge pro Kopf, der Milchbedarf von immer weniger Milchkühen erbracht wurde.
Zum modernen Kuhkomfort s. http://www.innovationsteam.net/pdf/presse/010_Agravis.pdf 
Die Fleischerzeugung brauchte deutlich länger um dieses Niveau zu erreichen. Um 1800 lag der durchschnittliche Verzehr pro Kopf bei 14 kg und Jahr! In den sog. Gründerjahren (nach der Reichsgründung 1870) bei 30 kg, und überschritt erst Mitte der 1950er Jahre die 50 kg-Marke, um dann recht schnell die 100 kg anzusteuern (erreicht wurde sie aber nur in der DDR, kurz vor der Wende).

J. Volz
09.04.2011  17:31

Sehr geehrter Herr Moser,
ich schrieb von W e l t bevölkerung und meinte mit dem „wir“ nicht nur Sie bzw. mich, wie der Beginn des nächsten Absatz klar aufweist: „Um die a l l e (Erdenbürger) satt zu bekommen, …“

Vielleicht ist mancher Erdenbürger statistisch einfach zu gut ernährt und es verhindert dieser Zustand eventuell, die Realität anerkennen zu wollen? Und es tröstet ja wohl auch, dass das ja auch einem, der am Verhungern ist, das Leben statistisch etwas lebenswerter macht!

Vielleicht interessieren Sie sich dennoch mal für die aktuellen statistischen Zahlen für die Weltbevölkerung und die landwirtschaftliche Nutzfläche dieser Erde und setzen die in Relation zueinander?
Und informieren sich zusätzlich über die möglichen Q u a d r a t m e t e r erträge für industrielle und „alternative“ Anbauverfahren für jeden, der davon überleben muss.
Hier kann der vorherige Beitrag über die Leistungssteigerungen der Milchproduktion Denkanstoss sein, wenngleich der Hinweis auf die Fleischerzeugung hinkt. Denn hier schreibt Herr Volz über die Steigerung des Verzehrs, nicht der P r o d u k t i o n.
Dann informieren Sie sich zusätzlich noch darüber, welche Lebewesen auf der Erde sich auch von dieser Fläche ernähren müssen und welche Nahrungsmengen die Haustiere verzehren, die sowohl des Nutzens halber (also eigentlich Nutztiere) als aber auch des Vergnügens halber gehalten werden.
Bekommen dann nicht selbst offensichtlich satte Mitmenschen eine überschaubare Vorstellung, was Lebensmittelproduktion zum „satt werden“ bedeuetet?

Denkmodelle für die Zukunft müssen also etwas komplexer sein. Für denjenigen, der anders darüber nachdenkt als Sie, S.Freud grüßen zu lassen, der z. B. “über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene” schrieb, ist sehr aufmerksam!  “Zur Ätiologie (Ursache von Erkrankungen und ihren auslösenden Faktoren) der Hysterie”  ist eine weitere Arbeit von ihm.
Dürften sich nicht viele Andere dieser Ursachenforschung dann aber auch stellen?
Herr Keckl hat mit seinem Buch berechtigte Hinweise auf die “Denkweisen” und den “Ritus des Dankens” für die täglichen Mahlzeiten gegeben. Und wie sehr diejenigen teilweise diskriminiert werden, welche die Basis für diese Mahlzeiten schaffen, dürfte ich wohl als noch aktiver Bestandteil dieses Berufsstands “Landwirt” mit qualifizierter Berufsausbildung besser beurteilen können als eine eigenen Angaben nach studierte Juristin? Dennoch hat sie mir wertvolle Denkanstösse gegeben - danke.

Und Hunger ist kein Verteilungsproblem, sondern primär ein Erzeugungsproblem, Herr Moser!

F. Berkner
11.04.2011  11:20

Leider erlaubt mir meine Zeit es nicht, das beschriebene Buch zu lesen, weshalb ich mich nicht unmittelbar darauf beziehen kann.- Aber was mir sehr auffällt auch hibnsichtlich mancher Debatte im medizinischen Bereich, dass argumentiert wird auf der Basis eines Naturbegriffes der eher sehr schlicht ist und lvom Gegensatz lebt natürlich - künstlicht,  in den eingewobenen ist der Gegensatz von gut und böse.
Unschwer zu raten, welche Paare sich da bilden.
Agesehen davon, dass ich auch nicht unbedingt eine Welt mit gewinnmaximierten Turbokühen wollen würde, kann man doch nicht außer acht lassen, welchePprobleme zu lösen sind und dies mit gemeinsamer Anstrenung lösungsorientiert zu versuchen.
Und da wird es in der Tat komplex und auch widersprüchlich: Um ein gutes Leben hier zu führen in einem Land, in dem es den Menschen unvergleichlich gut geht (auch wenn sie nicht unbedingt glücklicher sind) brauche ich da noch das Bioei zum Frühstück oder täte es nicht auch das passabel erzeugte ‘Normalei’?
Was hat die übrige Welt davon, wenn ich mich ausgezeichnet ernähre, lange lebe womöglich zu Lasten der übrigen Weltbevölkerung. Die Frage wäre doch dann, was wir hier in Anspruch nehmen von den allgemeinen Resourcen - durchaus interessenbezogen (sprich: was hält die Wirtschaft am Laufen), aber was ist vertretbar, muss es uns in jeder Hinsicht besser gehen als der übrigen Welt, nur weil bio = gut ist und künstliche Düngung = böse, weil chemisch? Oder müssen wir unbedingt so risikominimiert wie sonst niemand auf der Welt leben?
Und ist es vielen nicht im Grunde ziemlich gleichgültig, wie es mit dem Hunger in der Welt steht, man kann ja zu Weihnachten spenden? 
Solange solche Vorstellungen im Hintergrund mitschwingen, scheint mir, kommt man zu keinen klaren Bewertungen.

Alberta S.
11.04.2011  20:53

@Alberta S:
Sicherlich richtig, aber ob die Massenproduktion von Lebensmitteln unbedingt - im Gegensatz zur Biolandwirtschaft- “besser” für den Rest der Welt/die Dritte Welt ist, wage ich zu bezweifeln. Meines Erachtens hat die Europäische Agrarpolitik nicht nur die Milchpreise für die deutschen Bauern zerstört, sondern auch die Märkte in Afrika mit Billigprdukten überflutet- gegen die lokale Bauern Dank der Subventionen nicht ankommen können.

Miriam M.
11.04.2011  22:42

PS: Zum Thema 60 Jahre Entwicklungspolitik (inkl. Spenden zu Weihnachten) und dessen Scheinheiligkeit bei gleichzeitigem Vorantreiben eigener Wirtschaftsinteressen (in allen Bereichen), nicht nur in Bezug af die Agrarwirtschaft (in seiner bisherigen, herkömmlichen Form- die ja für die Armen dieser Welt bisher auch keine sichtbaren Probleme gelöst hat- sonst gäbe es wohl keine HUngernden mehr..) empfehle ich in diesem Zusammenhang das Buch von Dambisa Moyo- Dead Aid.

Miriam M.
11.04.2011  22:47

@berkner

““Und Hunger ist kein Verteilungsproblem, sondern primär ein Erzeugungsproblem, Herr Moser! “”

Da mag schon was dran sein, lassen wir doch große Mengen unserer Nahrungsmittel bzw. Vorprodukte in Ländern wachsen (erzeugen), in denen Hunger ein beherrschendes Thema ist.

e.moser
13.04.2011  12:45

Zuerst ein kleines P.S. zu meinem letzten Beitrag. Es muß natürlich Verbrauch statt „Verzehr“ heißen, der statistische Verbrauch einschl. Knochen, Sehnen u.ä.

Des weiteren bezieht sich der Verbrauch natürlich auf die Produktion, auch wenn die Darstellung des Zusammenhang durchaus verwickelter ist. Ich will es trotzdem mal versuchen.

1878/80 wurden im damaligen Deutschen Reich im Schnitt 15,36 Mill. t Getreide und 20,66 Mill. t Kartoffeln produziert, und zwar auf einer Ackerfläche von 26 Mill. ha. Dazu kamen 5,1 Mill. ha Wiesen, 617000 ha sog. reiche Weiden und 4 Mill. ha geringwertige Weiden, sog. Hutungen. In Brandenburg sprach man von hoher und niederer Hütung. Hier wird gleich ein Problem deutlich: Bis um 1800 waren die Wiesen die „Mutter des Ackers“, da diese über die Winteraufstallung des Viehs die notwendigen Nährstoffe zur Regeneration des Bodens bei dauerndem Getreideanbau lieferten. Das Verhältnis von Acker zu Grünland lag 1880 bei 2,4:1 - vor 1800 lag das Verhältnis bei etwa 1:1. Mit der Umgestaltung der Landwirtschaft im Zuge der (nicht nur) preußischen Reformen wurde auch deren Voraussetzung, die Landschaft, nachhaltig umgestaltet!
1900/05 lag die Ernte bei 23,69 Mill. t Getreide und 43,93 Mill. t Kartoffeln, und das auf 26,25 Mill. ha Ackerland. Die Größe der Wiesen hatte sich ebenfalls kaum geändert: 5,95 Mill. ha. Dazu kamen noch 795000 ha reiche Weiden und 1,91 Mill. ha niederer Hütung. Das Verhältnis von Acker zu Grünland betrug nun 3:1. Mit der Aufstallung des Viehes über den größten Teil des Jahres verschwanden die alten Hütungs-Flächen, die vor 1800 auch bis in die Wälder hineinreichten.
1939 wurden 24,25 Mill. t Getreide und 52,61 Mill. t Kartoffeln produziert. Die Ackerfläche maß 19,17 Mill. ha und das Grünland 8,51 Mill. ha. Das Verhältnis von Acker zu Grünland lag bei 2,25:1. Noch vor dem I. Weltkrieg begann die landwirtschaftliche Nutzfläche in absoluten Zahlen abzunehmen! Die zunehmende Verbreitung von Futter- und auch Ölpflanzen (Ölkuchen) ließ das Gewicht der Nutztiere jedoch immer weiter ansteigen.
Die Zahlen bis hierhin wieder aus: Produktivkräfte in Deutschland 1800-1945.

2007 wurden in Deutschland auf einer Fläche von 11,87 Mill. ha Acker, dazu rund 5 Mill. ha Grünland, 77,45 Mill. t Getreide und 11,4 Mill. t Kartoffeln produziert. Vom Getreide waren 23,5 Mill. t Brotgetreide, über 44 Mill. t Körnermais und fast 12 Mill. t Futtergetreide. Dazu kamen noch 5,3 Mill. t Raps und Rübsen und 69,2 Mill. Silomais. (Zahlen vom Bundesamt für Statistik Bodennutzung und Ernt 2007) Der größte Teil des Ackers dient heute nicht mehr vordergründig der direkten Nahrungsmittel-Produktion für die Menschen, sondern indirekt über die Erzeugung der Futtermittel für das Nutzvieh!

Man kann nun versuchen, z.B. über die Bestimmung der landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Kopf zu allgemeineren Zahlen zu kommen. 1881 brauchte man noch 0,8 ha pro Kopf, heute nur noch 0,2 ha. Aber dies scheint mir zu allgemein, auch im Vergleich mit anderen Ländern. Mitte des vorigen Jahrhunderts versuchten Historiker wie Wilhelm Abel, Fernand Braudel u.a. den Pro-Kopf-Verbrauch in früheren Zeiten zu bestimmen und kamen dabei zu durchaus aufschlußreichen „Kontrollzahlen“, wie F. Braudel es nannte.
200 kg Getreide pro Kopf und Jahr bildeten 2 Drittel des Bedarfs, dazu kamen noch mal rund 100 kg Fleisch, Fisch, Butter (im Norden), Öl (im Mittelmeerraum), Käse, Eier und anderes, wie Kohl und etwas Gemüse. 200 kg Getreide als notwendiger Durchschnitt ist ein gutes Maß zum Weiterrechnen: Für 1878/80 (die Bevölkerungszahlen s. im ersten Beitrag) ergibt dies eine Pro-Kopf-Produktion von 340 kg, dazu die Kartoffeln zu Getreideeinheiten reduziert, macht zusammen 440 kg pro Kopf. Also deutlich mehr als die notwendigen 200 kg, der Überschuß diente der Ernährung des Viehes. 1900/05 lag der so errechnete Pro-Kopf-Verbrauch bei bereits 592 kg; 1939 dann bei 759 kg und 2007 bei 970 kg! Da sind der Raps und der Silomais noch gar nicht mitgerechnet.

Das man dies auch auf andere Länder ausdehnen kann, dazu China als Beispiel: 1958 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Getreide dort bei rund 260 kg. 1961, im Zuge des von Mao propagierten „Großen Sprungs“, fiel er auf 154 kg – die Folge war eine Hungersnot, der mindestens 20 Mill. Menschen zum Opfer fielen (s. J. D. Spence, Chinas Weg in die Moderne). 1976 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 310 kg, 2004 bei über 350 kg und er steigt weiter. Zum Vergleich der absolute Fleisch-Verbrauch in China: 1975 betrug er 15,6 Mill. t, 1985 20,8 Mill. t und 2004 74,3 Mill. t. (Zahlen errechnet nach Fischer Weltalmanach)

Leider spiegeln die Zahlen im wesentlichen die Besserstellung der Menschen, nicht nur mit Nahrung, wieder und beantworten nicht direkt die ja auch von G. Kleckl gestellte Frage nach dem „Komfort“ der Tiere. Ich weise auf den bereits im ersten Beitrag erstellten Link, und vertrete auch die Auffassung, daß das Nutzvieh heute insgesamt nicht nur einfach besser, sondern sogar deutlich besser gestellt ist, als vor 100 Jahren und auch vor 50 Jahren. Die Zahlen für die Futterbereitstellung 2007 sprechen da durchaus für sich.
Noch einige Anmerkungen: Der Milchpreis liegt wieder deutlich über dem Tief von 2009, nämlich bei 33-34 Euro-Cent pro kg. Beim immer noch verbreiteten Hunger in der Welt sollte man nicht immer mit schlechtem Gewissen auf den eigenen Bauch schauen, sondern die Welt als eine kapitalistisch geformte, also als Welt des Austausches betrachten. Seit dem Ende der 1960er Jahre war es vor allem der international sich ausweitende Handel, der den Hunger, siehe China und auch Indien als Gegenbeispiele, durch Modernisierung der Landwirtschaft, zurückgedrängt hat. Über solch Modernisierung haben ja auch Japan und Südkorea ihren Weg in diese Welt gefunden.

J. Volz
14.04.2011  13:49

@ J. Volz: Vielen Dank für diese Zahlen, sehr interessant.
M.E. besteht bei ausgewachsenen Menschen keine Notwendigkeit 7 Tage in der Woche Fleisch zu Essen (und es immer und dauernd zu Spottpreisen zur Verfügung zu haben..). Ich esse unheimlich gerne Fleisch, “gönne” es mir aber nur alle paar Wochen. Ähnlich wie bei der derzeitigen Energiedebatte denke ich, dass -unabhängig von der Frage, WIE erzeugt werden sollte- der Verbraucher es in der Hand hat, weniger zu essen. So wie Privathaushalte bis zu 30 % ihres Stromverbrauchs einsparen könnten, sehe ich gerade in der westlichen Welt den steigenden Fleischkonsum (und Lebensmittelkonsum insgesamt) eher kritisch.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der immer mehr Personen übergewichtig sind (laut einer EU-weiten Studie aus dem Jahre 2008 steigt die Zahl der Jugendlichen die übergewichtig oder fettleibig sind jedes Jahr um 400.000) ,
gleichzeitig sprechen wir aber von Produktionsproblemen? Irgendwie bizarr.

Handel ist sicherlich eine Entwicklungsmöglichkeit für viele Länder, doch auch da sind leider nicht alle Länder gleich. Die Common Agricultural Policy (CAP) der EU macht immer noch circa die Hälfte des Haushalts aus mit 48 %. Laut der Ökonomin Moyo erhält jede europäische Kuh am Tag 2,50€ an Subventionen.!
Trotz großer Anküdnigungen und medienwirksam abgeschlosseen Handelsabkommen werden viele Produkte aus afrikanischen Ländern beispielsweise im KLeingedruckten wieder ausgenommen, so dass hohe Einfuhrsteuern gezahlt werden müssen.
Südkorea hat übrigens das Äquivalent der Summe aller Zahlungen die zwischen 1957 und 1990 an 53 afrikanische Länder geflossen sind in Form von Entwiklungshilfe in diesem Zeitraum erhalten.

Miriam M.
14.04.2011  23:34

@ Miriam   Die 30% Strom, die deutsche Haushalte einsparen könnten, sind weltweit gesehen marginal. Man kann es aber trotzdem tun - schadet ja nicht.
Wer ist schon für Billigfleisch, außer denen, die sich sonst keins leisten könnten.
Novoleser sind mit hoher Wahrscheinlichkeit relativ bewußte Fleischkonsumten, eher keine Billigfleischesser schon aus geschmacklichen Gründen.
Allerdings sollte man das Fleischessen auch nicht zur moralischen Frage erklären.
Oder anders: Probleme lassen sich nicht mit Moral lösen, sondern durch Nachdenken.
Das Denken kommt aber oft zu kurz, weil nicht die Lösungen eines Problems zählen, sondern unhinterfragt (moralische) Werte bedient werden müssen. Nicht so zukunftsweisend.
Und auch dem, was die jeweilige Moral letztlich erreichen will, nicht wirklich zuträglich - sprich: Parardoxerweise kontraproduktiv.

Klaus Weibler
15.04.2011  01:40

Mein Problem sind auch nicht die bewussten Novoleser, sondern der Rest der Weltbevölkerung, die es ja angeblich so dringend zu ernähren gilt - was ja angeblich allein durch Massenproduktion möglich sein soll.
Zum Strom: weitere 30-40% können durch Unternehmen eingespart werden, laut derselben Studie. Was in Ländern wie den USA an Einsparungen möglich sein könnte, wenn die Masse sich die Mühe machen würde, eben genau wie Sie sagen mal nachzudenken, möchte ich gar nicht mutmaßen- ich erlebe es zZ wieder Live. Ein ähnliches Problem stellt sich hier in Amerika mit dem Fleischkonsum. Solange Billigfleisch (auch für die überdurchschnittlichen Verdiener) vorhanden ist, wird es in Massen konsumiert.
Zu glauben, dass es lediglich die unteren Einkommensschichten sind, die sich von Billigfleisch ernähren, ist -mit Verlaub- weltfremd. Ich kenne leider genügend Leute - vom Arzt bis zum CEO- die sich keinerlei Gedanken darüber machen wo ihr Essen herkommt, auch wenn sie nach eigenen Angaben gern und gut essen & kochen-  DAS finde ich zB Paradox.
Ein Umdenken ist nur durch Nachdenken möglich, klar. Und durch Dialog.. ob aus Moralischen oder sonstigen Motiven veranlasst.  In der Regel ist für die Meisten ein wenig Anregung oder ein Anstoß für ein solches Nachdenken nötig.

Miriam M.
15.04.2011  04:46

Leider ist mir beim letzten Kommentar ein schwerer Fehler unterlaufen: 2007 wurden in Deutschland insgesamt 40,6 Mill. t Getreide produziert, davon 23,5 Mill. Brotgetreide, 12 Mill. Futtergetreide und 4 Mill. t Körnermais (nicht 44 Mill. t, ?). Die Pro-Kopf-Produktion verringert sich dadurch auf 492 kg. 2005 waren es insgesamt 46 Mill. Getreide, macht 557 kg pro Kopf. Dazu kommen jährlich über 3 Mill. t importiertes Soja, auf Getreideeinheiten (GE) umgerechnet sind das rund 10 Mill. t GE und pro Kopf zusätzlich 121 kg, also zusammen 613 bzw. 678 kg pro Kopf. Die Pro-Kopf-Zahlen für 1939 lagen auch niedriger, bei 516 kg. Die Abnahme gegenüber 1900/05 erklärt sich vor allem aus den Autarkie-Bestrebungen des III. Reiches in Vorbereitung des II. Weltkrieges. Die revidierte (und diesmal nachgeprüfte) Reihe lautet jetzt also: 1878/80 = 440 kg; 1900/05 = 592 kg; 1939 = 516 kg und 2007, mit Soja = 613 kg.
In den USA wurden 2004 389 Mill. Getreide und 20,7 Mill. t Kartoffeln produziert, das sind pro Kopf 1327 kg GE. Dazu kommt noch eine Ernte von 85 Mill. t Soja, macht noch mal 745 kg GE pro Kopf!

Das wir von Produktion sprechen ist gar nicht so bizarr, wie es scheint. Produktion ist Arbeit, um den Lebenserhalt zu sichern. Aber alles was über den unmittelbaren Lebenserhalt hinausgeht, ist Produktion von Reichtum, von Gebrauchswerten, d.h. von Dingen, die das Leben erleichtern. Noch um 1800 benötigte der Bauer nur die Hilfe des Schmieds und des Stellmachers, um den Pflug zu fertigen und mit diesem den Boden zu bearbeiten. Dem entsprechend war die Mehrzahl der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Heute wird der größte Teil dessen, was der Bauer/ Landwirt/ Farmer benötigt, von anderen hergestellt: Maschinen, Saatgut, Dünger, Futtermittel usw. Der heutige Farmer verwendet in kaum zu überschätzendem Ausmaß die Arbeit anderer, deshalb arbeitet auch nur noch weniger als 1 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft.
Diese Produktion von Reichtum, von Überfluß an vielleicht auch unnützen Dingen, ist aber die Grundlage dafür, daß die Mehrheit heute ein Maß an Freizeit - an Zeit, die nicht für Arbeit, die unmittelbare Notdurft, draufgeht – genießt, das z.B. im alten Rom nur der Senatsadel hatte. Und ganz folgerichtig bestimmte dieser dann auch, wie Politik gemacht wurde. Die Freiheit, die wir heute haben, gründet auf dem materiellen Reichtum der industriellen Produktion.
Zu dieser Freiheit, Freizügigkeit gehört ebenso, das wir uns auch durchaus weit stärker über Fragen der Moral streiten, als es die römischen Senatoren taten. Moral ist dabei ein überindividueller Leitfaden, die Orientirrung an mehr als nur dem geschriebenen Gesetz, manche sagen Gott, also letztlich etwas Transzendentem, Vergeistigtem, das über den einzelnen Menschen steht oder stehen sollte. Wichtig bleibt dabei, das nicht irgendeine Ideologie, eine in Regeln verfestigte Lebensweise, als solch transzendente Moral ausgegeben wird. So gesehen ist dann nicht das Streben nach Moral, sondern das Ideologisieren der Moral das Kontraproduktive.
Südkorea ist, ebenso wie Japan, Ende der 1940er Jahre von den Amerikanern eine Landreform verpaßt worden, die sich als Grundlage für die industrielle Entwicklung ab den 1960er Jahren erwiesen hat. Die alte Landoligarchie wurde entmachtet und in die Städte verwiesen, den Pächtern das Land als Eigentum gegeben. Die dafür zu zahlenden Ablösesummen wurden an den Staat, nicht an die alten Eigentümer entrichtet. Die Städte entwickelten sich zu Zentren der Produktion, wobei die alten Landeigentümer eine durchaus wichtige Rolle als Konsumenten und handwerkliche/ industrielle Produzenten spielten und der Staat das Geld der Bauern als Kapital, als Entwicklungshilfe einsetzen konnte. Die südkoreanische Entwicklung zur modernen Industriegesellschaft gründete vor allem auf dieser Landreform, weniger auf Entwicklungshilfe. Umgekehrt könnte man auch sagen, die grassierende Armut in Afrika resultiert auch aus nicht oder falsch gemachten Landreformen, die eben nicht nur aus der Verteilung von Land bestehen. Siehe hierzu http://www.inwent.org/E+Z/zeitschr/ez1102-5.htm .

J. Volz
15.04.2011  15:18

@Miriam. Denken ja, aber in welche Richtung? Wenn Sie sagen, umdenken, dann klingt es so, als hätten Sie genaue Vorstellungen davon, wie andere Leute handeln sollten - nach Ihrem Dafürhalten.
Sie gehen mit Fleischkonsum um, wie Sie das machen wollen.
Wer setzt denn die Maßstäbe, was ist überhaupt das Ziel, das es zu erreichen gilt?
Um beim Fleisch zu bleiben: Wenn es darum geht, einerseits Energie zu sparen und qualitativ gutes Fleische zu essen, dann bedeutet das nicht unbedingt zwingend Bio - weil Bio eben nicht nur Vorteile hat, sondern auch Nachteile: mehr Anbauflächen, weniger Ertrag, der Bedarf kann hierzulande teilweise nicht mehr gedeckt werden, höhere Preise - bei durchschnittlich nicht besserem Geschmack.
Das ist alles vielleicht für kleinere wohlhabende Industrienationen noch machbar/vetretbar, aber weltweit gesehen sprich nichts gegen eine durch staatliche Kontrolle begrenzente Einsatz von Düngemittel und Pestiziden in einer Landwirtschaft, die eben nicht mehr wie im Bilderbuch ist. Im Übrigen gab es auch schon früher Bauern mit großen Anbauflächen. Was ist da schlimm daran? Was ist für eine Kuh besser wenn Sie mit 30- 50 Kühen im Biobauernhof im Stall steht oder mit 200-500 woanders? Die Grenzen sind doch entscheidend - wir leben ja nicht mehr in den 50ern, wo man alles auf die Äcker geknallt hat, was ging.  Es gibt z.B. nicht genug Fläche, um nur freilaufende Hühner zu haben.
Gerade da, wo die Wahl ist zwischen Mangel an Nahrungsmitteln aufgrund herkömmlicher Anbaumethoden (auch der Bioanbau ist ‘moderner’ als die alte Landwirtschaft) und sinnvoll eingesetzter Düngung zur Ertragssteigerung, wie will man da Bio rechtfertigen? Statt dessen könnte es angemessenen Wissenstransfer geben.

Klaus Weibler
15.04.2011  15:26

@Klaus: ich will niemanden umerziehen- wie bereits in meinen früheren Posts erklärt, widern mich die hysterischen Verfechter des aktuellen Biowahns genauso an, wie diejenigen, die so tun, als gäbe es keine Nachteile der herkömmlichen Landwirtschaft. Ich denke, die Mischung machts- wichtig ist nur, dass man überhaupt darüber nachdenkt und nicht sinnlos alles konsumiert ohne sich Gedanken über die Erzeugung und Herkunft zu machen.

Mit Umdenken meine ich ein Umdenken zu weniger Verbrauch- daher meine beiden Beispiele mit der Energie und dem Fleischverbrauch.  Die nötigen Zahlen dazu wurden ja auch von J. Volz geliefert. 

Wie es einem Huhn geht, dass sich kaum bewegen kann, nie das Tageslicht sieht etc kann wohl keiner von uns abschließend beurteilen- ähnlich sieht es wohl mit der von Ihnen beschriebenen Kuh aus. (Wobei ein Indikator für die “Ungesundheit” dieser Art der Haltung wohl der erforderliche Einsatz von Medikamenten sein dürfte- und zwar immer dann, wenn zuviele Tiere auf kleinem Raum gehalten werden, man denke nur an die Aquakultur).
Ich stelle mir in diesem Zusammenhang immer nur vor, wie es mir gehen würde in einer solchen Situation.. Jetzt wird das Geschrei hier groß sein, dass ich mich von emotionalen Gedanken leiten lass- schließlich sind Tiere nur Lebensmittel. Da der Tierschutz inzwischen auch im Grundgesetz verankert ist, seh ich das ein wenig anders.
Wiegesagt: letztendlich muss jeder selber wissen, was er isst. Ich kann mich auch für relativ wenig Geld ziemlich gesund ernähren- es geht also nicht nur mit einem großen Geldbeutel. Man muss sich nur die Mühe machen, sich damit auseinander zu setzen, was man da eigentlich in sich hineinstopft.
Ich plädiere für weniger Fleischkonsum und eine bewusstere Ernährung- ja ich bin grds. für Bio, weil es m.E. artgerechter ist und besser schmeckt. Bio ist aber wiegesagt auch nicht gleich Bio.
Ich finde es nur nicht richtig,  mit dem Argument der hungernden Weltbevölkerung die Massenproduktion an Billiglebensmitteln zu rechtfertigen und das Gewinnstreben um jeden Preis zulasten der Tiere, der Artenvielfalt, der Böden und der Natur allgemein. 
Genauso wenig halte ich es für richtig, mit dem Argument, die Moral sei kontraproduktiv in vielen Diskussionen, sie völlig beiseite zu legen.

Sicherlich gab es auch früher schon Bauern mit größeren Anbauflächen- “früher” wurde aber auch in erster Linie Crop-Rotation betrieben, um die Böden auf natürlich Art und Weise zu erhalten. Heute herrscht weitestgehend Monokultur- das erfordert eben auch den Einsatz von mehr Düngern und Pestiziden, klar.
Wieso hat sich seit den 50ern Ihrer Meinung nach etwas verändert? Wohl nicht zuletzt auch durch den Einfluss der “Grünen” - und damit möchte ich keineswegs die Politik der heutigen Grünen Partei unterstützen (auch stimme ich nicht für sie, um hier noch mal ein Cliché auszuräumen). ;) Ist das vielleicht auch eine Art “Rechtfertigung”?

@J. Volz : “So gesehen ist dann nicht das Streben nach Moral, sondern das Ideologisieren der Moral das Kontraproduktive.” Sehr schön gesagt. Da sind wir uns einig.
Die Armut in Afrika resultiert aus einer Vielfalt an Faktoren, in diesem Zusammenhang möchte ich nochmal auf meinen Buchtipp “Dead Aid” verweisen^^.

Miriam M.
15.04.2011  16:20

PS: Und wenn ich nur noch einmal in der Woche Fleisch esse, wie “früher” weil es so teuer geworden ist- wäre das so schlimm? Dann weiß ich es wenigstens zu schätzen.

Miriam M.
15.04.2011  16:28

Die Dok-Filme “We feed the world” und “Unser tägliches Brot” sollen ein wenig zum Nachdenken anregen, mögen sie auch passagenweise überzeichnet wirken, aber es wird trotzdem Realität abgebildet.
Und einmal ehrlich, warum müssen Faschingskrapfen das ganze Jahr über zu kaufen sein, wo bleibt die Freude auf etwas?
Kühl/Gefrierschrank der Konsumenten sind längst zum Gratislager der Nahrungsmittelindustrei verkommen, welche mit immer mehr “Zahl 1 nimm 2” Aktionen ihre Ausstoßmengen laufend zu erhöhen trachtet. Und aus der Verkaufspsychologie ist längst bekannt, dass leicht Verfügbares auch konsumiert wird, egal ob die Riesencola oder das Stück Fleisch - die Umsatzzuwächse der Nahrungsmittel lassen sich sowohl am Gürtel der Hose, als auch in den div. Studios zum Abnehmen und dem Markt für Schlankheitspillen usw. ablesen.
Die Nahrungsmittelindustrie ist in ihren Grundstrukturen ebenso unflexibel und unfähig sich auf geänderte Produktionsbedingungen in Richtung besserer Qualität zu geringfügig höheren Preisen einzustellen, wie sich auch sozialistische Produktions betriebe nicht anpassen konnten.
Besteht doch der Produktpreis heute bis zu >50% aus Kosten für Werbung und Marketing.
Und schaffen es die Nahrungsmittekonzerne einmal mit Kreativität neue Marktsegmente zu erschließen = Bio, dann liegt der nächste Lebensmittelskandal schon in der Luft.
Zumal in derart kurzer Zeit solche Mengen “Bio” im Handel auftauchten, dass das Wunder zur Hochzeit von Kanaan plausibler erklärbar ist.
Von den EU-Fördergeldern welche den Produzenten zukommen, kann einem davon alleine schon der Appetit vergehen.
Um den Preis einer 1/2 Tankfüllung pro Monat kann man deutlich bessere Qualität aus Betrieben kaufen, welche einem auch einen Blick in die Produktionsabläufe inkl. guter Erklärung dazu liefern.
Guten Appetit noch.

e.moser
15.04.2011  21:29

@E. Moser.: Bravo! Dem habe ich nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht, dass sich die EU und US-Fördergelder in appetitverderbender Höhe leider nicht auf den Biobereich beschränken.

Miriam M.
15.04.2011  23:50

“Um den Preis einer 1/2 Tankfüllung pro Monat kann man deutlich b e s s e r e   Q u a l i t ä t   aus Betrieben kaufen, welche einem auch einen Blick in die Produktionsabläufe inkl. guter Erklärung dazu liefern.”

Sehr geehrter Herr Moser,
Alles Theorie!
Das interessiert nämlich nahezu niemanden - nicht einmal die, welche ständig theoretisch davon reden!! Nicht einmal wissenschaftlich/praktische und nachweislich b e s s e r e   und nachvollziehbare Qualität!!

In meiner homepage unter “Fachbeiträge in Zeitschriften” oder neutral (keine “Selbstdartsellung”, sondern Darstellung einer weltweit recht angesehenen Tageszeitung) unter
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E2E71ECB8C9394984B3FA02B96254A767~ATpl~Ecommon~Scontent.html
können Sie sich davon informieren, was auf Grund meiner Ideen für theoretisierende “Alleswisser” aufgebaut wurde und bisher für Schweine immer noch einmalig in der Welt ist.
Aber auch das werdet Ihr alle ja besser wissen und erneut anzweifeln als “Selbstdarstellung”. Frau M. :
“Wer koa, der koa”! So sagte einst ein Bayer zu seinem Kronprinz und so antworte ich Ihnen zu dieser “Klassifizierung” - smile.

Fazit für dieses Angebot, was bereits die Luxemburger mit einem total anderen Verfahren und einer ähnlichen Kampagne vorher für die Rindviehhaltung aufgebaut und praktisch in Supermärkten getestet haben:
Keinen Menschen interessierte es aber dannpraktisch, was theoretisch schwätzend gefordert wurde und in vorauseilendem Gehorsam (ansatzweise gefordert von der Dame Künast - Sozialarbeiterin und Juristin) in mehrjähriger Aufbauarbeit praxisreif realisiert wurde. Und bezahlen wollte es niemand. Weder der Verbraucher noch der Lebensmittehandel noch der Fleischhandel noch der Fleischverarbeiter naoch der Fleischeinkäufer noch der Viehhändler noch die Zuchtorganisation noch irgendeine Verwaltung und deren Ministerin.
Zahlen sollten es die Bauern!!
Nicht eine (-r) der laut schreinenden Personen in der eventuell unvollständig aufgeführten Kette vom Produzenten zum Verbraucher hat in der Zeit, ehe ich aus diesem Projekt wegen Sinnlosigkeit wieder ausgestiegen bin, jemals eine DNS /DNA Probe ziehen bzw. dann auch analysieren lassen! Und erhätte doch einen schönen Nachweis über sein Fleisch haben können mit einem wundervollen genealogischen Nachweis und Stammbaum des Schnitzels auf dem Teller!
Alle Betrieb hätte er sich anschauen können, alle Transportwege verfolgen können, alle Futtermittel überprüfen können (da wurden nämlich Rückstellungsproben aufgehoben) und ein wundervolles QM ( nicht QS!!!) System mit exakten Aufzeichnungen studieren können.
Das hätte ihn aber pro Schnitzel sicher so viel Zeit gekostet, dass er bis zur Aufnahme der nächsten entsprechenden Nahrung wohl auch den Hungertod gestorben wäre und vorher viele km zurückgelegt hätte, um alle diese netten Unterlagen in der zuvor genannten Kettengliedern der Erzeugung zu überprüfen.

Und das, obwohl renommierte Fleischfachgeschäfte im Großraum Stuttgart dieses Verfahren angeboten haben!
Und das im Kernland der Leute, die dafür sind, dass sie dagegen sind. Die nun erstmals zeigen müssen, wie sie mit diesem Credo ein Bundesland grün-rot auch nur auf dem wirtschaftlichen Stand halten können, den es (noch) hat. Aber auch in B-W gibt es den natürlichen Selektionsprozeß in der Landwirtschaft hin zu dem,was ich zu überdenken gab und was mir die Empfehlung von ihnen einbrachte, Herr Freud lasse grüßen! Kann man auch in den Agrarstatistiken nach"googeln” bei Destatis, wie viele da in wie schneller Zeit aufhören! Nur in der Schweinehaltung in Westdeutschland seit ca. 175 mehr als eine Million.

Man kann es auch volkstümlich in einem Satz sagen:
“Stell dir vor, es ist Krieg -  und keiner geht hin!”

D a r ü b e r   können Juristen vielleicht Kommentare abgeben - aber von Nahrungsmittelproduktion und deren Verteilung im Land oder der Welt sollten sie diskussionsmäßig genau so vorsichtig vorgehen, wie ich das in ihrem Fachgebiet tue.
Schon mal was von “just in Time” Lieferungen in einem Zeitfenster von 15 min gehört, von Sonntagsfahrverboten und dem Wunsch, montags morgens frische Ware um 8 h im Laden zu haben. Dann Schlachtet mal die Suppenhühner und liefert sie in die Kerngebiete der Ballungszentren, möglichst noch bei Feinstaub-Fahrverbot! Und legt mal die geforderten Beträge bei den Diskountern auf den Tisch, ehe ihr überhaupt liefern dürft. Und in Welchen Mengen ihr dann Eure Bioware leifern dürft und welcher glechmäßigen Qualität.
Schon mal gesessen und mit denen verhandelt, was sie wollen und in welchen Mengen?
Um auf die Juristerei und das Miterden zurück zu kommen:
Wenngleich ich Spezialisten in der Familie habe, bei denen ich mich diesbezüglich kostenfrei erkundigen kann, ohne Google benutzen zu müssen.
Google-Stalker hat man mich auch schon beschimpft - Frau Miriam M. billigt mir ja immerhin die Benutzung dieses Instrumetariums ebenfalls zu.
Die zweifle ich aber nicht an, und gebe nicht nach nach, weil ich mich klüger denke und empfehle iihnen auch kein Studium von Freud und Behandlung durch dessen “Jünger”.

Die Diskussion geht übrigens schon lange nicht mehr um das eigentliche Thema.
Und dazu kann offensichtlich kaum jemand beitragen, weil der reale Bezug dazu offensichtlich fehlt. Den kann man sich nämlich nicht zusammen"googeln”!

Schöne vorösterliche Tage bei nach wie vor 7 Mrd. Erdbewohnern mit ca.1.7 Milliarden ha landw. Nutzfläche!
Ist nicht viel, womit man horinzontaquadratl satt werden kann!
Dass Nahrung von allen in der Welt , die sie zu sich nehmen möchten, bezahlt werden muss, scheint nicht leicht verständlich zu sein.
Und dass sie nicht da produziert werden kann, wo der verklärte Ideologe sie rund um seinen minimalen Horizont gesitg wachsen sieht, ebenfalls?
Schon mal etwas von Ballungsgebieten, Megastädten etc. gehört?
So könnte man stundenlang weiter Fragen stellen, welche aalle unsere Diskussionen ad absurdum führen würden und nach globaleren Betrachtungsweisen schreiben würden.
““Sunt pueri pueri, pueri pueriliter tractant”, sagte unser Lateinlehrer in der guten alten Zeit zu uns! Wieder ein Diskussionspunkt für die belesene Juristin!

F. Berkner
der nun lieber bis Ostern ganz biologisch mit dem Fahrad durchs Land fährt und sich die nächste Diskussionsrunde dann als Osterschmankerl reinzieht.

F. Berkner
16.04.2011  02:17

Oh ja, schiebt das Gift vom Teller, das uns die pöse Lebensmittelindustrie zwangsweise darauf legt. Was wir brauchen ist eine staatlich kontrollierte Gemeinschaftsverpflegung nach medizinischen, sozialen und ökologischen Kriterien. Ich werde mich gleich hinsetzen und ein Gesetz zur Volksspeisung entwerfen. Es lebe der Gleichschritt auf dem Teller. Ironie off

Ich will einfach nicht begreifen, daß hochwertige Lebensmittel nur wegen ihrer industriellen Produktionsform nahezu kriminalisiert werden. Aber auch die Konsumenten dieser Lebensmittel bekommen ja regelmäßig ihr Fett ab und wälzen sich nun vor lauter eingeredeten, schlechten Gewissens auf ihren Lagern hin und her.

Der Mensch ist schlecht, die Welt ist schlecht und nur die Demeter-Fraktion weiß den Ausweg, oder?

Beste Grüße B.

Bibliothekar
16.04.2011  06:52

Die Armut in Afrika, und nicht nur dort, kommt zuerst einmal von der Unter- oder Nicht-Entwicklung. Die Frage ist dann, warum kommt dort keine Entwicklung – und diese führt, auch wenn es den meisten nicht zu gefallen scheint, zum Kapitalismus – in Gang. Bei Nordkorea und einigen moslemischen Ländern ist die Beantwortung dieser Frage relativ leicht: Sie lehnen den Kapitalismus mit seinem Reichtum, seinem Überfluß, und der genau daraus resultierenden Freiheit ab. Der Kapitalismus zerstöre die Grundlagen ihrer Tradition, ihre Lebensweise, ihren Glauben, und letztlich ihre Ideologie. Ja, das ist so, das ist sogar schon Karl Marx aufgefallen und er hat das Beseitigen dieser „Bluturenge“ ausdrücklich begrüßt. Wie die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, auch die Aufstände anderswo in der arabischen Welt, zeigen, wollen die Menschen dort diese Enge, Begrenztheit der gesellschaftlichen Verhältnisse abstreifen und streben durchaus moderne, kapitalistische, westliche (wie immer man diese nennen will) Verhältnisse an. Diese Verhältnisse sind nun aber entweder ganz oder gar nicht zu haben, wie ja auch das Beispiel des Real-Sozialismus deutlich gemacht haben sollte. Den Menschen, die die Revolutionen „machen“ scheint das, zumindest zum großen Teil klar zu sein. Warum ist dies so vielen in den entwickelten Ländern nicht klar?
Woher die Aufregung über Faschingskrapfen u.ä.? Ich lache auch jedesmal, wenn knapp nach Weihnachten schon die ersten Osterhasen im Regal stehen. Na und, dann kaufe ich meine Portion Schokolade eben in der Form eines Hasen und nicht mehr in der eines rotgekleideten Mannes; natürlich erst, wenn diese nicht mehr preisreduziert sind. Die Lebensmittelindustrie ist genauso flexibel, wie sie sein muß. Sie muß - um den Preis des eigenen Untergangs - mit so wenig Aufwand wie möglich, so viel wie möglich als Ertrag, Gewinn, Profit (diese böse Wort) herausholen. Und das auch noch bei sinkenden oder zumindest stabilen Preisen. So funktioniert der Kapitalismus und schafft es dabei noch, immer mehr Menschen für sich einzunehmen.
Natürlich gibt es an den real existierenden Verhältnissen viel zu kritisieren, z.B. die Subventionen in der Landwirtschaft. Aber die meistem von diesen betreffen die sog. Bio-Landwirtschaft, z.B. die Haltung von Freiland-Rindern oder schützenswerten Rinder- und Schweinerassen. Die Subventionen sollten vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt der Öffnung gegenüber den Märkten der Dritten Welt auf den Prüfstand. Handel schafft zwar nicht automatisch reiche Volkswirtschaften in Afrika, aber er bindet die Menschen dort an die eine Welt, eröffnet ihnen, wenn auch eher mittel- als kurzfristig neue Perspektiven.
Die Preismacher in der Lebensmittelbranche sind nicht mehr die Farmer, auch nicht die verarbeitenden Betriebe (das sind übrigens meist mittelständische Betriebe), diese richten ihre Produktionskosten nach den Preisen der Supermarktketten. Preise werden nun mal, ökonomisch betrachtet, von oben gemacht, denn sonst hätten wir eine Diktatur der Produzenten. Ist das schlimm, schlecht, was auch immer, meiner Meinung nach nicht.
Das ursprüngliche Thema war doch eigentlich, ob es dem Vieh, den Nutztieren in der modernen Landwirtschaft besser oder schlechter geht, als vor 100 oder 50 Jahren. An der Antwort hat sich nichts geändert, es geht ihnen, wie den meisten Menschen, besser!
Zum Schluß noch ein paar Zahlen: Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Getreide liegt in Deutschland bei 88,6 kg – also sehr deutlich unter der 200 kg-Marke. Der Fleischverbrauch stagniert im Westen schon seit den 1980er Jahren zwischen 85 und 88 kg pro Kopf, in den neuen Bundesländern glich er sich nach 1990 schnell diesem Niveau an.

J. Volz
16.04.2011  16:27

Wenn man wirklich über jemanden meckern will, bietet sich die weiterverarbeitenden Indstrie an - und zwar hinsichtlich der (Halb)fertigprodukte. Würde man die solide industriell erzeugten Lebensmittel, schonend und frisch zu Hause selber zu bereiten, wäre die Welt einigermaßen in Ordnung.
Aber es geht bei der Weiterverarbeitung est richtig los: Nicht bei den TK-Erbsen und dem Rotkohl aus dem Glas, sondern bei der TK-Pizza (mindestens 3 m im Kühlregal) und sonstigen diversen Produkten, die eigentlich nicht so schwer zuzubereiten sind, aber mittels allerlei Zusätzen erst mal in den Stand gebracht werden müssen, zu schmecken, ihre Form und Kosistenz zu behalten bzw. überhuapt durch die Verarbeitungsmaschinen zu rutschen. Zuviel Fett, zuviel Salz usw. Muss man auch nicht essen, wenn man nicht will, aber manchmal soll es halt schnell gehen: Aber wenn etwas Ernährungsprobleme verursacht, wäre da ein Ansatzpunkt - und da interessiert offensichtlich noch viel weniger, was da drin sind.
Und richtig teuer wird es erst da - denn die beim Erzeuger doch sehr günstig in großen Mengen eingekauften Grundlebensmittel werden teuer ‘veredelt’ - weil das exorbitant mehr bringt - ein Kilo Kartoffel kostet weiterverarbeitet schon mal bis zu bis zu 5- 6 €, für eine Dienstleistung.

Klaus Weibler
16.04.2011  22:15

Sehr geehrter Herr Berkner,

ganz klar, Sie wissen natürlich als Einziger hier alles besser.
Selbstverständlich sind Sie auch der einzige der hier Landwirtschaft studiert haben kann- mehrere Studiengänge zu belegen oder nacheinander studiert zu haben, trauen Sie wohl keinem zu. Woher wissen Sie, dass ich nicht auch Landwirtschaft studiert habe, vor meinem Jurastudium? Weil ich keinen Link zu meiner Website angegeben habe, als Beweis, so wie Sie? ;)
Gar nix wissen Sie. Allein Sie kann man lesen wie ein Buch, Dank des Links zu Ihrer Website und Ihres Tons.
Und wenn Sie so überzeugt von Ihrer Art der Landwirtschaft sind, weshalb dann so empfindlich und defensiv reagieren auf ein wenig Kritik an einigen Punkten? Bzw. an 2 Punkten des Autors dieses Artikels???
Das spricht Bände.
Und seit wann ist es nur selbstproklamierten Landwirten mit Website erlaubt ihre “fachmännische” Meinung in einem Forum kundzutun?
Ihr altersbedingte Weisheit zeigt sich vor allem darin, dass Sie es in beiden letzten Posts nicht lassen konnten, unnötige Seitenhiebe zu erteilen, obwohl diese Stichelein wirklich weder zielführend noch begründed sind. Ich habe Sie nicht einmal angsprochen, noch Ihre Meinung kritisiert in meinen letzten Posts, aber Sie können es ja nicht lassen…
Sie stecken Ihre Mitleser hier in eine Schublade, werfen es anderen aber dann vor?
Also noch ein letztes Mal an Sie- ich verneige mich vor Ihrer Weisheit, Ihrem Wissen und Ihren einzigartigen Werken, und entschuldige mich, dass meine unfundierten Aussagen Sie so getroffen haben.
Wie Herr Moser wünsche ich Ihnen ebenfalls noch Guten Appetit. (Auf weitere Kommentare wird diesseits nun wirlich nicht mehr eingegangen- die Frage der/des Klügeren im Sinne des Nachgebenden haben Sie wirklich herrlich anschaulich beantwortet in den letzten beiden Posts.)
*chapeau*

Miriam M.
16.04.2011  22:25

Worum geht es eigentlich bei der Frage nach gutem/schlechten Fleisch.
Was ist falsch daran, wenn Produktionsmethoden dahingehend verändert werden um den Tieren ein wenig von dem zu geben, was für uns Menschen selbstverständlich sein soll.
Selbst ein wegen schwerster Verbrechen verurteilter Mensch hat eine Bewegungsfreiheit, welche Tieren in Massenhaltungen nicht zugestanden wird. Jetzt bin ich aber schon wieder weg, mit den in den Augen mancher Menschen unzulässiger Vergleiche von Mensch und Tier.
Ein Beispiel wie solche Haltungsmethoden zustande kommen, möchte ich für die Legebatterien von Hühnern und deren Verankerung im Gesetz versuchen darzustellen:
Nutzfläche pro Huhn = 30x20 cm = 1 A4 Blatt.
Ein Interessensvertreter der besagten Branche kommt mit der folgenden (und sogar richtigen) Erkenntnis über das Verhalten der Hühner zur entsprechenden Behördenstelle.
Hühner drängen sich auch in der Auslaufhaltung immer in dichten Gruppen zusammen, daher ist eine Fläche von 30x20 cm pro Tier ausreichend. Die weiteren Auswüchse dieser Haltungsart sind mit Sicherheit allgemein bekannt.
Ein ensprechendes Gesetz zur Änderung dieser Haltungsart wurde in Österreich dank Tierschützern und Grünen beschlossen, allerdings mit Übergangsfristen in der Umstellungsphase, welche etwa dem normalen betriebswirtschaftlich bedingten Erneuerungszyklus solcher Anlagen entspricht. Ein bemerkenswerter Kniefall der Politik vor der “armen” Bauernschaft.
Solcherart lässt sich die ganze Kette in der Nahrungsmittelerzeugung legen.

Aber jetzt wird das Ganze erst so richtig spannend, weil es in Österreich seit kurzem einen sog. Mafiaparagraphen §238 STGB, zur Bekämpfung organisierter Kriminalität gibt.
Dass gerade darunter eine Gruppe von Tierschützern zu verstehen sein soll, welche zuerst um 4 Uhr in der Früh mit Hausdurchsuchungen, anschließender U-Haft und mehr als 60 Prozesstagen bedacht wurde mag erstaunen.
Eine Gruppe von Landwirten, Jägern, Pelzmodeunternehmen und Nahrungsmittelhersteller hat sich als Front derart positioniert, als hätte man den Paragraphen exakt für sie gemacht.
Pikanterweise konnte bisher trotz in die Tierschützergruppe eingeschleuster verdeckten Ermittlerin, kein strafbarer Tatbestand nachgewiesen werden.
D.h. der Staatsanwalt steht bisher mit leeren Händen da, hat aber dafür einige private Existenzen an den Rand des Ruins oder sogar dahin gebracht.
Sich mit derartigen Interessensgruppen anzulegen ist sicher kein Honiglecken.

Aber zurück zum Fleisch: Ein gutes Beispiel sind Italien, Südfrankreich, in diesen Ländern hat sich eine Ernährungskultur gebildet, welche dem Gemüse und Salat einen weit höheren Stellenwert gibt, ohne dass deswegen auf Fleisch und seine Verarbeitungsprodukte verzichtet werden muss.
Das aber in unvergleichlich höherer Qualität und auf den ital. Wochenmärkten sogar preiswerter als im Supermarkt.
(Als Nebensatz) Wenn man sieht was und wie Italiener essen, dann wird einem auch klar warum sie besser gekleidet daherkommen als Deutsche und Österreicher.
Und anstatt einem 20 dag Stück Schopfbraten (Nackenstück für Deutsche) aus dem Supermarkt kann man halt auch ein Pro Kilogramm um etwa 15 - 20% teureres 15 dag Stück eines freilaufenden Wollschweines kaufen.
Bringt rechnerisch sogar auch noch einen Gewinn!
Dieses Stück Fleisch ist schön marmoriert und im Gegensatz zu dem magersüchtigen 6 Monatsschwein kann das Fleisch gut ein Jahr wachsen, es wird dadurch reif und in der Pfanne verhält es sich unvergleichlich besser.
Zugegeben, als “priviligierter” Landbewohner habe ich da bessere Zugriffsmöglichkeiten als der urbane Konsument, welcher aber wenn man Statistiken glauben darf, über ein höheres Einkommen verfügt.
Schleierhaft bleibt mir allerdings warum dieses Stück Fleisch dann in der Stadt um mehr als 100% teurer ist. Hier ist der Presiunterschied nicht mehr argumentierbar, weil Zerlegung, Transport und die ganze Logistikkette keinen Mehraufwand verursachen, hier wird nicht mehr Profit gemacht, hier wird abgezockt.
Dass eine deartige Haltungsweise keine großen Nachfragen abdecken kann, liegt auf der Hand, aber darüber nachzudenken und seine Essgewohnheit neu zu justieren kann niemals ein Fehler sein.

e.moser
18.04.2011  13:52

@E.Moser: Ich kann Ihnen mal wieder nur zustimmen.
Allerdings:
“Ein Interessensvertreter der besagten Branche kommt mit der folgenden (und sogar richtigen) Erkenntnis über das Verhalten der Hühner zur entsprechenden Behördenstelle.
Hühner drängen sich auch in der Auslaufhaltung immer in dichten Gruppen zusammen, daher ist eine Fläche von 30x20 cm pro Tier ausreichend.”

Das mag zT zutreffend sein, aber sie tun dies nicht “immer”. Dicht zusammen sitzen sie in erster Linie abends, gern auf Stangen- dann brauchen sie das Gefühl der Sicherheit zum einschlafen.
In erster Linie verbringen sie einen Großteil ihres Tages damit draußen herum zu laufen, zu picken und mit den Füßen zu scharren.., wobei dies nicht in erster Linie der Nahrungsaufnahme dienen muss. 
Diese natürliche Verhaltensweise ist Hennen in Batterien und dem Großteil aller anderen Geflügelsorten nicht möglich.

Miriam M.
18.04.2011  15:44

Damit nicht Verwirrung ensteht, weil die Aussage mglw. etwas ungenau ankam.
Der Interessensvertreter hat aus diesem Verhalten den Platzbedarf abgeleitet, festgelegt und in der Folge gesetzlich verankern lassen. Ich habe nicht behauptet, dass das Platzangebot tatsächlich genügen würdeI
Das Dilemma in der Tierhaltung ist, dass sich kein brauchbarer Status für Tiere finden ließ, der sie über den lt. Gesetz geltenden Status “Sache” hebt, ohne ihnen gleich menschenähnliche Rechte zu geben.

Übrigens:
Ich konnte eine relativ freie Kindheit mit sog. glücklichen Hühnern verbringen und habe noch gut in Erinnerung, wie sich Hühnerkot zwischen den Zehen eines Barfußlaufenden Knirpses anfühlt, weil wir gemeinsame “Spielflächen”  ohne Konkurenzneid benützten.  :-))

Ich habe mit Hühnern gespielt, sie gehütet als sie noch klein und flauschig waren und sie trotzdem auch gegessen. Ist das nicht barbarisch ? :-))

e.moser
18.04.2011  17:14

@e.moser:
Danke für diese Klarstellung.  :-)
Tiere gelten nach §90a BGB -was das Zivilrecht angeht- als einer Sache gleichgestellt, zB was die Übereignung und Eigentumsregelungen angeht, sind jedoch nur einer Sache gleich zu behandeln- und somit ausdrücklich keine Sachen. Wie das in Österreich aussieht, weiß ich leider nicht. Im Grundgesetz ist der Tierschutz durch Art. 20a GG seit 2002 immerhin als Staatsziel verfassungsrechtlich verankert. Auch im öffentlichen Recht gibt es zahlreiche Gesetze.
Ich hatte auch das Glück, als Kind mit und zwischen Hühnern, Hähnchen und anderen Tieren zu spielen- wenn auch witterungsbedingt in Irland eher mit Gummistiefeln. Und am Ende wurden die Hähnchen dann gemeinsam mit der Familie geschlachtet und gerupft, bei 40-50 Tieren mussten eben alle mitanpacken ;)
Ähnlich wie Micha (siehe weiter Oben) werde ich den Moment nie vergessen, als wir das erste Mal ein Grillhähnchen vom örtlichen Supermarkt auf den Teller bekamen. Es schmeckte nach nix.

Miriam M.
18.04.2011  23:54

Nochmals zum Verfügungstellen von Informationen:
Wer kann, der kann!
Und wer Wissen und Argumente statt Schlagworte bringt, wird auch in diesem Forum gegen entprechende Passagen argumentieren dürfen.
Ich habe nie in Abrede gestellt, dass hier aufgeführte Argumente gegen praktiken der industriellen Geflügelhaltung durchaus ihre Berechtigung haben und mehr als zum Nachdenken anregen müssen und sollten.
Wofür ich argumentiere und Denkanstösse gebe, wurde auch angeführt.
Bisher wurde davon nichts wiederlegt - oder habe ich da etwas verpasstß
Dennoch regt sich frau auf, dass ich Stich gegen Stich setze. Und schreibt dreist, “ich wisse garnichts”! Merkt sie aber wohl nicht?
Smile!
Mehr als entschuldigen kann ich mich nicht dafür , “dass ich Ihnen etwas unterstelle - hatte ich Ihnen das Du angboten? daran kann mich ebenfalls nicht erinnern-  , dass in meinen Posts schlicht und ergreifend nicht drinsteht! Tut mir leid.”

Nun Fakten zum Tierschutz, die wohl oft übersehen werden:
Das Tierschutzgesetz (TierSchG) mit Ausfertigungsdatum: 24.07.1972 , zuletzt geändert durch Art. 20 G v. 9.12.2010 I 1934 hat seine grundlegende und höchst wichtige Bedeutung und wird von zahlreichen Haltungsverordnungen für diverse Tierarten sinnvoll ergänzt.
Dazu muss man dann aber auch wissen, dass QS und QM Systeme für eine Haltung von Tieren zwingend die systematische Bekämpfung der Ratten und Mäuse im Innen- und Außenbereich mit speziellen Fraßgiften verlangen. Das gilt auch für die Lagerung von Nahrungsmitteln.
Basis dieser Forderungen ist die Verordnung über hygienische Anforderungen beim Halten von Schweinen (Schweinehaltungshygieneverordnung - SchHaltHygV)  mit Ausfertigungsdatum: 07.06.1999 (BGBl. I S. 1252), zuletzt geändert durch Artikel 2 der Verordnung vom 19. Oktober 2007 (BGBl. I S. 2461)
Aufzeichnungen darüber müssen auf speziellen Formblättern „ Schadnagerbekämpfung“ getätigt werden, die Anfertigung einer Skizze dazu über die Standorte der ausgelegten Köder ist sinnvoll.
Zudem ist eine Parasitenbekämpfung vorgeschrieben.
Hier eine Definition dessen, was darunter fällt:
„Parasiten, Ungeziefer und Insekten Sie beißen und stechen und verursachen so Hauterkrankungen mit starkem Juckreiz. Außerdem können sie Viren und Bakterien übertragen, die zu weiteren Erkrankungen führen können“.
Das alles sind aber auch Lebewesen!!
Und viele andere Tierchen auch, die den Menschen nicht immer erfreuen.
Wie z. B. Wespen, Hornissen und unzählige mehr, deren Tötung teilweise zusätzlich explizit verboten ist.
Da kann jeder leicht kriminell werden!!


Und wer mir erzählen will, hier auch nach Änderung des Grundgesetzes noch nie schuldig geworden zu sein, muss wohl schon nachweisen, dass er praktizierender buddhistischer Mönch ist.
Sonst fällt mir der Glauben schwer!

Frohe und friedliche Ostern dennoch a l l e n   Argumentierern

F. Berkner

F. Berkner
24.04.2011  16:15

Ratio Baclofen <a >No Prescription Buy Amoxicillin</a> Methotrexate Nutrition Vicodin Side Effects Dry Mouth Tramadol Hcl 50mg Methotrexate To Treat Lupus Lasix Diuril Prescription <a >lisinopril xeloda interaction</a> Prozac From Ottawa Motilium Tablets 20mg When Is Cialis Most Effective Indian Viagra Erectile Symbyax Propecia <a >Tax Preparation Software Buy Tramadol</a> Ultram A Narcotic Mechanism Of Action Withdrawals Buy Tramadol And Infection Methotrexate Rheumatoid Arthritis Zestril Viagra <a >Cheap Singulair Prescription In Ogunquit</a> Amoxicillin Suspension Uses Discount No Online Prescription Ultram What Does Amoxicillin Symptoms Specialist Brisbane Migraine Headache Treatment <a >Zolpidem Persistent Vegetative State</a> Synthesis Of Methotrexate Cell Line Aromasin Cialis Viagra Herbal Substitute Tribulus Terrestris Tramadol For Neck Pain Reliever <a >No Prescription Buy Utram Order Ziagen</a> Mixing Lorazepam And Adderall Alprazolam Xanax Singulair Television Commercial Finasteride Online Locations Kana Soma Mixer Strattera With Adderall Second Hand Bupropion Hcl No Prescription Needed

beermeaft
16.04.2012  10:31

Persönliche Daten speichern?

Über neue Kommentare per E-Mail informieren?