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Wer hat Angst vorm fremden Mann?

Thilo Spahl über die biologischen Grundlagen des Universalismus.

Fremdheit ist wieder ein Thema geworden. Viele Deutsche sind der Auffassung, die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen sei eine Art kaum zumutbarer Herkules-, wenn nicht sogar Sisyphosaufgabe. Aber sind wir Menschen uns wirklich so fremd?

Der menschliche Körper ist ein Ergebnis der Evolution. Wir alle sind die direkten Nachkommen von Vorfahren, die wiederum Nachkommen ihrer unmittelbaren Vorfahren waren. Jeder von uns ist somit das Resultat einer ununterbrochenen Reproduktionskette, die bis zum Beginn des Lebens vor über drei Milliarden Jahren zurückreicht. Die Organe, Eigenschaften und Fähigkeiten unseres Körpers sind Resultat von Variation und natürlicher Auslese. Sie sind so, wie sie sind, weil sie sich in der Vergangenheit als vorteilhaft erwiesen haben.

Was für unseren Körper gilt, gilt auch für unseren Geist. Er ist Ergebnis der Evolution und kann daher nur als Ansammlung von spezifischen Anpassungen gesehen werden, die es uns ermöglicht haben, die Herausforderungen der Vergangenheit erfolgreich zu meistern. Wir können den Geist also in Analogie zum Körper als ein Gefüge von vielen mentalen Organen sehen, mit denen wir von Geburt aus ausgestattet sind.

Einheit und Vielheit

Die Evolutionspsychologen John Tooby und Lea Cosmides haben sich in dem Aufsatz „Über die Universalität der menschlichen Natur und die Einzigartigkeit des Individuums“ der alten Frage nach der Einheit in der Vielheit gewidmet und diese aus evolutionärer Sicht beantwortet. (1) Sie erklären, weshalb sowohl die alle Menschen vereinende identische menschliche Natur als auch die mannigfaltigen Unterschiede zwischen den Menschen Ergebnis der Evolution sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen. Grundsätzliche Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensmuster und kognitive Fähigkeiten sind demnach Anpassungen, also das Ergebnis natürlicher Auslese in der Vergangenheit. Solche Anpassungen sind aber stets im Zusammenwirken einer großen Zahl von Genen festgeschrieben, sodass sie nicht in einzelnen Personen auftauchen können und in anderen nicht. Sie sind darauf angewiesen, weitgehend unbeeinflusst von interindividuellen genetischen Unterschieden stabil zu funktionieren. Denn bei jeder Empfängnis werden ja zwei Genome komplett durcheinander gewürfelt, wobei keine Chance besteht, dass Komplexe aus Hunderten von spezifischen Genvarianten zusammenbleiben. Anpassungen dieser Art sind generell unabhängig von einzelnen Genvarianten und als psychologische Mechanismen universell – vergleichbar etwa dem aufrechten Gang, der fünffingrigen Hand, usw.

Angeborene Unterschiede zwischen den Menschen sind deshalb nicht Ausdruck unterschiedlicher Anpassungen, sondern entstehen entweder zufällig oder als Beiprodukt anderer Anpassungen. Insbesondere sind sie Resultat des beständigen Kampfs gegen Parasiten, der die wesentliche Ursache für die genetische Vielfalt des Menschen (und auch anderer langlebiger Organismen) darstellt. Wenn wir nicht mithilfe der sexuellen Reproduktion in jeder Generation die Gene neu mischen würden, würde es uns schon lange nicht mehr geben. Denn all die kleinen Feinde (Viren, Bakterien und sonstige Schmarotzer), die sich aufgrund der kurzen Generationenfolge von wenigen Minuten schnell so weiterentwickeln, dass sie unsere Schwachstellen ausnutzen können, würden sonst nicht nur uns dahinraffen, sondern auch alle unsere Klonbrüder und Klonkinder.

Mit dem Sex haben wir einen Weg gefunden zu bewirken, dass sich unsere Nachkommen in Millionen zufälliger Details von uns unterscheiden. Diese qualitativen Unterschiede spielen sich jedoch auf der Ebene ab, auf der die Parasiten agieren, auf der mikroskopischen Ebene der Proteine. Sie spielen sich nicht auf der Ebene der körperlichen und mentalen Organe ab. Daher gibt es keinen Widerspruch zwischen der universellen menschlichen Natur und der hohen genetischen Vielfalt. Die Evolution hat dafür gesorgt, dass wir Menschen in allen für uns bedeutsamen Funktionen identisch sind, denn sie sorgt dafür, dass Funktionsbeeinträchtigungen sich nicht verbreiten können. Sie hat gleichzeitig dafür gesorgt, dass wir für Parasiten sehr unterschiedlich sind. Ob wir also bei Betrachtung unserer Mitmenschen mehr Gemeinsamkeiten oder mehr Unterschiede sehen, hängt davon ab, ob wir die Perspektive eines Menschen oder die eines Parasiten einnehmen.

Weiße, Schwarze, Deutsche, Türken

Noch wichtiger wird diese Überlegung, wenn wir verschiedene Ethnien betrachten. Wer sich nur oberflächlich mit Evolution beschäftigt, kann leicht zur Sichtweise neigen, ethnische Gruppen müssten über kurz oder lang lokale Genpools herausbilden, die in sich recht homogen sind und sich gleichzeitig deutlich von denen anderer Gruppen unterscheiden. Dem ist nicht so. Tatsächlich ist die durchschnittliche genetische Differenz zwischen mir und einem meiner Nachbarn zwölfmal größer als die Differenz zwischen dem Durchschnittsdeutschen und dem Durchschnittschinesen oder Durchschnittsaborigine.
Warum ist das so? Da genetische Unterschiede in erster Linie dazu dienen, es den Parasiten schwer zu machen, begünstigt die Evolution große Unterschiede zwischen eng zusammenlebenden Menschen, da diese von den gleichen Krankheitserregern bedroht werden. Um diese hohe Variation zu ermöglichen, werden zudem gewissermaßen Erbgutvarianten von außen begierig aufgesaugt, sodass es gleichzeitig eine Tendenz gibt, die Unterschiede zwischen den Gruppen zu verringern. „Ein einziges gemeinsames Kind von Menschen aus zwei verschiedenen ethnischen Gruppen führt dazu, dass alle seine Nachfahren auf immer mit beiden Gruppen verwandt sind. So verknüpfen selbst seltene Verbindungen über ethnische oder rassische Grenzen hinweg Familienstammbäume, was erklärt, dass Menschen, als weit schweifende und sexuell „allesfressende“ Art, trotz der weltweiten Verbreitung genetisch recht homogen sind,“ sagt Steven Pinker, der sich über die in Mode gekommene genetische Abstammungsforschung lustig macht, mit der man letztlich nur zeigen kann, dass jeder mit jedem verwandt ist. (2)

Wie entstehen Unterschiede?

Wenn wir alle mit dem gleichen Geist ausgestattet sind, wie kommt es, dass wir uns in unserer Persönlichkeit und unserem Verhalten mitunter stark unterscheiden? Es liegt daran, dass die menschliche Natur nicht aus invariablen Eigenschaften besteht, sondern aus Entwicklungsprogrammen, die in Wechselwirkung mit der Umwelt die jeweilige Persönlichkeit des einzelnen Menschen erst hervorbringen.

Der Prototyp eines angeborenen Entwicklungsprogramms ist der „Sprachinstinkt“. Wir können ein Baby in jede beliebige sprachliche Umgebung setzen, und es wird die jeweilige Sprache – Japanisch, Schwäbisch oder Gebärdensprache – automatisch erlernen. Es wird die Grammatik schon während der Kindheit fehlerfrei beherrschen, obwohl es häufig selbst im Erwachsenenalter die Regeln nicht vollständig erklären können wird. Die Vorstellung, mit den ersten Worten, die an das Ohr des Babys dringen, träfe gewissermaßen Kultur (Sprache) auf Natur (Gehirn), ist falsch. Zu diesem Zeitpunkt sind beide längst eng verwoben. Das Erbgut selbst ist bereits das Ergebnis des Zusammenwirkens von Natur und Kultur. Denn einzelne Genvarianten setzen sich im Verlauf der Evolution nicht durch, weil sie eine besonders schöne DNA-Sequenz aufweisen, sondern weil sie in Bezug auf konkrete vergangene Umwelten vorteilhafte Eigenschaften oder vorteilhaftes Verhalten begünstigt haben. Die Umwelt kann mit unserem Geist nur dort in Interaktion treten, wo sie auf in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und für die Auseinandersetzung mit der Umwelt entstandene Mechanismen stößt. So können wir ein Objekt nur erkennen, wenn wir in unserem Geist ein System zur Objekterkennung haben – das Auge reicht dafür nicht, es detektiert nur Licht. Ein Gehirn, das nur eine Allround-Informationsverarbeitungsmaschine wäre, ist eine evolutionäre Unmöglichkeit. Als Ergebnis der Evolution kann es nur aus einer Vielzahl komplexer, funktionsspezifischer Informationsverarbeitungsmechanismen bestehen.

Wie sind also Unterschiede im Verhalten der Menschen zu interpretieren? Tooby und Cosmides schreiben: „Wenn man wie wir an eine universelle menschliche Natur glaubt, beobachtet man unterschiedliche, manifeste Psychologien, Merkmale und Verhaltensweisen zwischen Individuen und Kulturen und sieht sie als das Ergebnis einer allgemeinen, evolutionär entstandenen angeborenen Psychologie, die unter unterschiedlichen Bedingungen arbeitet.“ (3) Die beobachtbaren Unterschiede sind demnach lediglich quantitative Variationen einzelner Komponenten der komplexen universell menschlichen Mechanismen – das Äquivalent zur unterschiedlichen Nasenlänge. Kulturelle Fremdheit ist in Hinblick auf die menschliche Psyche ein ebenso oberflächliches Phänomen wie die unterschiedliche Hautfarbe in Hinblick auf den Körper.

Steven Pinker fasst zusammen, was wir über die Unterschiede zwischen den Menschen wissen: „Es gibt systematische artumfassende Universalien, begrenzte Unterschiede zwischen den Geschlechtern, zufällige quantitative Variation zwischen Individuen und wenige oder gar keine Unterschiede zwischen Rassen oder Ethnien.“ (4)

Gleicher Geist, unterschiedliche Sitten, unterschiedliche Intelligenz

Die Rede von der Universalität der menschlichen Natur besagt nicht, dass es nicht große Unterschiede in Sitten und Gebräuchen gäbe. Sie besagt aber, dass diese Unterschiede nicht daran liegen, dass verschiedene Gruppen grundsätzlich anders ticken, sondern dass sich unter anderen Umständen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Verhaltensweisen, etwa Aggressivität oder stark reflektiertes Verhalten, verändert. Die Universalität der menschlichen Natur bedeutet ebenfalls nicht, dass wir alle gleich intelligent sind. Es gibt große, angeborene Unterschiede zwischen Individuen – aber eben nicht zwischen ethnischen Gruppen.

In Hinblick auf die Intelligenz sind manifeste Gruppenunterschiede zwar beobachtbar. Tatsächlich schneiden Schwarze in IQ-Tests in den USA durchschnittlich deutlich schlechter ab als Weiße. Es ist aber aufgrund der grundsätzlichen Gleichheit des geistigen Apparats kaum denkbar, dass diese Unterschiede genetisch bedingt sind. Sehr viel wahrscheinlicher ist die Ursache in Umwelteinflüssen zu sehen. Offenbar hängt das Ergebnis in IQ-Tests weniger davon ab, woher man stammt, als vielmehr davon, in welcher sozialen Situation man sich als Gruppe befindet. Koreaner schneiden in Japan schlecht ab, in den USA aber gut. Auch marginalisierte Untergruppen innerhalb einer Ethnie schneiden schlechter ab. Steven Pinker nennt als Beispiele Kinder, die in Großbritannien auf Schleppkähnen aufwuchsen, amerikanische Gebirgsbewohner und gälisch sprechende Kinder auf den Hebriden. Auch sie wiesen früher erheblich niedrigere IQs auf, die sich jedoch in wenigen Generationen an die Werte der Mehrheitsbevölkerung anglichen. (5)

Wenn die Rede davon ist, 50 bis 80 Prozent der Intelligenz sei erblich, ist das höchst missverständlich. Die Zahl bezieht sich nämlich auf folgenden Sachverhalt: 50 Prozent der Unterschiede im IQ zwischen zwei Individuen aus einer sozial einheitlichen Gruppe lassen sich durch angeborene Unterschiede erklären. Es heißt also nicht, dass sich der Unterschied zwischen einem deutschen Akademikerkind und einem türkischen Kind aus bildungsfernem Elternhaus zu 50 Prozent auf die Gene zurückführen lässt. Vielmehr ist der durchschnittliche Unterschied zwischen Personen aus zwei verschiedenen sozialen Gruppen fast vollständig durch Umwelteinflüsse begründet. Wenn also jemand schreibt: „Intelligenz ist aber zu 50 bis 80 Prozent erblich. Deshalb bedeutet ein schichtabhängig unterschiedliches generatives Verhalten leider auch, dass sich das vererbte intellektuelle Potenzial der Bevölkerung kontinuierlich verdünnt“ (6), dann hat er „leider auch“ einiges nicht verstanden.

Das wäre verzeihlich, wenn sich Thilo Sarrazin nur durch das mangelnde intellektuelle Durchdringen seines Gegenstands hervortun würde. Er leitet jedoch aus dem falsch verstandenen Sachverhalt auch Forderungen ab, nämlich die nach einer Steuerung des Reproduktionsverhaltens. Bei der einen Gruppe würde er die Geburtenrate gerne ankurbeln, bei der anderen einschränken: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ (7) Solche Vorstellungen sind das eigentliche Problem, und sie werden nicht besser, wenn der Autor versucht, Juden gegen Türken auszuspielen. Steven Pinker, der die Erforschung von etwaigen genetischen Unterschieden zwischen ethnischen Gruppen verteidigt, schreibt: „Was die gesellschaftlichen Folgen angeht, so hätte eine Korrelation zwischen Rasse und durchschnittlichem IQ (immer sofern man sie beweisen könnte) keinerlei Konsequenzen für die Gesellschaft – solange man nicht von einer rassistischen Gesellschaft ausgeht, in der jedes Individuum einer rassischen Kategorie zugewiesen wird und nicht als Individuum aus eigenem Recht, sondern als Repräsentant dieser Kategorie eingestuft wird.“ (8) Die eugenischen Forderungen Sarrazins basieren genau auf einer solchen Kategorisierung, die Pinker als Merkmal einer rassistischen Gesellschaft bezeichnet.

Thilo Spahl ist Novo-Ressortleiter Wissenschaft und Technik. Zuletzt erschien von ihm gemeinsam mit Detlev Ganten und Thomas Deichmann das Buch Die Steinzeit steckt uns in den Knochen. Gesundheit als Erbe der Evolution (Piper 2009, 320 S., EUR 19,95), das zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2010 in der Rubrik „Überblick: das informativste Buch“ ausgezeichnet wurde.

In Novo108/109 (9–12 2010) erklärte er in seinem Artikel „Grüne Neue Welt“, warum einfarbiger Fortschritt nicht genug ist.

Anmerkungen

1J. Tooby / L. Cosmides: „On the Universality of Human Nature and the Uniqueness of the Individual. The Role of Genetics and Adaptation“ in: Journal of Personality, Nr. 58, 3/90.
2S. Pinker: „The Genealogy Craze in America. Strangled by Roots“ in: The New Republic, 6.8.07.
3ebd.
4S. Pinker: Why nature & nurture won’t go away, Daedalus Fall, 2004.
5S. Pinker: Das unbeschriebene Blatt. Berlin, 2003. S. 206.
6Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab. München, 2010, S. 93.
7Thilo Sarrazin im Gespräch: „Klasse statt Masse“ in: Lettre International, Nr. 86, 10/09.
8S. Pinker, 2003, a.a.O., S. 208.

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Der Argumentation liegt die Annahme zugrunde, daß alle Menschen mit dem gleichen Geist ausgestattet würden. Menschen werden jedoch nicht gleich geboren, es ist also nicht anzunmehmen, daß ausgerechnet ihr Geist gleich sei. Die weitere Analyse des Wunschdenkens Pinkers kann man sich also schenken.
Im Grunde ist jede Argumentation über Ethnien und ihre (vermeintlich?) unterschiedliche Intelligenz aber dann sofort ohne Bedeutung, wenn die hiesigen Regierungen aufhören, Menschen unbedingte Anspruchsgrundlagen zu bieten, deren Finanzierung durch Besteuerung anderer Menschen sichergestellt wird. Mit anderen Worten: die euphemistisch “Sozialstaat” genannte Tyrannis, nicht die Einwanderung ist das Problem.

Frank Martin
18.02.2011  13:57

Ausgezeichneter Artikel! In der Tat muss man Sarrazins Vorschläge als “positive Eugenik” betrachten. Dennoch: Wir sollten Sarrazin fairerweise nicht bei seinem schwächsten, sondern bei seinem stärksten Argument packen - und das sind die Einwanderungsbestimmungen und die Sozialleistungen. Es geht nicht an, dass wir mit unseren Steuern das Leben von Leuten finanzieren, die keine andere Ambition kennen, als Hartz IV zu beziehen. Genau wie Kanada, Australien und die USA sollten wir unsere Einwanderungsbetimmungen dahingehend verändern, dass wir ökonomisch durch die Immigration gewinnen und nicht verlieren. Dies ist in meinen Augen der Punkt, den wir diskutieren sollten. Wenn wir nur die Schwächen, nicht aber die Stärken Sarrazins diskutieren, wäre sein Buch umsonst gewesen - und das sollte nicht sein.

Edgar Dahl
18.02.2011  17:25

Die Menschen sind NICHT mit dem gleichen Geist geboren, aber man kann fragen, wo die meisten Unterschiede liegen. Die Antwort (und bis dahin stimme ich mit Herrn Spahl zu) lautet, dass sich die meisten Unterschiede innerhalb aber nicht zwischen den Ethnien konzentrieren. Soweit die Wissenschaft tatsächlich die Genen “zählen” kann, kommt sie zum auf den ersten Blick etwas überraschenden Schluss, dass der genetische Unterschied zwischen zwei Schweden oder zwei afrikanischen Pigmäen größer ist, als der zwischen einem durchschnittlichen Schweden und einem durchschnittlichen Pigmäen.
Aber die Eigenschaften, die für das Zusammenleben uns allen so wichtig erscheinen, etwa der Respekt der Menschenwürde (insbesondere Frauenwürde) oder die vielbeschworenen “Sekundärtugenden”, hängen vom Genotyp noch weniger ab (wenn überhaupt), und doch bestehen gerade in diesen Eigenschaften enorme Unterschiede zwischen verschiedenen kulturellen Gruppen. Diese Unterscheide werden durch außerbiologische Mechanismen aurechterhalten.
Die Kritiker von Herrn S. lenken uns aber leider immer wieder zu seinen offensichtlichen lückenhaften biologischen Kenntnissen, statt sich mit den wirklichen Inhalten seiner Thesen auseinanderzusetzen. Sie machen sich damit das Leben viel zu einfach. Es ist wahr, dass sich Herr S. in der Biologie schlecht auskennt; aber der Verweis auf moderne Biologiebücher, trägt aber zu Lösung der TATSÄCHLICHEN (nicht vermeintlichen) von Herrn S. aufgedeckten sozialer Probleme genauso Null-Komma-Nix bei, wie der Verweis auf die vom Verteidigungsminister in seiner völlig unnützen Doktorarbeit vergessenen Fussnoten zur Lösung des Problems von Afghanistan, wo ständig deutsche Soldaten ums Leben kommen, beiträgt. Das lenkt nur ab, egal ob dabei die Absicht unterstellt wird oder nicht.
Und da hat m.E. Herr Martin Recht, wenn er auf eines dieser tatsächlichen Probleme hinweist, nämlich auf das Monster Leviathan, welches sich seit Hobbes in den Sozialstaat umbenannt hat.

bkotchoubey
18.02.2011  17:33

Drei Anmerkungen, eine Meinung! Lasst uns also das Problem des Sozialstaates beim Schopfe packen!

Wie jeder weiß, ist es einfach, als Politiker großzügige Vorschläge zu machen. Und zwar vor allem deshalb, weil er seine Vorschläge nicht mit seinem eigenen Geld, sondern mit dem Geld anderer Leute zu bezahlen gedenkt!

Ich könnte immens viele Stimmen gewinnen, wenn ich mich für die Förderung “der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft” aussprechen würde und - Albert Schweitzer im Munde führend - für mehr Solidarität mit den Mühseligen und Beladenen fordern würde.: “Jeder sollte einen Anspruch auf die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten!” “Jeder hat ein Recht auf Arbeit!”, “Kinder dürfen kein Privileg der Reichen sein!” etc.

Mit derartigen Forderungen gewinnt ein Politiker Stimmen und bleibt im Amt - finanziert von denen, die für seine Träumereien aufkommen sollen.

Edgar Dahl
18.02.2011  18:15

Interessanter, lehrreicher und nachvollziehbarer Artikel von Thilo Spahl. Aber damit ist die Angst vorm fremden Mann nicht beseitigt. Wenn es nicht an den Genen liegt, muss es irgendwo anders liegen, dass sich Völkergruppen nicht ohne Schmerz und Widerstand in das soziale Umfeld anderer Völkergruppen einpassen lassen. Wertvorstellungen, Ausbildung, Erziehung, Gebräuche, Sitten?

Ben Palmer
18.02.2011  21:34

Spahls Beitrag ist aufschlußreich! Unstrittig ist mindestens die Aussage, die sich in der Mitte seines Textes findet: “Die Universalität der menschlichen Natur bedeutet ebenfalls nicht, dass wir alle gleich intelligent sind. Es gibt große, angeborene Unterschiede zwischen Individuen.” Wenn es sich nun aber so verhält, dann dürften in Gesellschaften mit meritokratischer Tendenz und das heißt - definitionsgemäß - bei entsprechender Auf- und Abwärtsmobilität in den unteren Schichten über die Zeit hin überzufällig häufig die weniger intelligenten Personen anzutreffen sein. Ja, und wandern nun, wie das im Fall der türkischen Immigration in starkem Maße der Fall ist, besonders aus solchen Schichten Menschen bei uns ein, dann dürfte Sarrazin mit seiner Zustandsbeschreibung wohl nicht ganz falsch liegen. Kämen vornehmlich Personen aus der türkischen oder sonstigen Oberschicht zu uns, gäbe es einen Teil der von Sarrazin erörterten Probleme vermutlich nicht.

Franz Kromka
19.02.2011  19:00

Die ersten Abschnitte sind interessant, gut geschrieben und einleuchtend. Vielen Dank dafür!

Aber im letzten Abschnitt macht es sich Herr Spahl mit dem Verweis auf die rassistischen Äußerungen etwas leicht. Auch wenn ich nicht abstreiten möchte, dass wohlmöglich ein noch größerer Teil des Umfeldes für das Verhalten verantwortlich ist, so muss ich mir auch Ursache vor Wirkung eingestehen.

Einfach ausgedrückt: Zuerst liegen die Servietten auf dem Tisch, dann kommt gutes Benehmen, dann der gute Beruf, und erst dann der Reichtum.

Sarrazin’s reißerische Äußerungen mal außen vor gelassen, bleibt nur noch der Ruf nach einer bunt gemischten Zwangs-Ganztags-Krabbelgruppe. Eben ein Ort, andem überforderte, aus öffentlicher Hand finanzierte, gepiercste junge Frauen gerne mal die Sevietten vergessen.

Christian Felix
23.02.2011  23:17

@Franz Kromka
“Kämen vornehmlich Personen aus der türkischen oder sonstigen Oberschicht zu uns, gäbe es einen Teil der von Sarrazin erörterten Probleme vermutlich nicht. “
Seltsam, dass ich in der ganzen Islam-Debatte noch nie von irgendwelchen Schwierigkeiten mit den iranischen Einwanderern gehört habe. M.W. (korrieger mich, wer kann) ist die Kriminalitätsrate in diesem Milieu sehr gering. Was ist mit den Iranern los? Sie sind ja auch Moslems - warum machen sie keine Probleme? Oder liegt es nicht am Islam überhaupt?

bkotchoubey
28.02.2011  17:24

Wir werden Fremdes nicht integrieren können, ohne uns selbst zu verändern. Dies gilt sowohl für das Fremde, das von außen kommt, als auch für das Fremde im eigenen Land. Solange es immer die anderen sind, die sich ändern oder bessern müssen, werden wir immer neue Mauern aus Forderungen errichten. Nach meiner Beobachtung besteht zwischen ausgegrenzten Gruppen ein Zusammenhang. Sie werden nicht nur in die selben Systeme abgeschoben (Förderschulen, Hartz IV,...), sie werden auch auf dem selben Weg in die Gesellschaft integriert: Integrative Einrichtungen, integrative Gesamtschulen, Unterstützte Beschäftigung. Eine der wichtigsten Änderungen dabei: Gegen die “soziale Schließung” (Franz Walter) arbeiten. Die wird z.B. in unserem ständisch gegliederten Schulsystem mit seinen typischen Abstoßungsreaktionen sehr schön deutlich. Sind wir bereit für den unmittelbaren Kontakt zu den Parias?

Bernd Bogner
10.03.2011  14:13

Das mit dem ständisch gegliederten Schulsystem ist doch zumindest teilüberholt - vielleicht gilt es stärker für landliche Regionen. Städtische Gymnasien haben einen hohen Ausländeranteil, Gesamtschulen meist noch mehr. Es gibt eine Menge Unterstützungsangebote, die teilweise aber nicht angenommen werden.
Ich sehe auch eine große Verantwortung in den Familien, darauf zu achten, dass die Kinder viele Möglichkeiten haben, deutsch zu sprechen. Nicht ausreichende Sprachkenntnisse sind ein massives Handykap.
Ein Manko ist sicher, dass durch die Halbtagsschule anders als in Ländern mit Ganzstagschulbetrieb die Förderung in die Familien verlagert wird - und dieses das häufig nicht leisten können. Aber ich wehre mich dagegen, diesen ‘Opferstatus’ zu kultivieren - die eigenen Beteiligung ist immer noch maßgeblich und man erzeigt nur Hilflosigkeitshaltungen. Wenn man das eigenen Fortkommen als von der Akkzeptanz anderer abhängig sieht, erzeugt das eher Ohnmacht als Potential. Das zeigt sich auch in der Praxis: Schüler deren Eltern Interesse am Bildungserfolg ihrer KIndern haben, kommen häufig weiter.

Herbert Achtern
12.03.2011  19:40

Ein lesenswerter Artikel.
Die Hinwendung am Ende des Artikels, zu den Thesen von Hr. Sarrazin, ist interessant.
Sicherlich löst die grundsätzliche biologische Abhandlung zu den Unterschieden der Menschen und deren Intelligenz keine sozialen Probleme. Grundlagenforschung allein ist prinzipiell nicht geeignet um konkrete Probleme zu lösen. Dennoch ist sie von entscheidender Bedeutung für die Bildung eines korrekten Argumentationsfundamentes. Im vorliegenden Fall ist sie hilfreich um mit dem Mythos der Unüberbrückbarkeit von den Unterschieden der Menschen aufzuräumen. Solange dieser Mythos im Kopf eines Menschen noch seinen Platz hat und sein Weltbild mitbestimmt, solange wird er ihn daran hindern, ehrlichen Herzens an der Auflösung sozialer Schranken mitzuwirken. Es ist nicht der Grad an biologischer Bildung ein Problem des Herrn Sarrazin sondern sein hierdurch beeinflusstes Weltbild.
—-
Und noch eine kritische Anmerkung zu den so immensen Kosten des Sozialstaates und der Verärgerung Derer hierüber, die vornehmlich für diese Kosten aufkommen müssen: Die Entstehung des Sozialstaates ist auf ein Bedürfnis der Menschen zurückzuführen, den Armen und Schwachen zu helfen. Und das ist Gut und es ist im Sinne unseres Volksglaubens (praktisch alle Konfessionen stimmen hierin überein). Und wem das noch nicht genügt, dem sein gesagt, dass die Finanzierung des Sozialstaates den sozialen Frieden und somit den Frieden im Volke begründet. So gesehen finanzieren die Begüterten nicht nur das Leben der Armen sondern sie finanzieren auch ihre eigene Sicherheit und die Gewissheit, sich auf die Straße trauen zu können, ohne überfallen zu werden - denken Sie mal darüber nach!

Lars Alpers
27.03.2011  12:57

@Lars Alpers
Mit Ihrem 1.Punkt bin ich völlig einverstanden, zu dem 2.Punkt hätte ich aber 2 Bemerkungen.
1. Sie haben Recht, dass “die Entstehung des Sozialstaates auf ein Bedürfnis der Menschen zurückzuführen ist, den Armen und Schwachen zu helfen.” Aber genau das tut der moderne Sozialstaat, jedenfalls in den meisten europäischen Ländern und speziell in Deutschland, NICHT. Die wichtigste Aufgabe des modernen Sozialsystems ist die Umverteilung innerhalb der wohlhabenden Schichten. Was die Armen und Schwachen betrifft, so wird ihnen zwar auch ein bisschen geholfen, aber nur unter der Bedingung, dass sie in der Armut bleiben, und die Hilfe um Gottes Willen nicht als Sprungbrett benutzen können, sich nach oben durchzuboxen. In anderen Worten arbeitet unser Sozialsystem v.a. daran, die vorhandene soziale Schichtung zu stabilisieren: Die Unteren sollen ihr Brot und Spiele kriegen, aber immer unten bleiben, und die Mittleren sollen auf keinen Fall absteigen. Ob es gut oder schlecht ist, lasse ich zunächst mal offen.
2. Sie haben weiterhin Recht, dass “praktisch alle Konfessionen hierin übereinstimmen”. Aber auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich das deutsche Sozialsystem von den konfessionellen Systemen ganz radikal. Diese gehen nämlich davon aus, dass einem Bedürftigen v.a. gleich unten, in seiner Nachbarschaft geholfen werden soll. Dieses Prinzip entspricht der Lehre Christi, die ja niemals von der “Liebe zu dem Menschen”, sondern nur von der “Liebe zu dem NÄCHSTEN” spricht. Das vorhandene Sozialsystem beruht dagegen auf der staatlich organisierten Hilfe von oben, für die der Begriff des “Nächsten” keinen Sinn hat. Der Bedürftige ist in diesem System gar kein Mensch, sondern ein Objekt der Fürsorge, praktisch eine Sache, die einen Wert hat, und mit der man deshalb gut umgehen soll - aber doch eine Sache und keine Person.

bkotchoubey
28.03.2011  11:43

@Lars Alpers: “Und wem das noch nicht genügt, dem sein gesagt, dass die Finanzierung des Sozialstaates den sozialen Frieden und somit den Frieden im Volke begründet. So gesehen finanzieren die Begüterten nicht nur das Leben der Armen sondern sie finanzieren auch ihre eigene Sicherheit und die Gewissheit, sich auf die Straße trauen zu können, ohne überfallen zu werden - denken Sie mal darüber nach!”

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr kommt bei mir der Gedanke an Mafia-Methoden auf: “Geb mir dein Geld, oder ich bringe deine Frau und Kinder um”

Ben Palmer
28.03.2011  14:21

@Ben Palmer:
Insgesamt ist dieser letzte Punkt etwas fragwürdig. Lars Alpers’ Kommentar erweckt den Eindruck, dass es zwischen der Sozialhilfe und der Kriminalität einen festen negativen Zusammenhang gibt: Je mehr Geld nach unten transferiert, um so sicherer die Lage. Das stimmt natürlich nicht und kann auch nicht stimmen, denn es setzt voraus, (1) dass die Gewaltkriminalität v.a. die Verbrechen der Armen gegen die Wohlhabbenden ist; (2) dass die Abnahme des Abstandes zwischen den sozialen Schichten automatisch zur Abnahme der Gewaltkriminalität führt. Die beiden Annahmen sind natürlich sehr grobe Vereinfachungen.

bkotchoubey
28.03.2011  14:59

Die sog. “Offene Gesellschaft” mit Chancengleichheit ist eine der größten politischen Lügen, denn bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird zu den schon vorhandenen gläsernen Decken noch eine weitere eingezogen.
Ghettobildungen praktisch per Dekret verordnet, wird die Gesellschaft in Form eines Ildefonso Würfels gestaltet, werden Neiddebatten von oben nach unten geführt,
“...Menschen unbedingte Anspruchsgrundlagen zu bieten, deren Finanzierung durch Besteuerung anderer Menschen sichergestellt wird…”
Dass der Mensch dem Grunde nach ein soziales Wesen ist, und daher dieses Sozialsystem trotz seiner Schwächen zu den Besten gehört soll nicht vergessen werden. Denn nennen sie ein Land in dem ein derart hoher allgemeiner Wohlstand und gleichzeitig Sicherheit derart ausgeprägt sind, wenn es nicht gleichzeitig über ein solches System verfügt.

e.moser
31.03.2011  20:38

Noch nachzuholen ist, dass der Mensch (egal ob nachweisbar genetisch verankert oder nicht, wohl eher doch!) immer bestrebt war/ist, seine Lebensumstände auch durch Ortswechsel zu verbessern. Und das ist ihm ganz offensichtlich nur schwer abzugewöhnen.
Grenzen setzten ihm nur kurzfristig geografische Gegebenheiten, die den Menschen aber gleichzeitig wieder zur Entwicklung höherer Kreativität forderten. Gleichzeitig entwickelte er auch die Eigenheit, sich dort wo er bessere Lebensumstände antraf, in einen Status der Besitzstandswahrung überzugehen. Er verteidigte sein neues Umfeld gegen Eindringlinge und ließ nur Mitglieder seiner Gruppe daran teilhaben.
Das Dilemma in dem wir uns heute befinden, ist das alte Kain und Abel = Bauer und Jäger/Sammler Schema.

e.moser
01.04.2011  12:54

Leider hat Herr Spahl das Thema nicht ganz durchdringen. Dem Satz “50 Prozent der Unterschiede im IQ zwischen zwei Individuen aus einer sozial einheitlichen Gruppe lassen sich durch angeborene Unterschiede erklären.” fehlt jeder Sinn. Zwischen zwei Individuen besteht hinsichtlich des IQ ein Unterschied und nicht Unterschiede. Die zentralen Aussagen von Herrn Sarrazin bleiben vollkommen unberührt. Siehe den Beitrag der Intelligenzforscher Rost und Rindermann in der FAZ vom 7.9.2010. Hier als Link:
http://www.faz.net/s/RubF013678339304BC99FB39AFEECB41D2C/Doc~EBFC72F0534A149BE84CA714A883B6B5C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Andreas Wigger
18.04.2011  19:02

@Andreas Wigger:
Seien Sie nicht so genau! Zwischen zwei Individuen gibt es natürlich nur einen Unterschied, aber in “einer sozial einheitlichen Gruppe” aus N Individuen lassen sich N (N-1) / 2 Paare bilden (wenn ich die Formel nicht vergessen habe…), und da hat man schon Unterschiede in Mehrzahl! Aber Sie haben Recht insoweit die Frage nach den genetischen Unterschieden gar nicht zu den zentralen Aussagen Sarrazins gehört. Auch schliesse ich mich Ihnen an, was den Artikel in der FAZ betrifft: Selten liest man in der breiten Presse einen so gut wissenschaftlich fundierten und trotzdem sehr populär geschiebenen Artikel zu einem komplizierten Thema.
@e.moser:
“ein derart hoher Wohlstand” herrscht in dieser Gesellschaft v.a. deshalb, weil diese Gesellschaft diesen Wohlstand erarbeitet (erzeugt, produziert, generiert) hat - nicht weil sie ihn richtig verteilt hat. Man kann nur den Kuchen teilen, den jemand gebacken hat.

bkotchoubey
20.04.2011  18:22

Zitat von bkotchoubey:
“ein derart hoher Wohlstand” herrscht in dieser Gesellschaft v.a. deshalb, weil diese Gesellschaft diesen Wohlstand erarbeitet (erzeugt, produziert, generiert) hat - nicht weil sie ihn richtig verteilt hat.

Ein Gemeinplatz, der oft und gerne übersehen wird!

Ben Palmer
20.04.2011  21:20

Dass hoher Wohlstand nur durch entsprechende Wirtschaftsleistung zu erzielen ist hätte ich fast vergessen. :-)

Aber dieser eine Satz hat es für mich in Wirklichkeit in sich:
“...Menschen unbedingte Anspruchsgrundlagen zu bieten, deren Finanzierung durch Besteuerung anderer Menschen sichergestellt wird…”

Im Umkehrschluss würde es bedeuten, dass Länder mit hoher Wirtschaftsleistung und gering entwickeltem Sozialsystem zu den stabilsten gehören müssten und es einen breiten gesellschaftlichen Wohlstand gibt. Da ist man aber eindeutig im Reich der Phantasie.

Die skandinavischen Länder haben das Jahrzehnte vorgeführt und sind noch immer besser als wir, sie machen aber nicht so viel Aufhebens drum, weil sie nicht wie verrückt nur auf die absoluten Zahlen schielen.
Man kann auch ein Unternehmen nicht nur nach Umsatzzahlen bewerten.

Dass die Skandinavier im Zuge der allgemeinen Entwicklung der letzten Jahre auch Probleme zu bewältigen haben, war zu erwarten.

Dass es auch dort eine Zielgruppe für Poppulisten gibt ist nicht verwunderlich, denn gegenüber Rattenfängern war noch keine Gesellschaft immun wie die Geschichte zeigt.

e.moser
21.04.2011  20:26

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