Ein schwerer Fall von Missbrauch
So abscheulich Missbrauchsfälle auch sind: Große Teile der Industrie, die davon leben, sind es nicht minder. Von Boris Kotchoubey
Die Welle von Missbrauchsskandalen, die vor einigen Monaten durch die deutschen Medien schwappte, hinterließ einen üblen Nachgeschmack. Seltsam war die Dynamik der Meldungen, die gleichzeitig in nahezu allen Druck- und Funkmedien eine prominente Rolle spielten – als ob es einen Wettbewerb gebe, wer schneller als die anderen über mehr Missbrauchsfälle berichten kann. Nach etwa fünf Wochen ebbte die Meldungsflut abrupt – wie auf Befehl – ab. Wenn die Journalisten tatsächlich von lebendigem Interesse an den Missbrauchsopfern bewegt waren, wie konnte es dann passieren, dass dieses Interesse von einem Moment auf den anderen verschwand, und zwar überall zeitgleich?
Völlig falsch war die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, es solle ein Tabu um ein sehr schwieriges Thema gebrochen werden. In Wirklichkeit gibt es kein einfacheres Thema, keines mit einem breiteren Konsens in der Bevölkerung. Denn wer würde schon die Stimme zur Verteidigung von Kinderschändern erheben? Welcher geistig Gesunde würde angesichts einer bewiesenen Missbrauchstat dafür argumentieren, den Täter laufen zu lassen? Für die deutsche Medienlandschaft, in der das Ergebnis jeder Debatte bereits vor ihrem Beginn feststehen muss, ist das Thema Missbrauch das bequemste überhaupt.
Sehr typisch für diese Diskussionskultur war das auch in diesem Falle gut zu beobachtende vollständige Ausschalten jeglicher rechtsstaatlicher oder bürgerrechtlicher Bedenken. Vollkommen ignoriert wurde die Tatsache, dass ein mutmaßlicher Täter, solange seine Schuld noch nicht bewiesen ist, als unschuldig zu gelten hat und ihm der gleiche Respekt gebührt wie jedem von uns. Ignoriert wurde ebenfalls der Umstand, dass es für die Moral einer Gesellschaft viel besser ist, wenn fünf gefasste Diebe aus Beweismangel wieder entlassen werden, als wenn nur ein einziger ehrlicher Mensch ohne Schuld im Knast sitzt und sein Name durch Verleumdungen befleckt wird. (1) Gerade im Bereich des sexuellen Missbrauchs kennt die Geschichte Dutzende Fälle, in denen die Unschuld einer Person erst nachgewiesen werden konnte, nachdem ihr Leben nach jahrelanger Gefängnisstrafe vollständig zerstört wurde. An der Stelle dieses Unschuldigen kann jeder von uns stehen. (2)
Sozialpsychologisch ist nachvollziehbar, dass das Ausschalten des Unschuldsprinzips eine große Verunsicherung herbeiführt und dass unter diesen Bedingungen die Absage an rechtsstaatliche Normen durch die Definition einer bestimmten „Tätergruppe“ ersetzt wird, der sozusagen das Monopol für eine bestimmte Art Untat zugeschrieben wird. Gierig seien nur Juden (beziehungsweise Manager), Antisemiten seien nur Deutsche, und Päderasten seien nur in der katholischen Kirche zu suchen. Klaus Bittermann kann zwar so tun, als ob er nicht wüsste, zu welchem Zweck Hunderte „eingefleischte Atheisten“ (3) ihre Urlaubsreisen nach Thailand antreten, aber wir glauben ihm nicht.
Es wurde schon von anderen angemerkt, dass sich diejenigen, die das Wort „Missbrauch“ am häufigsten in den Mund nahmen, keinesfalls fragten, was dieses Wort eigentlich bedeutet. (4) Mit der gleichen schlecht geschauspielerten Empathie (solche empathischen Töne in der Stimme lassen sich in der billigsten Schauspielerschule in einer Stunde antrainieren) wurde von einer Vergewaltigung und einer Ohrfeige, von Psychoterror und Arschtritten gesprochen, von einer schweren Straftat und einer Handlung, die zwar negativ angesehen wird, zum Tatzeitpunkt aber nahezu üblich war. Den Autoren war es offensichtlich egal, woraus die spezifische Realität jenes Vorfalls bestand, von dem sie berichteten – Hauptsache, er ließ sich als „Missbrauch“ qualifizieren. Glaubt man den Journalisten, so führten all diese Handlungen bei den Opfern zu gleich schweren seelischen Verletzungen, sodass das einzige Heilmittel wahrscheinlich in der Möglichkeit bestand, jetzt – in manchen Fällen 30 bis 40 Jahre nach dem Ereignis – darüber ein exklusives Interview zu geben.
Zur Verteidigung des konfusen Umgangs mit dem Missbrauchsbegriff im Journalismus sollte man einräumen, dass auch die wissenschaftliche Literatur zu dem Thema nicht durch Begriffsklarheit glänzt. Auch dort ist „Missbrauch“, im Englischen „sexual offense“, ein Terminus, unter dem verschiedene Sachverhalte verstanden werden können. Hat eine Frau einen Partner und besteht dieser auf Geschlechtsverkehr, obwohl die Frau in diesem Moment diesen nicht will, so ist es nicht verwunderlich, dass die Frau dieses Ereignis als Trauma erlebt. Dieser „bad sex“ kann aber in seinen Konsequenzen nicht mit einer Vergewaltigung verglichen werden. Auch zum sogenannten milden sexuellen Missbrauch wie Streicheln, Berühren, Umarmen oder Ähnlichem findet man so gut wie keine empirischen quantitativen Studien, und selbst wenn dem Leser aus der Beschreibung klar wird, um welche Handlungen es im Einzelfall ging, sind die Schlussfolgerungen in der Regel höchst undifferenziert.
Diesem In-einen-Topf-Werfen verschiedener Sachverhalte liegt aber eine noch tiefer gehende Verwirrung zugrunde. Das öffentliche und zum Teil auch das wissenschaftliche Bewusstsein verwechselt moralische Normen mit Gesetzen und beide wiederum mit psychologischen und medizinischen Tatsachen. Trotz der allgemeinen Annahme gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass gewaltlose sexuelle Belästigungen im frühen Alter zu langfristigen Schädigungen führen. Dasselbe gilt für moderate Körperstrafen wie Ohrfeigen. Wenn wir aus ethischen Gründen bestimmte Handlungen verurteilen, so bedeutet das nicht, dass diese Handlungen immer de facto negative Konsequenzen haben, und schon gar nicht, dass diese Konsequenzen von dauerhafter Natur sein müssen. Hinzu kommt eine unglückliche Eigenschaft der deutschen Mentalität, Fakten und Moral zu verwechseln. (5) Auch der rechtliche Status einer Handlung hat nichts mit dem Zustand des Opfers zu tun. In den meisten Ländern wird etwa ein Geschlechtsverkehr mit einer Person, die sich unter Alkoholeinwirkung oder unter Drogen befindet, mit einer Vergewaltigung gleichgesetzt. Dies bedeutet aber nicht, dass der traumatische Effekt immer derselbe ist. Die juristische Sicht, dass zwei Fälle unter einen und denselben Straftatbegriff fallen, setzt nicht notwendigerweise voraus, dass das Opfer in den beiden Fällen den gleichen Schaden erleidet.
Obwohl so gut wie keine zuverlässigen Daten zu den Folgen „geringfügiger“ sexueller Missbräuche existieren, gibt es in der allgemeinen Literatur über Gewaltfolgen einige deutliche Tendenzen, die zu bestimmten (wenn auch noch nicht vollkommen gesicherten) Schlüssen führen. Erstens führen Vergewaltigungen und andere traumatische Ereignisse (6) oft zu Verhaltensstörungen dreierlei Art: Angststörungen, Depressionen und am häufigsten zu sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich vor allem in aufgezwungenen Gedanken an das tragisch Erlebte sowie in den verzweifelten und immer wieder misslingenden? Versuchen, den Vorfall aus der aktiven Erinnerung zu vertreiben, ausdrücken. Zweitens nehmen die Häufigkeit und die Intensität dieser Störungen mit der Zeit ab. Nach schweren gewaltsamen Delikten weisen im ersten Jahr zwischen der Hälfte und zwei Dritteln aller Opfer diese Störungen auf, nach drei Jahren nur noch etwa ein Sechstel. Dauerhaft leidet etwa jeder zehnte Traumatisierte. Gleichzeitig nimmt mit dem zeitlichen Abstand die Anzahl der Personen zu, bei denen eine positive Persönlichkeitsentwicklung im Zusammenhang mit dem Erlebten beobachtet werden kann. Drittens hängt die Schwere der Störungen sehr stark mit dem Ausmaß der körperlichen Gewalt, mit der Schwere der erlittenen Körperverletzungen und dem Schmerz zusammen. (7) Viertens spielen sowohl bei Jugendlichen als auch bei Kindern vermittelnde sozialpsychologische Mechanismen bei der Entwicklung posttraumatischer Störungen eine sehr wichtige Rolle. Opfer aus der Mittelschicht, mit guter Ausbildung beziehungsweise guten Bildungs- und Berufschancen, die in einer sie unterstützenden Atmosphäre leben, leiden in einem wesentlich geringeren Maße unter Verhaltensstörungen als Opfer aus der Unterschicht, die ohne Bildungsperspektive und ohne den Rückhalt von Familie und Freunden auskommen müssen und bei denen oft zusätzlich Alkohol und Drogen im Spiel sind – wobei der kausale Zusammenhang zwischen Drogeneinnahme, riskantem sexuellen Verhalten, traumatischen Erlebnissen und den darauffolgenden psychischen Störungen alles andere als einfach ist. (8)
Welches Menschenbild ist mit diesen Befunden zu vereinbaren? Aus meiner Sicht ist es das Bild einer sich entwickelnden Person, die im Laufe ihrer Entwicklung mit unterschiedlich belastenden, auch traumatischen Ereignissen konfrontiert wird und die über zahlreiche Widerstandsmechanismen zur Bewältigung dieser Belastungen und Traumata verfügt, mit deren Hilfe – und mithilfe der fortschreitenden Zeit – sie in der Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen reift. In Abhängigkeit von den familiären Umständen, dem Wohlstand und der sozialen Unterstützung können diese Mechanismen bei verschiedenen Individuen besser oder schlechter ausgeprägt sein. Ist das Trauma besonders schwer und ist der Widerstand schwach, entwickelt sich eine Erkrankung, die psychologisch oder psychiatrisch behandelt werden sollte. In den Medienberichten und der öffentlichen Diskussion wird ein anderes Menschenbild kolportiert: das eines passiven Wesens, das seiner Umwelt und vor allem seinen Beleidigern schutzlos ausgeliefert ist. Bei jeder ernsthaften Verletzung verliert es sofort sein seelisches Gleichgewicht und bleibt sein Leben lang traumatisiert, es sei denn, ihm wird professionelle Hilfe zuteil, die seine angeschlagene Psyche heilt. Ansonsten bleibt es unselbstständig, ein Spielball der äußeren Kräfte: der bösen (Angreifer, Beleidiger) und der guten (Psychologen, Anwälte). Kränkung und Krankheit, die bei dem ersten Menschenbild einen speziellen Fall darstellen, werden hier zum Normalfall.
Für dieses Menschenbild gibt es keine empirischen Belege. Warum glauben wir dennoch daran? Ein Grund ist die seit etwa 50 Jahren voranschreitende Verbreitung der populärpsychologischen Literatur, zumeist verfasst von Psychotherapeuten. Ein Psychotherapeut kann nicht objektiv urteilen, weil er eine verzerrte Stichprobe von bereits Erkrankten hat. Der Fehlschluss ist mittels seiner Berufserfahrung vorprogrammiert: Er trifft regelmäßig auf Menschen mit psychischen Störungen, findet ein gewisses traumatisches Erlebnis in ihrer Vergangenheit und neigt zu dem Schluss, dass jenes Erlebnis die Störungen verursacht hat. Die vielen Tausende, die das Gleiche erlebten haben, aber gesund geblieben sind, melden sich nicht beim Therapeuten und bleiben somit außerhalb seiner Sicht.
„Wenn die Sterne abends gezündet werden“, sagte der sowjetische Dichter Majakowski, „dann, weil man die Sterne braucht.“ Wenn intelligente und gebildete Menschen die erwähnten Denkfehler (die Verwechslung zwischen Ethik und Recht und zwischen Normen und Fakten; die Fehlschlüsse durch eine offensichtlich verzerrte Stichprobe; die auf Einzelfällen basierenden Vorurteile) so hartnäckig wiederholen, dann, weil man diese Fehler braucht. Die wirtschaftliche Existenz vieler beruflicher Gruppen, vor allem der klinischen Psychologen, basiert darauf, dass viele Menschen meinen, sie hätten schwerwiegende psychische Probleme. Derartige Denkfehler werden von Interessengruppen ausgenutzt und bilden die Grundlage für eine Missbrauchsindustrie, eine blühende Technologiebranche, die davon lebt, dass Menschen sich für verletzlich, krank, von frühkindlichen Erfahrungen determiniert, unfähig und unselbstständig halten.
Ich will richtig verstanden werden. Ich unterstelle nicht, dass Therapeuten, Anwälte, Journalisten und Seelsorger nur an den eigenen Profit denken und nicht an das Wohl ihrer Klienten oder Mandanten. Ich konstatiere lediglich, dass sie an der Propaganda vom Menschen, der ohne professionelle Hilfe kaum überlebensfähig ist, sowie von einer Gesellschaft, in der hinter jeder Ecke eine Gefahr droht, objektiv interessiert sind. Diese Aussage ist so trivial wie die Behauptung, dass die Computerindustrie an der möglichst flächendeckenden Computerisierung von Produktionsprozessen interessiert ist.
Während wir in anderen Konsumbereichen darauf achten, uns nicht das Unnötige aufzwingen zu lassen („Brauche ich das wirklich?“, lautet die ständige Frage eines mündigen Verbrauchers), versucht die Therapieindustrie, uns mit der moralischen Keule das Hinterfragen auszutreiben. Andernfalls gäbe es keine Industrie, nur gute Samariter. Allein eine Natascha Kampusch verhalf einem guten Dutzend dieser Samariter zu echtem Reichtum.
Wie steht es aber mit der Qualität der Waren, die auf dem Markt des Mitleids und der Hilfe angeboten werden? Zweifellos gibt es viele qualifizierte Therapeuten, die im Krankheitsfall hochprofessionelle Hilfe leisten. Aber auch andere Fälle sind dokumentiert. Mangel an Qualifikation, Unaufmerksamkeit, Fahrlässigkeit, handwerkliche Fehler führen sehr schnell zur Fixierung des Patienten auf seine Krankheit, zur Bildung einer pathologischen Abhängigkeit vom Therapeuten und zur Stärkung eben dieses (Selbst)-Bildes einer passiven, abhängigen und ohne fremde Hilfe nicht überlebensfähigen Person. In vielen Formen der Psychotherapie ist die extreme Bindung des Patienten an den Therapeuten sogar die Bedingung für die Behandlung. Verantwortliche Profis entwickelten zwar spezielle Verfahren, um gegen Ende der Therapie diese Bindung abzubauen; doch können selbst geringfügige Auslassungen ausreichen, damit statt Heilung eine weitere Verschlechterung und Chronifizierung des Patientenzustandes eintritt. Aber nicht nur geringfügige Fehler sind bekannt. Oft haben Psychotherapeuten ihren Patienten die „Erinnerungen“ an ein im Kindesalter erlebtes Trauma (am häufigsten natürlich sexuellen Missbrauch) suggeriert, was in einigen Fällen sogar zur rechtlichen Verurteilung vermeintlicher Täter geführt hat.
Die beste Methode, um Erinnerungen an nie stattgefundene emotionale Ereignisse zu erzeugen, besteht darin, niemals „ob“, sondern gleich nach Einzelheiten zu fragen: „Überlegen Sie, wer wahrscheinlich der Täter sein könnte ... Welche Tageszeit war es? Wo waren Sie – im Haus oder im Freien?“ (9) So erinnerte sich die 22-jährige Beth R. unter dem Einfluss eines psychoanalytisch orientierten kirchlichen Beraters an regelmäßige Vergewaltigungen im Alter zwischen 7 und 14 Jahren und an die zweimalige Schwangerschaft von ihrem Vater (übrigens ein Pastor), der daraufhin seinen Arbeitsplatz (und natürlich seinen Ruf) verlor. Als die Untersuchungen ergaben, dass Beth immer noch Jungfrau war, verklagte sie den Berater und erhielt eine Abfindung von einer Million US-Dollar – ob der Vater auch etwas bekam, ist leider nicht dokumentiert. Selbst Kindheitserinnerungen an die Teilnahme an satanistischen Bräuchen oder an Entführungen durch Außerirdische sind keine Seltenheit. (10)
Auch die schwersten Verletzungen ethischer Prinzipien sind nicht so selten, wie man glaubt: Etwa 4 Prozent der männlichen und 0,6 Prozent der weiblichen Psychotherapeuten gaben in einer streng anonymisierten Befragung an, mit Patienten sexuelle Beziehungen gehabt zu haben, und wenn auch Handlungen wie Küssen, erotisches Streicheln und Umarmen mitgezählt werden, erhöhen sich die Daten auf 10 Prozent der männlichen und 1,9 Prozent der weiblichen Therapeuten. (11) Die Prozentzahlen mögen niedrig erscheinen, man spricht über „schwarze Schafe“, aber legt man die Gesamtzahl von Therapeuten zugrunde, so kommt man schnell zum Schluss, so wie auch Klaus Bittermann dies tut, dass die American Psychological Association (APA) „die größte kriminelle Vereinigung“ (12) sei.
Damit entpuppt sich die ständig wiederholte These, man müsse „die Mauer des Schweigens“ um das traumatische Ereignis brechen, als dreiste Lüge. Es ist zwar wahr, dass Tabuisierung des Leidens die Last der Opfer erschwert und dass behutsame Gespräche über das Erlebte unter vier Augen mit einer Vertrauensperson, sei es ein Freund, Verwandter oder auch ein begabter und hochprofessioneller Therapeut, zur positiven Aufarbeitung des Traumas beitragen. Das bedeutet aber nicht, dass das Um-alle-Ecken-Plaudern über einen längst vergangenen Kindesmissbrauchsfall hilfreich ist. Im Gegenteil: Eine systematische Verstärkung des Opferverhaltens führt zur Verfestigung eben dieses Verhaltens, das heißt zur Gefangenschaft in der Rolle des ewigen Opfers. Wer glaubt, dass es Leidenden hilft, wenn sie jeder auf der Straße erkennt und ausruft „Hey, das ist ja Herr X., über den neulich in allen Zeitungen stand, dass ihn unser alter Priester gef…t hat!“ oder „Das ist ja die Frau Y., die gestern in der Talkshow war und die ihrem Stiefvater fünf Jahre lang als Sexsklavin diente!“, der ist entweder sehr dumm oder stellt sich so. Eine solche Aufarbeitung ist nichts anderes als die Fortsetzung der Kränkung mit anderen Mitteln.
Was schließlich den ekelerregenden Kinderschänder betrifft, so kann man auch von ihm zumindest etwas Positives sagen: Jedenfalls macht er mit seiner grauenhaften Untat kein Geschäft und verdient damit kein Geld. Von den zahlreichen Agenten der Missbrauchsindustrie kann das nicht gesagt werden.
Boris Kotchoubey ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen (mp.uni-tuebingen.de).
In Novo105 (3–4 2010) argumentierte er in seinem Artikel „Yes, we can, and they cannot”, es sei affig zu behaupten, der Mensch sei ein Affe.
Anmerkungen
1Das Unschuldsprinzip als Grundsatz des Strafrechts gilt allerdings nicht im Bezug auf Abtretung der Macht, denn Machtverlust ist keine Strafe (obwohl er von den Mächtigen als Strafe wahrgenommen wird). Deshalb ist es in Ordnung, wenn etwa ein Minister oder Bischof auch bei geringerem Verdacht zurücktritt, ohne auf den rechtskräftigen Beweis der Schuld zu warten.
2Vgl. C. R. Huff / A. Rattner / E. Sagarin: Convicted but Innocent: Wrongful Conviction and Public Policy, SAGE Publications, Thousand Oaks, London, New Delhi 1996. In den USA werden laut Schätzungen ca. 10.000 Unschuldige pro Jahr verurteilt, die meisten aufgrund falscher Zeugenaussagen.
3Klaus Bittermann: „Kirche von hinten“ in: Novo 107 (7–8 2010).
4Vgl. Sabine Beppler-Spahl: „Kindesmissbrauch: Die Produktion einer „Epidemie“ in: Novo-Blog, 12.4.10, novo-argumente.com; dies.: „Mixa Rücktritt: ein Sieg für die ‚Schmuddelkinder‘?“ in: Novo-Blog, 22.4.10, novo-argumente.com.
5So ist die Armut in der dritten Welt bestimmt schlecht, woraus gefolgert wird, dass auch der Terror die Armut als Ursache haben muss, obwohl es längst bekannt ist, dass die Terroristen aus den wohlhabenden und gebildeten Schichten kommen.
6Ein traumatisches Ereignis ist „ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“. Man bemerke, dass diese Definition versucht, das Trauma intersubjektiv zu beschreiben („bei fast jedem“).
7Z.B.: H. Littleton / C. E. Henderson: Violence Against Women, 2009, S. 148–166; J. M. Darves-Bornoz: European Psychiatry, 1998, S. 281–287.
8Besonders schwere Verhaltensstörungen werden zum Beispiel bei Mädchen festgestellt, die sich auch vor dem Ereignis durch deviantes Verhalten auszeichneten.
9E. Loftus in: Scientific American, 1997, S. 70–75; N. P. Spanos in: Applied Cognitive Psychology, 1999, S. 201–218; M. S. Zaragoza u. Mitarbeiter bauten falsche Augenzeugnisse in einem Experiment ein. Probanden sahen einen Film und wurden anschließend gefragt, an welcher Stelle sich die Person X. verletzt habe (tatsächlich hatte sie sich gar nicht verletzt). Bei Zweifeln wurde den Probanden gesagt, sie sollen schlicht raten. Ihre Antwort (z.B. Knie) wurde regelmäßig bejaht. Eine Woche danach reichte schon die allgemeine Frage: „An was aus dem Film können Sie sich erinnern?“, damit die Probanden sagten, die Person X. habe sich am Knie verletzt. In: Psychological Science, 2001, S. 473–477.
10A. Pritchard (Hg.): Alien Discussion: Proceedings of the Abduction Study Conference in MIT. North Cambridge Press, 1994.
11J. Holroyd / A. Brodsky in: American Psychologist, 1977, S. 839–843; Idem. Professional Psychology, 1980, S. 807–811. Mir ist leider nur diese eine zuverlässige Abfrage bekannt, die etwas älter ist und die USA betrifft. Allerdings sehe ich keine Gründe, warum die Lage in Europa und 30 Jahre später anders sein sollte. Gesetzlich und ethisch waren Beziehungen mit Patienten damals genauso streng verboten wie heute.
12Klaus Bittermann, a.a.O.
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Kinderpornografie ist aus vielen Gründen schlimm, bisher konnte aber niemand nachweisen, dass tatsächlich eine Wirtschaft existiert, die Geld damit verdient.
Diverse Behauptungen von Ursula v.d.L. oder jetzt der Gattin des Kriegsministers sind schlicht und einfach nicht belegt und haltbar.
Man geht davon aus, dass Täter in sogenannten Tauschringen ihre Untaten gegenseitig zur Verfügung stellen. Erst Recht gibt es keine Mafia, die Kinder wegfängt, Pornos mit ihnen dreht und die Filme dann verkauft.
Deshalb lieber nicht nach Kinderpornoshoppingseiten suchen, sondern in der Verwandtschaft die Augen offen halten: Denn dort passieren die Missbrauchsfälle.
@F. Petrarca:
Mit Kinderpornografie wird wenig bis gar kein Geld umgesetzt. Das Gespenst der KiPo-“Industrie” ist erfunden und lenkt vom Wesentlichen - der eigentlichen Misshandlung - ab.
Der Artikel von Prof. Kotchoubey dreht sich nicht um Kinderpornos oder Tauschbörsen, sondern um den gesellschaftlichen Umgang mit sexuellem Missbrauch mit Minderjährigen und Schutzbefohlenen. Ich fände es gewinnbringender, beim Thema des Artikels zu bleiben. Interessieren würde mich u.a. die Meinung anderer zu Kotchoubeys Kritik an Psychotherapie - gibt es anlaytische Therapeuten unter den Lesern? Der Autor bevorzugt anscheinend einen psychatrischen (medizinischen) Ansatz mittels Medikamenten oder Verhaltenstherapien, die eher im Hier und Jetzt ansetzen - oder? Ist die zunehmende “Psychologisierung” menschlichen Handelns ein legitimer Ausdruck eines gesellschaftichen Wandels und Problems, oder sogar ein Beschleuniger dessen und damit selbst ein Problem?
Sehr schöner Artikel!
Ich finde es immer wieder spannend, wie wenigen Leuten das Verhalten der Medien in solchen Fällen überhaupt auffällt. Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch dass es nicht gut sein kann wenn Leute noch vor beginn irgendwelcher Verhandlungen zusammen mit dem “Opfer” (muss es ja auch nicht immer sein, gibt ja genug fälle in denen einfach jemand “Hexe!” ruft) auf dem Titelbild der Blindzeitung abgebildet werden. Unter der Überschrift: “Hat er dieses unschuldige Mädchen brutal vergewaltigt?” (wichtig: es ist ja nur eine Frage und keine Feststellung. Dadurch wird die Verleumdung nichtmal sonderlich gut rechtlich verfolgbar, obwohl die Leser den Unterschied wohl kaum bemerken.
a propos Psychoanalyse: Schon Dieter E. Zimmer hat den esoterischen und gefährlichen Quatsch untersucht und kam zu erstaunlichen - erschreckenden - Erkenntnissen, nachzulesen in seinem 1986er Buch “Tiefenschwindel”.
Ich finde diese Analyse ausgezeichnet, eben weil sie sich jenseits der weithin üblichen Medienhysterie bewegt und den Dingen präzise auf den Grund geht.
Die kritischen Aussagen über die Psycho-Szene sind ebenfalls berechtigt - inkl. hoher Anteil von Mißbrauchstätern; weitere Daten siehe hier:
http://www.extremnews.com/berichte/gesundheit/fc1d12fef499d1c
“Hat eine Frau einen Partner und besteht dieser auf Geschlechtsverkehr, obwohl die Frau in diesem Moment diesen nicht will, so ist es nicht verwunderlich, dass die Frau dieses Ereignis als Trauma erlebt. Dieser „bad sex“ kann aber in seinen Konsequenzen nicht mit einer Vergewaltigung verglichen werden. “
Es muss nicht verglichen werden, es ist eine. Geschlechtsverkehr mit einer Person, die diesen nicht wünscht, ist Vergewaltigung, egal ob eine Beziehung zwischen den Personen besteht. Es gibt kein “Gewohnheitsrecht” auf den Körper eines anderen Menschen.
“Trotz der allgemeinen Annahme gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass gewaltlose sexuelle Belästigungen im frühen Alter zu langfristigen Schädigungen führen. (...) Wenn wir aus ethischen Gründen bestimmte Handlungen verurteilen, so bedeutet das nicht, dass diese Handlungen immer de facto negative Konsequenzen haben, und schon gar nicht, dass diese Konsequenzen von dauerhafter Natur sein müssen.”
Wie wahr! Um politisch noch unkorrekter zu sein, sei ein Ergebnis der berühmt-berüchtigen, in den USA totgeschwiegenen Meta-analytischen Studie von Rind, Tromovitch & Bauserman (1998) zu erwähnen: dass der überwiegende Teil der männnlichen Opfer sexuelle Kontakte mit Erwachsenen im Nachhinein als neutral oder gar positiv beurteilte.
Da stimme ich Ina voll und ganz zu !
Wahrscheinlich war damit gemeint, dass einerseits eine Verplichtung gefühlt wird (der Partner gibt sich hin) und andererseits Vergewaltigung nichts anderes als die Ausübung von Gewalt darstellt.
Nicht ganz einfach zu formulieren.
Erstmal zu diesem Zitat:
“Hat eine Frau einen Partner und besteht dieser auf Geschlechtsverkehr, obwohl die Frau in diesem Moment diesen nicht will, so ist es nicht verwunderlich, dass die Frau dieses Ereignis als Trauma erlebt. Dieser ‘bad sex’ kann aber in seinen Konsequenzen nicht mit einer Vergewaltigung verglichen werden”
Gecshlchtsverkehr ohne Zustimmung ist eine Vergewaltigung: Gegen den Willen der Frau wird eine Penetration durchgeführt. Ich sehe da keien Möglichkeit der Interpretation.
Zu einem anderen Zitat:
“Was schließlich den ekelerregenden Kinderschänder betrifft, so kann man auch von ihm zumindest etwas Positives sagen: Jedenfalls macht er mit seiner grauenhaften Untat kein Geschäft und verdient damit kein Geld. Von den zahlreichen Agenten der Missbrauchsindustrie kann das nicht gesagt werden.”
Auch wenn diese Darstellung womöglich sachlcih richtig ist, halte ich sie für außerordentlich zynisch - auch deswegen, weil hier in der Bewertung des Handelns eines Menschen die finanziellen und wirtschaftlichen Kriterien in den Vordergrund gestellt werden.
Zur Psychohelfer-Industrie kann man mit etwas Glück Nein sagen, zu einem mit körperlicher überlegener Gewalt auftretenden Vergewaltiger nicht.
“Trotz der allgemeinen Annahme gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass gewaltlose sexuelle Belästigungen im frühen Alter zu langfristigen Schädigungen führen. Dasselbe gilt für moderate Körperstrafen wie Ohrfeigen.” solche Aussagen finde ich zu verharmlosend, gerade was die “gewaltlose sexuelle Belästigung” betrifft. Es kommt da sicher drauf an, von wem die Taten begangen wurden, wie oft und ob von einer nahen Bezugsperson, ob mit dem Kind darüber geredet wurde.
Auch ohne wissenschaftlichen Beweis (der sicher auch schwer herzustellen werde, denn wie soll man so vielen Einflussfaktoren auf ein Kind herauskristallisieren, welche Tat nun welche Wirkung hatte) halte ich es für unbedingt notwenig davon auszugehen, dass in der zerbrechlichen Kinderseele ein dauerhafter Schaden entstehen kann. Es kann mir keiner erzählen, dass bei einer “gewaltlosen” sexuellen Belästigung durch eine nahe Bezugsperson kein dauerhafter Schaden entsteht.
“Auch ohne wissenschaftlichen Beweis (der sicher auch schwer herzustellen werde, denn wie soll man so vielen Einflussfaktoren auf ein Kind herauskristallisieren, welche Tat nun welche Wirkung hatte) halte ich es für unbedingt notwenig davon auszugehen, dass in der zerbrechlichen Kinderseele ein dauerhafter Schaden entstehen kann.” ...
“kann”!, aber muss nicht. Wenn ich mit dem Auto ausfahre, kann ich durchaus einen Unfall verursachen, muss aber nicht. Soll ich dennoch bestraft werden?
“Ein Psychotherapeut kann nicht objektiv urteilen, weil er eine verzerrte Stichprobe von bereits Erkrankten hat. Der Fehlschluss ist mittels seiner Berufserfahrung vorprogrammiert: Er trifft regelmäßig auf Menschen mit psychischen Störungen, findet ein gewisses traumatisches Erlebnis in ihrer Vergangenheit und neigt zu dem Schluss, dass jenes Erlebnis die Störungen verursacht hat. Die vielen Tausende, die das Gleiche erlebten haben, aber gesund geblieben sind, melden sich nicht beim Therapeuten und bleiben somit außerhalb seiner Sicht.”
Vielleicht aber haben diese Menschen andere Bewältigungsformen gefunden, z.B. leben sie ihre unbewussten Konflikte an ihren Kindern aus oder an ihren Partnern oder sie sind Bürokraten, die ihre Machtposition gegenüber den klienten geradezu sadistsich ausleben. Nicht jeder mit emotionalen Defiziten sucht sich Hilfe.
Natürlich ist nicht jeder Therapeut frei von gravierenden Neurosen und da kann es auch zu Retraumatisierungen kommen, was sehr schlimm ist - am schlimmsten wenn der Missbrauch vom Tehrapeuten gar fortgeführt wird- dennoch bracuht man Therapeuten ubnd es gibt auch sehr gute.Aber davon auszugehen, dass jemand, der keinen solchen Leidensdruck hat, dass er von sich aus einen Therapeuten aufsucht, automatisch gesund ist, ist sicherlich falsch. Bestimmte Störungen, die auf Traumatisierungen zurückzuführen sind, (z.B. Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung) verursachen Leid eher beim Umfeld als beim Betroffenen.
Auch wenn das Thema “Missbrauch” vorerst aus dem Fokus der Medien verschwunden ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder aufflammen wird. Wir dürfen uns bei Vorhersagen vielleicht an den Entwicklungen im angelsächsischen Raum orientieren, die bisher stets - mit einer Verzögerung von einigen Jahren - zu uns “herübergeschwappt” sind. Schön wäre es allerdings, wenn sich auch hierzulande eine stärkere Gegenbewegung - ähnlich wie es sie in den USA z.B. in der Gestalt der “Civil Liberties Bewegung” gibt - formieren würde. Wir brauchen gute, seriöse Psychologen, Therapeuten und Psychiater, die sich den Moden der öffentlich zur Schau gestellten Empathie nicht beugen, dafür aber einen professionellen Anspruch haben. Es geht nicht darum, die Psychologie als Wissenschaft zu verdammen, sondern dem Trend der Psychologisierung mit all seinen negativen Folgen für unser Menschenbild entgegenzutreten. In diesem Sinne: Vielen Dank, Herr Professor Kotchoubey!
Ich teile die Kritik am Umgang der Journalisten mit dem Thema. Allerdings wirkt der Artikel bisweilen wie eine Kritik an den Betroffenen, wie sie an der Kommentaren von Paul merken können. Ich rate daher zu anderen Formulierungen. Es ist eine Seite, keine Hexenjagd zu betreiben, eine andere ist die Ideologie mancher Pädosexueller anzunehmen. Frei nach dem Motto: “Wenn man nicht weiß ob es Schäden verursacht, darf ich es”. Das ist genauso falsch.
@ina
@xaedrus
@Thomas N
@xxx
(übrigens insgesamt schöne und sehr informative Namen, besonders der letzte)
Es tut mir sehr leid, aber ich kann nur empfehlen, meinen Artikel einfach noch mal zu lesen, denn Eure Kritik ist im Text bereits vorhergesagt und die Antwort darauf ist schon gegeben. Leider verwechselt Ihr, was absolut typisch deutsch ist, Moral mit Recht und beides mit Fakten. Aus Eurer Sicht, wenn ich etwas Schlechtes tue, so muss es unbedingt auch schwere negative Konsequenzen haben. Umgekehrt wenn behauptet wird, eine Tat habe keine negativen Konsequenzen, so soll das bedeuten, dass die Tat verharmlost wird. Diese beiden Aussagen sind aus logischer Sicht mit Verlaub Quatsch. Denn ob die Tat gut oder schlecht ist, das ist ein ethisches Urteil, und ob die Konsequenzen gravierend sind oder nicht, sind die Tatsachen. Die zwei Bereiche haben logisch gesehen miteinander nix zu tun. Einfaches Beispiel: Ich schlage jemand mit dem Messer. Aus welchen Gründen auch immer (Messerklinge schlechter Qualität; meine Hand zittert; die Person hat enorme körperliche Heilungskräfte) ist die Verletzung minimal, und nach 2 Tagen ist mein Opfer wieder vollkommen gesund. Ist meine Tat dadurch, ethisch gesehen, “besser” geworden?
MfG
B.Kotchoubey
Geschlechtsverkehr gegen den Willen eines Menschen ist Vergewaltigung. Egal, wer vergewaltigt. Egal, ob schon einmal bereitwillig Sex zwischen den beiden stattgefunden hat. Egal, ob das Opfer anschliessend ein Trauma hat oder fidel weiter lebt. Es ist eine Vergewaltigung, moralisch und gesetzlich.
Sehr geehrte Ina,
leider reden Sie an mir vorbei. In meinem Kommentar habe ich Ihnen vorgeschlagen, einfach meinen Artikel nochmal zu lesen. Hätten Sie dies getan, hätten sie gesehen, dass ich natürlich das gleiche sage: Dass Geschechtsverkehr gegen den Willen eine Vergewaltigung ist. Das ist so, weil das Gesetz so den Begriff Vergewaltigung definiert. Das ist also eine juristische Tatsache; mit medizinischen und psychologischen Tatsachen hat sie aber nichts zu tun.
Es tut mir wirklich leid, dass Sie meinem Rat nicht gefolgt haben. Offensichtlich ist es Ihnen wichtiger, Ihre Meinung zu sagen, als die Meinung, die Sie zu kritisieren angeben, zu verstehen. In diesem Fall ist aber eine Diskussion nicht möglich.
Ich rate Ihnen, sollten mit “Xaerdrus” mich meinen, meinen Kommentar nochmal zu lesen. Ich habe an keiner Stelle etwas behauptet was oben mit “aus eurer Sicht” bezeichnet ist und ich verwehre mich gegen die Behauptung, ich würde Moral mit Recht und beides mit Fakten verwechseln. Zum einen kenne ich die Rechtslage sehr gut und kann sie von meiner eigenen moralischen Einstellung unterscheiden, zum anderen habe ich zu keiner Zeit etwas zu Fakten gesagt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass Ihr Artikel ungewollt einen gewissen Eindruck erzeugen kann.
Nach einem kurzem Überfliegen sehe ich auch unter den anderen keinen, der behauptet hätte, dass aus jeder schlechten Tat schwere Konsequenzen folgen. Insbesondere xxx, der seinen Namen wählen kann, wie er möchte, und Thomas N haben lediglich auf Mängel (aus ihrer Sicht) des Artikels hingewiesen, auf die Sie nicht einmal eingegangen sind.
Eventuell reden wir hier alle einfach nur aneinander vorbei?
Herr Kotchoubey, Sie haben natürlich vollkommen Recht. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Man muss auch nicht über alles mit unseren lieben Berufsrabulisten diskutieren, das hat eh keinen Sinn. Was Sie in Ihrem Artikel schreiben, stimmt als Ganzes vollkommen, da hilft es auch nichts, auf einzelnen Ausführungen herumzureiten - als Psychologe wissen Sie ja sicher, dass dies sowieso ein Armutszeugnis ist. Das ewige Winkeldiskutieren und -Erklären ist ein sehr ärgerliches Phänomen und eine Realitätsflucht. Und dass die Missbrauchshysterie eben nichts anderes als eben dies, eine Hysterie, ist, ist ein Fakt. Selbstverständlich können auch die besten Psychologen und Psychiater nichts ausrichten - und das ist übrigens nicht nur bei “Missbrauchsopfern” der Fall -, solange nicht endlich die richtige Diagnose gestellt wird, die auf sehr viele Menschen heutzutage zutrifft, auch auf solche, die es nicht einmal merken: Hysterie.
Ich denke, dass betreffs des ungewollten Geschlechtsverkehrs in einer Beziehung zwischen dem Autor und Ina ein Missverständis besteht. Möglicherweise meint der Autor hier nicht mit Gewalt und Verletzungsdrohung gegen körperlichen Widerstand erzwungenen Geschlechtsverkehr (den ich persönlich aufgrund des Vertrauensbruchs in einer Beziehung als schlimmer empfinden würde als außerhalb—und ich habe immerhin schon zwei Beinahe-Vergewaltigungen durch Fremde erlebt, übrigens psychisch wie körperlich unbeschadet, die waren allerdings zum Glück unbewaffnet). Sondern er meint Geschlechtsverkehr, auf den die Frau sich unter psychischem Druck einlässt, weil sie sich nicht überwinden kann, die ungewollte Annäherung mit körperlichem Widerstand entschieden abzublocken, nachdem die Aussage, sie wolle nicht, nichts gefruchtet hatte.
Dann wäre das natürlich keine Vergewaltigung im klassichen Sinne, und zwar meiner Meinung nach auch nicht juristisch, bzw wenn überhaupt würde es als minderschwerer Fall behandelt, wobei wohl die wenigsten Frauen auf die Ideen kämen, in so einem Fall zu klagen. Dass solche Rücksichtslosigkeit die Beziehung zerstört, steht auf einem anderen Blatt.
Sollte der Autor allerdings eine Vergewaltigung im klassischen Sinne (“Gewalt”) gemeint haben, mit dem einzigen Unterschied, dass sie in einer Beziehung stattfindet, kann ich mich nur wundern. In allem anderen stimme ich ihm zu.
Herr VidO, Menschen mit begründeter anderer Meinung als Berufsrabulisten und Hysteriker zu beschimpfen, trägt nicht zur konstruktiven Diskussion bei.


Vollste Zustimmung bis auf: ” Was schließlich den ekelerregenden Kinderschänder betrifft, so kann man auch von ihm zumindest etwas Positives sagen: Jedenfalls macht er mit seiner grauenhaften Untat kein Geschäft und verdient damit kein Geld.”
Kinderpornografie?
Francesco Petrarca
23.09.2010 15:54