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WHO: Welt-Heils-Ordnung

Die Anti-Raucher-Initiative der WHO setzt auf totalitären Zwang. Von Günter Ropohl

Die Welt wächst zusammen, verkünden die Propheten der Globalisierung. Man könnte das als universalhistorische Tendenz begreifen. Die Entwicklung der Menschheit schreitet zu immer weiträumigeren Gesellungsformen voran, von lokalen Sippen bis hin zu überstaatlichen Zusammenschlüssen wie der Europäischen Union und den Vereinten Nationen. Hatten in vorangegangenen Epochen autokratische Regierungsformen dominiert, überwiegen in den heutigen Nationalstaaten die Grundsätze der rechtsstaatlichen Demokratie, die fast überall zumindest proklamiert, wenn auch längst nicht immer praktiziert werden. Je weiter freilich die politischen Einheiten wachsen, desto brüchiger wird das Demokratieprinzip. Am ursprünglichen Vorbild der altgriechischen Stadtstaaten, wo zumindest alle freien Bürger direkt beteiligt waren, können sich moderne Staaten und Staatenverbünde aus rein quantitativen Gründen nicht mehr orientieren, und wo gewisse Elemente direkter Demokratie gleichwohl gepflegt werden, treten regelmäßig Konflikte mit dem Minderheitenschutz auf: Volkes Stimme ist eben längst nicht immer die Stimme der Menschenrechte.

Globalisierung vs. Demokratisierung

So überwiegt inzwischen die repräsentative Form der Demokratie, bei der gewählte Volksvertreter Herrschaft auf Zeit ausüben. Doch es wachsen die Klagen über die Verselbstständigung einer politischen Kaste, deren Angehörige sich ohne Rücksicht auf das „Stimmvieh“ – wie sie selber die Wähler gerne nennen – im vielgestaltigen System der Machtapparate auf Lebenszeit etablieren. Besonders die überstaatlichen Einrichtungen haben eine Fülle von Positionen geschaffen, auf die sich „verdiente“ Politiker und Bürokraten zurückziehen können, um dort ihren unkontrollierbaren Machenschaften nachzugehen. Erschreckende Beispiele erlebt man mit den Anmaßungen, die sich der Apparat der Europäischen Union herausnimmt (jüngst z.B. das unsinnige Glühlampenverbot).

Daran ändern auch die geringfügigen Mitwirkungsrechte wenig, die neuerdings das Europäische Parlament erhalten hat, zumal dessen Repräsentanz und Transparenz in der politischen Öffentlichkeit nach wie vor Not leidend sind; indem die Hälfte der Europäer die letzten europäischen Wahlen boykottiert hat, sind sie offenbar ihrem gesunden Argwohn gegen diese Missstände gefolgt. In der „world governance“ (der Regelung weltpolitischer Angelegenheiten) gibt es dagegen nicht einmal die zaghaftesten Anklänge demokratischer Legitimation. Den Dschungel der Weltorganisationen bevölkern Zigtausende von Repräsentanten und Delegierten, die ihre partikulären Interessen verfolgen – nicht selten bloß das Interesse, den lukrativen Posten zu behalten. Diese Kostgänger der Internationalisierung sind häufig nicht einmal von denen wirksam zu kontrollieren, die sie in diese Ämter befördert haben – ganz zu schweigen von den Weltbürgern, deren Rechte und Bedürfnisse sie eigentlich respektieren und vertreten sollten. In der „Weltpolitik“ herrscht ein besonderes „Gesetz der großen Zahl“: Je größer die Anzahl der Betroffenen, desto geringer die Chancen ihrer Beteiligung. Offenbar befindet sich die Menschheit in einer Zwickmühle. Die Politik zu entgrenzen, bedeutet im Gegenzug, die Gesellschaft zu entdemokratisieren. Die politische Globalisierung ist der neuerliche Eingang des Menschen in seine selbst verschuldete Unmündigkeit (müsste Immanuel Kant heute sagen)!

Machtergreifung der Gesundheitsdiktatoren

Wer diese Überlegungen zu abstrakt findet, der möge den folgenden Skandal als Anschauungsmaterial studieren. (1) Es geht um die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die 1948 als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet wurde und 193 Mitgliedsstaaten umfasst. (2) Die Weltgesundheitsorganisation ist eine ehrenwerte Gesellschaft. Sie hat sich jüngst damit verdient gemacht, mit der sogenannten „Schweinegrippe“ voreiligen Alarm zu schlagen und dadurch der pharmazeutischen Industrie millionenschwere Zusatzgewinne zu verschaffen. Zu dieser aberwitzigen Panikmache, einem „großen Bluff“, wie es inzwischen heißt (3), hat sich die WHO bislang nicht selbstkritisch geäußert. Aber auch sonst ist die WHO stets darum bemüht, alle Unbill aus der Welt zu schaffen und dafür zu sorgen, dass die Menschen gesund sterben können. Denn dies muss gegen den Sanitarismus, die Ιdeologie aller mehr oder weniger wohlmeinenden Funktionäre des Gesundheitssystems, zunächst einmal betont werden: Das ewige Leben können sie alle nicht versprechen; die Sterblichkeit ist das unabwendbare Schicksal der conditio humana!

Vor 50 Jahren hatte die WHO die Parole ausgegeben, die Malaria müsse ausgerottet werden; das ist ihr bis heute nicht gelungen. Seit den 70er-Jahren verfolgt sie ein neues Ziel: Das Tabakrauchen muss ausgerottet werden. Unter der Ägide von Gro Harlem Brundtland, der die Welt ja auch das Plastikwort der „nachhaltigen Entwicklung“ verdankt, hat sie 1998 eine offizielle „Tobacco Free Initiative“ (frei übersetzt: das „Programm der Tabakprohibition“) eingerichtet. Die „Tabakepidemie versklavt mehr als ein Drittel der erwachsenen Weltbevölkerung“ (4), und die WHO will diesen zwei Milliarden Menschen die Freiheit schenken. Dass diese Tabak genießenden Menschen sich nun ihrerseits von der WHO versklavt fühlen könnten, kommt denen, die da zum „Kreuzzug gegen den Tabak“ aufrufen, überhaupt nicht in den Sinn. Es ist ja schon immer das heimliche Programm der Kreuzzügler gewesen, unter dem Deckmantel unerbetener „Befreiung“ neue Herrschaft zu etablieren.

In den höchsten Tönen beschwört die WHO das Menschenrecht auf Gesundheit, doch sie geht damit sehr einseitig um. Die Menschenrechte auf freie Persönlichkeitsentfaltung und gesellschaftliche Teilhabe nämlich werden peinlichst ignoriert. Damit widerspricht die WHO ihrer eigenen Grundsatzerklärung. „Gesundheit“, hat sie in ihrer Verfassung definiert, „ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ (5) Die „Tobacco Free Initiative“ der WHO aber sorgt sich allein um die körperliche Gesundheit. Dass der Tabakgenuss das seelisch-geistige und soziale Wohlergehen beträchtlich fördern kann – und dass eine autoritäre Tabakprohibition dem seelisch-geistigen und sozialen Wohlbefinden vieler Menschen äußerst abträglich ist –, das ist dieser Unterabteilung der WHO offensichtlich völlig unbekannt. Mit anderen Worten: Die „Initiative“ steht im Widerspruch zur Verfassung der WHO!

Rahmenvereinbarung zur Tabakbekämpfung

Gleichwohl hat diese „Initiative“ die Tabakprohibition fast schon als „Weltgesetz“ etabliert. 1998 wurde sie gegründet, zu einer Zeit, als in den USA die Raucherverfolgung bereits Triumphe feierte. Vermutlich haben in der „Initiative“ US-Amerikaner den Ton angeben, denn nicht nur der zeitliche Zusammenhang spricht dafür (6), sondern auch die Tatsache, dass die USA, sowohl ihre Regierung wie auch private „Sponsoren“, zu den größten Geldgebern der WHO gehören. Ebenfalls 1998 wurde die Untersuchung einer Unterabteilung der WHO, der „International Agency for Research on Cancer (IARC)“ veröffentlicht. (7) Einer Pressemitteilung über diese Untersuchung gibt die WHO die Überschrift: „Passivrauchen verursacht wirklich Lungenkrebs, lassen Sie sich von den anderen nicht täuschen“, räumt jedoch im Text ein, dass die festgestellten Risikozahlen statistisch nicht aussagekräftig sind (8) – was die Forscher um Paolo Boffetta in ihrer Publikation auch tatsächlich schreiben. Die „Initiative“ beginnt also ihren Kampf gegen das Rauchen mit wissenschaftlichem Betrug.

Man kann sich leicht vorstellen, dass dann auch die nächsten Schritte nicht gerade von unparteiischer Lauterkeit geprägt gewesen sein werden. Bis 2000 wird von der WHO ein Entwurfstext formuliert, der von der Weltgesundheitsversammlung (dem höchsten Beschlussgremium der WHO) als Arbeitsgrundlage angenommen wird. (9) Bis 2003 wird der Text von einer internationalen Verhandlungsgruppe in sechs Sitzungen in die endgültige Fassung gebracht. In dieser Zeit lässt man in Anhörungen interessierte Gruppen zu Wort kommen, u.a. auch die Tabakpflanzer und die Zigarettenindustrie. Deren Vorstellungen haben sich aber in der Vereinbarung offensichtlich nicht niedergeschlagen, und diejenigen, die es wirklich angeht, die zwei Milliarden rauchender Menschen in aller Welt, hat man, da sie von keiner machtvollen Lobby vertreten werden, ignoriert. Im Mai 2003 wird der endgültige Vertragstext von der Weltgesundheitsversammlung angenommen und bis 2004 von 168 Staaten paraphiert, die das vorgegebene Abkommen unter großem Zeitdruck als nationale Gesetze ratifizieren müssen. Am 27. Februar 2005 tritt die „Rahmenvereinbarung zur Tabakbekämpfung (Framework convention on tobacco control (FCTC)“ (10) in Kraft.

Diese spröden Daten muss man vor dem Hintergrund sehen, dass die WHO, wenn sie alle Mitgliedsstaaten einlädt, natürlich vor allem Delegierte der Gesundheitsressorts versammelt. Diese Experten kommen, wahrscheinlich handverlesen, aus aller Herren Länder – darunter von gesundheitswissenschaftlich besonders kompetenten „Großmächten“ wie Djibuti, den Kapverden, den Marshall-Inseln, Palau und Vanuatu; natürlich werden sie mit großzügigen Reisemitteln ausgestattet. Es wird niemanden verwundern, dass viele dieser Herrschaften im Wohlgefühl üppiger Diners und komfortabler Hotelappartements die von der WHO vorgestanzten Texte nur allzu bereitwillig abnicken.

Die Rahmenvereinbarung empfiehlt etliche Maßnahmen, mit denen die Nachfrage nach Tabakwaren verringert werden soll. Über einige Regelungen, etwa Einschränkungen der Tabakwerbung oder Verbote des Verkaufs an Minderjährige, kann man geteilter Meinung sein. Und selbstverständlich sollen Gesundheitspolitiker auf die Risiken des Rauchens aufmerksam machen dürfen; ob freilich die „Todesanzeigen“ auf den Zigarettenschachteln mit ihren teilweise ärgerlichen Halbwahrheiten besonders geschmackvoll und wirksam sind, steht dahin. Wenn aber in Art. 8 ausdrücklich der „Schutz vor Passivrauchen am Arbeitsplatz in geschlossenen Räumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an geschlossenen öffentlichen Orten und gegebenenfalls an sonstigen öffentlichen Orten“ verlangt wird (11), dann geht es im Klartext um allgemeine Rauchverbote, also um die Beschränkung der Freiheit rauchender Menschen, ganz nach der Devise: Du bist nichts, deine Gesundheit ist alles. Ausdrücklich heißt es in der Rahmenvereinbarung: „Die Vertragsparteien erkennen an, dass wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig bewiesen haben, dass Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität verursacht.“

Was hier die Vertragsparteien „anerkennen“, ist eine dreiste Lüge, die von Tabakgegnern in den USA seit den 70er-Jahren verbreitet wurde, um die Nichtraucher gegen die rauchenden Menschen aufzuhetzen; nur wenn man den Nichtrauchern Angst vor dem Tabakrauch einjage, könne man sie für allgemeine Rauchverbote gewinnen – eine heimtückische Kriegslist der Volksverhetzung, die offensichtlich weltweit ihre Wirkung getan hat. All die „wissenschaftlichen Untersuchungen“, die erst später angestellt wurden, haben, wie unparteiische Experten bestätigen (12), in Wirklichkeit überhaupt nichts bewiesen – nicht einmal die von der WHO selbst in Auftrag gegebene Untersuchung. Eine Ungeheuerlichkeit aber ist es, wenn ein Haufen bunt zusammengewürfelter Polittouristen sich ein Urteil über die Aussagefähigkeit wissenschaftlicher Untersuchungen anmaßt. Was verstehen denn schon Abgesandte der oben erwähnten „Großmächte“ von Epidemiologie? Über den Bestätigungsgrad wissenschaftlicher Untersuchungen haben nur Wissenschaftler zu debattieren – alle freilich und nicht nur die Parteigänger einer bestimmten Lehrmeinung. Politiker aber dürfen nicht mit einem „Völkerrechtsabkommen“ dekretieren, was im wissenschaftlichen Meinungsstreit nach wie vor umstritten ist.

Doch genau dies hat auch der Deutsche Bundestag getan, als er im Eilverfahren, sozusagen hinter dem Rücken der Öffentlichkeit, auf Betreiben der Gesundheitsmafia die „Rahmenvereinbarung“ 2004 zum nationalen Gesetz erhoben hat. (13) Die Abgeordneten haben sich auf das Votum des Gesundheitsausschusses verlassen, das in der kurzen Begründung gleich zweimal das Märchen vom „Passivrauchen“ beschwört. Dem scheint auch die FDP zuzustimmen, die bloß darum die Gesetzesvorlage ablehnt, weil ihr das Verbot der Tabakwerbung nicht gefällt: Freiheit also nicht für die Menschen, sondern allein für die Industrie. (14) Immerhin hätte dem Bundespräsidenten auffallen müssen, dass er mit seiner Unterschrift unter das Gesetz eine wissenschaftliche Lüge sanktioniert. (15)

Verschärfte Prohibition

Doch die Tabakbekämpfer der WHO geben keine Ruhe. Seit 2006 veranstalten sie jährlich eine Konferenz der Vertragsstaaten, und 2007 verabschiedet eine solche Konferenz „Leitlinien für den Schutz vor der Belastung durch Tabakrauch“ als Ergänzung des Art. 8 der Rahmenvereinbarung zur Tabakbekämpfung. (16) Darin werden allgemeine öffentliche Rauchverbote propagiert, „geschlossene Räume“ werden derart extensiv definiert, dass, wie unlängst in der Türkei geschehen, das Rauchen schon unter einem Sonnenschirm im Freien untersagt ist, zulässige Minimalgrenzen der Rauchkonzentration werden grundsätzlich geleugnet, die Wirksamkeit von Belüftungsanlagen wird rundweg bestritten, kurz: Jeder Tabakgenuss in der Öffentlichkeit wird kriminalisiert. Rauchende Menschen sollen keinen Platz mehr finden, wo sie ihrem Genuss nachgehen könnten. Ist schon diese Absicht menschenrechtswidrig, so werden die „Leitlinien“ zu einem offenen Terrorprogramm, wenn sie zwecks Durchsetzung der Rauchverbote Schauprozesse gegen prominente Raucher und ein allgemeines Spitzel- und Denunziantenwesen empfehlen. Stalin und Hitler hätten daran ihre Freude gehabt. Mit einem Wort: Die Prohibitionsinitiative der WHO setzt auf totalitären Zwang.

Leider scheint das aber die Europäische Union nicht zu begreifen, denn den WHO-Ideologen aus Genf öffnet man in Brüssel alle Türen. Der Rat der EU hat die genannten „Leitlinien“ im Dezember 2009 wörtlich akzeptiert, allen Mitgliedsstaaten zur alsbaldigen Annahme empfohlen und Vollzugsnachweise verlangt. (17) Sollte diese Empfehlung tatsächlich verabschiedet werden, würde dadurch das demokratische Prinzip in Europa endgültig zu Grabe getragen, und europäische Staaten, die an demokratischen Grundsätzen festhalten wollen, müssen diesen „Leitlinien“ ausdrücklich widersprechen.

Die WHO brüstet sich damit, mit der „Rahmenvereinbarung zur Tabakbekämpfung“ den ersten völkerrechtlichen Vertrag zu Gesundheitsangelegenheiten durchgesetzt zu haben. Welch ein Triumph! Allenthalben auf der Erde siechen Millionen Menschen dahin, weil sie in jämmerlicher Armut nicht genug zu essen haben, kein sauberes Trinkwasser bekommen und unter unhygienischen Bedingungen dahinvegetieren. Das sind die wirklichen Gesundheitsprobleme dieser Welt. Statt sich darauf zu konzentrieren, was den Menschen wirklich nottut, verschwendet in der WHO eine irregeleitete Clique von fanatischen Tabakfeinden Zeit, Geld und Regulierungsaufwand auf eine lächerliche Bagatelle.

Kein Nichtraucher ist jemals an den Folgen des „Passivrauchens“ gestorben. Manche Raucher mögen den Tabakgenuss mit einem früheren Tod bezahlen, soweit das überhaupt ursächlich zu beweisen ist. Jedenfalls dürfte diese Zahl, die allein aus kühnen Schätzungen hervorgeht, um Größenordnungen niedriger liegen als die Zahl derer, die im Elend der Unterversorgung verenden. So gesehen ist die „Tabakbekämpfung“ ein albernes Scheingefecht, das übrigens, wie die Geschichte der Genussmittel zeigt, letztlich erfolglos bleiben wird. Der „Erfolg“ stellt sich zur Zeit allerdings bei der Pharmaindustrie ein, die, dank der WHO, mit Nikotinersatzmitteln und gesundheitsgefährdenden Entwöhnungspräparaten Milliarden verdient; ist das bloß eine zufällige „Nebenwirkung“, an die niemand aus der ehrenwerten Gesellschaft WHO gedacht hatte? (18)

Vor allem aber hat die WHO ihr Prohibitionsprogramm mit Winkelzügen durchgesetzt, die mit demokratischem Geist nicht vereinbar sind. Der Prozess der Willensbildung, der nach demokratischen Regeln vom Volk, sozusagen „von unten“ ausgehen soll, ist völlig umgestülpt worden. Die „Willensbildung“ geschah in rechtsfreien internationalen Expertengremien, und das Resultat wurde den Nationalstaaten „von oben“ autoritativ oktroyiert. Manche Beobachter vermuten, dass dabei auch Nötigungen durch die Weltbank, die Welthandelsorganisation und den Internationalen Währungsfonds, ebenfalls Instrumente der US-amerikanischen Hegemonie, eine Rolle gespielt haben. Die Tabakbekämpfer wollen ein Drittel der Menschheit mit repressiver Bevormundung und totalitären Praktiken zu ihrem „Heil“ zwingen. Wie vor langer Zeit schon einmal ein Religionsstifter, sagt nun auch die WHO: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Das ist die unduldsame Devise aller fundamentalistischen Heilspropheten: „Wir allein wissen, was für alle gut ist; Menschen, die das nicht einsehen, bekehren wir mit Gewalt!“

Nichtrauchern mag dieses Fallbeispiel ziemlich unwichtig scheinen, aber Demokraten, auch wenn sie nicht zu den rauchenden Menschen zählen, müssen im Muster dieses Falles ein unerhörtes Ärgernis sehen. Schließlich sind wir im vergangenen Jahr nur mit knapper Not einer höchst fragwürdigen Zwangsimpfung entgangen, die uns dieselbe ehrenwerte Gesellschaft mit den gleichen undemokratischen Taktiken auferlegen wollte.

Weltpolitik ohne demokratische Grundlage

Demokratische Staaten verbinden sich zu einer Weltstaatengemeinschaft und geben genau dadurch die Grundsätze der Demokratie auf. Das ist die These, die am Beispiel der Weltgesundheitsorganisation verdeutlicht worden ist. Die weltpolitischen Institutionen besitzen keinen demokratietheoretisch definierbaren Status. Eigentlich sind sie bloß expertokratische Papiertiger, und bei den ernsthaften Weltproblemen bleiben sie das auch. Keine Einrichtung der „global governance“ hat es geschafft, die skandalöse Armut in weiten Erdregionen zu mildern, und erst recht ist es nicht gelungen, entsetzlichen Bürgerkriegen Einhalt zu gebieten. Eine wohletablierte und demokratisch kontrollierte Exekutive gibt es im „Weltstaat“ nicht.

Erst recht fehlt der Weltstaatengemeinschaft eine eigene Legislative. Ein „Weltparlament“ steht gegenwärtig nicht ernsthaft zur Debatte, zumal schon die Erfahrungen, die man mit dem Europäischen Parlament macht, gelinde gesagt höchst zwiespältig sind. Schließlich gibt es natürlich auch keine globale Jurisdiktion. Ein „Internationaler Strafgerichtshof“ verfolgt lediglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ist überdies von Staaten wie China und den USA nicht anerkannt worden; wo also sollte der verfolgte Raucher die WHO verklagen? Alles in allem leidet die politische Globalisierung daran, dass die charakteristischen Institutionen demokratisch-rechtsstaatlicher Gewaltenteilung überhaupt nicht vorhanden sind. Ob es überhaupt möglich wäre, solche Institutionen zu etablieren, und unter welchen Bedingungen es wünschenswert wäre, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Protagonisten weltpolitischer Einrichtungen hingegen versuchen immer wieder, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun und sich als legislative und exekutive Oberinstanzen aufzuspielen, indem sie die demokratische Legitimation, die sie natürlich nicht haben, dadurch zu erschleichen versuchen, dass sie die Nationalstaaten zu Erfüllungsgehilfen ihrer autokratischen Ambitionen degradieren. Die politische Globalisierung geht Hand in Hand mit der Entdemokratisierung der Weltgesellschaft. Wie man diesen dramatischen Grundwiderspruch auflösen kann, steht in den Sternen. Immerhin könnte man der Diktatur der Weltorganisationen dadurch entgegentreten, dass man den Anfängen wehrt. Noch ist es beispielsweise Zeit, sich dem Gesundheitsterror der WHO zu widersetzen, indem sich alle demokratischen Kräfte dazu aufraffen, dem „Programm der Tabakprohibition“ und ähnlichen Zwangszumutungen ein Ende zu bereiten. So geräuschlos, wie die Staaten die fremdbestimmten Regeln zum Gesetz gemacht haben, könnten sie diese auch wieder aufheben.

Eine ironische Pointe bleibt nachzutragen. In derselben Sitzung, in der das deutsche Parlament die undemokratisch manipulierte „Rahmenvereinbarung zur Tabakbekämpfung“ ohne großes Federlesen ratifiziert hat, befürwortet es gleich im nächsten Tagesordnungspunkt einstimmig „eine parlamentarische Dimension im System der Vereinten Nationen“. (19) Für die offenkundige Inkongruenz dieser beiden Beschlüsse gibt es einen klinischen Namen: Schizophrenie.

Prof. em. Günter Ropohl hat bis 2004 Wissenschafts- und Technikphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main gelehrt. Seine Verbindung zur Tabakindustrie beschränkt sich darauf, dass er ihre Produkte genussvoll konsumiert. Bezahlte Aufträge aus dieser Branche hat er nie erhalten. Dies sei erwähnt, um den unsachlichen Verdächtigungen zuvorzukommen, mit denen Tabakgegner wissenschaftliche Argumente zu ersetzen versuchen. Dank für wertvolle Hinweise gebührt Christoph Lövenich.

In Novo95 (7–8 2008) erschien Ropohls Artikel „‘Passivrauchen‘ als statistisches Konstrukt“.

Anmerkungen

1Siehe hierzu den hervorragenden Essay des britischen Philosophen Roger Scruton: „WHO, WHAT and WHY? Trans-national government, legitimacy and the World Health Organization“, London 2000; auch unter: forces-nl.org. Der vorliegende Text ist zunächst ohne Kenntnis dieses Buches entstanden, das ihn aber in jeder Hinsicht bestätigt und mit vielen Detailbelegen und manchen Zuspitzungen durchaus übertrifft.
2Siehe de.wikipedia.org/wiki/Weltgesundheitsorganisation.
3Siehe tagesschau.de/ausland/schweinegrippe730.html.
4WHO (Hg.): History of the WHO Framework Convention on Tobacco Control, Genf 2010, 36, who.int; WHO (Hg.): World report on the global tobacco epidemic, Genf 2009, ebd. (wie leichtfertig übrigens die WHO aus einer „Epidemie“ eine „Pandemie“ macht, hat man ja 2009 bei der „Schweinegrippe“ beobachten können).
5Siehe who.int/governance/eb/constitution/en/.
6Zur Entwicklung der Anti-Tabak-Bewegung in den USA vgl. von der Heydt, I.: Rauchen Sie? Köln 2005, S. 103ff; G. C. Kabat: Hyping health risks, New York 2008, S. 147ff.
7P. Boffetta u.a.: „Multicenter case-control study of exposure to environmental tobacco smoke and lung cancer in Europe”, in: Journal of the National Cancer Institute, Nr. 90/98, S. 19, 1440–1450.
8Siehe who.int/inf-pr-1998/en/pr98-29.html.
9Alle Daten aus: History…, s. Anm.4.
10who.int/fctc/text_download/en. Das mehrdeutige Wort „control“ muss man der Klarheit zuliebe mit „Bekämpfung“ übersetzen; denn das ist eindeutig gemeint. „Tabakkontrolle“ ist nicht nur ein larvierter Anglizismus, sondern auch eine Verschleierung der eigentlichen Absichten.
11Zitiert nach der deutschen Fassung im „Gesetz zu dem Tabakrahmenübereinkommen“, Bundesgesetzblatt 2004, Teil II, Nr. 36; auf dieses deutsche Gesetz wird noch einzugehen sein.
12So z.B. P. N. Lee: Environmental smoke and mortality, Basel 1992; G. B. Gori / J. C. Luik: Passive Smoke: The EPA’s betrayel of science and policy, Vancouver 1999; Kabat 2008, a.a.O.; G. Ropohl: „‘Passivrauchen‘ als statistisches Konstrukt“ in: Novo95, (7–8 2008), S. 51–55.
13Plenarprotokoll 15/126 über die 126. Sitzung des 15. Deutschen Bundestages am 23.9.04, S. 11494.
14Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Gesundheit und Soziale Sicherung, Bundestagsdrucksache 15/3734, 22.9.04.
15S. Anm. 11.
16WHO: Guidelines on protection from exposure to tobacco smoke, Genf 2007; who.int.
17Empfehlung des Rates vom 30.11.09 über rauchfreie Umgebungen, Amtsblatt der Europäischen Union C 296/4, Dezember 2009; eur-lex.europa.eu.
18Zur finanziellen Förderung der WHO durch die Pharmaindustrie vgl. Scruton 2000, a.a.O.
19S. Anm. 13.

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Mehr zum Thema finden Sie im Dossier „Rauchverbot“

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Sehr geehrter Herr Ropohl,

danke für diesen großartigen Aufsatz. Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu, obwohl ich Nichtraucher bin und als Musiker von Rauchverboten profitiere. Die rauchfreie Luft in so manchem Club oder Veranstaltungsort ist für uns Musiker doch viel angenehmer. Das war schon manchmal eine Tortour.

Allerdings ist die Freiheit und Selbstbestimmung der Bürger ein höheres Gut als der vermeintliche Nichtraucherschutz. Die institutionellen Gesundheitsapostel dürfen nicht das Leben von uns allen bestimmen. Jeder kann und soll für sich entscheiden, wie er sein Leben verbringen will und welche Genussmitteln er für seine Lebensbewältigung einsetzt. Meine Fantasie ist auf diesem Gebiet sehr ausgeprägt: erst ist das Rauchen dran, dann der Alkohol, dann Fastfood und Süßigkeiten, Grillfleisch etc., dann sind auch noch die Risikosportarten auf der Agenda und, und, und…Nein danke!

Mit freundlichem Gruß
Stefan Schütz

Stefan Schütz
07.08.2010  00:19

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, ausser vielleicht der Hoffnung, dass mehr Menschen die Machenschaften hinter dem Gutmenschentum sehen mögen.
Natürlich ist es so, dass man mit der echter Hilfe (Trinkwasser, Nahrung, etc.) für die Ärmsten der Armen kein Geld scheffeln kann. Um Geld zu machen braucht es künstlich erzeugte Hysterien wie Passivrauch, Schweinegrippe oder auch den menschgemachten Klimawandel.
Möge die WHO, welche vielleicht einst eine ernstzunehmende Institution war, das irgendwann einsehen, dass sie sich an die falschen Propheten verkauft hat.
Aber vielleicht wird sie eines Tages auch dazu gezwungen werden es einzusehen, so wie sie heute Menschen, für Geld, zur Gesundheit zwingt.

Es lebe die Hoffnung (die bekanntlich zuletzt stirbt) ...

Magnum
07.08.2010  13:17

Wieder ein ausgezeichneter Beitrag von Prof. Ropohl!

Übrigens hat die WHO auch im jüngsten Heft der Stiftung Warentest (auf Seite 97) einen Denkzettel bekommen, wenn auch nur auf einer Randnotiz. Und es geht dabei um die sogen. Schweinegrippe-Pandemie und um die enge Verflechtung mit der Pharma-Industrie. Die Randnotiz bezieht sich wiederum auf einen Artikel des “arznei telegramm” und fragt schon in der Überschrift, ob dieser Vorgang “die grösste Marketingkampagne aller Zeiten” war.

Werner Paul
09.08.2010  01:08

Eine hervorragende Analyse der politischen Spannweite dieser anscheinend so gut gemeinten “Gesundheitsvorsorge”.
Wie einfach - und wirksam - es ist, eine Bevolkerungsgruppen gegen eine andere aufzuhetzen, indem man Angst und Schrecken verbreitet, kennen wir aus der nicht allzufernen Vergangenheit. Der Zweck heiligt dann umso mehr die Lügen.

Bernd Palmer
09.08.2010  20:39

Trotz aller Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), von Ärzten, Rettungshelfern und der medizinischen Forschung bleibt die Sterberate, über alle Lebenden gerechnet, seit Menschengedenken konstant bei 100%. Bisher ist kein Mensch bekannt, der das Leben überlebt hat. Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Geburt - und der nachfolgende Lebenszyklus - für alle Beteiligten ein ernsthaftes Risiko darstellt.

Nichtsdestotrotz, es gibt noch viel zu tun. Ob aber die UNO und ihre Tochterorganisationen die Prioritäten richtig gesetzt haben, ist zweifelhaft, denn
- Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger oder dessen Folgen (UN World Food Program)
- Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind an Wassermangel oder ungenügender Hygiene (UNICEF)
- Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria (WHO)

Bernd Palmer
09.08.2010  21:00

Änliche “Sekundentakte” wie sie Bernd Palmer benennt, werden allerdings auch von Raucherverfolgern für Todesfälle durch Rauchen propagiert. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Zahlen stimmen und ob Tod durch Rauchen überhaupt ursächlich belegbar ist, sei jedoch bemerkt: Die Raucher haben dann ganz überwiegend ein Lebensalter von mehr als 70 Jahren auf dem Buckel!

Werner Paul
10.08.2010  12:03

Für meine Begriffe zu einseitig auf das Rauchverbot abzielend, trifft es dennoch den Kern des Problems der gezielten Manipulation (auch und besonders durch die Presse), Einflussnahme (Lobbyisten) und des Entzugs der Grundrechte.
Letztere werden aber vor allem durch Sicherheitspolitik, Sozialgesetzgebung und die Ergebenheit der egoistischen Bürger bedroht - auch durch die Gesundheitspolitik.
Wer sich nur auf das Rauchen an sich bezieht, dem empfehle ich das Lesen des verlinkten Artikels:
http://bit.ly/d7vhMP

Nofate
10.08.2010  13:38

Als ehemaliger, starker Raucher, der nun seit 6 Jahren “clean” ist, kann ich beide Seiten der Zigarettenschachtel beurteilen. Ich erinnere mich noch genau an mein Befremden, als ich in Paris die ersten Bistros erlebte, in denen man nicht mehr rauchen durfte. Ich hatte den Eindruck, das hier ein Teil der französischen Kultur verloren gegangen sei. Natürlich muss ich gestehen, meine Wehmut dabei an den Klischee-Franzosen gehängt zu haben, der mit Baguette unterm Arm fröhlich lächelnd unter seiner Baskenmütze, die Gauloise im Mundwinkel unter der roten Tabac-Rombe auf einen Wein ins Bistro schlendert - wiewohl ich diesen Franzosen in meiner selektiven Wahrnehmung tatsächlich oft gesehen habe. Aber vielleicht wird ja als nächstes auch der Alkoholkonsum kriminalisiert.

Grundsätzlich ist der kritische Betrachtung der demokratischen Legitimation supernationaler Organisationen zuzustimmen. Dennoch möchte ich zu bedenken geben, dass es nicht ein Fehler, sondern die gewünschte Eigenschaft einer repräsentativen Demokratie ist, Sachfragen in Ausschüssen zu klären, die von den demokratisch legitimierten Volksvertretern besetzt werden. Dies muss nicht unbedingt der Abgeordnete selbst sein. Auf kommunaler Ebene gibt es da z.B. die “sachkundigen Bürger”, der von den gewählten Parteien in die Ausschüsse entsandt wird. Sie dürfen dort jedoch keine Mehrheit haben!

Das Problem der demokratischen Legitimation besteht also nicht darin, dass Ausschüsse oder Experten entscheiden, sondern in dem Verfahren, wie sie besetzt werden. Dies geschieht nämlich ausschließlich durch die jeweilige Regierung der einzelnen Nationen mit anderen Worten: durch die jeweilige Executive. Diesem “nach oben verlängerten Arm der Exekutive” wird nun, auf internationaler Ebene, legislative Kompetenz verliehen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn auf dieser Ebene kein oder nur ein sehr eingeschränktes, direkt gewähltes Parlament die Richtliniengeber kontrolliert. Etwas salopp formuliert, stellt sich die Lage für eine europäische National-Regierung so dar: Was ich national nicht durchsetzen kann oder will, weil ich vielleicht den Unmut der Betroffenen fürchte, das lasse ich einfach von oben, über den Umweg der EU-Kommission, als Richtlinie herniederregnen…

Doch im schnöden Detail seiner grundsätzlich richtigen Analyse muss ich Herrn Ropohl widersprechen. Denn die Kritik am Nichtraucherschutz kann zwar den Demokratiemangel illustrieren, ist in der konkreten Sache aber nicht wie hier dargestellt zu vertreten. Da wird von fehlenden wissenschaftlichen Beweisen geschrieben und von fanatischen Tabakfeinden. Und zur Krönung muss auch noch erst der Hunger in der Welt beseitigt sein, bevor eine rauchfreie Zone eingerichtet werden darf. Da sind dem berechtigten Verteidiger der Demokratie aber gehörig die Pferde durchgegangen.

Zunächst einmal handelt es sich nicht um eine Prohibition, da der Tabakgenuss nicht grundsätzlich unter Strafe gestellt wird. Im eigenen Kämmerlein darf “gequarzt” werden bis die Tapete teergegilbt von den Wänden rollt. Weiter scheint dem Raucher ein wesentliches Element der Freiheit völlig entgangen zu sein, nämlich die Freiheit des anderen, die den Grenzstein für die Freiheit des einzelnen markiert. Dazu bedarf es nicht eines wissenschaftlichen Beweises meiner gesundheitlichen Beeinträchtigung, sondern lediglich einer subjektiven Äußerung meines Unbehagens bei der ungewünschten Inhalation von Tabakrauch. Die Freiheit, andere zu belästigen hat weder mit Demokratie zu tun, noch mit Minderheitenschutz. Sie ist vielmehr Ausdruck eines unreifen, antisozialen Verhaltens, das auch mit lärmenden Autoradios, Handy und achtlos auf das Pflaster geklebten Kaugummies bewiesen wird.

Kindisch trotzige Anmerkungen wie “Kein Nichtraucher ist jemals an den Folgen des „Passivrauchens“ gestorben.” entwerten leider die höchst notwendige Diskussion über demokratische Strukturen in einer postnationalen Weltordnung.

Alf Mors
10.08.2010  13:49

Sehr geehrter Herr Mors,

da Sie ja nun auch die Absolution als kalter Raucher erlangt haben, kann ich Ihnen hierzu noch folgendes Gedankenspektrum empfehlen:

http://www.ef-magazin.de/2010/07/05/2303-rauchverbot-ende-der-libertas-bavariae

johanna
13.08.2010  02:32

Alf Mors: “nämlich die Freiheit des anderen, die den Grenzstein für die Freiheit des einzelnen markiert. Dazu bedarf es nicht eines wissenschaftlichen Beweises meiner gesundheitlichen Beeinträchtigung, sondern lediglich einer subjektiven Äußerung meines Unbehagens bei der ungewünschten Inhalation von Tabakrauch.”

Besteht die Freiheit des Anderen wirklich darin,es dem anderen Anderen zu verbieten, einen Ort der Geselligkeit zu etablieren, an dem sich Raucher (und Nichtraucher) treffen können? Es steht Ihnen doch frei (Ihre Freiheit!), diese Orte zu meiden, um der ungewünschten Inhalation von Tabakrauch zu entgehen.
Mit der Ihnen eigenen Argumentation könnte man auch Homosexuellen-Treffs, Prostituierten-Bars, McDonalds und Bierkneipen mit einem Bann belegen, angenommen Sie finden alle diese Exzesse widerlich. Und warum nicht im selben Zug auch FKK-Strände verbieten, ich möchte jeden Strand besuchen können, ohne mich ganz ausziehen zu müssen.
Sie fordern nichts anderes als ein Monopol der Anti-Raucher über die Gastwirtschaft.

Bernd Palmer
13.08.2010  11:28

Diese Raucherdiskussion interessiert mich nicht. Wie ich bereits sagte: ein schnödes Detail. Diesen Kinderkram sollen die Süchtlinge allein ausmachen.

Viel wesentlicher ist der Verlust an demokratischer Legitimation im Zuge der zunehmenden Globalisierung. Dieser Aspekt des Beitrags von Günter Ropohl fordert eine Diskussion über die Neuorganisation demokratischer Repräsentanz in supernationalen Gremien.

Alf Mors
13.08.2010  12:49

Können Sie das etwas ausführen: “Verlust an demokratischer Legitimation im Zuge der zunehmenden Globalisierung”

Politische Globalisierung führt logischerweise zum Verlust individueller Rechte und Freiheiten: Was gut ist für Frankreich muss auch gut sein für Deutschland und England.
Es geht nicht um Demokratie sondern um deren praktische Anwendung, Grundsätzlich würde eine Demokratie sogar ihre eigene Abschaffung erlauben, wenn das denn der Wille des Volkes oder seine Repräsentanten wäre.
Mit dem Rauchverbot sind die ersten Schritte zum Missbrauch der Demokratie bereits getan: die Diktatur der (wählenden)  Mehrheit. Darum geht es auch im Artikel vom Prof. Rophl.

Bernd Palmer
13.08.2010  13:14

@ Bernd Palmer: “Können Sie das etwas ausführen: “Verlust an demokratischer Legitimation im Zuge der zunehmenden Globalisierung””

Da Ihre Scroll-Funktion anscheinend defekt ist, zitiere ich aus meinem Beitrag weiter oben: “Das Problem der demokratischen Legitimation besteht also nicht darin, dass Ausschüsse oder Experten entscheiden, sondern in dem Verfahren, wie sie besetzt werden. Dies geschieht nämlich ausschließlich durch die jeweilige Regierung der einzelnen Nationen mit anderen Worten: durch die jeweilige Executive. Diesem “nach oben verlängerten Arm der Exekutive” wird nun, auf internationaler Ebene, legislative Kompetenz verliehen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn auf dieser Ebene kein oder nur ein sehr eingeschränktes, direkt gewähltes Parlament die Richtliniengeber kontrolliert. Etwas salopp formuliert, stellt sich die Lage für eine europäische National-Regierung so dar: Was ich national nicht durchsetzen kann oder will, weil ich vielleicht den Unmut der Betroffenen fürchte, das lasse ich einfach von oben, über den Umweg der EU-Kommission, als Richtlinie herniederregnen… ”

Den Artikel von Günter Ropohl sollten Sie noch einmal lesen. Er kritisiert NICHT, dass Mehrheiten entscheiden. Ganz im Gegenteil beklagt er die “Weltpolitik ohne demokratische Grundlage”, wie man schon der gleichlautenden Zwischenüberschrift entnehmen kann. 

Im übrigen führt die Betrachtung der “Diktatur der wählenden Mehrheit”, wie Sie sich ausdrücken, nur zu der altbekannten Erkenntnis: Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen - mit Ausnahme aller anderen!

Alf Mors
13.08.2010  14:07

Was für ein Unsinn,  Bernd Palmer: “Mit dem Rauchverbot sind die ersten Schritte zum Missbrauch der Demokratie bereits getan: die Diktatur der (wählenden)  Mehrheit”. Erstens: Demokratie ist eine Schimäre, und Schimären kann mensch nicht mißbrauchen. Zweitens: grammatisch nicht einwandfrei vermutest Du eine Diktatur der ” (wählenden) Mehrheit”. Die” (wählende) Mehrheit ist morgen schon eine wählende Minderheit und somit auch nur der eineTeil der “unmündigen Bürger”. Günter Rohpol hat uns doch am Beispiel des Rauhverbots nur klar gemacht, wie Herrschaft funktioniert.

Rotspoon
14.08.2010  10:38

Alf Mors,
es handelt es sich bei der Diskussion um die Tabakkontrolle mitnichten um “Kinderkram”. Über eine Milliarde Menschen sind in ihrem Ansehen, ihren Finanzen, ihren Entfaltungsmöglichkeiten, ihrer Identität und letztlich ihrer Existenz bedroht. Davon abgesehen, dass es sich aus WHO-Sicht um die Blaupause für Alkoholkontrolle, Salzkontrolle, Zuckerkontrolle usw. handelt.
Wenn ich Ihre Überlegungen aufgreife, muss ich mich dann fragen, ob und wie eine echte Demokratisierung inter- und suprationaler Strukturen möglich sein könnte. Organisationen wie die WHO oder der IWF sind stark von den USA kontrolliert, und in der EU spielen die Mitgliedsstaaten eine größere Rolle als deren Regierungen ihren Bevölkerungen gelegentlich vorgaukeln, so dass wir sehr schnell bei der Frage nach der echten Demokratisierung der Nationalstaaten anlangen. Insofern liegen viele Probleme nicht bei den Instrumenten der Demokratie- und Freiheits-Umgehung, sondern bei den Akteuren, die zu einem großen Teil eben nicht in Brüssel, in Genf oder New York sitzen, sondern in Washington D.C., London, Berlin, Paris usw.

Christoph Lövenich
26.08.2010  19:36

Christoph Lövenich,
die Tabakkampagne der WHO ist in meinen Augen nur eine Illustration der fortschreitenden Entdemokratisierung durch die Verlagerung von Regierungshandeln auf die supernationalen Ebenen (EU, UNO, IWF etc.), die, wie Sie richtig bemerkten, doch wieder von Einzel-Regierungen bzw. -Interessen dominiert werden.

Was die Personalisierung der Problematik angeht, bin ich mit Ihrer Deskription des Status Quo einverstanden. Dennoch liegt die Lösung nicht in Personen, sondern ausschließlich in der demokratischen Umgestaltung der Strukturen.

Lieber Herr Lövenich, ich kann durchaus verstehen, dass Ihnen als Bundeschef des “Netzwerks Rauchen” die Tabakkontrolle eine Herzensangelegenheit ist und Sie sich freuen, eine Diskussion immer wieder neu befeuern zu können, doch hier geht es um weit mehr als ein paar blaue Wölkchen.

Alf Mors
27.08.2010  11:43

Lieber Herr Mors,

sowohl bei der Betrachtung der Tabakkontrolle als auch der WHO geht es um mehr als um das von Ihnen genannten Problem, und bei dem von Ihnen genannten Problem geht es um mehr als um Tabakkontrolle oder die WHO. Vielleicht können wir uns darauf einigen.
Bei der Tabakkontrolle haben wir sehr viel mit Missbrauch und Unterdrückung von Wissenschaft zu tun, mit dem alten Kampf Freiheit vs. Prohibition, den es lange vor Gründung der WHO bzw. der Verlagerung von Regierungshandeln auf supra- und internationale Ebenen gegeben hat. (Und am dem ich übrigens nach wie vor, allerdings längst nicht mehr in der von Ihnen genannten Funktion, beteiligt bin.)
Ansonsten habe ich bereits auf die Blaupausen-Funktion der Tabakkkontrolle hingewiesen, die viele Bereiche erfasst. “Blaue Wölkchen” sind da gewiss nicht alles.
Selbstverständlich bin ich mit Ihnen einig, dass wir hier ein strukturelles Problem haben, und das findet sich auf allen Ebenen. Bei den “Akteuren” hatte ich nicht an die natürlichen Personen bestimmter Amtswalter gedacht, wobei auch diese nicht ausgeblendet werden können.
Grundsätzlich sollte man der Zentralisierung von Macht, aktuell eben der Übertragung von Kompetenzen auf supra- und internationale Ebenen, mehr als skeptisch gegenüberstehen. Internationale Organisationen und EU haben sich auf grenzüberschreitende Fragen zu beschränken. Der Sinn des Weltpostvereins ist unmittelbar einzusehen, hingegen keine Brüsseler oder weltweite Zuständigkeit für Glühbirnen oder “blaue Wölkchen”.

Christoph Lövenich
27.08.2010  15:52

Ich bin immer wieder verwundert über dieses erschreckende Maß an Irrationalität, Dummheit und Unvernunft, das aus Texten wie jenem hier gerade zu lesenden des Herrn Ropohl spricht. Da werden großspurig politische Thesen entwickelt, die angeblich darlegen sollen, bis zu welchem Grade von Repressivität und Entmündigung basierend auf einer angeblichen „Weltverschwörung der Gutmenschen“ unsere politischen und sozialen Systeme sich bis heute entwickelt haben sollen und wie stark doch unsere individuelle Freiheit in jüngster Zeit durch eine imaginäre Gruppe von „Tugendterroristen“ bedroht sei.

Die Autoren dieser textlichen Darlegungen geben sich dabei aber auch alle erdenkliche Mühe uns, dem gemeinen Volk, klarzumachen, wie man uns denn manipuliere, die Macht aus der Hand nehme und uns durch schleichende und immer stärker werdende Einflussnahme zu unmündigen und unterwürfigen Robotern degradiere. Der Endpunkt unserer Entwicklung, so wollen Leute wie Herr Ropohl uns erklären, sei dann der vollumfänglich ahnungslose Befehlsempfängern und willfährige Mitgänger, der nur noch die Befehle des Überstaates ausführen könne und vor allem wolle. Und diesen unmündigen Sozialkretin gelte es durch entschlossenes und kollektives Handeln zu verhindern.

So wird uns denn auch beständig ein zwar nicht schönes aber auf den ersten Blick durchaus stimmiges Bild an die Tafel gemalt, das so wunderbar zusammengeht mit den großen literarischen Dystopien à la „1984“, „Brave New World“ oder „Fahrenheit 451“.

Bei einer genaueren Betrachtung wird bei derartigen Textausflüssen jedoch immer ganz schnell klar, dass dieser ganze, überdies lediglich oberflächlich reflektierte, Unsinn nie in irgendeine Tastatur gehämmert worden wäre, wenn es den Autoren dieser Pamphlete nicht um etwas letztlich ganz Banales und Profanes ginge: Ihren eigenen Konsum der Droge „Tabak“, der nun seit einigen Jahren aufgrund einer sich veränderten gesellschaftlichen Bewertung dieser Droge zunehmend Restriktionen unterliegt.

Herr Ropohl, der sich in einem anderen seiner Pamphlete, einmal unvorsichtigerweise als Opfer eines ihm durch die allfälligen Rauchverbote aufgezwungenen „leidvollen Genussverzichtes“ bezeichnet hatte, betreibt seine peinliche Selbstoffenbarung zwar heute differenzierter aber kaum verhüllter.

Man darf somit mit Fug und Recht unterstellen, dass ein Herr Ropohl niemals aufgestanden wäre und eines seiner ebenso langen wie überflüssigen Elaborate über den Niedergang der freien Welt verfasst hätte, wenn er selbst nicht rein zufällig ein regelmäßiger und vor allem schwerstabhängiger Nutzer der Tabakdroge wäre. Und in dieser ethisch äußerst zweifelhaften Motivationslage des puren Egoismus liegt die eigentliche Perfidie dieser ganzen selbst ernannten Warner vor dem Niedergang der Freiheit: Sie handeln ausschließlich aus zutiefst eigennützigen Motiven. Die Bewahrung der Freiheit ist für sie nicht das Hauptziel. Das, was sie letztlich intendieren, ist ganz banal nur die Verwirklichung des Wunsches, man möge sie fortan beim Konsum ihrer Droge keinerlei Einschränkungen mehr unterwerfen.

Weil dieses Ziel aber einem breiten und in aller Regel differenzierter denkenden Publikum in dieser banalen Einfachheit nicht zu vermitteln ist, wird eben der Umweg über die ewig repetierte Warnung vor dem Menetekel gesucht. Der Teufel, der da beständig an die Wand gemalt wird, ist nur das Vehikel, mit dem versucht wird, andere Menschen, die den Suchtstoff „Tabak“ nicht in regelmäßigen Abständen benötigen, auf die Seite derer zu ziehen, die an dieser stoffgebundenen Abhängigkeit leiden und sich aus ihr nicht lösen können oder wollen.

Man braucht also Verbündete im verzweifelten Kampf um die vermeintlichen „Freiheitsrechte der Raucher“. Und die findet man in aller Regel nicht in den Reihen der Raucher selber. Denn die sind, wie man aus der Sozialforschung seit langem weiß, ungeschickterweise primär der falschen Sozialschicht zugehörig. Also versuchen notorische Tabakdrogenkonsumenten wie Herr Ropohl und seine Mitstreiter mittels ihrer ewig gleich lautenden Thesen den Spagat zur gebildete(re)n Welt. Dort wollen sie dann Unterstützer für den eigenen aussichtslosen Kampf für die Raucher und das Rauchen rekrutieren. Es ist ein ebenso billiges wie leicht zu durchschauendes Betreiben, das hier in doch erschreckender Banalität evident wird. Denn jenen Menschen, die nicht zu den Tabakdrogenkonsumenten gehören, dürfte nur sehr schwer vermittelbar sein, warum ausgerechnet sie sich im Kampf gegen Einschränkungen beim Tabakdrogengebrauch engagieren sollen, warum es also letztlich als etwas Erstrebenswertes gelten solle, sich für Lungenkrebs, Herzinfarkt und Frühtod in die Arena zu begeben und dort einen sowieso aussichtslosen und vor allem vollständig sinnlosen Kampf zu kämpfen.

Und darin liegt dann auch die wahre Tragik von den immer wieder auf der Bühne erscheinenden „Netzrauchern“ wie Ropohl & Co. Ihre im WWW veröffentlichten Traktate werden nur von einer immer gleichen und aus wenigen Personen bestehenden Minderheit beklatscht, die überwiegende Mehrheit wendet sich schweigend und mit gepflegten Gruseln ab. Denn wer, so fragt man sich unwillkürlich, ist eigentlich so dumm um sich für seinen frühen Tod an das Rednerpult zu begeben und dort sein vorgebliches Recht lautstark einzufordern?

Peter Rachow
30.09.2010  09:58

@ Rachow. Ist Sporttauchen nicht auch gefährlich? Sollte vielleicht besser staatlich reguliert werden.

Nichtraucher
30.09.2010  11:34

Liebe(r) Herr/Frau “Nichtraucher”,

bitte haben Sie Verständnis, dass ich auf einem derart dümmlichen Niveau nicht diskutieren möchte.Vielen Dank.

Peter Rachow
30.09.2010  18:24

Ja, Herr Rachow, so hätte ich es natürlich auch formulieren können.

Nichtraucher
30.09.2010  20:52

@ Herr Rachow, schön, dass Sie das Thema Niveau anreißen: Ich möchte auch Sie bitten, künftig auf Argumentationen, die Ihren zuwiderlaufen, niveauvoll zu reagieren. Zuweisungen wie “erschreckendes Maß an Dummheit”, “peinliche Selbstoffenbarung” gegenüber autoren und Mitdiskutanten gehören nach meinem Verständnis nicht zum Vokabular einer niveauvollen Debatte.

Matthias Heitmann
30.09.2010  20:52

Lieber Herr Rachow,

Sie scheinen mir etwas zu aufgeregt mit den Rauchern. Wie Sie selbst sagen, handelt es sich bei diesen um eine schwindende Minderheit willensschwacher psychisch Abhängiger, deren weitaus größter Teil nicht in der Lage ist, Herrn Ropohls eloquenten Argumenten auch nur ansatzweise zu folgen, geschweige denn, selbst das geschwätzige Schwert zur Suchtverteidigung zu führen. Wenn das träge Pack nicht einmal für eine Volksabstimmung ihre “Raucherclub” genannten Fixerstuben verlässt und danach dann jammernd den Untergang des freien Drogenlandes beklagt, wird dadurch nur deutlich, dass Selbstmitleid schon immer die größte “Tugend” von Süchtigen im Entzug war. Da scheinen bei manchen Diskutanten gar schon Wünsche nach Abschaffung der Demokratie laut zu werden. Denn in ihren Augen ist natürlich die tumbe Masse denkbar ungeeignet, das Recht auf rücksichtslose Freiheit der nikotinsüchtigen Dreckschleudern zu verteidigen. Jahrzehntelang wurde mit falscher Rücksichtnahme toleriert, was eigentlich schon immer die Verdinglichung der intolleranten Antidemokratie war. Das hat aber nicht zu einer wachsenen Sensibilität der Verpester geführt, sondern lediglich zu der Verfestigung des kranken Gedankens, dass der Dreck, den er selbst freiwillig einatmet gefälligst von anderen zu ertragen sei und möglichst überall!
Aber, wie bereits erörtert, diese Gruppe maginalisiert bereits und wir in Kürze den Weg aller Darwin-Award-Anwärter gehen - sie werden aussterben! Ihr Anteil in der intellektuellen Elite schrumpft mit beruhigender Geschwindigkeit. Mag sich Herr Ropohl von dem kümmerlichen Rest feiern und anbeten lassen - erlösen wird er sie nicht.

Alf Mors
30.09.2010  21:16

@ Herr Mors

Ihren letzten Kommentar halte ich aufgrund seiner diffamierenden Außerungen gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden für völlig unangemessen. Sie können sich gern mit Herrn Rachow zusammentun und sich in Diffamierungen und Beschimpfungen gefallen - aber nicht in einem Forum, das um ernsthafte Debatten bemüht ist.

Info an alle an ernsthaften Diskussionen Interessierte: Ich habe diesen Kommentar nur freigeschaltet, da er aufzeigt, auf welchem Niveau mittlerweile diese Diskussion in Teilen der Gesellschaft geführt wird. Weitere Kommentare dieser Art werde ich nicht freischalten, da sie den Nutzungsbedingungen unseres Forums widersprechen.

Matthias Heitmann
01.10.2010  11:19

Es scheint manchen Menschen ein unwiderstehliches Bedürfnis zu sein, ihren Mitmenschen beizubringen, wie sie zu leben haben. Dieses Bedürfnis kann sich bis zum missionarischen Eifer steigern. Es geht dann nicht mehr nur darum, die Mitmenschen mit sachlichen, logischen Argumenten zu überzeugen, in der Hoffnung, dass sich die Mitmenschen diese Argumente zu eigen machen und ihr Verhalten ändern, sondern sie durch Druck zu Verhaltensänderungen zu zwingen.
Dieser Druck kann verschiedene Formen und Steigerungsstufen aufweisen: Gesetze, die das Verhalten einschränken oder ganz verbieten (Mischehen, Homosexualität, Alkoholmissbrauch), soziale Ächtung und Diffamierung, finanzielle Massnahmen (Steuern auf Tabak, Alkohol, Lebensmittel; “Luxussteuer”).

Ein in vielen Bereichen erfolgreich angewandtes Mittel, um sozialen Druck auszuüben, besteht in der Spaltung der Gesellschaft, indem man die “guten” Menschen gegen die “schlechten” Menschen aufhetzt. Die bewährteste Methode ist wohl das Verbreiten von Angst vor dem Kontakt der “guten” mit den “schlechten” Menschen. So behauptet eine Studie, dass der persönliche Kontakt mit Übergewichtigen die Wahrscheinlichkeit erhöht, selbst übergewichtig zu werden (oder zu sein?). Second Hand und Third Hand Smoke gehören in die selbe Kategorie. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Werbekampagne der Schweizer Lungenliga, die Fotos von Mafiaopfern in gastronomischer Umgebung zeigt.

Dass diese Art der sozialen Manipulation zur Tabak-Kontroll-Strategie gehört, zeigt ganz klar das Manifest von Globalink (internationale Vereinigung von Tabakgegnern):
http://strategyguides.globalink.org/guide01_06.htm
“Core Messages Speak to the Broad Public Interest
In this case, your core message is threefold:
  Passive smoking is a serious health hazard.
  Passive smoking is a public health hazard that requires responsive public health laws and regulations.
  Clear health benefits will be achieved at reasonable or low cost.”

Der höchste Stufe der missionarischen Agitation wurde in einigen der obigen Kommentare vorgestellt: die persönliche Verunglimpfung. Dieses Vorgehen ist von blinder, ohnmachtiger Wut gezeichnet. Die Autoren erkennen, dass keine der anderen Massnahmen in der Lage sind, das Verhalten ihrer Zielgruppe zu beeinflussen.

Was treibt sie zu diesem Verhalten? Das Anliegen, das sie vertreten, betrifft nicht ihr eigenes Leben, sondern das von Mitmenschen. Glauben sie wirklich, dass ihre persönlichen Angriffe auf einzelne Raucher Millionen andere Raucher bekehren könnte? Ist es übersteigerte Rechthaberei (“ich verkünde die absolute Wahrheit, deshalb müssen sich Alle an meine Anweisungen halten”) oder ein missionarisches Bedürfnis, das nach einem Betätigungsfeld sucht? Ist es reine Lust daran, andere Menschen zu verunglimpfen?

Welchen persönlichen, realen Nutzen ziehen diese Kommentatoren aus ihrer Agitation? Eine Welt-Heils-Ordnung nach ihrem Gusto? Und dann ...?

Ben Palmer
02.10.2010  13:36

Danke, Herr Heitmann! Das haben Sie richtig gemacht. Unbefangene Leser müssen wirklich erfahren, welch perfide Tonart unter gewissen Tabakgegnern gang und gäbe ist. Einschlägige Internet-Seiten strotzen nur so von böswilligen Unterstellungen und Beschimpfungen. Das Aggressionspotenzial, dem sachliche Diskussionsbeiträge - nicht nur meiner - ausgesetzt sind, ist wahrhaft erschreckend! Müssen Menschen, die das Rauchen verbieten wollen, gleich alle demokratische Diskussionskultur über Bord werfen?
Günter Ropohl

Günter Ropohl
02.10.2010  16:49

Rachow geht in seinem »Beitrag« mit keinem Wort auf die Argumente von Prof. Ropohl ein – er nutz 747 Worte allein dafür, Rauchende allgemein und Prof. Ropohl speziell zu diffamieren.
Er kann nicht anders (wie in vielen anderen Foren schon belegt), doch sollte so etwas in diesem Forum, eines des sachlichen Gedanken- und Argumenteaustauschs, keinen Platz finden.

Dirk von Kügelgen
02.10.2010  21:29

Für die Diskussion um einen angemessenen, auch die Interessen der Raucher/innen berücksichtigenden Nichtraucherschutz wäre viel gewonnen, wenn man den wissenschaftlichen Sachstand über die gesundheitlichen Folgen des Passivrauchens nicht nur gefiltert danach akzeptiert, was daraus für die Regelung des Rauchens in öffentlichen Räumen resultieren könnte. Über Wissenschaft soll wissenschaftlich gestritten werden, über Politik politisch. Herr Ropohl scheint mir dazu gerade nicht bereit zu sein (siehe dazu http://www.josephkuhn.de/pdf/Passivrauchen_Buergerorientierung_Evidenz.pdf). Statt dessen wird die gesamte Studienlage zu den gesundheitlichen Folgen des Passivrauchens als Produkt einer weltweiten Verschwörung erklärt - wäre das dann das wirkt, um seine ins psychiatrische Fach gehende Schlussformulierung aufzunehmen, dann Paranoia?

Joseph Kuhn
23.10.2010  19:16

... der letzte Satz korrekt: “wäre das, um seine ins psychiatrische Fach gehende Schlussformulierung aufzunehmen, dann Paranoia?”

Joseph Kuhn
24.10.2010  01:09

„Freundliche“ Charakterisierungen bin ich von Tabakgegnern gewöhnt. Herr Kuhn meint nun, ich wäre einer paranoiden Verschwörungstheorie verfallen. Wie schon in der NOVO-Diskussion vor zwei Jahren (mein Artikel: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo95_51; Kritik Kuhn: NOVO 97, 50-52; meine Replik: NOVO 98, 61-62) hat er auch diesmal meinen Text nicht genau gelesen. Ich fabuliere nicht von einer Verschwörung, ich weise anhand von WHO-Dokumenten nach, dass es die Verschwörung einer weltweiten „Gesundheits“liga zur Tabakbekämpfung tatsächlich gibt! Und sie ist höchst effektiv: Eine Liste der Rauchverbote braucht kaum noch ein Land der Erde auszulassen (http://en-wikipedia.org/wiki/List_of_smoking_bans). Und ist es wirklich ein Zufall, dass Griechenland im September 2010 die Rauchverbote erheblich verschärft hat, nachdem es finanzielle Zusagen der Weltbank erhalten hatte (vgl. den Artikel von Lorraine Mooney über die Weltbank: http://www.novo-magazin.de/43/novo4340.htm)? Die Interessen der Raucher, die Herr Kuhn blauäugig bekräftigt, werden da kaum noch berücksichtigt – ganz zu schweigen von seinem Heimatland Bayern, wo knapp 23 % aufgestachelte Stimmbürger ein totales Rauchverbot durchgesetzt haben.

Doch Herr Kuhn plädiert (zu Recht!) für die Trennung von Wissenschaft und Politik. Aber will er denn nicht wahrhaben, dass die Tabakgegner genau dagegen verstossen? Zuerst haben sie in den USA mit politischen Kampagnen das Märchen vom Passivrauchen aufgebracht, um die Nichtraucher gegen die rauchenden Menschen aufzuwiegeln. Dann haben sie Wissenschaftler vor ihren Karren gespannt, die das Märchen „beweisen“ sollten. Allerorten kann man nachlesen, dass ihnen das nicht gelungen ist (nicht nur in meinem NOVO-Artikel von 2008, sondern 2009 auch in dem Buch „Velvet glove, iron fist“ des britischen Historikers Christopher Snowdon). Aber die Gesundheitsfunktionäre beharren wie Herr Kuhn auf dem Märchen und schlagen jene fragwürdigen „wissenschaftlichen“ Studien den Politikern um die Ohren, um eine menschenrechtswidrige Tabakprohibition durchzusetzen. Wenn Herr Kuhn die Trennung von Wissenschaft und Politik ernst meinen würde, müsste er sich schleunigst von den Tabakbekämpfern distanzieren – so wie das der seriöse und keineswegs rauchfreundliche Tabakforscher Michael Siegel von der Universität Boston inzwischen getan hat.

PS In der Wissenschaft ist es guter Brauch, einem Autor, mit dem man sich ausführlich auseinandersetzt, eine Kopie dieser Kritik zu schicken. Der Aufsatz von Herrn Kuhn, auf den er hier verweist, ist mir allerdings bis heute unbekannt gewesen. Gewiss: Er wiederholt darin die Argumente aus der NOVO-Diskussion, und er erwähnt sogar die Gegenargumente meiner Replik, ohne sie freilich zu widerlegen. Aber warum hat er mir seinen Artikel nicht zur Kenntnis gebracht?

Günter Ropohl
26.10.2010  19:49

Ach Herr Ropohl, hören Sie doch auf mit Ihrem ewigen “...ICH kann beweisen, dass es eine weltweite Verschwörung der Tabakgegner gibt!”. Das, was Sie, vermutlich durch Ihre eigene Nikotinsucht bedingt, als konspirative Machenschaft missdeuten, ist keine Verschwörung sondern ganz einfach der breite Unmut jener Menschen, die sich dem von Ihnen und Ihren Raucherkonsorten freigesetzten ekelerregenden und gesundheitsgefährdenden Gestank nicht mehr länger aussetzen wollen. Immerhin repräsentieren diese Menschen mit im Mittel 75% Anteil die absolute Mehrheit der Bevölkerung. Und diese haben buchstäblich nach Jahrzehnten der mehr oder weniger klaglos erduldeten Passivberauchung ganz einfach “die Nase voll”. So simpel ist das. Ihre persönliche und bizarr übersteigerte Sichtweise der Welt können Sie daher getrost in eine Reihe mit anderen bekannten Verschwörungstheorien stellen. Von der angeblichen Ermordung JFKs durch den Mossad bis hin zur Mondlandung im Hollywoodstudio. Und die Art und Weise wie Sie mit Ihren absurden Thesen in der Öffentlichkeit trommeln, lässt in signifikanter Art auf Ihre eigene psychische Befindlichkeit schließen.

Peter Rachow
26.10.2010  20:14

Herr Rachow, ich möchte Sie ein zweites Mal auffordern, bitte künftig Beschimpfungen und persönlich beledigende Andeutungen in diesem Diskussionsforum zu unterlassen. Einer sachlichen Auseinandersetzung über Inhalte und Argumente sind diese nicht dienlich. Jemanden aufgrund seiner “Nikotinsucht” zu diffamieren und diese für “Missdeutungen” verantwortlich zu machen, ist jenseits jedes akzeptablen Niveaus. Ihre Diskussionsbeiträge dürften selbst bei überzeugten Nichtrauchern, die an sachlichen Diskussionen interessiert sind, für Stirnrunzeln sorgen. Ich habe den Eindruck, dass Ihre Beiträge der von Ihnen als richtig empfundenen Sache einen Bärendienst erweisen.

Matthias Heitmann
26.10.2010  21:30

@Herr Rachow
Verschwörungstheorien? Ich habe den Eindruck dieser Begriff wird immer dann verwendet, wenn jemand keine Argumente mehr hat oder der Horizont einfach nicht ausreicht sich das Geschilderte vorzustellen. Wer konnte sich vorstellen, dass moderne “Demokratien” zu Staatsterrorismus greifen? Und doch bewies die Nato-Gruppe Gladio, dass sogar tote Bürger im eigenen Land zur Verfolgung politischer Ziele in Kauf genommen wurden und werden. Ebenso ist im Zusammenhang mit der WHO und ihren Machenschaften auf die sogenannte Schweinegrippe hinzuweisen. Wer dort noch von Verschwörung spricht, muss anfangen sich besser zu informieren.

Auch wenn ich Herrn Ropohl insofern zustimmen muss, dass es diese “Gesundheitsliga” gibt, ist in meinen Augen das Ziel solcher und ähnlicher Vorgehensweisen/Themen viel weitreichender, nämlich die Entmündigung und Entrechtung der Bürger. Das gelingt am besten unter der gültigen Herrschaftsnorm “divide et impera”. Man sollte das Rauchverbot daher ebenso wenig wie S21 oder HartzIV auf das Thema begrenzt betrachten, sondern immer im Gesamtzusammenhang der gesellschaftlichen Realität. Letztlich muss auch immer gefragt werden: Cui bono?
Und auf diese Frage ist wie bei Feinstaub und Schweinegrippe sicher nur ganz am Rande als Antwort die Gesundheit der Menschen zu finden…

Nofate
26.10.2010  22:12

Die Diskussion um den Passivrauch hat spätestens 1993 mit der Veröffentlichung der berühmt-berüchtigten EPA-Studie eine neue Dimension erreicht, die politisch korrekte Wissenschaft.

Ach, nein. Lassen Sie mich das ins richtige Licht setzen. Am Anfang stand das Ziel, dem Rauchen (den Rauchern) den Krieg zu erklären:
“I imagine that most of us here know full well that our target must be, in the long-term, the elimination of cigarette smoking ...”
Juni 1975, Sir George E. Godber, Chairman, Expert Committee on Smoking and Health, World Health Organization

An den verschiedenen World Conferences on Tobacco and Health wurden die Waffen geschmiedet ...
“There are plenty of weapons of persuasion, of restriction, of financial penalty by price and tax increases with which we could seriously hope to reduce the consumption of cigarettes by a substantial portion within 5 years.”
Sir George E. Godber

Man erkannte die Notwendigkeit, Verbündete in der Politik zu “gewinnen” ...
“We ourselves cannot take the political action but we can make life so uncomfortable for the politicians that they feel compelled to act.”
Mike Daube (Gründer von ASH-UK): 4th World Conference on Smoking and Health (1979)

Man man benötigte einen Sündenbock, den man an den öffentlichen Pranger stellen konnte ...
“The merchants of death - and I assume that phrase was thought up by Sir George Godber because he thought up most of the good phrases we use - the merchants of death are the tobacco manufacturers and we must confront them with every battle field, whether it is health, political, social, environmental or economic or any other”.
Mike Daube

Und man mobilisierte die breiten Massen, um sie als Untergrundkämpfer einzusetzen ....
“it would be essential to foster an atmosphere where it was perceived that active smokers would injure those around them, especially their family and infants or young children who would be exposed involuntarily to the smoke in the air.”
Sir George E. Godber
http://www.tobacco.org/news/254432.html

Ab etwa diesem Punkt kam die “Wissenschaft” ins Spiel, sie musste den Massen glaubhaft machen, dass Raucher eine tödliche Gefahr sind. Wissenschaft musste also sachdienlich sein, womit wir bei der eingangs erwähnten Studie der EPA sind.

Eine Verschwörung? Wenn nicht, dann jedenfalls eine geschickte Strategie, die mit den Jahren breite politische Unterstützung gefunden und sich zu einem milliardenschweren Business entwickelt hat. Nur die Endlösung wurde nicht erreicht.

[Verweise zu den Quellen sind unter http://www.rampant-antismoking.com/index.html zu finden]

Ben Palmer
27.10.2010  01:23

Um den Faden von Nofate aufzunehmen: Wie nebensächlich die Gesundheitheit in den politischen Bemühungen der Tabakbekämpfung sind, kann man einem Papier der EU-Kommission entnehmen.

Es geht darin um die elektronischen Zigaretten, die neben Nikotin nur einen völlig ungefährlichen Stoff zur Erzeugung von “Rauch” (Polypropylen-Glycol) und eventuell Aromastoffe enthalten. Polypropylen-Glycol ist gemäss FDA als Zusatzstoff in Nahrungsmitteln unbedenklich (u.a. zur Konservierung und zur verhinderung des Austrocknens) und wird in vielen pharmazeutischen Erzeugnissen verwendet. Es findet auch in Diskos Anwendung zur Erzeugung von Nebel.
Die e-Zigaretten sind also vergleichbar mit Nikotin-Inhalatoren der Pharmaindustrie.
Es hat sich gezeigt, dass viele Raucher sich mit Hilfe von E-Zigaretten die echten Zigaretten abgewöhnen können.
Und natürlich fehlen den e-Zigaretten die über 4000 “toxischen” Stoffe, die man als Verbrennungsprodukte bei Zigaretten feststellt. Weder Raucher noch Passivraucher haben also gesundheitliche Schäden zu befürchten. Die 3301 Toten des WHO-KZ könnten aufatmen.

Nur das passt der EU-Kommission gar nicht ins Konzept, denn damit kann man (wie auch mit Patches und Nikotin-Inhalatoren) Nikotin zu sich nehmen und die Rauchverbote unterlaufen.

Ein Orientierungspapier der Kommission geht auf dieses Problem ein:
“However, these kinds of products have the potential of undermining the smoking cessation policies, since they keep the smoking addiction.”

Anbieter von e-Zigaretten tun gut daran, auch nur andeutungsweise zu erwähnen, dass ihre Produkte zur Raucherentwöhnung dienen können, denn würden e-Zigaretten unter die Zulassungspflicht von medizinischen Produkten fallen.

Die Kommission versucht deshalb, die Definition von zulassungspflichtigen Produkten umzudeuten:
“Any substance or combination of substances which may be used in or administered to human beings either with a view to restoring, correcting or modfying physiological functions by exerting a pharmacological, immunological or metabolic action, or to making a medical diagnosis.”

Die Kommission hat dabei übersehen, dass jedes Getränk und jedes Nahrungsmittel einen metabolischen Effekt auslöst und dass Kamillentee auch pharmakologische Effekte zugeschrieben wird.

Wissenschaft oder Politik? Verschwörung?

Ben Palmer
27.10.2010  05:15

@ Herr Heitmann
Demokratische Auseinandersetzung muss auch etwas aushalten können! Das Gejammer über schlechten den Stil der Argumentation kann nicht davon ablenken, dass 99 % der Raucher schlicht nikotinsüchtig sind. Und einen Süchtigen süchtig zu nennen ist vielleicht nicht schön für den Süchtigen aber es ist schlicht wahr…

In einer solchen Diskussion ist aber der Herr H. immer dann besonders schnell mit der moralischen Entrüstung bei der Hand, wenn es gegen das Rauchen geht. Vielleicht wäre es angebracht, wenn dies sich ab und an auch einmal gegen die Relativierung grundgesetzlich etablierter Rechte, Prinzipien und Institutionen wendete? Ich finde es beispielsweise gleichermaßen erschreckend und abstoßend, wenn demokratische Mehrheitsentscheidungen hier wiederholt als der Ausfluss einer fehlgeleiteten tumben Masse dargestellt werden.

Alf Mors
27.10.2010  09:03

@ Herr Mors

Selbstverständlich muss eine demokratische Auseinandersetzung etwas aushalten können und entsprechend robust sein. Genau darum geht es in diesem Forum: Hier sollen kontroverse Debatten geführt werden. Persönliche Anfeindungen und Beschimpfungen stehen einer solchen Auseinandersetzung jedoch im Wege. Sie verhindern eine robuste Debatte, denn sie verlassen die Ebene des sachlich vorgetragenen Arguments. Härte in der Argumentation bedarf keiner Untermauerung durch Beleidigungen und Diffamierungen, im Gegenteil, erstere erfährt durch letztere eine inhaltiche Verwässerung. Es geht hier also nicht um das Beklagen eines schlechten Diskussionsstils, sondern darum, das Niveau der Diskussion zu heben. Ich verweise gern nochmals auf unsere Nutzungsbedingungen (http://www.novo-argumente.com/magazin.php/service/nutzungsbedingungen_agb_datenschutz, insbesondere auf Punkt 4.).

Matthias Heitmann
27.10.2010  09:21

Mit Honig fängt man Fliegen. Mit finanziellen Anreizen fängt man Interessen- und Lobby-Gruppierungen und erzeugt damit de facto Verschwörungen.
Ein Beispiel dafür, in welchem Ausmass der Staat die Anti-Tabakbewegungen und Lobby-Gruppen mit öffentlichen Geldern finanziert (und in der Hand hat), zeigt diese Aufstellung aus dem UK.  “Government lobbying government” – public money being spent to influence the use of other public money:
http://takingliberties.squarespace.com/storage/Govt lobbying govt - tobacco control industry - Oct 2010.pdf

Ben Palmer
27.10.2010  14:45

Der Link im obigen Beitrag wurde leider nicht korrekt übernommen. Ersatz: http://snipurl.com/1csd9b

Ben Palmer
27.10.2010  15:58

Danke für diesen Link und die andern Ausführungen, Ben Palmer. Vielleicht geht dadurch doch mal manchen ein Lichtlein auf.

Werner Paul
27.10.2010  23:21

Herr Ropohl beschreibt in seinem Beitrag, dass die WHO eine Tabakkontrollstrategie hat. Sie handelt in diesem Punkt also nicht konfus, sondern planmäßig. Darüber mag sich aufregen, wer will. Nicht nachvollziehbar ist, wie daraus der Vorwurf einer „weltweiten Verschwörung“ in der Wissenschaft wird, so als ob die gesamte Wissenschaft ihre Befunde auf diese Strategie hin fabrizieren würde. Wie könnte so etwas überhaupt funktionieren, mit hunderten, wenn nicht tausenden von Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen, von denen sich viele wohl nicht einmal vom Namen her kennen, geschweige denn je Kontakt miteinander hatten. Occam würde sagen, der wissenschaftliche Konsens zum Passivrauchen lässt sich viel einfacher damit erklären, dass an der Sache was dran ist.

Was Bayern angeht: Beim Volksentscheid in Bayern ging es um die gesellschaftliche Akzeptanz des Rauchens in Gaststätten. Darüber lässt sich diskutieren und darüber wurde diskutiert, mit dem Ergebnis, dass sich eine (relative) Mehrheit gegen das Rauchen in Gaststätten entschieden hat. Man kann die relativ geringe Wahlbeteiligung beklagen, aber warum muss Herr Ropohl die Leute als „aufgestachelte Stimmbürger“ beschimpfen? Mir scheint eher seine Sicht der Dinge etwas „aufgestachelt“ zu sein. Über ein „totales Rauchverbot“ wurde in Bayern jedenfalls nicht abgestimmt, sondern lediglich darüber, ob man zum Rauchen vor die Gaststättentür gehen muss. Das mag man für unzumutbar halten, oder eben auch nicht. Herr Ropohl fragt, ob die WHO nichts Wichtigeres zu tun hätte, dass sie sich z.B. lieber um die Bekämpfung der Armut und um sauberes Trinkwasser kümmern sollte. Vielleicht wäre das auch etwas für ihn selbst?

Joseph Kuhn
29.10.2010  19:43

Recht so, Herr Kuhn! Im Spätmittelalter hat es ja auch einen “wissenschaftlichen Konsens” zur Hexentheorie gegeben ... Im Ernst: Die Konsensustheorie der Wahrheit ist eine höchst windige Sache. Das zumindest könnten Gesundheitswissenschaftler vom Wissenschaftsphilosophen lernen.
Ausserdem gibt es den “wissenschaftlichen Konsens zum Passivrauchen” gar nicht; das könnten eigentlich auch Sie wissen, Herr Kuhn. Aber die Dissidenten ignoriert man, oder man desavouiert sie als “industrieabhängige”, “suchtgetriebene” und “intellektuell unredliche” Falschmünzer.
Dass “man zum Rauchen vor die Gaststätte gehen muss”, ist natürlich nicht die Bagatelle, als die Sie das hinstellen. Es ist die soziale Ausgrenzung, sprich Diskriminierung vieler Millionen Menschen. Das ist ein Angriff auf gesellschaftlichen Zusammenhalt, verübt von einer kleinen radikalen Minderheit intoleranter Tabakgegner.

Günter Ropohl
30.10.2010  18:58

Sehr geehrter Dr. Kuhn,

besten Dank für den Hinweis auf Ihren Artikel in “Prävention”. Wir erfahren hier erneut mit grossem Vokabular, was wir im Prinzip schon aus NOVOargumente kannten. Schön, dass Sie dort keinen Widerspruch bekommen werden. Den Prof. Grieshaber hat man ja offensichtlich mundtot gemacht.

Sie postulieren dort erneut die Stichhaltigkeit der Publikation von Pötschke-Langer, Keil et al. Als Studie wurde dieses Propaganda-Papier selbst von den Autoren anfangs nicht tituliert. Die “wissenschaftliche” Basis wurde meines Wissens nie veröffentlicht. Ich lasse mich da aber gerne eines Besseren belehren. Die Mängel allein in der Publikation sind aber überwältigend, wie u.a. auch Prof. Ropohl belegt. Sie greifen Prof. Ropohl’s Verprobung mittels einfacher Dreisatzrechnungen an, indem Sie z.B. unterstellen, die Altersverteilung unter sogen. Passivrauchern und der nicht betroffenen Population sei unterschiedlich. Natürlich ist bekannt, dass es bei solchen Studien (überwiegend Fragebogenaktionen) hunderte von Kreuz- und Quer-Korrelationen gibt und jede Kritik daran angebracht ist. Aber wenn Sie ausgerechnet so einen unwahrscheinlichen Punkt anbringen, können Sie so gut wie jede Studie zum Passivrauch in den Müll treten. Es gibt mittlerweile um die Hundert solcher Studien mit völlig diffusen Ergebnissen. Dagegen hilft auch die von Ihnen genannte und gelobte “Metaanalyse” nicht, es sei denn, man betreibt damit zweckgebundenes “Cherry-Picking”.

Und überhaupt: Was soll Ihr Argument über “zusätzliche” Tote? Zusätzliche Tote gibt es nicht, weil jeder einmal stirbt.
Um wie viel verringert sich die Lebenserwartung durch Umgebungsrauch?

Sie behaupten also weiterhin, man könne mittels dieser Wissenschaft namens “Epidemiologie” berechnen bzw. beweisen, dass von jährlich 850.000 Todesfällen davon 3300 (knapp 4 Promille) auf den erzwungenen Kontakt mit Tabakrauch zurück zu führen seien, obwohl wir davon ausgehen können, dass wenigstens die Hälfte der Toten, also so um die 400.000, in Ihrem Leben mehr oder weniger dem Umgebungsrauch ausgesetzt waren und über 99% davon also keinen Schaden nehmen. Mal im Ernst: Glauben Sie das wirklich?
Zumal seriöse Epidemiologen sagen, dass relative Risiken unter 300% eigentlich im Bereich der statistischen Unsicherheit liegen, weil sie nämlich wissen, wie ungenau ihre Wissenschaft in Wirklichkeit ist. Das gilt um so mehr bei sehr kleinen absoluten Risiken oder Chancen. Nur Medien, Politik und ein gewisses Klientel aus der Wissenschaft bauschen Risiken auf. Only bad news are good news.  Diesen Sachverhalt verleugnen Sie, die Presse, die Politik und grosse Teile der sogen. Wissenschaft.
Seriöse Wissenschaft lebt allerdings vom reproduzierbaren Versuch und nicht vom Mehrheiten-Konsens.
Und genau den reproduzierbaren Versuch gibt es eben in der Epidemiologie zum Passivrauch nicht. Auch das verleugnen Sie.

Es gibt auch nicht die Todesursache “Rauchen” oder gar “Passivrauchen”. Ich bin allerdings sicher, dass die WHO das noch erfindet. Die Frage ist nur, welcher Arzt das dann auf den Totenschein schreibt. Im Gegenteil: es gibt Millionen von Rauchern und Ex-Rauchern in fortgeschrittenem Alter, die sich guter Gesundheit erfreuen und das 300-fache der grauseligen Schadstoffe einatmen, wie es selbst ein hoch exponierter sogen. Passivraucher tut. Bessere Versuche zu den Gefahren des Tabakrauchs kann es gar nicht geben.  Auch diesen Sachverhalt leugnen Sie und glauben lieber an die Geheimwissenschaft “Epidemiologie”, die das aber nach eigenen Grundsätzen, wie oben schon erwähnt, nicht stützt.

Insofern hatte das von Ihnen zitierte Papier des wissenschaftlichen Beirats der Regierung also damals schon ganz recht, obwohl Sie das leugnen wollen, ja sogar Prof. Ropohl in die Schuhe schieben. Die Macht haben bis dato allerdings die Lobbies der NGO’s, ganz ohne Verschwörungstheorie. Die 3300 Toten treten in jeder Gesetzesbegründung zu Rauchverboten auf. Die Steilvorlge für die diversen Organisationen liefert dafür die WHO, eine weltweite Organisation. Sie gibt ja auch z.B. weltweit die Normen für Blutdruckwerte vor - und hat damit Milliarden Menschen zu Kranken gemacht.

Sie gehen sodann umfänglich auf den von Diethelm (ein Tabakfeind, wie belegbar ist) propagierten Begriff “Denialism” ein und erwähnen, wie gewohnt, die verschwörerischen Aktivitäten der Tabakindustrie (die sich allerdings schon längst mit dem Mainstream arrangiert hat). Wir kennen im Rahmen der Verunglimpfung von Andersdenkenden durch Majoritäten (nicht nur in Sachen Tabak) auch noch Begriffe wie “selektive Wahrnehmung” oder “kognitive Dissonanz”. Das klingt doch fast noch besser. Solche Begrifflichkeiten werden mit grossem verbalem Aufgebot von unterschiedlichen Interessenkreisen geschaffen. Man kann sie gut brauchen, wenn die Argumente ausgehen. Es gibt nur ein Problem damit: Die Majorität stellt sich aus Sicht der Minorität umgekehrt genau gleich dar. Wenn Sie bis hier gut gelesen haben, dann haben Sie es vielleicht gemerkt.

Ropohl wolle “...numerische Objektivität suggerieren” ? Wie ist das denn mit den fiktiv berechneten 3301 Toten? Genau die suggerieren doch numerische Objektivität. Bitte verwechseln Sie nicht Ursache und Wirkung der Debatte.

Natürlich sind wir einig, dass es heute viele Wissenschaftszweige gibt, die schwerst durchschaubar sind, häufig aber harte Ergebnisse liefern (Atomphysik, Gentechnik, Computertechnik, Chirurgie) und Sie bestätigen völlig zu Recht, dass es Pseudowissenschaften gibt und auch die Epidemiologie ein gutes Mass an Skepsis verdient. Nur kommen wir eben aus völlig verschiedenen Blickwinkeln zu völlig verschiedenen Interpretationen. Aber harte und belastbare Ergebnisse liefert die Epidemiologie jedenfalls nicht.

Sie reden sodann noch der Propaganda für jegliche Wissenschaft durch jegliche Mediendarstellung das Wort. Diese Methode missbillige ich. Wissenschaft hat durch konsistente Ergebnisse und widerspruchsfreie Schlussfolgerungen zu überzeugen und nicht durch Sensationen - es sei denn, es wären wirklich welche.


PS:
Wie kommen sie eigentlich darauf, dass Prof. Ropohl so gut für Armut oder Mangel an Trinkwasser auf dem Globus zuständig sein könnte, wie die WHO? Soll er auch noch die Malaria bekämpfen?

Werner Paul
31.10.2010  18:48

Joseph Kuhn stellt die Frage:
“Nicht nachvollziehbar ist, wie daraus der Vorwurf einer „weltweiten Verschwörung“ in der Wissenschaft wird, so als ob die gesamte Wissenschaft ihre Befunde auf diese Strategie hin fabrizieren würde. Wie könnte so etwas überhaupt funktionieren, mit hunderten, wenn nicht tausenden von Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen”

Ich habe in meinem Kommentar von 27.10.2010 14:45 die Frage eigentlich beantwortet. Ich will das nochmal ausführlicher formulieren.
Eine de facto Verschwörung erfordert keine explizite gemeinsame Absprache unter den Beteiligten, es reicht, wenn Anreize vorhanden sind oder geschaffen werden, auf ein gewisses Ziel hinzuarbeiten. Vielleicht sagt Ihnen ClimateGate etwas ...

Der wohl stärkste Anreiz ist finanzieller Art.
Wie bereits in einem obigen Kommentar erwähnt, wird z.B. ASH-UK weitgehend vom Staat unterstützt.
Um noch grössere Beträge geht es bei der Robert Wood Johnson-Stiftung, die fast Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge an die reine Propagandaorganistion Tobacco-Free Kids (TFK) überweist (http://snipurl.com/1dghwm). Durch intensive Lobbyarbeit (in direkter Zusammenarbeit mit Philip Morris!) ist es TFK gelungen, die Regulierung von Tabakprodukten der FDA zu unterstellen. Im Beratungsausschuss sitzen Vertreter der Pharmaindustrie. (http://snipurl.com/1dgv79)
Die Robert Wood Johnson ist der grösste Aktionär von Johnson & Johnson, wozu auch Pfizer gehört.
Keine Verschwörung?

Das Personal der Genfer Organisation zur Vorbeugung gegen Tabakkonsum CIPRET wird grosszügig vom Kanton Genf besoldet und erhält jährlich gegen eine Million Franken an Zuwendungen. CIPRET hatte damit Mittel im Überfluss, um eine beispiellose Werbekampagne im Vorfeld der Volksabstimmung für das Rauchverbot zu finanzieren. Nur die Lügen, die in der Werbekampagne verbreitet wurde, waren kostenlos.
Keine Verschwörung?

Eine andere Art von Anreiz sind persönliche Motive, wie missionarischer Eifer oder gar Hass auf die Raucher.
Lebende Beispiele dafür sind in einigen Kommentaren weiter oben zu finden. Man findet diese Art aber auch bei “Wissenschaftlern”, wie dem bekannten Stanton Glantz oder bei Anwälten, wie dem Gründer von ASH-USA John F. Banzhaf III (“Mr. Anti-Smoking”) (http://banzhaf.net/). Glantz verdient seinen gesamten Lebensunterhalt mit Anti-Tabak-Agitationen.

Eine weltweite Verschwörungsplattform von Tabakgegnern ist http://www.globalink.org, eine geschlossene Gesellschaft, die auch von den Segnungen der Pharmaindustrie profitiert. Globalink hat einen lesenswerten Strategieplan veröffentlicht (http://strategyguides.globalink.org/main_guides.htm). Globalink arbeitet auch mit negativen Anreizen: wer sich nicht dem “wissenschaftlichen” Konsens zum Thema Passivrauchen unterwirft, wird aus der illustren Gesellschaft ausgeschlossen (http://snipurl.com/1dh882).
Keine Verschwörung?

Ben Palmer
31.10.2010  22:33

Sehr geehrter Herr Paul,
die Epidemiologie ist keine „Geheimwissenschaft”. Dieser Begriff ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Berechnungen zu den Passivrauchtoten lassen sich nachprüfen, man kann die Grundlagen dieser Berechnung natürlich auch kritisieren, das ist nicht das Problem. Genauso, wie jede andere epidemiologische Studie, übrigens auch jedes Laborexperiment, für Kritik offen sein muss – sonst wäre es eben keine Wissenschaft. Daraus folgt im Umkehrschluss aber nicht, dass daraus kein Mehr an Wissen resultieren kann. Vermutlich sind auch Sie froh, dass Ihnen Ihr Arzt im Falle eines Falles nicht mehr Vioxx verschreibt – ohne Epidemiologie gibt es z.B. auch keine Arzneimittelsicherheit.

Sehr geehrter Herr Palmer,
Sie verweisen in Ihrem letzten Link auf den „Fall Michael Siegel“. Das ist in der Tat ein Fall, aus dem sich viel lernen lässt, vor allem, wenn man den „Fall Jeffrey Wigand“ parallel betrachtet, siehe dazu auch das Ende dieses Postings.
Dass es unter den Studien über die Folgen des Passivrauchens auch schlechte Studien gibt, ist keine Frage. Diese Forschung ist wie jede Forschung weder fehlerfrei noch frei von menschlichen Schwächen. Nur was folgt wissenschaftlich daraus? Doch nicht, dass die gesamte Studienlage zum Passivrauchen schlecht ist, von den epidemiologischen bis hin zu den toxikologischen Studien. Das formuliert Michael Siegel unmissverständlich:
„As I’ve stated before, the science is good enough. We don’t need to distort it. We don’t need to make it up. We don’t need to cherry-pick. We don’t need to make implausible claims. The truth is good enough.”
Michael Siegel hält den wissenschaftlichen Konsens in dieser Frage für belastbar. Das könnten Sie der Fairness halber, wenn Sie sich auf ihn berufen, dazusagen. Er ist kein Kronzeuge für die angebliche „Passivrauchlüge“.

Sehr geehrter Herr Ropohl,
am Ende meines vorherigen Postings habe ich gesagt, dass man es für unzumutbar halten kann, wenn man zum Rauchen vor die Gaststättentür muss – oder für zumutbar. Sie werden mir vermutlich zustimmen, dass das keine wissenschaftliche Frage ist, sondern eine des gesellschaftlichen Umgangs mit Risiken. Wäre der Volksentscheid in Bayern anders ausgegangen, hätte man eben damit leben müssen. Auch das hätten sicher viele Menschen als unzumutbar empfunden. Sie halten umgekehrt das Rauchverbot in Gaststätten für unzumutbar und sehen darin eine Gefährdung der Demokratie. Aber gehört es nicht gerade zu den Fortschritten eines zivilgesellschaftlichen Zusammenlebens, dass man auch Dinge akzeptiert, die die Mehrheit für zumutbar hält, man selbst dagegen nicht (natürlich in den Grenzen, die die Verfassung vorgibt)? Dass das schön ist, behaupte ich nicht, aber vielleicht ist es die einzige Alternative dazu, Politik nach einem „Freund-Feind-Schema“ zu betreiben.

Joseph Kuhn
01.11.2010  14:44

Sehr geehrter Herr Kuhn,

Sie zitieren Prof. Michael Siegel wie folgt:

«As I’ve stated before, the science is good enough. We don’t need to distort it. We don’t need to make it up. We don’t need to cherry-pick. We don’t need to make implausible claims. The truth is good enough.»

Die von Ihnen zitierte Aussage scheint mittlerweile obsolet zu sein. Inzwischen hört man von Prof. Siegel:

«The scientific standards of the tobacco control movement are rapidly crumbling.
And the ethical standards don’t seem to be that far behind.»

Christoph M. Suter
01.11.2010  18:49

Sehr geehrter Dr. Kuhn,

Ihr Hinweis auf VIOXX im Zusammenhang mit Epidemiologie bringt mich ein bisschen auf die Palme. Ich habe zwar Null Ahnung von Pharmakologie aber auf NSAR bin ich seit ca. 20 Jahren wegen ungeklärter sporadischer und diffuser Schmerzen in den Beinen und Füssen (nein, keine PAV) angewiesen. Deshalb interessiert mich das und ich habe auch einige Jahre VIOXX genommen und musste dann kein zusätzliches Medikament gegen den verdrehten Magen nehmen. Nun zum Sachstand, obwohl er auf den ersten Blick ziemlich “off Topic” erscheint:

Wenn ich mich nicht irre, mussten zur Zulassung von VIOXX wie bei jedem Arzneimittel epidemiologische Studien durchgeführt werden. Ergab das eine Beweiskraft oder war es einfach ein Irrtum?
Sodann hat der Hersteller das Medikament aus Angst vor dem amerikanischen Rechtssystem (= legalisierte Erpressung) und vermutlich auch noch anderen Druck und (Vertriebs-) politischen Überlegungen vom Markt genommen. Die “Epidemiologie” dazu sah ungefähr so aus:

In der Kohorte (zum Zweck einer weiteren Zulassung zur Darmprophylaxe), die VIOXX einnahm, hatten 48 ein “thrombotisches Ereignis”, in der Plazebo-Gruppe nur 27. Sie müssten es besser wissen als ich, dass das gut purer Zufall gewesen sein kann. Mit Fallzahlen unter 1000 muss man eigentlich in der Epidemiologie gar nicht anfangen. Darunter braucht man auch nicht mit den gerne publizierten Konfidenzintervallen kommen. Die von Ihnen in anderem Zusammenhang geforderte Altersstandardisierung können Sie bei diesen geringen Fallzahlen (bei gleichzeitig vielen anderen Korrelationen) mit Sicherheit nicht erwarten.

Gleichzeitig aber war offensichtlich in der Fachwelt schon der Verdacht vorhanden, dass NSAR, insbesondere aber die modernen COX-2-Hemmer, das Herz-Kreislaufrisiko erhöhen könnten. Die Belastung des Magenmilieus war bei den COX-1-Hemmern bekannt. Coxibe konnten das reduzieren. Das war 2004. Es brachen weitere (epidemiologische) Studien und Beurteilungen los.

Und was glaubt man nun (2010) glauben zu müssen?: Sowohl klassische NSAR als auch die modernen Coxibe (=COX-2-Hemmer) scheinen das Risiko für thrombotische Ereignisse zu erhöhen. Man hat deshalb die Warnungen in allen Beipackzetteln ergänzt. Ganz aus der Reihe tanzt allerdings Aspirin (ASS), das weiterhin zur Prophylaxe gegen thrombotische Ereignisse massenhaft verordnet wird. Aspirin muss man allerdings schon fast packungsweise verzehren um starken Entzündungsschmerz zu unterdrücken, mit entsprechenden Folgen für den Magen. Studienlage zusammengefasst: Nichts genaues weiss man nicht - ähnlich wie beim Umgebungsrauch.

Andere COX-2-Hemmer blieben trotz des Aufstands am Markt, aus welchen Gründen auch immer. Der Skandal um VIOXX war wahrscheinlich eine Ente. Bewiesen hat also die Epidemiologie auch hier letztlich nichts, sondern nur Vermutungen geschürt.

Harter Fakt ist allerdings, dass besagte Medikamentengruppe Millionen von Menschen in der Bekämpfung von entzündungsbedingten Schmerzen hilft.

Ähnlich erging es übrigens Lipobay. Man hat es zwar vom Markt genommen, verschreibt aber unvorstellbare Mengen von anderen Statinen, um das Cholesterin zu senken. Und das, obwohl das “Cholesterin-Gebäude” eigentlich schon längst eingebrochen ist - epidemiologisch gesehen, übrigens. Nun ist mir allerdings nicht geläufig, ob die Grenzwerte für Cholesterin von der WHO fest gesetzt wurden.

Werner Paul
01.11.2010  23:22

Herr Kuhn, gehört es nicht gerade zu den Fortschritten eines zivilgesellschaftlichen Zusammenlebens, dass man auch akzeptiert, dass nicht alle Menschen die gleichen Bedürfnisse und Vorlieben haben, und nicht versucht, einer Minderheit die Vorstellungen einer Mehrheit aufzudrängen? Insbesondere wenn diese Mehrheit in keiner Weise gezwungen wird, den Lebensstil der Minderheit zu adoptieren.
Ich denke da an freie Wahl der Religion (niemand wird gezwungen, in eine Synagoge oder Moschee zu gehen), der sexuellen Orientierung (niemand wird gezwungen, sich in eine Strip- oder Homosexuellen-Bars aufzuhalten), der Körperkultur (niemand wird gezwungen, sich an einem Nacktbadestrand an die Sonne zu legen), des Zivilstands (niemand wird gezwungen, sich mit seinem Partner zu verheiraten).

Die moderne Form des zivilgesetzlichen Zusammenlebens leidet darunter, dass man das Individualverhalten zusehends über gesetzliche Regelungen plattzuwalzen versucht. Im Falle der Rauchverbote besonders stossend ist die Tatsache, dass man sich der Nichtraucher bedient, indem man ihnen Angst vor einer fiktiven Gefahr einredet, um sie dazu zu bewegen, die Raucher aus allen öffentlich zugänglichen (aber privaten) Räumen zu vertreiben.

Übrigens: die Verfassung einer modernen Rechtsstaates garantiert nicht nur den Schutz von Minderheiten sondern auch die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Darüber hinaus gilt das Prinzip der Verhältnismässigkeit (http://goo.gl/RqIkM).

Ben Palmer
02.11.2010  03:24

Herr Kuhn,

Sie sprechen ja pro domo und verteidigen die “Familienehre” der Tabakkontrolle. Sie gehören ja zusammen mit ein paar Ihrer Kollegen am bayerischen Landesamt für Gesundheit zur deutschen Tabakkontroll-Community und werden nächsten Monat auf deren alljährlichen “Familientreffen” in Heidelberg einen Vortrag zur Ketzerverbrennung, pardon, gegen die bösen “Denialisten”, halten. Es würde mich auch wundern, wenn auf Ihrem Amt niemand beim schon erwähnten GLOBALink registriert wäre, der (u.a. (u.a. von Pfizer gesponsertern) internationalen Vernetzung für Anti-Tabak-Propaganda im wissenschaftlichen Mäntelchen. Sie sind ja Teil des globalen Zitierkartells, das mit daraus entstanden ist.
Auch Ihre Publikationen zum Thema, Joseph Kuhn, sind wissenschaftlich eingekleidete Begleitmusik von Tabak-Regulierung. In einem Artikel lamentieren Sie über “pseudowissenschaftliche Argumentationen im Dienste außerwissenschaftlicher Interessen”. Den Splitter im Auge des Nächsten erkennen immer die am besten, vor deren Kopf sich eine ganze Holzhandlung befindet.

Christoph Lövenich
04.11.2010  01:20

So wie Joseph Kuhn in seiner Publikation das Hohelied der evidenzbasierten Epidemiologie und der Meta-Studien singt, kann ich auch ein Lied singen, das Lied der Bürgerdesorientierung.

Leider haben epidemiologische Publikationen über die Auswirkung von Rauchverboten auf Herzinfarktraten immer wieder schwerwiegende Mängel nicht nur in den Methoden sondern auch in der Interpretation der Ergebnisse gezeigt. Kein Wunder, dass Skeptiker leichtes Spiel haben und dass die Epidemiologie einen schlechten Ruf hat.

Lassen Sie mich das am Beispiel einer dieser “komplexen” Meta-Studien illustrieren.
2009 wurde die Studie “Cardiovascular Effect of Bans on Smoking in Public Places”, David G. Myers et al publiziert http://content.onlinejacc.org/cgi/content/full/54/14/1249.

Meyers zur Presse: “Within minutes of the ban, it is going to start having an effect on heart attacks”. [ätiologische oder epidemiologische Evidenzbasis?]
Das Ergebnis der Meta-Studie war ein Rückgang der Herzinfarktraten von 17%. Als Basis dienten 11 Studien, die in medizinischen Journals und Bibliographien gefunden wurden. Meyers et al. übersahen dabei, dass statistisch weitaus verlässlichere Daten NICHT in wissenschaftlichen Publikation (honoriert) zu finden sind, sondern in Krankenhausstatistiken (kostenlos). Krankenhausstatistiken, die übrigens die entsprechenden “epidemiologischen Studien” Lügen strafen.
http://netzwerk-rauchen.de/analysen-a-fakten/397-science-das-infarktwunder-entlarvt.html
http://netzwerk-rauchen.de/passivrauch/526-die-wundersame-wirkung-von-rauchverboten.html

Die Nachricht vom Herzinfarktwunder hatte bereits den Globus umrundet, bevor sich die Wahrheit nur die Schuhe anziehen konnte. Sogar das Institute of Medecin kam zum Schluss, dass Rauchverbote in der Gastronomie Tausende von Herzinfarkte vermeiden helfe, allerdings so genau festlegen wollte es sich nicht:
“The studies calculated that reductions in the incidence of heart attacks range from 6 percent to 47 percent. Given the variations in how the studies were conducted and what they measured, the committee could not determine more precisely how great the effect is.”

Und dann hatte endlich die Wahrheit die Schnürsenkel gebunden, denn kurze Zeit nach der Publikation ihrer Studie schoben Meyers et al. eine zweite Publikation nach, die allerdings die Reise um den Globus gar nicht antreten wollte und still in ihrer Ecke sitzen blieb. Die Medien erfuhren nichts darüber. Sie erfüllte, trotz oder infolge prägnanter Kürze, auch nicht die Forderung nach Bürgerorientierung, die Herrn Kuhn so wichtig ist. Das Ergebnis der Studie unterscheidet sich damit nicht vom Trend der Herzinfarktraten dort wo kein Rauchverbot in Kraft ist (5-10%). Die Studie hat ihren Beweis nicht angetreten, dass Rauchverbote innerhalb von Minuten einen Effekt erkennen lassen; sie ist wertlos geworden, nichts als heisse Luft.
http://content.onlinejacc.org/cgi/content/full/54/20/1902-a

Wo viel Geld ist, wird viel Stroh gedroschen: Robert Wood Johnson Foundation als Geldgeber für Anti-Tabak-Agitation http://snipurl.com/1dghwm

Ben Palmer
21.11.2010  12:12

Offenbar fehlt in meinem obigen Kommentar ein Satzteil. “Das Ergebnis der Studie unterscheidet ...” muss wie folgt ergänzt werden:

Das Ergebnis der Studie hat sich infolge der Korrektur von 17% auf 8% verringert und unterscheidet sich damit nicht ...

Ben Palmer
21.11.2010  23:59

Joseph Kuhn verweist auf das vom ihm verfasste Papier “Gesundheitspolitik zwischen
Evidenzbasierung und Bürgerorientierung”. In der Zusammenfassung ist zu lesen: “Epidemiologie ist in besonderer Weise auf eine seriöse Vermittlung ihrer Ergebnisse für die Öffentlichkeit angewiesen.”

Da kann man dem Autor nur beipflichten. Nur geht es wohl eher und vordringlich darum, die wissenschaftlichen Zusammenhänge den Entscheidungsträgern für allfällige gesundheitswirksame Massnahmen, nämlich unseren Politikern, verständlich zu machen. Wie Kuhn richtig bemerkt, kommt es in der Diskussion um wissenschaftliche Erkenntnisse und deren Relevanz für gesundheitspolitische Entscheidungen zum Ausschluss vieler Menschen aus der Debatte (aus der wissenschaftlichen Debatte und nicht nur, wie Joseph Kuhn schreibt, aus der politischen).

Joseph Kuhn schreibt weiter “Aus diesem Informationsangebot resultiert für „Laien“ jedoch nur dann mehr Transparenz, wenn sich die Informationen ohne fundierte fachliche Kenntnisse erschließen lassen. Dies ist häufig nicht der Fall, insbesondere wenn es um wissenschaftliche Studien geht.” Das ist eine direkte Aufforderung an Wissenschaftler, für mehr Transparenz zu sorgen. Offensichtlich und nachweislich lassen sich manche Wissenschaftler von anderen Motiven leiten, wenn sie ihre Kenntnisse publizieren und lassen deshalb Transparenz vermissen. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, besonders wenn sie politische Auswirkungen haben, kritisch unter die Lupe genommen werden. Aber das will Joseph Kuhn verhindern, indem er kurzum alle Argumente, die seinen Ansichten widerlaufen, als Pseudowissenschaft abkanzelt. Wo da mehr Transparenz entstehen soll, ist nicht klar.

Nach welchen Kriterien er die Aufteilung in Wissenschaft und Pseudowissenschaft vornimmt, entzieht sich unserer Kenntnis, aber offenbar kann man diese Unterscheidung anhand der Kopfbewegung der Person vornehmen, die wissenschaftliche Publikationen kritisch analysiert. Dazu teilt man die Menschen in zwei Klassen ein. Diejenigen die nicken, wenn sie eine Studie lesen und diejenigen, die den Kopf schütteln. Letztere nennt man Pseudowissenschaftler, auch Leugner oder “Denier”. Den Beweis für seine These bezieht Joseph Kuhn aus der hochwissenschaftlichen und peer-reviewten Abhandlung von Diethelm und McKee über Denialism (die in sich selbst ein Beispiel für Denialism ist).

Ben Palmer
23.11.2010  13:36

Novo-Autor Christoph Lövenich hat heute im NovoBlog einen Beitrag über die Reaktionen der Rauchgegner u.a. auf Ropohls obigen Artikel veröffentlicht:

Novo als Hort der Leugner, oder: „Haltet den Dieb!“
Von Christoph Lövenich
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000765

Lesenswert zum Thema ist auch:

Asche auf ASH‘s Haupt
Rauchverbote haben Hochkonjunktur. Lobbying gegen Tabak hat auch in Großbritannien eine lange Tradition. Christoph Lövenich entschlüsselt die Hintergründe.
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo108_60/

Thomas Deichmann (NovoArgumente)
15.12.2010  10:35

Und wieder einer dem Nichtraucher nur recht   sind solange sie die Rücksichtlosigkeit der Raucher unterstützen,Wehe wenn sie sich dagegen auflehnen.Dann kommt gleich der Weltuntergang weil bestimmte Leute ihrer Sucht nicht mehr ungefragt fröhnen können

Don Pedro
16.10.2011  20:09

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